Kündigung begründen: Tipps fürs Vorstellungsgespräch

Die Frage: „Warum wollen Sie den Job wechseln?“ kommt in fast jedem Vorstellungsgespräch. Personaler wollen wissen, wie Sie Ihre Kündigung begründen – egal, ob diese freiwillig oder unfreiwillig war. Um mit der Begründung zu überzeugen, kommt es vor allem auf die richtige Perspektive an. Tipps und bewährte Strategien, wie Sie eine Kündigung begründen, ohne sich zu rechtfertigen…

Kuendigung Begruenden Tipps Gruende Angeben Verschweigen Vorstellungsgespraech

Muss ich als Arbeitnehmer die Kündigung begründen?

Eine Kündigung müssen Sie zwar nicht begründen: Es besteht keine gesetzliche Auskunftspflicht über den Kündigungsgrund in der Bewerbung. Finden Sie aber binnen 3 Monaten keinen neuen Job, entsteht jedoch eine sogenannte Lücke im Lebenslaufhttps://karrierebibel.de/luecken-im-lebenslauf/ – und diese sollten Bewerber unbedingt erklären können.

Arbeitnehmer in Deutschland wechseln im Schnitt alle 5-7 Jahre den Job. Eine Eigenkündigung und mehrere Jobwechsel sind daher ganz normal. Auch eine betriebsbedingte Kündigung ist keine Schande und lässt sich leicht begründen.

Entscheidend hierbei ist der richtige Umgang mit dem Jobverlust: Wer versucht, etwas zu beschönigen oder zu vertuschen, offenbart nur ein schlechtes Gewissen. Lassen Sie deshalb wenig Raum für Spekulationen und gehen Sie ebenso gelassen wie offensiv mit einer Kündigung um und versuchen Sie diese professionell und zukunftsorientiert zu begründen.

Anzeige

Wie kann ich in der Bewerbung eine Kündigung begründen?

Idealerweise begründen Sie die Kündigung schon in Ihrer Bewerbung, das erleichtert Ihnen die Argumentation später im Vorstellungsgespräch und klärt bereits so manche Zweifel oder Spekulationen. Wichtig ist, dass Sie zunächst zwei Fälle unterscheiden: Haben Sie selbst gekündigt – oder wurden Sie entlassen? Der Unterschied hat massiven Einfluss auf Ihre Begründung, weil Personalverantwortlichen dann jeweils andere Fragen durch den Kopf schießen:

    1. Ich habe selbst gekündigt

    Das ist die beste Variante, weil Sie Ihre berufliche Entwicklung offensichtlich aktiv gestalten. Trotzdem darf der Schritt nie nach Flucht aussehen. Personaler fragen sich sonst, ob Sie auch im neuen Job gleich wieder das Handtuch werfen. Wichtig ist daher, dass Sie bei der Begründung nicht in die Vergangenheit blicken, sondern nach vorn. Formulieren Sie stets eine sogenannte Hin-zu-Motivation – hin zu dem neuen Arbeitgeber, nie weg von dem bisherigen.

    Auch sollten Sie in der Bewerbung nach einer Kündigung nie negativ über den bisherigen Arbeitgeber schreiben oder reden! Negative Aussagen fallen immer auf Sie zurück. Dasselbe gilt für eine defensive Haltung: Lange Rechtfertigungen wirken so, als lägen die wahren Ursachen für die Kündigung doch bei Ihnen. Begründen Sie Kündigung im tabellarischen Lebenslauf daher unbedingt kurz und selbstbewusst. Unsere Empfehlungen und Beispielformulierungen sind mit einem „➠“ gekennzeichnet:

  • MM/JJJJ – MM/JJJJ: Senior Account Manager
    Flop AG, Flensburg (700 Mitarbeiter)
    – Entwicklung von Vertriebsstrategien
    – Neukundengewinnung (+8%)
    ➠ Kündigung auf eigenen Wunsch
    ➠ Eigenkündigung mit dem Ziel einer Position im Einkauf
    ➠ Berufliche Neuorientierung und Kündigung auf eigenen Wunsch
  • 2. Mir wurde gekündigt

    In dem Fall interessieren sich Personaler dafür, warum das Arbeitsverhältnis beendet wurde. Gab es Umstrukturierungen, Personalabbau, Entlassungen? Oder lag es an Ihren Leistungen, mit denen der Arbeitgeber unzufrieden war?

    Für den Fall einer unverschuldeten Kündigung fällt die Begründung leicht: Sagen Sie offen und ehrlich, wie es dazu kam. Beispiele:

  • MM/JJJJ – MM/JJJJ: Senior Account Manager
    Flop AG, Flensburg (700 Mitarbeiter)
    – Entwicklung von Vertriebsstrategien
    – Neukundengewinnung (+8%)
    ➠ Kündigung wegen Insolvenz
    ➠ Schließung der Filiale aus Gründen der Konsolidierung
    ➠ Umstrukturierung des Unternehmens, betroffen vom Stellenabbau
  • Im Fall einer selbstverschuldeten Kündigung (leistungsbedingt oder verhaltensbedingt), sollten Sie hingegen bei den Fakten bleiben. Schadensbegrenzung betreiben Sie, indem Sie die Kündigung nur kurz und knapp begründen. Beispiele:

  • MM/JJJJ – MM/JJJJ: Senior Account Manager
    Flop AG, Flensburg (700 Mitarbeiter)
    – Entwicklung von Vertriebsstrategien
    – Neukundengewinnung (+8%)
    ➠ Einvernehmliche Trennung aufgrund unterschiedlicher Entwicklungspläne
    ➠ Einvernehmliche Trennung wegen beruflicher Neuorientierung

Egal, wie Sie Ihre Kündigung begründen: Bitte niemals lügen! Das wird immer zum Bumerang: Fällt die Unwahrheit in der Bewerbungsphase auf, ist Ihre Reputation beschädigt und Sie sind raus. Kommt man Ihnen erst im Job auf die Schliche, ist das ein handfester Grund für eine fristlose Kündigung. Bewusst falsche Angaben im Lebenslauf sind ein schwerer Täuschungsversuch, der das Vertrauen des Arbeitgebers zerstört.

100 kostenlose Bewerbungsvorlagen in Word

Profitieren Sie von unseren modernen Bewerbungsdesigns und kostenlosen Bewerbungsmustern in Word. Mehr als 100 komplette Muster im Set, inklusive Anschreiben, Deckblatt und Lebenslauf. Hier gratis herunterladen:

Zu den kostenlosen Vorlagen

Anzeige

Wie kann ich die Kündigung begründen im Vorstellungsgespräch?

Je nachdem wie Sie die Kündigung im Lebenslauf angegeben haben, kann dies Thema im Vorstellungsgespräch werden. Typische Fragen im Vorstellungsgespräch lauten etwa:

  • Warum haben Sie Ihren Job gekündigt?
  • Was stört Sie an Ihrem aktuellen Job?
  • Warum hat man Sie entlassen?
  • Was, denken Sie, haben Sie falsch gemacht?
  • Was haben Sie daraus gelernt?
  • Was werden Sie bei uns besser machen?
  • Warum glauben Sie hier erfolgreicher zu sein?

Auch hierbei spielt Ihre Wechselmotivation eine zentrale Rolle, wie Sie den Jobwechsel begründen.

Das Wichtigste ist jetzt: Bleiben Sie ruhig und gelassen! Sie sind nicht der erste und auch nicht der letzte Bewerber, der gekündigt wurde oder ein Kündigungsschreiben verfasst hat. Je mehr Sie sich verteidigen, desto schuldiger wirken Sie! So geht es richtig…

Anzeige

Kündigung begründen: Formulierungen und Beispiele

Auch bei den folgenden Beispielen und Formulierungen unterscheiden wir die jeweiligen Kündigungsgründe. Wenn Sie die Kündigung im Vorstellungsgespräch begründen, sollten Sie allerdings nie bitter, frustriert oder verzweifelt klingen. Ihre Attitüde ist bitte immer zuversichtlich, zielstrebig und zukunftsorientiert.

Eigenkündigung begründen

  • „Ich hatte das Gefühl, in dieser Position unter meinen Möglichkeiten zu bleiben und fand keine neue Herausforderung mehr, um mich weiterzuentwickeln.“
  • „Ich suche derzeit eine Stelle mit mehr Verantwortung und neuen Aufgaben, bei denen ich mein Potenzial besser ausschöpfen kann.“
  • „Ich hatte in meinem Job zunehmend das Gefühl, mehr Leistungen bringen zu können, als in der Position möglich war. Dieses Ziel möchte ich in Ihrem Unternehmen weiter verfolgen.“
  • „Nachdem mein Partner einen neuen Job in dieser Stadt angenommen hat, suche ich ebenfalls nach Chancen, mich beruflich weiter zu entwickeln.“
  • „Ich schätze meinen aktuellen Arbeitgeber wirklich sehr und bin dankbar für die bisherige Zusammenarbeit. In jüngster Zeit hat sich aber gezeigt, dass meine internen Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt sind. Das ist bedauerlich, dennoch möchte ich mich beruflich neu orientieren und mein Wissen und Können nun bei Ihnen einsetzen…“
  • „Nach einigen Umstrukturierungen und der Neuausrichtung unserer Abteilung, ist mir klar geworden, dass ich dort mit meinen Fähigkeiten und meinem Know-how nicht die beste Besetzung wäre. Das limitiert beide Seiten – meinen Arbeitgeber und mich. Daher ist der Jobwechsel die Ideallösung für uns beide…“
  • „Offen gestanden, ich wollte meinen Job gar nicht wechseln. Dann aber hörte ich von dieser Stelle, und sie hat mich sofort begeistert. Ich glaube, meine Fertigkeiten und Talente hier optimal einbringen zu können…“
  • Kündigung durch den Arbeitgeber begründen

  • „Das Unternehmen wurde umstrukturiert, von den Maßnahmen war leider auch meine Stelle betroffen.“
  • „Im Rahmen einer Reorganisation wurde meine Stelle gestrichen. Meine Vorgesetzten wollten mich zwar gerne im Unternehmen halten. Die angebotene Stelle bot mir aber kaum Perspektiven und Verantwortung. Und eine spätere Aufstiegsoption war mir zu ungewiss.“
  • „Das neue Aufgabengebiet stellte zwar eine interessante Herausforderung dar. Die Umstrukturierung der Abteilung beeinträchtigt aber erheblich meine Gestaltungs- und Entwicklungsoptionen.“
  • „Bei der Umstrukturierung meines ehemaligen Arbeitgebers wurden 60 Prozent der Stellen abgebaut. Da ich erst kurze Zeit im Unternehmen war, fiel auch meine Stelle weg.“
  • „Mein bisheriger Arbeitgeber hat einen neuen Manager eingestellt, der unser Team neu ausgerichtet hat. Für dessen Strategie war dies sicher ein richtiger Schritt. So passt es allerdings nicht mehr optimal zu meinen Kompetenzen und Stärken.“
  • „Ich hatte in der Vergangenheit eine kurze Krise, in der ich mich beruflich verändern und neu fokussieren wollte. Diese Prozess ist nun abgeschlossen. Ich bin überzeugt, dass Ihre Stelle perfekt zu mir passt und ich mich hier gewinnbringend für Sie einsetzen kann.“

Perfekt aufs Vorstellungsgespräch vorbereiten!

Meistern Sie die letzte Hürde vor dem Traumjob: das Vorstellungsgespräch. Unser Interviewtraining (8 Module, 3 Stunden Videos + Zusatzmaterial) hat schon mehr als 1000 Bewerberinnen und Bewerbern geholfen, alle 7 Phasen und Fragen zu knacken:

Jetzt Kurs kennenlernen

Anzeige

Kündigung begründen – 3 goldene Regeln

Solange Sie ehrlich, selbstbewusst und professionell eine Kündigung begründen, müssen Sie nicht befürchten, dadurch Ihre Bewerbungschancen zu schmälern. Egal, wie Sie Ihre Begründung formulieren: Beachten Sie dabei stets die folgenden drei Regeln:

  1. Keine Schuldzuweisungen

    Bleiben Sie unbedingt immer positiv! Was auch immer vor der Kündigung gelaufen und passiert ist: Schmutzige Wäsche gehört nie ins Bewerbungsgespräch! Begründen Sie Ihre Wechselmotivation, aber nie mit negativen Aussagen oder Lästereien über alte Arbeitgeber.

  2. Keine Defensive

    Solange Sie im Vorstellungsgespräch nicht darauf angesprochen werden, begründen Sie gar nichts. Wecken Sie keine schlafenden Hunde! Die Trennung vom letzten Arbeitgeber begründen Sie erst, wenn man sich dafür interessiert – und dann greifen Sie die Frage nur dankend auf uns sagen, warum Sie hier arbeiten wollen. Beispiel: „Danke, dass Sie die Frage stellen. Ich schätze die Zusammenarbeit mit bisherigen Arbeitgeber zwar, ich hatte aber zunehmend das Gefühl, dort perspektivisch an Grenzen zu stoßen. Es wurde also Zeit für eine berufliche Neuorientierung.“

  3. Keine Details

    Um eine plausible Erklärung zu liefern, holen viele Bewerber gerne weit aus. Fehler! Seien Sie sparsam mit Details. Der neue Job ist Ihr Thema im Vorstellungsgespräch, nicht der alte oder Ex-Arbeitgeber! Lassen Sie sich also nicht aufs Glatteis führen und von Ihren Stärken ablenken. Die Gefahr ist sonst groß, sich um Kopf und Karriere zu plappern.

Je zielorientierter Sie hier auftreten und je schneller Sie das Gespräch wieder auf Ihre Vorteile zurücklenken, desto überzeugender sind Sie.


Was andere dazu gelesen haben

0 Kommentare
Wir freuen uns über Ihren Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

0 / 700