Zurück zum alten Job oder zumindest zum Ex-Arbeitgeber? Kann das gut gehen? Gestern schrieb mir eine Leserin, nennen wir sie Julia, genau diese Frage. Zudem fragte Julia, ob eine solche Rückkehr auf den früheren Arbeitsplatz denn später überhaupt als ein Schritt nach vorn gesehen werde oder nicht vielmehr einer zurück wäre, weil man ja de facto wieder dort gelandet ist, wo man schon einmal war, das Leben sich also eigentlich nur im Kreis entwickelt hat. Die Antwort: Ja und Nein.

Man sieht sich immer zweimal

Die Sache ist natürlich etwas komplexer. Es stimmt zwar, dass es auf den ersten Blick so aussieht, als hätte man sich beruflich überhaupt nicht entwickelt. Aber das kommt eben darauf an, ob man tatsächlich wieder auf exakt derselben Stelle von einst landet oder doch etwas anderes macht. Aber der Reihe nach:

Die meisten Unternehmen haben überhaupt nichts dagegen, wenn sie ehemalige Mitarbeiter noch einmal bewerben. Man kennt sich und kauft deshalb nicht die Katze im Sack. Eine schon angestaubte Hays-Studie aus dem Jahr 2007 sagt, dass 81 Prozent der Personaler bereit wären, Ex-Kollegen wieder einzustellen. Offen gestanden: Es bleibt ihnen ja auch wenig anderes übrig.

Stichwort Fachkräftemangel: Egal, wie ausgeprägt der nun ist – top-qualifizierte Arbeitskräfte sind Mangelware. Um die reißen sich alle Unternehmen. Und wenn dann auch noch ein ehemaliger Mitarbeiter mit frischem Know-how und neuen Perspektiven von anderen Unternehmen heimkehrt, so kann ihn das ausgesprochen attraktiv machen. Das eigene Unternehmen kennt er oder sie ja schon, die Kollegen auch, und damit braucht es auch weniger Einarbeitungszeit (vorausgesetzt, das Engagement liegt nicht zig Jahre zurück). So ein Ex-Mitarbeiter ist also ein bisschen wie Plug & Play.

Die Vorteile im Überblick
  • Beide Seiten kennen sich – Kollegen, Organisation, Abläufe.
  • Der “Neue” ist schon eingearbeitet – eine lange Einarbeitungszeit entfällt.
  • Der Ex-Mitarbeiter bringt neues Wissen und neue Fertigkeiten mit.
  • Die neuen Blickwinkel und das Know-how machen den Ex-Kollegen nach der Pilgerreise wertvoller.

Jetzt der Haken:

Ob einen der Ex-Arbeitgeber mit offenen Armen empfängt, hängt entscheidend davon ab, wie man gegangen ist und welcher Ruf einem anhängt. Deshalb heißt es auch: Verbrenne nicht Brücken, über die du vielleicht noch einmal gehen musst!

Hinzu kommt: Bei so manchem Ex-Chef oder Personaler sind noch genug Stör-Emotionen vorhanden, der gefühlte Loyalitätsbruch ist ihnen noch präsent. Denn der Mitarbeiter hat sich schon einmal gegen den Arbeitgeber entschieden. Wie treu ist er wohl jetzt? Bedeutet die Bewerbung Läuterung oder kommt sie aus der Not heraus?

Deshalb:

Auf diese Fragen sollten Sie gefasst sein:
  • Warum haben Sie damals gekündigt? Und warum ist das heute anders?
  • Warum haben Sie bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber wieder gekündigt?
  • Warum bewerben Sie sich jetzt bei uns?
  • Welche Erfahrungen konnten Sie bisher sammeln?
  • Warum interessieren Sie sich für Ihre alte Stelle?
  • Was erhoffen Sie sich von dieser Stelle?
  • Was, denken Sie, ist heute anders als vor XX Jahren?

Heimkehr mit Hindernissen

Je besser der Ruf des Ex-Mitarbeiters, desto einfacher lassen sich diese Fragen beantworten und desto weniger wird nachgebohrt. Erfahrungsgemäß tun sich junge Berufstätige mit der Rückkehr zum Ex-Arbeitgeber leichter als ältere. Ihnen wird noch zugestanden, dass sie sich erproben wollen, experimentieren und möglichst breite Berufserfahrungen sammeln, bevor sie sich langfristig binden. Bei Älteren wirkt es – leider – zuweilen wie ein Eingeständnis, dass das Gras woanders doch nicht grüner ist. Dagegen sollten sie also spätestens beim Vorstellungsgespräch unbedingt argumentieren. Wer dabei in Erklärungsnot gerät und keine guten Gründe für den Rückkehrwunsch nennen kann, lässt seinen Ausflug schnell wie eine Niederlage aussehen – und minimiert seine Einstellungschancen dramatisch.

Auch wie lange die Job-Pilgerei gedauert hat, ist nicht unerheblich. Dauerte die Reise weniger als zwei Jahre, glaubt keiner so richtig, dass Sie wirklich viele tief gehende Erfahrungen machen und woanders Erfolge realisieren konnten. Schauen Sie umgekehrt erst nach mehr als fünf Jahre wieder beim Ex-Arbeitgeber vorbei, erinnert sich der vielleicht kaum noch an sie, und es hat sich im Unternehmen auch zu viel verändert (Abläufe, Belegschaften, Geschäftsmodelle), sodass einige der oben genannten Vorteile obsolet geworden sind.

Der für Ihren Lebenslauf langfristig aber wichtigste Punkt ist:

Landen Sie exakt wieder auf derselben Position wie früher oder steigen Sie bei der Rückkehr auf?

Letzteres ist entscheidend. Sonst haben Sie sich – bei allen Erfahrungen – tatsächlich nicht weiterentwickelt und selbst Stagnation stellt im Lebenslauf einen Rückschritt dar.

Natürlich ist das ein Problem für manchen Arbeitgeber. Schließlich will kein Unternehmen den Eindruck erwecken, der Aufstieg gelinge in dem Laden nur durch Untreue, Verrat und häufiges Jobwechseln. Dennoch: Wenn Sie argumentieren, dass Sie bei Ihrem Trip durch die Unternehmenslandschaft Ihr Know-how verbessert haben und nun breiter aufgestellt sind (und das sollten Sie!), dann können Sie einfach gar nicht mehr den alten Job machen. Das wäre auch für das Unternehmen eine Verschwendung von Ressourcen.

Daher:

Diese Punkte sollten Sie vor der Rückkehr abhaken können
    [ ] Sie haben Erfahrungen gesammelt, die Sie wertvoller machen.
    [ ] Ihr Know-how ist jetzt breiter, tiefer.
    [ ] Sie wissen, wie Sie dieses Wissen einbringen wollen.
    [ ] Sie profitieren noch immer von Ihrem alten Netzwerk.
    [ ] Zwischen Ausstieg und Rückkehr sind mindestens 2 Jahre vergangen.
    [ ] Zwischen Ausstieg und Rückkehr sind nicht mehr als 5 Jahre vergangen.
    [ ] Ihr Ruf beim Ex-Arbeitgeber ist (noch) tadellos.
    [ ] Auch von den bisherigen Chefs gibt es gute Referenzen.
    [ ] Die neue Position ist besser dotiert als die frühere.
    [ ] Die Rückkehr ist verbunden mit einem Aufstieg.

Noch mehr Fragen, die Sie sich stellen sollten, finden Sie HIER.

Achso, eins noch: Rechnen Sie damit, dass nicht alle Ex-Kollegen Sie willkommen heißen. Erst recht, wenn Sie nun deren Vorgesetzter werden oder etwas anderes, besseres. Die Reserviertheit sollten Sie aber nie mit Arroganz kontern (was letztlich Ihre Unsicherheit dokumentiert), sondern vielmehr offen von Ihren Erfahrungen berichten und durch frisches Engagement und Leidenschaft für den neuen alten Arbeitgeber überzeugen.