Telefoninterview-Fragen-TippsZunächst mal spart es Kosten. Reisekosten vor allem. Aber auch Zeit. Das telefonische Vorstellungsgespräch, auch Telefoninterview genannt, wird als effizientes Mittel der Personalauswahl enorm geschätzt und immer öfter dem Bewerbungsgespräch vorgeschaltet. Das kann zahlreiche Vorteile haben, weil der Personaler dabei blind ist und von Aussehen, Kleidung, Duft oder Körpersprache nicht abgelenkt wird. Der Nachteil: Umso entscheidender ist, was Sie sagen...

Telefoninterview: Das erwartet Sie

Telefoninterview-vorbereiten-VorstellungsgesprächKeine Bange: Zu einem telefonischen Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, ist zunächst ein gutes Zeichen. Sie sind eine Runde weiter, man ist an Ihnen interessiert.

Allerdings - das ist die Kehrseite - hat die Papierform eben noch nicht so richtig überzeugt und der Personaler oder Chef in spe möchte sich zu diesem Zeitpunkt lieber ein noch runderes Bild von Ihnen verschaffen, ohne dazu allzu großen Aufwand zu betreiben.

Meist sind zudem noch einige Fragen nach der Lektüre Ihrer Bewerbungsmappe offen geblieben:

  • Haben Sie womöglich Lücken im Lebenslauf, die erklärungsbedürftig sind?
  • Waren Sie längere Zeit im Ausland und keiner weiß so richtig, warum?
  • Sind Sie schon eine längere Zeit arbeitsuchend oder hangeln sich mit Praktika durch?

All diese Fragen könnten im Telefoninterview kommen - und sollten ebenso klar wie souverän und prompt beantwortet werden.

So bereiten Sie das telefonische Vorstellungsgespräch vor

Um am Telefon zu brillieren, ist gute Vorbereitung essenziell.

Ein Überfall-Interview müssen Sie nicht akzeptieren:

  • Sagen Sie dann, dass Sie jetzt gerade keine Zeit haben, aber gerne zeitnah einen genauen Termin vereinbaren.
  • Fragen Sie dabei auch gleich danach, wie lange das Gespräch voraussichtlich dauern wird – falls das nicht schon angegeben wurde. So können Sie sich ausreichend Zeit dafür reservieren.

Und die Dauer verrät nicht zuletzt auch etwas darüber, welche Fragen kommen könnten:

  • Bei einem 20-minütigen Telefoninterview geht es meist nur um ein paar Basisinformationen zu Ihrer Person, ein paar Rückfragen zum Lebenslauf, eventuelle Lücken, die geklärt werden sollen.
  • Dauert das Gespräch eine Stunde sollten Sie mit tiefergehenden Fragen rechnen und sich wie auf ein umfassendes Vorstellungsgespräch vorbereiten – mit Fragen zu Ihrer Persönlichkeit, zu Ihren Plänen und Zielen, eigenen Rückfragen.

Vor- und Nachteile

Der Vorteil des Telefoninterviews ist offensichtlich, oder eben genau nicht: Zappeln und nervöse Mikrogesten sieht Ihr Gegenüber nicht. Ob Sie mit den Füßen wippen, die Beine auf und ab zittern lassen und sich die Finger der freien Hand reiben - es bleibt für den Personaler unsichtbar. Gerade für Menschen, die im direkten Kontakt nervös werden, kann das Telefoninterview befreiend sein. Ebenso die etwas weniger förmliche Atmosphäre.

Der Nachteil: Für Menschen mit ausgebildeter Körpersprache ist ein Telefoninterview ein Verlust. Wer seine Aussagen gern durch passende Gesten unterstützt und damit überzeugt, verliert diesen Bonus am Telefon. Die gelöste Atmosphäre kann zudem zu einer laxen Haltung führen - Fatal!

Telefoninterview-Tipps: Vor dem Gespräch

Vorstellungsgespräch-TelefonDarüber hinaus ist es ratsam, ein paar grundlegende Hausaufgaben zu machen:

  • Informationen sammeln. Besuchen Sie vorab die Unternehmenshomepage und sammeln Sie so viele Infos wie möglich zu dem Arbeitgeber, zu dessen Größe und Branche, den Produkten, Plänen und Top-Personalien. So können Sie später besser eigene Rückfragen stellen.
  • Standardfragen vorbereiten. Einige Fragen (beispielsweise nach Stärken und Schwächen) sind Teil jedes Bewerbungsgesprächs. Die 100 typischen Vorstellungsfragen haben wir schon für Sie gesammelt. Am Anfang stehen meist Fragen zu Lebenslauf und Berufslaufbahn - bereiten Sie dazu knackige Antworten vor.
  • Lebenslauf lernen. Ihren beruflichen Werdegang müssen Sie perfekt beherrschen und zu jeder Station, jedem Punkt etwas sagen können. Halten Sie also die Bewerbung samt Lebenslauf zur Sicherheit griffbereit.
  • Xing anzapfen. Wenn Sie den Namen Ihres Gesprächspartners kennen: Informieren Sie sich bei Xing oder Linkedin über ihn. So nehmen Sie ihm den Schleier des Unbekannten und können vielleicht sogar auf eine Sache persönlich Bezug nehmen ("Ich habe gelesen, Sie gehen auch gerne joggen...").
  • Überraschungsanruf erwarten. Nicht alle Unternehmen geben Ihnen sofort einen festen Termin. Achtung: Stresstest! In der Bewerbungsphase gilt daher: Immer mit vollem Namen melden, Mitbewohner informieren, Anrufbeantworter-Ansage checken und unbedingt professionellen Text aufsprechen.
  • Telefon checken. Benutzen Sie am besten ein richtiges Telefon, kein Smartphone. Oder aber Sie stellen sicher, dass der Akku aufgeladen und die Verbindung standfest ist. Indem Sie für eine gute Verbindung (im doppelten Wortsinn) und eine sichere Leitung sorgen, unterstreichen Sie Ihre Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt. Wer schon bei der Bewerbung nicht auf solche Details achtet, könnte auch im Job schlampig sein.
  • Offiziell anziehen. Zugegeben, der Tipp klingt zunächst skurril. Schließlich geht es um ein Telefoninterview, kein Videointerview (siehe unten). Tatsächlich aber färben Körperhaltung und die Wahl unserer Kleidung unbewusst auf unser Verhalten ab. Aus demselben Grund empfehlen Experten Schuhe, Krawatte und Hemd im Heimbüro anzuziehen – und nicht bloß einen Bademantel. Kleiden Sie sich also so, als würden Sie zu einem richtigen Vorstellungsgespräch gehen. Kann sein, dass dies das Lampenfieber kurzfristig erhöht, aber das Adrenalin macht Sie auch aufmerksamer und verbessert Ihre Wirkung. Man hört am Telefon weit mehr als man meint.

Telefoninterview-Tipps: Während des Gesprächs

  • Hintergrundlärm vermeiden. Der Personaler möchte Ihre Antworten hören: spielende Kinder, fahrende Autos und bellende Hunde gehören nicht dazu. Radio, TV, Musik im Hintergrund sind ebenso tabu. Das Schlimme daran ist die subtile Aussage, die damit verbunden ist: Meine Priorität gehört dem, was im Hintergrund passiert. Du (und der Job) bist nur zweite Wahl. Nicht gerade das, was man unter einem hochmotivierten Bewerber versteht.

    Bonustipp für Frauen: Große Ohrringe können am Hörer klappern - besser abnehmen.
  • Atmosphäre schaffen. Eine kurze Frage nach der Laune des Gesprächspartners schafft eine sympathische Stimmung von Beginn an. Eventuell ist sogar kurzer Smalltalk angebracht. Ganz wichtig: Immer viel lächeln! Das hört man.
  • Stimme beachten. Achten Sie auf eine deutliche und selbstbewusste Sprechweise. Atmung, Lautstärke und vor allem Tempo regulieren - die meisten Menschen sprechen bei Nervosität zu schnell. Was immer hilft: aufstehen und einen festen Stand einnehmen. Tief mit dem Bauch atmen, Brustatmung allein ist zu flach.
  • Ausdrucksweise bedenken. Manche Menschen verfallen am Telefon in umgangssprachlichen Jargon oder Mundart - beim Bewerbungsgespräch ist das eher unangebracht. Studien zeigen, solche Menschen wirken auf andere weniger intelligent. Auch "äh", "öhm" und andere Füllwörter sollten Sie möglichst vermeiden.
  • Ablenkung verhindern. Eigentlich selbstverständlich: Während des Telefonats nichts essen, nicht rauchen, nicht am Laptop tippen und nicht fernsehen. (Zweit)Handy ausschalten nicht vergessen.
  • Wasser bereitstellen. Vor Nervosität kann Ihnen der Hals austrocknen; halten Sie daher stets ein Glas stilles Wasser bereit. Keinen Sprudel - Sie wollen schließlich nicht aufstoßen müssen.
  • Englisch erwarten. Bei internationalen Konzernen wechselt der Interviewer schon mal ins Englische. Er wird Sie in der Regel vorher darauf hinweisen, sodass Sie umdenken können - ruhig bleiben!
  • Pausen akzeptieren. Wie beim Smalltalk gilt: Kurze Pausen im Gespräch gehören dazu. Nutzen Sie die Sekunden, um Ihre Gedanken zu sammeln und Gesagtes zu bedenken. Bloß nicht versuchen, stille Zeit zuzutexten.
  • Nachfragen anwenden. Sie können nicht jeden Satz beim ersten Mal verstehen - wenn Sie eine Frage nicht verstanden haben, bitten Sie um Wiederholung. Bloß keine falsche Scham. Was ist schlimmer: nachfragen oder eine dumme Antwort? Eben.
  • Vortritt lassen. Und fallen Sie dem Interviewer bitte nie ins Wort und lassen Sie ihn ausreden - schließlich ist er in der Regel derjenige, der das Gespräch führt.
  • Persönlich verabschieden. Merken Sie sich den Namen des Interviewers und sprechen Sie ihn damit an. Das gilt besonders für den Abschied: "Herr/Frau ..., danke für das nette Gespräch!"

Videointerviews via Skype

  1. Ziehen Sie zum Videointerview zwar eine seriöse Kleidung an (Anzug, Kostüm), aber auch eine, in der Sie sich wohl fühlen. Das sieht man Ihnen sprichwörtlich an.
  2. Etwas Maske muss sein, auch bei Männern. Ein glänzendes Gesicht wirkt einfach unschön. Puder hilft. Wer keines hat, kann sein Gesicht auch vorsichtig (!) mit einem Papiertuch abrubbeln.

    Extra-Tipp: Männer sehen mit Seitenlicht markanter aus, Frauen mit Frontallicht weiblicher.
  3. Zeigen Sie sich von Ihrer Schokoladenseite. Jeder Mensch hat eine Gesichtshälfte mit der er besser aussieht. Finden Sie heraus, welche das ist - und stellen Sie die Kamera so hin, dass diese optimal zur Geltung kommt.
  4. Sprechen Sie stets in verständlichen, einfachen und nicht gestelzten Worten. Vor allem aber: Formulieren Sie kurze Hauptsätze.

Typische Fragen im Telefoninterview

Neben den Standardfragen, wie sie in jedem Bewerbungsgespräch vorkommen können, gibt es am Telefon eben auch noch die besagten Fragen zu den Lücken im Lebenslauf oder besonders raffinierte, latente Fangfragen.

Die Art und Weise wie Sie als Kandidat darauf reagieren, verrät dem Interviewer viel über...

  • Ihre Ziele
  • Ihre Werte
  • Ihre Motivation
  • Ihre Arbeitsweise

Grundsätzlich gilt: Versuchen Sie nie etwas zu vertuschen. Wenn Sie sich doch verraten oder in Widersprüche verstricken, ist das Vertrauen dahin und die Jobchancen bei Null Prozent.

Besser: Erklären Sie, was Sie selbst aus Niederlagen - Jobverlust, Studienabbruch, etc. - oder Fehlern gelernt haben und künftig besser machen werden. Aber nicht rechtfertigen - stehen Sie dazu, und blicken Sie nach vorn. Je aufrichtiger und gründlicher Sie solche Situationen analysieren, desto überzeugender wirkt das.

Brüche im Lebenslauf sind heute keine Schande mehr, im Gegenteil: Es zeichnet echte Persönlichkeiten aus!

Zu Kategorie der schwierigen Fragen gehören vor allem die folgenden, auf die Sie sich ebenfalls vorbereiten können.

Frage Hintergrund
Was mochten Sie an Ihrem bisherigen Job am wenigsten? Die offene Frage klärt auf unaufdringliche Art und Weise, wie der Bewerber mit negativen Situationen und Frustrationen umgeht.
Was interessiert Sie an diesem Job vor allem? Die Frage hat nicht nur den Vorteil, dass sie offen ist – sie zwingt den Bewerber auch zu einer ebenso konkreten wie differenzierten Aussage, bei der er viel über seine Interessen, seine Karriereziele und seine letzte Beschäftigung zu erkennen gibt.
Wenn Sie Ihre vergangenen zwei bis drei Positionen vergleichen: Waren Sie eher Anführer oder Ausführer? Begründen Sie bitte Ihre Antwort. Eine weitere offene Frage, die ebenfalls zu Bekenntnissen zwingt. Auch wenn die meisten glauben, mit „Anführer“ antworten zu müssen, kommen Sie nicht umhin, Ihre Qualitäten diesbezüglich zu konkretisieren.
Erzählen Sie mir etwas von sich, das nicht in Ihrem Lebenslauf steht. Ja, die Frage ist aggressiv und provokant – aber genau darum geht es doch in einer Bewerbung: Werbung machen für sich, besser sein, sich abheben, in Erinnerung bleiben. Warum also nicht den Prozess abkürzen und gleich zur Sache kommen?
Wie geht es Ihnen gerade? Banal? Mitnichten! Immer wieder wird die Macht des ersten Eindrucks betont. Was aber wenn jemand auf eine solch simple Offerte zur Charmeoffensive nicht überzeugend parlieren kann? Wie soll so einer vom ersten Tag an ins Unternehmen passen, geschweige denn bei Kunden und Kollegen ankommen?
Was wissen Sie über unser Unternehmen? Das Schöne an der Frage ist, dass sie nicht nur Fachwissen oder gar Klischees abklopft, sie zeigt auch, wie intensiv sich der Bewerber mit seinem künftigen Job auseinander gesetzt hat, wie gründlich er oder sie recherchiert hat. Eine offenere Variante der Frage lautet: Erzählen Sie mir etwas über unser Unternehmen.
Wenn Sie Ihren perfekten Job selbst gestalten könnten – wie sähe er aus? Die Frage löst in der Regel zunächst ein Lächeln aus – dann Schweißperlen auf der Stirn. Denn hier zeigt sich, wie reflektiert jemand mit seinem Beruf umgeht, welche Pläne er hat und ob er Treiber seiner Karriere ist oder sich vielmehr treiben lässt.
Was werden Ihre neuen Kollegen von Ihnen lernen? Die Frage zielt letztlich auch auf den Mehrwert, den der oder die „Neue“ zum Unternehmen beisteuert. Aber sie holt den sonst eher monetären Aspekt (Leistung gegen Geld) auf eine soziale Ebene. Die Antwort offenbart zugleich wie kollaborativ der Kandidat ist.
Wenn ich zwei Ihrer Ex-Kollegen zu Ihnen befragen würde – einen Freund und einen, der das eher nicht ist: In welchen Punkten würden dennoch beide übereinstimmen? Eine raffinierte Frage, weil sie herausarbeitet, wie empathisch jemand ist und wie gut er mit anderen Menschen umgehen, sich in sie hineinfühlen und zugleich über sich selbst reflektieren kann. Eine Fähigkeit, die im Berufsleben immer wichtiger wird.
Wenn wir Sie jetzt einstellen: Was werden Sie in den nächsten 90 Tagen als erstes unternehmen? Hier geht es ans Eingemachte: Die Frage zwingt den Bewerber dazu, den neuen Job schon zu imaginieren und konkrete Handlungen zu verbalisieren. Das liefert gute Indizien, ob er oder sie tatsächlich in den ersten 90 Tagen reüssieren wird und zum Unternehmen passt.
Was erwarten Sie von einem Unternehmen, in das Sie Ihr Talent und Ihre Zeit investieren wollen? Auch diese Frage stellt die übliche Bewerbungsperspektive auf den Kopf. Normalerweise überlegen Kandidaten, was das Unternehmen sucht und versuchen genau diese Punkte zu treffen und als Leistungspaket zu verkaufen. Ein Vorstellungsgespräch (insbesondere die Probezeit) ist aber immer auch dazu gedacht, herauszufinden, ob beide (!) Seiten zu einander passen. Genau dabei hilft diese Frage. Zudem können Personaler so klären, wie stabil die spätere Beziehung sein wird. Obendrein erleichtert sie Gehaltsverhandlungen.
Was ist Ihre größte Sorge – diesen Job betreffend? Nicht nur, dass man so herausfindet, wie gut sich der Kandidat auf das Jobinterview vorbereitet, wie intensiv er sich mit der Stelle und dem Unternehmen beschäftigt hat – es zeigt sich ebenso, welche Herausforderungen derjenige erwartet und wie er gedenkt, damit umzugehen. Nebenbei findet man natürlich auch heraus, wie offen der Bewerber tatsächlich ist.
Ganz am Ende des Jobinterviews: Wie würden Sie Ihr aktuelles Interesse für diesen Job auf einer Skala von 1 bis 10 (10 = Maximum) einordnen? Klar, die meisten werden wohl mit 10 antworten, um ihre Jobchancen nicht zu schmälern. Hier gilt es dann nachzubohren, warum derjenige maximales Interesse bekundet. In allen anderen Fällen fragen Sie nach, was sein Interesse verringert hat. So finden Sie nicht nur etwas über den Kandidaten und seine Motivation heraus – sondern auch über die Qualität Ihrer Stellenangebote und Jobinterviews.
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