Ältere-Mitarbeiter-Bewerbungstipps
Jung, dynamisch, lernwillig, formbar. So stellen sich Arbeitgeber den idealen Mitarbeiter vor. Mit der Einführung des AGG, des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, dürfen sie es zwar so nicht mehr formulieren, weil das diskriminierend wäre. Doch die Wahrheit ist: Es gibt sie nach wie vor - die Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Entsprechend schwer haben es Ältere mit der Bewerbung, ab 50plus sinken die Jobchancen sogar rapide...

Vorbehalte gegenüber älteren Arbeitnehmer

Bewerbung-Ältere-ManagerIn Deutschland stehen rund 8,8 Millionen Menschen zwischen 50 und 65 Jahren in Lohn und Brot. Sie sind aufgrund ihrer Erfahrung oft die Stützen des Betriebs, wenn sie nicht ohnehin zu den - ebenfalls meist älteren - Führungskräften zählen. Einerseits. Andererseits: Nur ein Drittel der 55- bis 64-Jährigen ist überhaupt berufstätig. Und die Zahl der Unternehmen, die aktuell keinen Mitarbeiter über 45 Jahre beschäftigt, ist hoch. Manch einer mag denken: "Ich gehör doch nicht zum alten Eisen!" Wollen oder müssen diese älteren Kollegen aber den Job wechseln, geraten viele in eine berufliche Sackgasse: Altersarbeitslosigkeit. Fertig mit 50. Endstation Arge.

Je älter Arbeitslose sind, desto geringer sind ihre Chancen, je wieder einen neuen Job zu finden. Und natürlich wird es schwieriger, mit über 50 ein Unternehmen von der eigenen Leistungskraft zu überzeugen:

  • Während Chefs hoffen, den jungen Spund noch in die gewünschte Richtung biegen zu können, schwinden diese Chancen mit wachsendem Alter zusehends. Zu unflexibel, nicht mehr auf der Höhe der Zeit, heißt es dann.
  • Zudem steigen die mit einem personellen Fehlgriff verbundenen Kosten für das Unternehmen mit der Höhe des Gehalts. Und für ein Monatsgehalt von 8000, 10.000 oder mehr Euro wird ein größerer Nutzen erwartet als beispielsweise für 3000 Euro. Das ist die Herausforderung, vor der ältere Bewerber stehen.

Wahr ist aber auch: An ihrer Misere sind ältere Mitarbeiter meist nicht ganz unschuldig. Anspruchshaltung, Statusdenken, örtliche Immobilität im Wortsinn und mitunter die geistige Flexibilität einer Betonschwelle in puncto Bewerbungsstrategien verbessern die Aussichten auf einen Stellenwechsel nicht wirklich.

Hinzu kommt: Keiner muss sich zwar für sein Alter entschuldigen, trotzdem kommen viele ältere Bewerber kaum aus der Defensive heraus und treten - trotz wertvoller Qualifikationen und Erfahrungen - als Bittsteller auf. So punktet keiner.

Zugegeben, Mitarbeiter, die zum Alteisen deklariert werden, verlieren das Selbstvertrauen und Motivation.

  1. Das gängige Vorurteil: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Doch es ist falsch. Ältere lernen nicht schlechter, sondern anders als Jüngere.

    Mit dem Alter erwerben sie eine Fülle von Kenntnissen und Fertigkeiten. Ergänzt werden diese durch Erfahrungen sowie umfangreiches Grundlagen- und Prozesswissen - die sogenannte kristalline Intelligenz. Doch auch das ist - um mit einem weiteren Vorurteil aufzuräumen - kein abgeschlossener Prozess. Die Bereitschaft zur Weiterbildung ist keine Frage des Alters, sondern des Wollens.
  2. Ein weiteres Klischee lautet: Mit steigendem Alter verschwinden Eigenschaften wie Leistungsfähigkeit, Kreativität, Flexibilität und Lernfähigkeit. Oder sie werden zumindest schwächer.

    Auch das ist falsch. Neuere Forschungsergebnisse zeigen: Die Leistungskraft und Innovationsfähigkeit haben weniger mit dem biologischen Alter zu tun. Dafür umso mehr damit, ob Menschen in ihrer privaten wie beruflichen Umwelt gefördert oder eher blockiert werden. Und ob die Unternehmen bereit sind, die Potenziale ihrer (älteren) Mitarbeiter zu nutzen.


Wieder andere Untersuchungen schreiben älteren Beschäftigten viele positive Kompetenzen zu: Zum Beispiel den realistischen Umgang mit komplexen Sachverhalten, Krisenbeständigkeit und gutes Zeitmanagement, gute Kooperationsfähigkeit und Gelassenheit.

Was erstaunlich vielen Älteren aber nicht gelingt, ist, den Wert Ihrer Stärken und Potenziale richtig einzuschätzen, zu formulieren und zu vermarkten.

Einerseits verständlich: Die Qualifikationen haben sich über die Jahre "halt so ergeben". Entsprechend normal sind sie für den Inhaber des Portfolios. Für unvoreingenommene Beobachter aber zeigt sich dagegen ein wildes Füllhorn an Qualitäten, die zwar womöglich Nutzen stiftend und damit Gewinn bringend einsetzbar sind, aber ein klares Profil ist das eben noch lange nicht.

Not zur Tugend machen: Mit gefestigten Verhältnissen punkten

Sicher, mit gestiegenem Alter haben Sie vielleicht schon eine Immobilie - und die macht buchstäblich immobil. Andererseits ist das aber auch ein Indiz für ein gefestigtes privates Umfeld. Kinder? Sind schon aus dem Gröbsten raus. Work-Life-Balance? Haben Sie sich längst geschaffen. Entsprechend gefestigt sind sie auch im Job: integer und loyal. So schnell wechseln Sie nicht mehr, dafür bringen Sie sich noch einmal voll ein... diszipliniert und diskret. Spielen Sie diese Vorzüge souverän und gezielt aus!

Bewerbungstipps für Ältere: Entwickeln Sie ein klares Profil

Manager-Ältere-MitarbeiterÄltere auf Stellensuche tun gut daran, akribisch aufzulisten, welche Kompetenzen und welches Fachwissen-Portfolio sie einzigartig macht und zugleich für die angestrebte Stelle prädestiniert. Womöglich ist Vieles davon sogar auf andere Bereiche und Branchen übertragbar, falls es mit dem direkten Weg in die nächst(höher)e Stelle nicht klappen sollte.

Im fortgeschrittenen Alter ist keiner mehr ein unbeschriebenes Blatt:

  • Kundennetzwerke
  • Projekterfahrung
  • Erprobtes Fachwissen
  • Soziale Kompetenzen
  • Erprobte Führungsqualitäten


All das spricht für die Kandidaten 50+. Darauf lässt sich auch in einer Bewerbung wunderbar eingehen.

Das A und O eines erfolgreichen Jobwechsels ist allerdings die richtige Strategie. Der erste Schritt ist daher, die beruflichen Ziele zu klären. Diese Vorarbeit unterscheidet sich übrigens überhaupt nicht von jüngeren Bewerbern. Vielleicht muss man sie nur noch gründlicher und intensiver leisten als in früheren Jahren.

Ältere Bewerber punkten schließlich nicht mit Flexibilität oder Teamfähigkeit, damit können sie keinem Jüngeren den Rang ablaufen. Das Pfund, mit dem sie wuchern können und Jüngere eben nicht, ist die umfangreiche Erfahrung und das dabei erworbene Know-how.

Schritt 1: Ziele definieren

Deshalb ist es für ältere Bewerber unverzichtbar, sich genau zu überlegen, welche Art von Job Sie anstreben:

  • Möchten Sie Ihren bisherigen Berufsweg fortsetzen, dann fragen Sie sich, wie die neue Stelle sein soll und was sich vielleicht gegenüber Ihrer letzten Aufgabe ändern soll.
  • Im nächsten Schritt identifizieren Sie diejenigen Unternehmen, die Ihnen bieten können, was Sie sich wünschen.
  • Und dann geht es um die Frage, was Sie Ihrerseits diesen Unternehmen zu bieten haben. Welche aktuellen Probleme können Sie dort lösen? Wie können Sie Ihr Wissen dort mit dem größtmöglichen Nutzen einsetzen?

Schritt 2: Profil herausarbeiten

Auch hier tun Sie als über 50-Jähriger nichts Anderes als jeder Bewerber: Sie gestalten Ihre Bewerbungsunterlagen, sodass Ihre spezielle Kompetenz für den angestrebten Job daraus hervorgeht. Verkaufen Sie sich nie als Allrounder oder Experte für alles. Das kauft Ihnen keiner ab. Und eingestellt werden fast immer nur Spezialisten – mit fortgeschrittenem Alter sowieso.

Diese Darstellung Ihrer beruflichen Laufbahn sollte aber keine 1:1-Abbildung Ihrer vorherigen Tätigkeiten sein. Legen Sie vielmehr den Schwerpunkt auf die speziellen Erfahrungen und Kenntnisse, die für Ihre Zielposition bedeutsam sind.

Wählen Sie von Ihren Projekten beispielsweise diejenigen aus, die den Themenstellungen Ihres angepeilten Unternehmens entsprechen oder ähneln:

Zählen Sie die Projekte nicht nur auf, sondern informieren Sie den Leser auch darüber...

  • ob Sie dort Teammitglied oder Projektleiter waren
  • worin genau Ihre individuelle Aufgabe lag
  • mit wem Sie zusammengearbeitet haben und
  • in welchem betrieblichen Zusammenhang die Projekte standen.

Das wichtigste sind jedoch die Ergebnisse Ihrer Arbeit:

Was ist dabei herausgekommen, und welchen Nutzen hat es dem Unternehmen gebracht?

Extra-Tipp: Modernes Bewerbungsfoto

Wenn sich Ältere bewerben, sollte die Bewerbungsmappe Modernität ausstrahlen - und so schon optisch allen Klischees entgegen wirken. Achten Sie also beispielsweise auf ein moderne Layout der Bewerbung (natürlich nicht zu kreativ - das wirkt gewollt), mehr aber noch auf ein frisches Bewerbungsfoto: kräftige Farben, frischer Hintergrund - alles, nur kein Oma-Image.

Tipp: Lassen Sie sich im Halbprofil ablichten. Auch das wirkt schon jünger als ein Frontalbild.

Schritt 3: Kontakt aufnehmen

Zu guter Letzt geht es um den Kontakt zu potenziellen Arbeitgebern. Auch hier müssen Bewerber über 50 nichts anderes tun als Jüngere, nur vielleicht mehr davon. Und sie sollten sich bei der Suche eher auf kleine und mittelständische Unternehmen konzentrieren als auf Großkonzerne, von denen viele ihre eigenen älteren Mitarbeiter loszuwerden suchen (aber selbst da gibt es Ausnahmen).

Nutzen Sie alle Wege zum neuen Job: Reagieren Sie auf Angebote in Printmedien und durchforsten Sie sowohl regionale und überregionale Tageszeitungen als auch relevante Fachzeitschriften.

Beschränken Sie sich bei Ihrer Lektüre nicht auf den Stellenteil, sondern lesen Sie ebenfalls Wirtschaftsnachrichten und relevante Fachartikel. Suchen Sie dort nach Ansatzpunkten, um informell Kontakt mit interessanten Firmen aufzunehmen.

  • Schalten Sie auch ein eigenes Stellengesuch.
  • Schöpfen Sie die Möglichkeiten der Agentur für Arbeit aus, einschließlich der angeschlossenen Institutionen wie der ZAV.
  • Durchsuchen Sie die einschlägigen Internet-Jobbörsen und Job-Suchmaschinen.
  • Machen Sie sich in Social Media Plattformen wie Xing und Linkedin sichtbar und laden Sie so potenzielle Arbeitgeber ein, Sie zu kontaktieren.
  • Tragen Sie Ihr Profil in solche Internet-Portale ein, wo Arbeitgeber auf Personalsuche es finden.
  • Gehen Sie von sich aus auf Firmen zu, versenden Sie Initiativbewerbungen.
  • Kontaktieren Sie Personaler nicht nur per Telefon, Brief und E-Mail, sondern auch persönlich, zum Beispiel auf Fachkonferenzen und Messen. Pflegen Sie Ihr berufliches und privates Kontakt-Netzwerk und bauen Sie es aus.
  • Wenden Sie sich außerdem an Personalberater oder Outplacement-Beratungen und optimieren Sie Ihren Auftritt mit der Unterstützung eines Karriereberaters.

Jobsuche für Ältere: Nicht anders, nur besser und mehr

Tatsächlich sind die meisten Erfolgswege völlig verschieden. Beruf, Branche und Wirtschaftslage üben einen größeren Einfluss aus als das Alter. Einzig bei der Höhe des Einkommens gibt es eine gewisse Korrelation mit der Zahl der Lebensjahre.

10 Jobalternativen für erfahrene Arbeitnehmer

Die folgenden Vorschläge sind sowohl im aktuellen Unternehmen und durch einen Wechsel des Arbeitsplatzes, als auch durch den Schritt in die Selbstständigkeit realisierbar. Naturgemäß kommen nicht alle Vorschläge für jeden erfahrenen Arbeitnehmer gleichermaßen in Betracht. Trotzdem sollten Sie auch den auf den ersten Blick für Sie ungeeigneten Punkten Beachtung schenken: Vielleicht kommen Sie dabei auf neue Ideen, die Sie sonst bereits im Vorfeld verworfen und nicht einmal angedacht hätten...

  1. Konzeption. Bei der Erstellung neuer Konzepte auf Grundlage vorhandener Strategien und Vorgaben können erfahrene Mitarbeiter ihre Stärken voll ausspielen. Die konkrete Berufserfahrung und das umfangreiche Praxiswissen der Mitarbeiter können wertvolle Impulse für die Entwicklung eines Konzeptes sein.
  2. Strategieentwicklung. Auch bei der Entwicklung oder Veränderung von Strategien ist die Erfahrung der Mitarbeiter ein enormer Vorteil. Aufgrund ihrer Kenntnisse des Unternehmens und ihres Fachwissens - in Verbindung mit den bereits genannten Erfahrungen - können sie mögliche Schwachstellen und Probleme einer Strategie ebenso gut erkennen wie die entsprechenden Chancen und Potenziale.
  3. Beratung. Die Arbeit eines Beraters setzt - egal ob freiberuflich oder angestellt - umfangreiche Kompetenz voraus. Erfahrene Mitarbeiter bringen diese in der Regel mit und können gleichzeitig auf Erfahrungen aus zahlreichen Projekten und Arbeitsabläufen zurückgreifen.
  4. Schulung. Wenn sich zur Erfahrung noch didaktische und pädagogische Fähigkeiten gesellen, steht der Arbeit als Trainer oder Schulungsleiter nichts mehr im Wege. Um die formalen Voraussetzungen zu erfüllen, sind jedoch teilweise Qualifikationskurse und Zertifikate erforderlich.
  5. Qualitätssicherung. Wer jahrelang mit verschiedenen Arbeitsabläufen betraut war und seine Aufgaben gut erfüllt hat, verfügt in der Regel über ein Gespür für die Qualität der Arbeit. Dieses Gespür in Kombination mit einem - trainierbaren - Blick für Fehler machen erfahrene Mitarbeiter zu einer naheliegenden Wahl im Bereich der Qualitätssicherung.
  6. Leitungsaufgabe. Eine Mischung aus Erfahrung, Kompetenz und strukturierter Arbeitsweise macht einige erfahrene Mitarbeiter zu hervorragenden Führungspersönlichkeiten. Vor allem bei selbstbewussten und durchsetzungsfähigen Mitarbeitern liegt der Einsatz in einer Leitungsposition nahe.
  7. Recruiting. Zugegeben, nicht alle erfahrenen Mitarbeiter verfügen über die notwendigen Kompetenzen im Personalbereich, um direkt ins Recruiting zu wechseln. Doch in unterstützender und beratender Funktion können sie für Personaler eine große Hilfe sein. Mit den entsprechenden Weiterbildungen ist dann auch eine eigenständige Arbeit in diesem Bereich möglich.
  8. Supervision. Für den Einsatz als Supervisor ist - trotz aller Erfahrung - eine professionelle Weiterbildung zwingend erforderlich. Die Betreuung und Begleitung von Teams lässt sich eben nicht nur auf Grundlage jahrelanger Erfahrung durchführen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Sind die fachlichen Voraussetzungen jedoch gegeben, steht einer erfolgreichen Arbeit als Supervisor nichts mehr im Wege.
  9. Kundenbetreuung. Die meisten Unternehmen haben einige Premium-Kunden, denen sie die bestmögliche Betreuung bieten wollen. Für diese Aufgabe sind erfahrene Mitarbeiter - mit Kenntnissen in diesem Bereich - wunderbar geeignet. Sie verfügen meist neben ihrer Erfahrung auch über das notwendige Auftreten.
  10. Projektkoordination. Eher organisatorisch begabte erfahrene Mitarbeiter können auch in die Projektkoordination wechseln. Solange sie hier hauptsächlich auf der strategischen und konzeptionellen Ebene arbeiten, können sie ihre Erfahrung optimal einsetzen.

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