Verdeckter Stellenmarkt: Tipps zur Jobsuche
Dass der Bewerbungsprozess in den meisten Fällen nicht einfach ist, lernen viele Bewerber bereits nach relativ kurzer Zeit. Die größten und häufigsten Probleme: Entweder wird trotz intensiver Suche erst gar keine passende Stelle gefunden, auf die man sich bewerben könnte oder es hagelt eine Absage nach der anderen und die Motivation ist durch die fehlenden Erfolgserlebnisse bereits nach kurzer Zeit im Keller. Wenn es aber mit den Bewerbungen nicht so recht funktionieren will, kann es helfen, wenn Sie sich auf den verdeckten Stellenmarkt konzentrieren. Das klingt zunächst zwielichtig, ist aber vollkommen seriös und kann Ihnen vielleicht sogar zu Ihrem Traumjob verhelfen. Was der verdeckte Stellenmarkt genau ist und worauf Sie achten müssen, wenn Sie ihn für sich nutzen wollen...

Verdeckter Stellenmarkt: Was ist das eigentlich?

pzAxe/shutterstock.comDer verdeckte Stellenmarkt ist der Teil des Jobmarkts, den Sie nicht sehen können. Was auf den ersten Blick ein wenig verwirrend klingt, ist doch eigentlich ganz simpel: Es sind nicht oder noch nicht ausgeschriebene Stellen. Soll heißen: Es handelt sich um die Positionen, auf die Sie sich eigentlich gar nicht bewerben können, da Sie nichts von ihnen wissen. Doch wie kann es sein, dass einige Stellen nicht oder noch nicht ausgeschrieben sind?

Viele Bewerber bringt es an den Rand der Verzweiflung, wenn Sie trotz intensiver Suche kaum ein passendes Stellenangebot für sich finden. So können Wochen oder sogar Monate vergehen, bevor wieder eine vielversprechende Stelle aufgetan wurde. Ein Grund dafür kann sein, dass viele Stellen erst gar nicht öffentlich gemacht werden. Schätzungen gehen davon aus, dass circa 70 Prozent der freien Stellen entweder direkt innerbetrieblich vergeben werden oder durch kleine Netzwerke weitergereicht werden.

Der Fokus auf den verdeckten Stellenmarkt kann Ihnen daher helfen, vakante Stellen zu entdecken, die entweder gar nicht öffentlich gemacht werden sollten oder noch nicht ausgeschrieben wurden. Um das Potenzial zu nutzen, sollten Sie einige Dinge beachten:

  • (Höhere) Managementposition finden sich nur selten in Stellenausschreibungen wieder. Gerade im Bereich der Führungskräfte kann sich der verdeckte Stellenmarkt daher bezahlt machen und Ihnen Türen öffnen, die andere Kandidaten vielleicht nicht einmal sehen.
  • Bei Marktführern und besonders beliebten Unternehmen gestaltet sich auch das Vorhaben über den verdeckten Stellenmarkt schwieriger, da diese von vielen Bewerbern angeschrieben werden. Es kann also sinnvoll sein, sich auf andere Firmen zu konzentrieren und dadurch die eigenen Chancen zu erhöhen.

Wie kommt es, dass Stellen noch nicht ausgeschrieben wurden?

Es scheint ein einfacher Prozess zu sein: Ein Arbeitsverhältnis wird - vom Arbeitnehmer oder vom Arbeitgeber - gekündigt und daraufhin wird die freie Stelle ausgeschrieben, um genügend Personal im Unternehmen zu haben.

Doch so schnell geht es dann meistens doch nicht. Neuer Personalbedarf entsteht nur selten von jetzt auf gleich, sondern kündigt sich in der Regel schleichend an. Zunächst wird beispielsweise durch Überstunden oder auch Fortbildungen versucht, dem Wachstum und gestiegenen Auftragszahlen entgegenzuwirken. Erst mit der Zeit fällt der Groschen, dass eine neue Arbeitskraft benötigt wird. Da aber erst der Bereichsleiter zustimmen, das nötige Budget bewilligt und der Betriebsrat angehört werden muss, können Wochen oder Monate vergehen, bis eine Stelle letztendlich tatsächlich ausgeschrieben wird.

Machen Sie einen Personaler genau in dieser Zeit auf sich aufmerksam, haben Sie die Chance, der einzige Bewerber auf eine freie Stelle zu sein, noch bevor diese überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen konnte.

Verdeckter Stellenmarkt: Warum sich der Versuch auf jeden Fall lohnt

Wenn Sie den verdeckten Stellenmarkt für Ihre Jobsuche nutzen, müssen Sie natürlich wie bei einer normalen Bewerbung auf eine Stellenanzeige damit rechnen, dass Sie einige Absagen erhalten werden. Da zu Ihrer Bewerbung keine konkrete Stellenausschreibung vorliegt, kann es ebenso passieren, dass der zuständige Personaler zwar von Ihren Unterlagen angetan ist, im Moment aber wirklich keine Stelle zu besetzen ist.

Davon sollten Sie sich in keinem Fall entmutigen lassen, denn es lohnt sich trotzdem den verdeckten Stellenmarkt zu nutzen. Zum einen haben Sie bereits einen direkten Kontakt zum Unternehmen hergestellt und viele Personaler erinnern sich sehr gut daran, wenn ihnen schon einmal überzeugende Unterlagen zugekommen sind. Zusätzlich gibt es noch weitere gute Gründe, warum Sie den verdeckten Stellenmarkt nutzen sollten:

  • Sie haben weniger Konkurrenz. Bei Bewerbungen auf eine reguläre Stellenanzeige sind Sie nur einer von vielen - bei großen Unternehmen sogar einer von Hunderten. Auf dem verdeckten Stellenmarkt ist die Konkurrenz viel geringer und oft sind Sie auch der einzige Bewerber.
  • Sie erhöhen Ihre Reichweite. Durch den verdeckten Stellenmarkt rücken auch Unternehmen in Ihr Blickfeld, die Ihnen bei der ersten Suche nicht aufgefallen sind, da es an konkreten Stellenausschreibungen gemangelt hat.

Verdeckter Stellenmarkt: Möglichkeiten für die Jobsuche

Mila Supinskaya/shutterstock.comNachdem Sie nun die Vorteile kennen, bleibt noch die wichtigste Frage zu klären: Wie können Sie den verdeckten Stellenmarkt für Ihre Jobsuche nutzen? Denn wie bereits erwähnt, handelt es sich um Stellen, die nicht öffentlich gemacht wurden und von denen Sie somit auch keine Kenntnis haben. Trotzdem gibt es mehrere Möglichkeiten, wie Sie den verdeckten Stellenmarkt in Ihre Jobsuche mit einbeziehen können. Hilfreich ist es dabei in jedem Fall, Branche und Unternehmen einzugrenzen, um Ihre Bemühungen in die richtige Richtung zu lenken.

Dies können Sie beispielsweise mit Hilfe eines Karrierecoaches tun, der Ihnen bei der Sondierung hilft oder indem Sie in den sozialen Netzwerken aktiv werden - insbesondere in den beruflichen Netzwerken wie Xing und LinkedIn. Dort können Sie mit Mitarbeitern und auch Verantwortlichen aus verschiedenen Unternehmen in Kontakt kommen und vielleicht den ein oder anderen Hinweis erhalten, wie es um die aktuelle Personallage bestellt ist.

Haben Sie sich einen Überblick verschafft, haben Sie drei Möglichkeiten, den verdeckten Stellenmarkt für Ihre Jobsuche zu nutzen.

  1. Verfassen Sie eine Blindbewerbung

    Bei der Blindbewerbung hatten Sie zuvor noch keinen Kontakt zum möglichen Arbeitgeber, sondern versenden Ihre Bewerbungsunterlagen - wie der Name schon sagt - blind. Anfangs reicht auch eine Kurzbewerbung, die nur aus Anschreiben und Lebenslauf besteht. Erhalten Sie eine positive Rückmeldung, wird das Unternehmen vermutlich nach Ihren vollständigen Unterlagen fragen.

  2. Schreiben Sie eine Initiativbewerbung

    Im Falle einer Initiativbewerbung haben Sie zumindest Kenntnis von Ihrem Ansprechpartner im Unternehmen, etwa weil Sie Kontakt über das Internet aufgebaut haben oder ihn bei einem Networking-Event oder einer Messe begegnet sind. Dadurch können Sie die Bewerbung persönlicher und konkreter aufbauen und erhöhen Ihre Chancen.

  3. Nutzen Sie einen Zielgruppenbrief

    Auch ein Zielgruppenbrief kann genutzt werden, um auf dem verdeckten Stellenmarkt aktiv zu werden. Dabei handelt es sich um eine Bewerbungsstrategie, in der Sie Ihre Stärken und Fähigkeiten gezielt an Unternehmen herantragen, bei denen Sie diese einsetzen könnten. Dieser Weg kann besonders für Kandidaten interessant sein, die beispielsweise ihren Tätigkeitsbereich verändern wollen und dadurch nicht ins "klassische Bild" eines Bewerbers passen.

Verdeckter Stellenmarkt: So erhöhen Sie die Resonanz

Wie bei jeder anderen Bewerbung auch, kommt es immer wieder vor, dass Sie auf Ihre Bewerbungen auf dem verdeckten Stellenmarkt keine Antworten erhalten. Um dem vorzubeugen, sollten Sie nach einigen Wochen unbedingt beim Unternehmen nachfassen und erneut auf sich aufmerksam machen.

Dabei sollen Sie weder fordernd noch verzweifelt wirken. Fragen Sie freundlich nach, ob Ihre Bewerbung eingegangen ist und ob vielleicht sogar Interesse an einer Zusammenarbeit besteht. Damit bekunden Sie erneut Ihr ernsthaftes Interesse und bleiben positiv in Erinnerung.

Auch bei einer Absage können Sie das Telefonat nutzen, um nachzuhaken, woran es gelegen haben könnte. So erhalten Sie gleich die Chance, Ihre Unterlagen zu verbessern.

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