Einsamer Spitzenreiter beim Social Media Recruiting ist Facebook. Das liegt in erster Linie daran, dass in diesem Sozialen Netzwerk allein in Deutschland 24,3 Millionen Nutzer unterwegs sind. Über 50 Prozent davon sind junge Frauen und Männer im Alter von 18 bis 34 Jahren – darunter auch die heiß umworbenen High Potentials. Weil diese am Einfachsten da zu erreichen sind, wo sie sich sowieso aufhalten, sind dort längst auch Arbeitgeber mit Karriereseiten präsent.

Getreu Paul Watzlawicks Bonmot Man kann nicht nicht kommunizieren verraten die Selbstdarstellungen oft genug auch Dinge, die die Unternehmen eigentlich nicht preisgeben wollten. Und da Social Media für Interaktion ausgelegt sind, können Sie die Botschaften natürlich auch kritisch hinterfragen – oder die Karriereseiten der Arbeitgeber sogar für Ihre Selbstdarstellung nutzen.

Social Media Recruiting in Deutschland

Deutsche Unternehmen geben sich zunehmend Mühe, für Bewerber attraktiv zu werden und so Talente anzulocken: Laut der Facebook Recruiting-Studie von Atenta…

  • binden bereits knapp 45 Prozent der Unternehmen ihre Stellenanzeigen in ihre Karriereseite ein.
  • stellen rund 43 Prozent der Karriereseiten das Unternehmen und die Karriereperspektiven vor.
  • posten die Betreuer der Karriereseite im Schnitt zwölf Beiträge im Monat. Insgesamt reicht die Spanne von 0 bis 86 Beiträgen.

Allerdings gibt es beim Facebook Recruiting noch viel Luft nach oben, wie ein Blick auf die Karte zeigt: Bisher leisten sich vor allem große Unternehmen in den Ballungsräumen eine solche Karriereseite. Doch das dürfte sich in absehbarer Zeit ändern, denn die Mittelständler ziehen allmählich nach.

Was die Karriereseiten über Unternehmen verraten

Bleibt allerdings die Kernfrage: Wie können Sie die Karriereseiten bei der Jobsuche nutzen? Welche Informationen finden Sie zwischen den Zeilen, um einen genaueren Eindruck des Arbeitgebers gewinnen zu können?

Nun, das Bild eines Unternehmens beeinflusst beispielsweise, ob…

  • Sie tatsächlich die Informationen finden, die Sie für Ihre Entscheidung benötigen oder nur die Marketing-Abteilung bunte Sprechblasen bläst.
  • echte Mitarbeiter zu Wort kommen und sich womöglich auch kritisch äußern dürfen oder nur der Chef selbst für die Außendarstellung zuständig ist.
  • tatsächlich ein Austausch zwischen Unternehmen und Bewerbern stattfindet, indem etwa Fragen beantwortet werden, oder sich das Unternehmen auf eigene Verlautbarungen beschränkt.
  • es Ansprechpartner – und seien es auch nur virtuelle – für die Bewerber gibt oder die Autoren der Seite sich hinter der Anonymität verschanzen.
  • Kritik aufgegriffen und als Anregung verstanden wird oder ob missliebige Posts einfach gelöscht werden, damit kein Kratzer im Unternehmenslack entsteht.

Damit Sie ein Gespür für die versteckten Botschaften in den Unternehmensauftritten entwickeln können, verfolgen Sie am Besten mehrere Portale über einen längeren Zeitraum und können so außerdem verschiedene interessante Arbeitgeber untereinander vergleichen.

So nutzen Sie die Seiten für Ihre Karriere

Einer der größten Vorteile an Social Media ist, dass ein echter Austausch zwischen den Beteiligten stattfinden kann. Deswegen müssen Sie sich auch nicht darauf beschränken, Informationen auf den Karriereseiten abzurufen, sondern können diese auch zur Eigenwerbung nutzen.

Etwa, indem Sie…

  • gezielt Fragen stellen, die idealerweise auch noch anderen Nutzern Mehrwert bieten, und damit Ihre Sozialkompetenz unter Beweis stellen.
  • sich rege an den Diskussionen beteiligen, qualitativ hochwertige Beiträge schreiben und so das Interesse des Seitenbetreibers wecken.

Klickt der dann auf Ihr Profil, sollte er die Informationen finden, die Sie für Ihn interessant machen – etwa Ihre Tätigkeits- oder Studieninhalte, Berufserfahrung oder relevante Praktika. Auch Beiträge von Dritten dürfen Sie gerne posten, wenn diese Sie als belesenen Experten Ihres Fachgebiets ausweisen – das kommt bei Personalern immer gut an.

Selbstverständlich muss Ihr Account für die Stellensuche seriös aussehen, aber Sie müssen dazu nicht alles Verfängliche von Ihrer Seite löschen oder – unerlaubterweise – ein zweites Facebook-Profil für die Stellensuche anlegen: Weil Kandidaten interessanter sind, wenn Sie sich als Mensch zu erkennen geben, sollten sie auch Einblicke in ihr Privatleben gewähren.

Dass Sie trotzdem die ganz privaten Inhalte Ihren engen Freunden vorbehalten, versteht sich aus Gründen der Diskretion: Die ist nicht nur für Arbeitgeber ein ganz wichtiger Punkt – auch Ihre Freunde werden es Ihnen danken, wenn Sie keine intimen Fotos von ihnen an Dritte weiterreichen.

Karriere-Netzwerke

Speziell für Bewerbungszwecke können Sie bei Google+, LinkedIn oder Xing ein Profil anlegen und sich mit Unternehmen vernetzen. Gerade bei Xing finden sie seit der Übernahme von Kununu neben den unternehmenseigenen Verlautbarungen auch die Bewertungen ehemaliger und aktueller Mitarbeiter über den Arbeitgeber: Das ist ziemlich praktisch, weil es Sie auf einen Schlag mit einer Vielzahl von Informationen versorgt!