In den letzten Jahren hat sich der Begriff Leadership immer häufiger durchgesetzt. Ursächlich dafür ist ein anderes Verständnis von Führung und Management als es in der Vergangenheit üblich war. Eine sich verändernde Arbeitswelt mit neuen Herausforderungen braucht Führungskräfte, die dementsprechend handeln können. Das althergebrachte Verständnis von Führung als Management ist da nicht ausreichend. Was Leadership im Einzelnen bedeutet und wo der Unterschied zwischen Leadership und Management liegt...

Leadership Kompetenzen Unterschied zwischen Leadership und Management

Leadership Definition: Führung mit Vision

Im Laufe der Jahrzehnte gab es immer wieder neue Vorstellungen darüber, was Leadership, zu deutsch: Führung, ausmacht. Namhafte Ökonomen wie Peter Drucker haben mit ihren Definitionen die Vorstellung darüber geprägt, was Leadership beinhaltet. Für Drucker ist maßgeblich, dass ein Leader Anhänger hat.

Dabei sind nicht unbedingt Beliebtheit, ein hoher Rang oder Titel maßgeblich, aber sein Handeln bringt Resultate hervor und er zeichnet sich durch Verantwortung aus.

John P. Kotter, Professor für Führungsmanagement an der Harvard Business School, versteht unter Leadership ein Verhalten, das Menschen Zukunftsvisionen zeigt und sie dazu inspiriert, diese entgegen aller möglichen Widerstände zu verfolgen. Dabei geht es weniger um das Erreichen von Jahreszielen, sondern um positiv besetzte Visionen, die über rein finanzielle Aspekte hinaus Bestand haben.

Allgemein formuliert wird Leadership als die praktische Fähigkeit verstanden, andere Menschen, Teams oder Organisationen zu leiten beziehungsweise zu führen. Dabei geht es allerdings nicht einfach nur um die klassische Richtungsvorgabe, sondern es geht um ein Zusammenspiel aus Werten, Charaktereigenschaften, situatives Verhalten, Visionen und Charisma, das der Leader seinen Mitarbeitern vermittelt.

Es braucht dafür zwar eine kommunikationsstarke Persönlichkeit, allerdings ist es mit Rhetorik allein nicht getan: Die vorgetragenen Visionen müssen auch mit Werten und Überzeugungen gefüllt und durch das eigene Handeln vorgelebt werden.

Unterschied zwischen Leadership und Management

Warum spricht man nun von Leadership statt Management oder Führung? Der Begriff Führung bereitet gerade im deutschsprachigen Raum Probleme, wenn man denjenigen beschreiben will, der führt. Führer ist seit der Zeit des Nationalsozialismus vorbelastet; viele Menschen verbinden damit Kadavergehorsam, der so gar nicht zum Bild des mündigen Mitarbeiters passen will.

Beim Management hingegen stehen organisatorische Kompetenzen im Vordergrund, die für ein Unternehmen zwar unerlässlich sind, jedoch nicht ganz zum Verständnis von Leadership passen. Aus der Betriebswirtschaft kommend, steht Management vor allem für analytische und organisatorische Fähigkeiten.

Diese Eigenschaften sind von großer Bedeutung, helfen allerdings in krisenhaften Situationen nicht weiter. Hier bedarf es einer Führungskraft, die bestimmte charakterliche Eigenschaften wie Charisma in sich vereinigt und daneben ihre Mitarbeiter motivieren und überzeugen kann.

Leadership wird hier als eine Managementkompetenz verstanden, die sich vor allem in der Interaktion mit den Mitarbeitern zeigt und wieviel Einfluss sich im Verhalten der Mitarbeiter ablesen lässt.

Kotter beschreibt in seinem Buch "A Force For Change: How Leadership Differs From Management" den Unterschied zwischen Managern und Führern (im Sinne von Leadern) so, dass Manager eher Verwalter, Leader hingegen Visionäre seien. Leadership nach Kotter bedeutet, dass die Mitarbeiter durch Visionen inspiriert und motiviert ihrer Arbeit nachgehen.

Derart geführte Mitarbeiter sind kreativer und innovativer, da sie ihre Arbeit als sinnvoll erleben.

Leadership Kompetenzen im Überblick

Unterschied zwischen Leadership und Management KompetenzenDer Hauptunterschied zwischen Leadership und Management ist der, dass Leadership vom Menschen aus denkend vorgeht, während ein Manager immer vom Unternehmen aus denkend agiert. Ein Leader braucht deshalb eine bestimmte Haltung, die er im Umgang mit seinen Mitarbeitern glaubwürdig demonstriert.

Leadership zeichnet sich durch folgende Fähigkeiten aus:

  • Begeisterung
  • Einbindung
  • Information
  • Inspiration
  • Kommunikation
  • Motivation
  • Prozessverbesserung
  • Vision
  • Zukunftsperspektive

Management hingegen beinhaltet folgende Dinge:

  • Analyse
  • Budgetierung
  • Controlling
  • Organisation
  • Planung
  • Problemlösung
  • Qualitätssicherung
  • Risikomanagement
  • Verwaltung

Was es für einen Leader braucht

Kein Unternehmen kann auf eine Führungskraft verzichten, die oben genannte Managementqualitäten mit sich bringt. Anders ausgedrückt: Leadership Kompetenzen allein reichen nicht; und so wollen Unternehmen oftmals den Spagat zwischen beidem in einer Person.

Die Kompetenzen von Managern und Leadern unterscheiden sich jedoch so deutlich, dass sie selten in einer einzigen Person vereinigt sind. Klüger wäre es daher, eine Position je nach Bedarf zu besetzen. Das ist in der Realität allerdings schwer umzusetzen.

Somit tun Unternehmen gut daran, ihre Führungskräfte in Leadership zu schulen. Das setzt natürlich eine entsprechende Unternehmenskultur voraus, in der die Werte verankert sind, die von dem zukünftigen Leader verlangt werden.

Peter Drucker vertrat einst die Ansicht:

The only definition of a leader is someone who has followers.

Und hier liegt der entscheidende Unterschied zum Manager: Zwar hat ein Leader auch Untergebene, denn er ist qua Position Vorgesetzter. Das heißt aber nicht, dass er einen autoritären Führungsstil ausübt, denn seine Untergebenen sind Followers.

Followers lässt sich am besten mit Anhängern übersetzen, also Mitarbeitern, die begeistert die Ideen und Werte des Leaders tragen. Dafür braucht es eine Führungskraft, die verschiedene Aspekte vereinigt, unter anderem auch eine gewisse Risikofreudigkeit.

Diese jedoch im Rahmen rationaler Überlegungen, die gut abgewägt werden. Und da die Anhänger dem Leader in seinen Entscheidungen vertrauen, sind sie bereit, ebenfalls neue Wege zu beschreiten und Risiken einzugehen, die sie unter anderen Umständen meiden würden.

Kotter nennt drei wesentliche Faktoren, die einen Leader ausmachen:

  • Persönlichkeit

    Sie wird teilweise durch die Vererbung bestimmt, aber nicht unwesentlich auch von den Erfahrungen und Erlebnissen in der Kindheit. In der Persönlichkeitsforschung wird vor allem das Fünf-Faktoren-Modell Big Five immer wieder herangezogen, um die Arbeitsweise von Führungskräften und Mitarbeitern zu beleuchten. Demnach sind ein großes Maß an Offenheit und Extraversion typisch für Führungskräfte. Wer solche Werte besitzt, ist voller Energie und packt aktiv Dinge an.

  • Erfahrung

    Unterschiedlichste Erfahrungen prägen uns bis ins Erwachsenenalter hinein. Soziologen gehen davon aus, dass die meisten Menschen im Alter von 29 Jahren in ihren Werten und Normen so gefestigt sind, dass sich nichts Wesentliches mehr ändert. Wer im Laufe seines Lebens überwiegend positive Erfahrungen gemacht hat, viel Bestätigung und Wertschätzung erfahren hat, besitzt ein gewisses Standing und Selbstvertrauen. Situationen, in denen jemand beispielsweise gescheitert ist, die Krise dennoch meistern konnte, tragen zu einer Widerstandsfähigkeit bei, die sich im weiteren Berufsleben bezahlt macht. Aus so einer Position heraus kann jemand ganz anders auf andere Leute zugehen und sie motivieren.

  • Kultur

    Hier geht es vor allem um die Unternehmenskultur. Kotter erachtet sowohl Managerqualitäten als auch Leadershipqualitäten als wichtig für ein Unternehmen. Wenn im Unternehmen selbst jedoch kein Bewusstsein dafür existiert, dass beides seinen Platz hat, ist die Entwicklung von Nachwuchskräften, die den Leadershipgedanken tragen eher unwahrscheinlich. Maßgeblich dafür sind beispielsweise die Belohnungssysteme: Werden nur Manager durch Beförderung belohnt, Leader hingegen nicht, bremst das die Entwicklung von Leadern. Das Gleiche allerdings auch umgekehrt, so dass die Lösung nie in einer einseitigen Förderung liegen kann.

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