Bewerbungstipps-50plus-40plus
Der Höhepunkt kommt im Alter von 40 Jahren. Danach wird es zunehmend schwerer auf dem Arbeitsmarkt. Ab 50plus avanciert manche Bewerbung gar zur Lotterie: Mal hat man Glück, meistens aber nicht. Sagen wir es, wie es ist: Es gibt sie nach wie vor - die Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Zwar stehen laut Statistik in Deutschland rund 8,8 Millionen Menschen zwischen 50 und 65 Jahren in Lohn und Brot. Gleichzeitig sind aber nur ein Drittel der 55- bis 64-Jährigen überhaupt berufstätig. Und die Zahl der Unternehmen, die aktuell keinen Mitarbeiter über 45 Jahre beschäftigt, ist hoch. Aber ist die Bewerbung mit Mitte 40 oder 50Plus deshalb völlig chancenlos? Nein, wenn Sie folgende Fehler vermeiden...

Bewerbung 50Plus: Typische Formulierungsfehler

50plus-Bewerber-Bewerbung-TippsDas vermeintliche Manko des Alters beginnt vor allem im Kopf. Viele ältere Bewerber, die vielleicht auch schon ein paar Absagen kassiert haben, rücken ihr Lebensalter immer mehr in den Mittelpunkt: Es wird zur Entschuldigung und Rechtfertigung für die stockende Karriere.

Entsprechend versuchen die Bewerber mit 40, 50plus genau gegen dieses unterschwellige Handicap und herrschende Vorurteile in der Bewerbung anzuschreiben. Effekt: Das genaue Gegenteil - sie verstärken so nur noch mehr den Fokus auf das Alter und nicht auf Ihre eigentlichen Stärken und Qualitäten.

Zu den typischen Formulierungsfehlern gehören etwa die vier folgenden Beispiele. Natürlich gibt es noch mehr. Diese zeigen Ihnen aber schon ganz gut, wo Fallstricke und falsche Blickwinkel lauern...

  1. Mit meinen 51 Lebensjahren möchte ich...

    Ziele zu haben, ist nicht verkehrt. Hier aber wird das Alter sogar noch betont. Dreifach falsch! Erstens, weil so womöglich schlafende Hunde geweckt werden; zweitens, weil das Lebensalter keinerlei Qualitätskriterium darstellt; drittens, weil der neue Arbeitgeber nicht die Wohlfahrt ist. Nicht wie Sie sich verwirklichen möchten interessiert, sondern wie das Unternehmen von Ihnen profitiert. Betonen Sie besser das - und streichen Sie beim Korrekturlesen Ihrer Bewerbungsunterlagen alle Formulierungen ohne Aussagekraft.

  2. Ich kann auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken...

    Das ist schön, dass Sie das können. Aber der Blickwinkel ist falsch: Sie blicken zeitlich zurück - in Ihre Vergangenheit. Personaler aber blicken nach vorne, sie suchen die künftige Idealbesetzung für eine Stelle und damit jemanden, der diese Herausforderung meistern kann. Erfahrung, die Sie allein in Jahreszahlen messen, sind daher ein denkbar schwaches Argument. Viel wichtiger in Anschreiben und Lebenslauf sind bisherige Erfolge. Sie belegen, wo und wie Sie echten Mehrwert geschaffen haben. Ideal ist, wenn Sie dies sogar durch Zahlen untermauern können. Verzichten Sie daher im Anschreiben auf die Erwähnung der Berufsjahre, die sieht der Personaler sowieso im Lebenslauf. Betonen Sie eher, dass Sie sämtliche sogenannten Muss-Qualifikationen (also alle in der Stellenanzeige verlangten) mitbringen - zu 100 Prozent. Schon 95-Prozent-Kandidaten werden oft aussortiert.

  3. In meiner Laufbahn habe ich meine Lernfähigkeit bewiesen...

    Hinter dieser Formulierung steckt ein gefährlicher Trugschluss: Immer dann, wenn ältere Bewerber glauben, ihr Wissen sei nicht mehr aktuell oder gar veraltet und ihre Qualifikationen nicht ausreichend, weisen sie auf ihre Lernbereitschaft hin - Motto: Den Job kann ich zwar nicht, aber ich würde es gerne lernen. Erliegen Sie bitte nicht dieser Illusion. Offenheit und Lernwille können fehlende Kompetenzen nicht kompensieren. Allenfalls Uniabsolventen wird noch eine gewisse Formbarkeit zugesprochen - und selbst die haben es schwer, wenn Muss-Qualifikationen fehlen. Mit 50plus kann man sich diese Bewerbung sparen. Auch wenn es hart ist: Erwerben Sie diese Kompetenzen entweder oder bewerben Sie sich besser auf eine andere Stelle.

  4. Jetzt möchte ich noch einmal durchstarten...

    Das klingt nach hoch gekrempelten Ärmeln, Top-Motivation, dem Blick nach vorne und zweitem Frühling... denken Sie! Ein Irrtum. Denn es drückt zugleich blumig aus, dass Sie mit der bisherigen Entwicklung nicht zufrieden waren und dass Sie vor allem die eigene Karriere im Blick haben. Natürlich ist es wichtig, dass Sie im Anschreiben Ihre Motivation herausarbeiten. Aber was hat der Arbeitgeber davon, dass Sie noch mal durchstarten wollen? Und was, wenn die angestrebte Position doch Vieles beinhaltet, was Sie bisher gemacht haben? Dann stellt man am Ende eine Fachkraft ein, die sich bald schon langweilen und frustrierter sein wird als je zuvor. Statt Durchstarten gibt's eine Bruchlandung. Diesen Verdacht sollten Ältere erst gar nicht nähren.

50plus: Besser denken im Alter

Besser denken im AlterAlter. Schon bei dem Wort assoziieren viele Demenz, Depression und Degeneration. Ältere Menschen sind die Inkarnation des Heavy Metal: Silber im Haar, Gold in den Zähnen, Blei in den Knochen. Aus der Achtung vor dem Alter wird so allmählich ein Achtung, vor dem Alten. Ein haltloses Vorurteil. Tatsächlich malt die Hirnforschung ein völlig anderes Bild.

Denn biochemisch betrachtet sind am menschlichen Gehirn vor allem zwei Dinge interessant:

  • Sein Potenzial ist schier unerschöpflich und
  • mit zunehmendem Alter wird es immer besser.

Wer älter wird, dem baut der Geist Brücken statt Krücken: So verbessert sich mit dem Alter etwa...

  • das Sprachvermögen,
  • die Ausdrucksvielfalt nimmt zu
  • der Zugang zu Synonymen und Antonymen fällt leichter.

Sicher, man lernt nicht mehr ganz so schnell Neues. Dafür aber gelingt der Zugriff auf Gelerntes besser, denn der gereifte Geist fängt nicht bei Null an, sondern fügt seinem Wissen lediglich neue Bausteine hinzu. Das ist hochgradig effizient.

Synapsen, also die Verbindung von Erfahrungsschätzen und Expertenwissen, sind "wie in Stein gemeißelt", sagt der Neurowissenschaftler John Morrison von der Mount Sinai School of Medicine in New York. Sie sind damit hochgradig resistent gegen die körperlichen Effekte des Alterns.

Zum Beweis: Bei einem Experiment der Universität von Illinois traten einmal 60-jährige Fluglotsen gegen ihre 30 Jahre jüngeren Kollegen an. Dabei wurden in typischen Tests ihr Reaktionstempo, ihre Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit verglichen. Wie zunächst erwartet, schnitten die Jüngeren besser ab. Es folgte ein zweiter Test. Der entsprach jedoch stärker der beruflichen Praxis: Die Lotsen mussten verschiedene Maschinen koordinieren und plötzlich auftretende Notfälle managen. Diesmal waren es die Älteren, die den Anfängern zeigten, wo es langging: Sie brauchten nicht nur weniger Kommandos, um die simulierten Maschinen sicher durch den Himmel zu leiten. Sie blieben auch durchweg cooler dabei.

Weitere Studien belegen: Die Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und Ablenkendes zu ignorieren, nimmt im Alter zu. Das reife Gehirn braucht sogar weniger Blut und Sauerstoff, um optimal zu arbeiten.

Der größte Vorteil aber ist sein komplexes Denken: Während Jüngere Probleme in der Regel Schritt für Schritt lösen, finden Ältere die bessere Lösung, indem sie diese mit gespeicherten und bewährten Mustern vergleichen und modifizieren. Zudem sind sie besser in der Lage, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

All diese Fähigkeiten versetzen sie in die Lage, sich besser in andere hineinzufühlen, ihre Motive zu verstehen und gleichzeitig die eigenen Gefühle im Auge zu behalten: An der Universität von Sydney wurden Probanden Porträts von Menschen mit unterschiedlichen Emotionen gezeigt und gleichzeitig ihre Hirnaktivität gemessen – und siehe da: Das Frontalhirn der Älteren war beim Verarbeiten negativer Emotionen deutlich aktiver. Kurz: Sie verfügen über emotionale Weisheit.

Das sollte man nicht alles in seine Bewerbung packen. Aber für den Hinterkopf ist es ganz nützlich, um sich klarzumachen: Ein Altersmanko gibt es nur in Ihrem eigenen Kopf.

Bewerbung mit 50plus: Tipps für Ältere

Gerade bei älteren Arbeitnehmern sind die Choreografie und der Aufbau der Bewerbungsunterlagen essenziell. Hier lässt sich durchaus geschickt tricksen (siehe auch HIER). Gemeint sind damit weniger geschliffene Formulierungen, sondern vielmehr aussagekräftige Inhalte so zu präsentieren, dass sie möglichst vorteilhaft wirken.

Neben reinen Formalia, die Sie beachten sollten...

...gilt es vor allem das Alter in den Hintergrund zu rücken und durch geballte Kompetenz und Erfolge zu punkten - und das so authentisch wie möglich.

Vor allem der amerikanisch aufgebaute tabellarische Lebenslauf - also mit der letzten Position zuerst - bietet gute Optionen zur Selbstpräsentation, die auch noch aktuell wirkt. Beim chronologischen Aufbau dagegen läge das, was der Personaler zuerst liest, lange zurück - das Alter wird spürbar.

Entsprechend sollten Sie auch Weiterbildungsmaßnahmen weglassen, die länger als zehn Jahre zurückliegen. Es sei denn, sie sind maßgeblich für Ihre Eignung und es spricht nichts anderes dafür. Alle über fünf Jahre alten Fortbildungen wiederum gehören - wie Hobbys - nur dann in den tabellarischen Lebenslauf, wenn sie einen Bezug zu der angestrebtes Position haben.

Betonen sollten Sie auch wichtige Kompetenzen und Vorzüge, die Personaler 50-Plus-Bewerbern regelmäßig bei Umfragen zusprechen:

Bei all dem, sollten Sie Anschreiben und Lebenslauf dennoch nicht überfrachten: Weniger ist mehr. Immer. Auch wenn Sie auf 20 Jahre Berufserfahrung blicken können: Länger als zwei Seiten sollte Ihr Lebenslauf nicht sein. Zeigen Sie gleich, dass Sie sogenannte Postkorb-Übung aus dem Eff-Eff beherrschen und sich auf das Wesentliche konzentrieren und dieses auch herausarbeiten können - eine Stärke übrigens, die gerade Ältere den Jüngeren mit ihrer Erfahrung voraus haben können.

Aber auch mit diesen kleinen Bewerbungstipps und -tricks können Sie punkten:

  • Gefestigte Verhältnisse

    Mit gestiegenem Alter haben Sie vielleicht schon eine Immobilie - und die macht buchstäblich immobil. Andererseits ist das aber auch ein Indiz für ein gefestigtes privates Umfeld. Kinder? Die sind schon aus dem Gröbsten raus. Work-Life-Balance? Haben Sie sich längst geschaffen. Entsprechend gefestigt sind sie auch im Job: integer und loyal. So schnell wechseln Sie nicht mehr, dafür bringen Sie sich noch einmal voll ein... diszipliniert und diskret. Spielen Sie diese Vorzüge souverän und gezielt aus!

  • Modernes Bewerbungsfoto

    Wenn sich Ältere bewerben, sollte die Bewerbungsmappe Modernität ausstrahlen - und so schon optisch allen Klischees entgegen wirken. Achten Sie also beispielsweise auf ein moderne Layout der Bewerbung (natürlich nicht zu kreativ - das wirkt gewollt), mehr aber noch auf ein frisches Bewerbungsfoto: kräftige Farben, frischer Hintergrund - alles, nur kein Oma-Image. Extra-Tipp: Lassen Sie sich im Halbprofil ablichten. Auch das wirkt schon jünger als ein Frontalbild. Und sollte es zu einem Videochat via Skype kommen, achten Sie bitte auf einen frischen Hintergrund (keine Schrankwand), gute Ausleuchtung (auf Falten und Schlagschatten achten) sowie ein flottes Outfit. Allein schon, dass Sie Videochats können, beweist Modernität. Weitere Tipps zur Videobewerbung finden Sie HIER.

  • Flexibles Gehalt

    Die Gehaltsvorstellungen sind bei 50-Plus-Bewerbern ein besonders sensibles Thema. Denn tatsächlich konkurrieren sie mit vielen jüngeren Bewerbern, die auch meist günstiger auf dem Arbeitsmarkt zu haben sind. Sie sollten daher ihr Gehaltsvorstellungen realistisch hinterfragen, ob diese beim Jobwechsel wirklich steigen können und müssen und auch zum Betrieb passen. Alternative zwei: Sie argumentieren (wenn es passt) mit Vorzügen: Sie bringen wichtige Kundennetzwerke und Kontakte mit, sparen Einarbeitungszeit und können mit ihren Kenntnissen die Aufgaben in kürzerer Zeit bewältigen.

Bewerbung 50plus: Arbeitgeber denken um

Die gute Nachricht ist: Viele Unternehmen realisieren inzwischen, dass altersgemischte Teams erfolgreicher sind und vielfältigere Ideen liefern. Und da die Deutschen insgesamt immer älter werden, müssen die Unternehmen ohnehin umdenken und ihre Personalpolitik dem demografischen Wandel anpassen (PDF). Einige Arbeitgeber nutzen diese Chance, gezielt ältere Fachkräfte zu rekrutieren, bereits mit großem Erfolg. Andere werden früher oder später - gezwungenermaßen - nachziehen.

Für Sie ergeben sich so aber auch wieder neue Chancen - zum Beispiel, indem Sie sich im Internet oder telefonisch nach dem Umgang mit Diversity-Themen im Unternehmen erkundigen. Weisen die Teams dort bereits eine gute Mischung in Sachen Geschlecht, Internationalität und Vorbildung aus, ist auch ein Altersmix oft kein Problem...

[Bildnachweis: Helder Almeida, Jirsak, Ollyy by Shutterstock.com]