Urlaubsreif
Stress ist im Grunde ein wichtiger Mechanismus des Körpers, denn er lässt uns zur Höchstform auflaufen. Cortisol und Adrenalin schießen ins Blut und sorgen dafür, dass Gehirn und Muskeln schneller reagieren. Gesunder Stress macht aufmerksamer, fitter und leistungsfähiger. Zum Problem wird der Stress erst dann, wenn er zum Dauerzustand geworden ist. Und genau das ist bei vielen Arbeitnehmern der Fall. Sie verlangen sich alles ab, stehen unter Dauerstrom und ständigem Leistungsdruck. Doch der Körper ist keine Maschine. Dann schlägt Leistung in Erschöpfung um. Woran Sie merken, dass Sie überarbeitet sind und eine Auszeit brauchen...

Stress und Hektik bestimmen unser Leben

Stress ist zu einem Massenphänomen geworden. Fast sechs von zehn Deutschen empfinden ihr Leben als stressig. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse hervor. Besonders Angestellte stehen unter Dauerdruck. Das große Arbeitspensum, Termindruck, die ständige Erreichbarkeit sowie die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen ihnen zu schaffen.

Berufstätige zwischen 30 und 40 Jahren leiden unter einer Doppelbelastung, weil sie sich in einer Lebensphase befinden, in der die Familiengründung mit wichtigen Karriereschritten zusammenfällt. Tatsächlich leiden die meisten weniger an körperlicher Überlastung, sondern vielmehr unter seelischem Druck.

Schnell entsteht aus Stress Unzufriedenheit im Job. Man fühlt sich in dem aktuellen Arbeitsumfeld nicht mehr wohl. Die Arbeit macht keinen Spaß mehr, sondern überfordert einen nur. Ein Zustand dauerhafter Unzufriedenheit hinterlässt seine Spuren in der Psyche. Depressionen sind die Folge.

10 Anzeichen, dass Sie überarbeitet sind

  1. Sie kommen morgens kaum aus dem Bett.

    Der Wecker klingelt, doch Sie können sich einfach nicht dazu aufraffen aufzustehen. Die Nacht war nicht erholsam und sie fühlen sich immer noch hundemüde. Also snoozen. Letztendlich müssen Sie sich dazu zwingen und schleppen sich mehr oder weniger zur Arbeit.

  2. Ihre Kollegen nerven nur noch.

    Ein Kollegen telefoniert lautstark und Sie könnten ihn dafür erwürgen. Der Praktikant hat etwas ausgedruckt und vergessen Papier nachzulegen. Kleinigkeiten, über die Sie normalerweise hinwegsehen können, beginnen Sie zu nerven und führen nicht selten zu Wutausbrüchen gegenüber anderen Mitarbeitern.

  3. Sie gehen lustlos an die Arbeit.

    Ihre Motivation ist auf dem Nullpunkt angekommen und Ihre Aufgaben gehen nicht mehr so leicht von der Hand. Sie haben den Eindruck, unglaublich langsam voranzukommen. In Gedanken sind Sie schon beim Feierabend und wollen den Arbeitstag nur schnell hinter sich bringen. Spaß und Freude empfinden Sie bei dem, was Sie tun, nicht.

  4. Sie können sich nicht konzentrieren.

    Am deutlichsten äußert sich das Aufmerksamkeitsdefizit, wenn man lesen will. Sie sind gerade in einen Geschäftsbericht vertieft und schaffen es einfach nicht, den Sinn herauszufiltern. Abschnitte müssen immer wieder gelesen werden, doch die Informationen finden keinen Weg ins Gehirn. Ohne, dass es Ihnen bewusst ist, driften Ihre Gedanken immer wieder ab.

  5. Ihr Arbeitsplatz wird immer chaotischer.

    Benutztes Geschirr, Unterlagen, Zeitschriften, Notizen - alles stapelt sich auf Ihrem Schreibtisch. Diesem Chaos können Sie keine Beachtung schenken, weil Ihre To-Do-Liste immer länger wird. Sie nehmen sich zwar vor mal wieder aufzuräumen, finden dann aber nicht die Lust und Energie dazu.

  6. Sie werden schnell ungeduldig

    Dauerhaft denken Sie daran, was Sie noch alles zu erledigen haben. Sobald irgendetwas dazwischen kommt, haben Sie das Gefühl, wertvolle Zeit zu verlieren, die eigentlich genutzt werden müsste. Das frustriert Sie, denn alles muss immer schnell gehen, um bloß keine Minute Zeit einzubüßen.

  7. Sie fühlen sich gehetzt.

    Ein Termin jagt den nächsten. Sie hetzen zwischen Besprechungen, Kundentelefonaten und und anderen Aufgaben hin und her. Für eine Pause bleibt kaum die Zeit. Bei jeder Aufgabe schauen Sie auf die Uhr und denken bereits an die nächste. Deadlines hängen Ihnen im Nacken und setzen Sie unter Druck.

  8. Sie machen Fehler.

    Oft sind es nur Kleinigkeiten: Beispielsweise vergessen Sie den Anhang einer E-Mail oder Ihnen fallen Tippfehler nicht mehr auf. Ihre Akkus sind leer und das zeigt sich auch in der Qualität Ihrer Arbeit. Die Leistungen lassen nach und immer mehr Fehler schleichen sich ein.

  9. Sie können nach Feierabend nicht abschalten.

    Die Arbeit bringen Sie mit nach Hause. Selbst nach Feierabend denken Sie bereits an den nächsten Arbeitstag. Sie sorgen sich darüber die Deadlines einzuhalten und die Ansprüche von Chef und Kunden zu erfüllen. Diese Gedanken gehen Ihnen nicht mehr aus dem Kopf und nicht selten arbeiten Sie von zuhause weiter.

  10. Sie gönnen sich kaum Freizeit.

    Sie haben zahlreiche Überstunden angehäuft und nehmen sich kaum die Zeit, etwas für sich zu tun. In letzter Zeit vernachlässigen Sie Ihre Hobbys und Ihre Freunde. Meistens sind Sie nach der Arbeit zu erschöpft, um etwas zu unternehmen.

Haben Sie bei der Lektüre dieser Liste mehrfach stumm genickt? Dann ist es an der Zeit, sich eine Auszeit zu nehmen...

Urlaubsreif oder Burnout gefährdet?

Extra-Tipp-IconSie fühlen sich erschöpft und überarbeitet. Doch wo verläuft die Grenze zwischen urlaubsreif und den ersten Anzeichen für ein Burnout? Die Grenze ist oft fließend. Deswegen ist es wichtig, dass Sie Ihre Erschöpfung hinterfragen: Welche körperlichen Symptome habe ich? Wie geht es mir psychisch?

Merken Sie, dass auch nach einer Auszeit die erwünschte Erholung ausbleibt, sollten Sie eine weitere Person ins Vertrauen ziehen und mit einem Experten über Ihre Situation sprechen. In unserem Dossier zum Thema Burnout finden Sie Symptome, Auslöser, Erste-Hilfe-Maßnahmen sowie einen Selbsttest.

Auszeit nehmen: Welche Möglichkeiten Sie haben

Sind Sie an einen Punkt angekommen, an dem Sie das Gefühl haben, dass Ihr Job Ihnen zu viel wird, sollten Sie nach einer Möglichkeit suchen, eine Auszeit zu nehmen. Nehmen Sie diesen Zustand bitte ernst, denn wer die ersten Anzeichen ignoriert und einfach weitermacht wie bisher, riskiert dass die Gesundheit auf Dauer leidet. Was können Sie tun?

  • Urlaub beantragen.

    Sind von Ihrem Jahresurlaub noch einige Wochen übrig, sprechen Sie mit Ihrem Team darüber, wann Sie diese nehmen können. Eine mehrwöchige Auszeit kann Ihnen dabei helfen, Ihre Akkus wieder aufzutanken. Legen Sie hierbei jedoch den Fokus auf die Erholung und bürden Sie sich nicht zusätzlichen Stress durch eine planungsintensive Reise auf.

  • Kurzurlaub machen.

    Sollte ein längerer Urlaub nicht möglich sein, besteht vielleicht die Möglichkeit, sich für einen Kurzurlaub freizunehmen. Ist Ihr aktueller Erschöpfungszustand einer besonders stressigen Zeit geschuldet, können Sie auf diese Weise mal wieder ausschlafen und abschalten. Wichtig dabei ist jedoch, dass Sie auch wirklich das Smartphone abschalten und auch zwischendurch keine E-Mails checken. Gönnen Sie sich ein arbeitsfreies verlängertes Wochenende.

  • Sabbatical machen.

    Geht Ihre Erschöpfung weit tiefer und Sie haben die Befürchtung, dass ein paar Tage oder Wochen nicht ausreichen werden, um sich zu erholen, sollten Sie über eine längere Auszeit nachdenken. Heute bieten zahlreiche Unternehmen ihren Mitarbeitern ein Sabbatical, eine mehrmonatige Auszeit, an. Endlich einmal die Zeit haben für Dinge, die Sie immer schon in Angriff nehmen wollten. In unserem Sabbatical-Ratgeber finden Sie Informationen zur Planung, Vorbereitung und Finanzierung.

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