Videobewerbung-VideokonferenzSie haben sich bei einem erstklassigen Unternehmen beworben, die Bewerbungsunterlagen sind verschickt und haben einen guten Eindruck hinterlassen. Doch was folgt, ist nicht die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, sondern die Einladung zu einem Telefoninterview. Und Ihr Bauchgefühl sagt: Das ist ein ganz schlechtes Zeichen!

Ist es aber nicht. Wenn die Bewerberzahlen steigen, greifen Personalverantwortliche gerne auf diese Methode zurück, um mehr Bewerber in einer kürzeren Zeit zu scannen und nebenbei zu erstattende Fahrtkosten zu sparen sowie eine erste Vorauswahl zu treffen. Die gute Nachricht daran: Wenn Sie zum Telefoninterview eingeladen wurden, stehen Sie immerhin schon in der engeren Auswahl. Allerdings – und das ist die schlechte Nachricht – hat die Papierform noch nicht so überzeugt, dass Sie Ihr künftiger Chef oder der Personalmanager Sie sofort persönlich einbestellen wollte, um Ihnen den neuen Arbeitsvertrag gleich in die Hand zu drücken. Zu diesem Zeitpunkt möchte man sich erst noch aussagekräftigeres Bild von Ihnen verschaffen, ohne dazu allzu großen Aufwand für beide Seiten zu betreiben. Schätzungsweise sind für die Stelle also noch fünf bis zehn Kandidaten im Rennen. Legen Sie sich deshalb hierfür noch einmal richtig ins Zeug.


Das Telefoninterview hat spezifische Vor- und Nachteile

Der Vorteil des körperlosen Bewerbungsgesprächs besteht darin, dass Zappeln und nervöse Mikrogesten überwiegend ausgeblendet werden und kaum einem auffallen. Sie können dabei mit den Füßen wippen, die Beine zittern lassen und sich den Handschweiß abwischen – und keiner merkt es. Gerade schüchterne Menschen, die im direkten Kontakt eher unsouverän wirken, können am Telefon punkten. Auch sitzen oder stehen Sie dabei in Ihren eigenen vier Wänden. Auch das minimiert den Stress und gibt Ihnen mehr Rückhalt.
Für Menschen mit gut ausgebildeter Körpersprache hingegen ist ein Telefoninterview ein Verlust. Wer seine Aussagen durch passende Gesten unterstreicht und damit überzeugender auf andere wirkt, verliert diesen Bonus am Telefon. Die gelöste Atmosphäre kann zudem zu fehlender Ernsthaftigkeit führen – wenn Sie das zulassen. Außerdem setzen manche Unternehmen auf Überraschungsanrufe ohne Terminabsprache und lösen so bewusst Stress aus (Anrufbeantworter-Ansage checken!).

So wird das Telefoninterview ein Erfolg

Sobald Sie den Hörer abgenommen haben, sollten Sie das Gespräch nutzen, um alle Ihre Vorzüge noch einmal mit Nachdruck darzustellen, sich (akustisch) noch besser in Szene zu setzen als bisher und durch eine gute Gesprächsatmosphäre zu punkten. Voraussetzung ist allerdings, dass Sie sich auf das Telefoninterview gründlich vorbereiten. Idealerweise geschieht dies so:

  • Als Erstes sollten Sie in Erfahrung bringen, wie lange das Gespräch voraussichtlich dauern wird – falls dies nicht schon angegeben wurde. Nur so können Sie sich auch ausreichend Zeit dafür reservieren. Und nicht zuletzt können Sie aufgrund der veranschlagten Zeit grob abschätzen, welche Fragen man Ihnen stellen wird. Bei einem 20-minütigen Interview geht es meist nur um ein paar Basisinformationen zu Ihrer Person, ein paar Rückfragen zum Lebenslauf, eventuelle Lücken, die geklärt werden sollen. Dauert das Gespräch indes eine Stunde sollten Sie mit tiefergehenden Fragen rechnen und sich wie auf ein umfassendes Vorstellungsgespräch vorbereiten – mit Fragen zu Ihrer Persönlichkeit, zu Ihren Plänen und Zielen, eigenen Rückfragen.

    Bonustipp: Wenn Sie den Namen Ihres Gesprächspartners kennen, informieren Sie sich vorab über Netzwerke wie Xing oder Linked über ihn und googeln Sie seinen Namen. So nehmen Sie ihm nicht nur den Schleier des Unbekannten – Sie finden so auch Anknüpfungspunkte fürs Gespräch (“Ich habe gelesen, Sie sind auch ein großer Indien-Fan…”).

  • Sorgen Sie für Ruhe. Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem beklagen zahlreiche Personaler immer wieder, dass dieser Punkt vernachlässigt wird. Radio, TV, Musik im Hintergrund sind absolut tabu. Ebenso Straßenlärm (wegen geöffneter Fenster) und schon gar nicht sollten Sie bei dem Gespräch in einem Café sitzen. Das konterkariert die Ernsthaftigkeit Ihrer Bewerbung. Aber auch Babygeschrei oder spielende Kinder im Hintergrund sind hinderlich. Davon abgesehen, dass es für den Interviewer sehr unangenehm ist, sich zwischen den Störquellen auf Ihre Antworten zu konzentrieren – die subtile Aussage, die Sie damit machen, ist: Meine Priorität gehört dem, was da im Hintergrund passiert. Du (und der Job) bist nur zweite Wahl. Nicht gerade das, was man unter einem hochmotivierten Bewerber versteht.

    Bonustipp: Checken Sie vorab auch, ob Ihr Stuhl fies knarzt. Damit würde Ihr aufgeregtes Schaukeln darin sofort hörbar. Aber auch so wirkt das wenig professionell.

  • Benutzen Sie ein richtiges Telefon, kein Handy. Oder stellen Sie sicher, dass der Akku voll aufgeladen und die Verbindung standfest ist. Im Grunde geht es bei diesem Punkt um dasselbe wie beim vorherigen. Wenn Sie für eine gute Verbindung und eine sichere Leitung sorgen, unterstreicht dass Ihre Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt. Wer schon bei der Bewerbung auf solche Details achtet, wird später im Job nicht schlampig sein.

    Bonustipp: Falls Sie es sich leisten können, investieren Sie etwas Geld in ein gutes Headset. So haben Sie beim Interview die Hände frei, können damit Nervosität wegfuchteln oder leise Unterlagen durchblättern.

  • Legen Sie sich Ihre Bewerbungsunterlagen zurecht. Sie sollten auf alle Seiten einen schnellen Blick werfen können (ohne lange zu blättern) und natürlich Ihre eigenen Daten im Kopf haben. Wann immer eine Rückfrage dazu kommt, sollten Sie diese rasch beantworten können. Falls vorhanden, sollten Sie sich ebenso die Stellenausschreibung daneben legen.

    Bonustipp: Erwischt Sie ein Überraschungsanruf im ungünstigsten Moment, dürfen und sollten Sie darum bitten, den Termin zu verschieben. Bieten Sie aber von sich aus gleich Ausweichtermine an.

  • Stellen Sie sich etwas zu trinken in die Nähe – am besten ein Glas stilles Wasser. Das können Sie heimlich trinken, wenn der Mund vor Nervosität trocken wird (Bei Wasser mit Kohlensäure laufen Sie Gefahr, häufiger aufstoßen zu müssen. Unschön!). Aber wirklich nur heimlich. Deshalb sollten Sie während des Interviews auch nicht Rauchen, Kaugummi kauen oder sonst irgendetwas essen. Das hört man und es wäre ein schlimmer Fauxpas.

    Bonustipp: Lächeln Sie viel. Das ist durchaus hörbar und macht Sie sofort sympathischer.

  • Ziehen Sie sich offiziell an. Dieser Tipp wirkt zunächst recht ungewöhnlich, da es doch um ein Telefoninterview geht, kein Videointerview. Aber die Wahl unsere Kleidung wirkt unterbewusst auf unser Verhalten. Aus demselben Grund empfehlen Psychologen etwa auch Schuhe, Krawatte und Hemd im Heimbüro anzuziehen – und nicht bloß einen Bademantel. Kleiden Sie sich also so, als würden Sie zu einem Vorstellungsgespräch gehen. Kann sein, dass dies das Lampenfieber kurzfristig erhöht, aber das Adrenalin macht Sie auch aufmerksamer und verbessert Ihren Auftritt.

    Bonustipp (für Frauen): Große Ohrringe können am Hörer unangenehm klappern, vorher rausnehmen!

  • Entspannen Sie sich (trotzdem). Es ist nur ein Telefoninterview. Sie können sich also ganz auf Ihre Aussagen und Ihre Stimme konzentrieren. Versuchen Sie keine Stakkato-Antworten mit weniger als zehn Worten zu geben, erzählen Sie aber auch keine Romane. Plaudern Sie ein wenig über Ihre Motivation, Ihre Qualifikationen, Ihre Eignung. Wenn Sie zu jeder Frage zwischen zwei und vier Minuten etwas sagen können, liegen Sie genau richtig.

    Bonustipp: Schaffen Sie von Anfang an eine gute Atmosphäre durch etwas Smalltalk. Eine kurze Frage nach dem bisherigen Tag des Gesprächspartners oder dem vergangenen Wochenende kann Wunder wirken.

  • Manche Menschen verfallen am Telefon automatisch in einen umgangssprachlichen Ton. Bei einem Bewerbungsgespräch tödlich! Achten Sie also auf Ihren Wortschatz. Formulierungen à la “Da hab ich voll Bock drauf” sind ebenso unangebracht wie Kraftausdrücke oder der übermäßige Einsatz von Füllwörtern wie “äh” und “öhm”. Bei einem Telefoninterview eines internationalen Großkonzerns kann es zudem passieren, dass der Interviewer plötzlich ins Englische wechselt. Erwarten Sie das und bleiben Sie ruhig dabei. Ein seriöser Interviewpartner wird Ihnen Zeit geben, gedanklich umzuschalten. Überhaupt: Haben Sie keine Furcht vor Pausen. Die sind in jedem Gespräch normal – fallen nur in dieser Situation mehr auf. Halten Sie solche Pause ruhig aus – oder besser: Nutzen Sie diese rhetorisch. Zum Beispiel um einem Punkt mehr Nachdruck zu verleihen oder um Ihre Gedanken zu sammeln und Gesagtes zu überdenken. Falls Sie merken, etwas nicht verstanden zu haben, fragen Sie bitte nach. Das ist keine Schande. Womöglich war die Verbindung auch gerade schlecht. Bei allem aber gilt: Fallen Sie dem Interviewer nie ins Wort und lassen Sie ihn immer ausreden – schließlich ist er in der Regel derjenige, der das Gespräch führt.

    Bonustipp: Merken Sie sich den Namen des Interviewers und sprechen Sie ihn damit immer wieder an (nur bitte nicht zu oft – Verkäuferjargon!). Das gilt besonders für den Abschied: “Herr/Frau [...], ich danke Ihnen für das nette Gespräch!”

Tipps für das Video-Interview

Etwas komplizierter wird der Fall, wenn das Bewerbungsgespräch per Skype & co. durchgeführt werden soll. Also wenn zu der Stimme nun auch Ihre Körpersprache und Mimik hinzukommen – jedenfalls in dem für die Webcam sichtbaren Bereich. In diesem Fall gelten zwar alle oben erwähnten Punkte auch weiterhin – es kommen aber auch ein paar neue hinzu:

Empfehlungen von Profis

  1. Ziehen Sie zum Videointerview zwar eine seriöse Kleidung an (Anzug, Kostüm), aber auch eine, in der Sie sich wohl fühlen. Das sieht man Ihnen sprichwörtlich an.
  2. Etwas Maske muss sein, auch bei Männern. Ein glänzendes Gesicht wirkt einfach unschön. Puder hilft. Wer keines hat, kann sein Gesicht auch vorsichtig (!) mit einem Papiertuch abrubbeln.
  3. Zeigen Sie sich von Ihrer Schokoladenseite. Jeder Mensch hat eine Gesichtshälfte mit der er besser aussieht. Finden Sie heraus, welche das ist – und stellen Sie die Kamera so hin, dass diese optimal zur Geltung kommt.
  4. Sprechen Sie stets in verständlichen, einfachen und nicht gestelzten Worten. Vor allem aber: Formulieren Sie kurze Hauptsätze.
  • Investieren Sie in eine gute Kamera, mehr noch aber in ein ordentliches Headset und Mikrofon. Der Ton ist bei solchen Videokonferenzen essenziell, aber Sie wollen natürlich auch ein möglichst gutes Bild von sich machen und nicht unschmeichelhaft verzerrt aussehen. Sparen Sie also nicht am falschen Ende.
  • Sorgen Sie für eine gute Atmosphäre. Damit ist nicht gemeint, dass Sie das Licht dimmen und ein paar Kerzen anzünden. Vielmehr sollten Sie darauf achten, dass der Hintergrund Sie beispielsweise nicht komprommittiert – etwa durch peinliche Bilder an der Wand oder einen unaufgeräumten Schreibtisch. Zudem sollten Sie das Licht geschickt setzen. Strahlt es senkrecht von oben, entstehen hässliche Schlagschatten unter den Augen. Von der Seite sieht es zwar dramatisch aus, rückt Sie aber in ein allzu theatrales Licht. Besser ist Licht von vorne und leicht von unten. Verwenden Sie aber bitte keinen Strahler, sondern nur diffuses oder indirektes Licht. Das schmeichelt immer.
  • Üben Sie. Und zwar mit Freunden vor dem Gespräch. Spielen Sie am PC eine Bewerbungssituation durch, lassen Sie sich kritische und überraschende Fragen stellen und zeichnen Sie die Bilder auf – wie Sie reagieren, wie Ihre Stimme klingt, wie sich Ihre Mimik verändert. Hüten Sie sich aber davor, Antworten einzustudieren. Das mögen Personaler gar nicht.