Gekündigt-richtigkündigen-Trennungskultur
Heute schrieb uns eine Leserin:

Liebes Karrierebibel-Team, ich bin ganz verzweifelt. Könnt Ihr helfen: Kann ein Ausbilder einen Auszubildenden wegen langer Krankheit einfach so kündigen? Und wenn ja, mit welcher Begründung? Insgesamt beläuft sich die bereits andauernde Arbeitsunfähigkeit schon auf rund zwei Monate.

Zunächst einmal ärgert uns die Frage. Natürlich nicht wegen der Leserin, sondern wegen des Verhaltens mancher Chefs: Als hätten die Betroffenen nicht schon genug mit ihrer Langzeiterkrankung zu kämpfen! Klar, es mag darunter Blaumacher geben, aber das riecht stark nach einem herzlosen Laden. Nur ist Moral kein starkes Argument, das Arbeitsrecht dafür schon...

Das sagt der Fachanwalt für Arbeitsrecht dazu

Peter Groll ist den Stammlesern als regelmäßiger Gastautor bekannt, er ist aber auch renommierter Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt. Deshalb haben wir die Frage gleich an unseren Experten weitergegeben, der sie so beantwortet:

Grundsätzlich kann ein Ausbildungsverhältnis außerhalb der Probezeit durch den Ausbilder nur aus einem sogenannten "wichtigen Grund" gekündigt werden.

Die Kündigung selbst muss in einem solchen Fall innerhalb von zwei Wochen nach Kenntnis des wichtigen Grundes dem Auszubildenden zugehen. Zudem muss sie schriftlich erfolgen und die Angabe der Kündigungsgründe enthalten. Andernfalls ist die Kündigung unwirksam.

Ein wichtiger Grund für eine Kündigung ist immer nur dann gegeben, wenn dem Ausbildenden - unter Berücksichtigung aller persönlicher Umstände und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsparteien - die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses "nicht zuzumuten" ist.

Das Ausbildungsverhältnis trotz einer 2-monatigen Arbeitsunfähigkeit fortzusetzen, dürfte jedoch zumutbar sein. Auch die betrieblichen Belange werden - insbesondere bei einem Azubi - dadurch eher nicht beeinträchtigt. Es ist nun mal ein Auszubildender und keine volle Arbeitkraft. Jedenfalls dürften diese betrieblichen Belange nur schwer nachweisbar sein. Schließlich steht hier doch die Ausbildung als solches im Vordergrund.

Selbst in einem regulären Arbeitsverhältnis lässt sich über eine Kündigung wegen einer Langzeiterkrankung in der Regel erst nachdenken, wenn für die Zukunft eine negative Gesundheitsprognose besteht. Also wenn die Genesung des Arbeitnehmers eher unwahrscheinlich ist. Das ist dann allerdings auch noch mal einzelfall- und erkrankungsabhängig.

Bei einem Auszubildenden dürften Richter aber noch strengere Maßstäbe anlegen. Heißt: Auch wenn es dem Arbeitgeber und Chef nicht gefällt, die bestehende Langzeiterkrankung des Azubis muss er wohl hinnehmen.

Muss bei einem wichtigen Grund der Betriebsrat angehört werden?

Grundsätzlich ist vor dem Ausspruch einer Kündigung ein vorhandener Betriebsrat anzuhören. Dies gilt auch, wenn der Ausbilder beabsichtigt einen Auszubildenden zu kündigen.

Das bedeutet, dass dem Betriebsrat die Gründe für die Kündigung mitgeteilt werden müssen. Allerdings muss der Betriebsrat der Kündigung nicht zustimmen - dies ist nur Voraussetzung wenn Betriebsratsmitglieder oder Mitglieder der Jugend- und Ausbildungsvertretung gekündigt werden -, damit diese gegebenenfalls wirksam wird. Es reicht aus, dass der Betriebsrat ordnungsgemäß angehört worden ist.

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