Je älter Arbeitslose sind, desto geringer sind ihre Chancen, einen neuen Job zu finden. Das klingt nicht allzu neu, ist aber aufgrund der demografischen Entwicklung der Bevölkerung und der zunehmend wichtigeren Rolle älterer Arbeitnehmer ein Warnsignal. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) schlagen sich die Probleme älterer Arbeitnehmer vor allem in einem hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen nieder: 41 Prozent der Arbeitslosen über 50 waren im Jahr 2010 bereits länger als ein Jahr arbeitslos. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen lag dagegen nur bei 18 Prozent.

Offenbar spielt auch die Qualifikation eine wesentliche Rolle dabei: So unterscheidet sich die Erwerbstätigenquote der 50- bis 59-jährigen Akademiker zwar kaum von anderen Altersgruppen. In der Kombination von höherem Alter und geringer Qualifikation aber sinken die Beschäftigungschancen dramatisch.

Dazu muss man allerdings sagen: Oft steckt dahinter auch nur ein Klischee. Jedenfalls hält sich das Vorurteil, dass ältere Arbeitnehmer träge und nicht mehr ganz so leistungsfähig sind wie jüngere, hartnäckig in den Personaletagen. Tatsächlich gibt es in einigen Unternehmen so etwas wie Altersdiskriminierung. Dagegen kann man bewusst angehen und das Gegenteil beweisen. Gepunktet wird aber besser an einer anderen Stelle: Teamfähigkeit und Berufserfahrung.

Im fortschrittenen Alter ist keiner mehr ein unbeschriebenes Blatt: Kundennetzwerke, Projekterfahrung, aktuelles Wissen, aber auch erprobte Führungsqualitäten sprechen für einen Kandidaten. Darauf lässt sich auch in einer Bewerbung wunderbar eingehen. Ebenso sprechen die schon erwähnte demografische Entwicklung sowie der steigende Fachkräftemangel für ältere Arbeitnehmer.

Der größte Fehler, den Ältere aus meiner Sicht begehen können, ist, ihr Alter als Handicap zu sehen und daraus eine Grundhaltung zu entwickeln, die in der Situation alles noch viel schlimmer macht: die eines Opfers. Fatal! Wie Sie mit reiferem Alter und im Vorstellungsgespräch überzeugen, lesen Sie in den folgenden Bewerbungstipps:

Bewerbungstipps für Ältere

  • Die erste Regel ist zugleich die wichtigste und gilt für alle Bewerber – unabhängig von deren Alter: Seien Sie kein Bittsteller! Sie möchten zwar den Job, haben dafür aber auch einiges zu bieten. Ziel Ihrer Bewerbung muss sein, dem Personaler klar zu machen, dass er vor sich die Idealbesetzung sieht, kein Notstopfen. Verbannen Sie daher alle pessimistischen Gedanken aus Ihrem Kopf – auch wenn das die 100. Bewerbung ist. Denken Sie positiv: Die Leute lehnen nicht sie ab – der Job hat nicht zu Ihnen gepasst.
  • Dazu gehört auch, dass Sie ein scharfes Profil für die anvisierte Stelle entwickeln. Verkaufen Sie sich nie als Allrounder oder Experte für alles. Das kauft Ihnen keiner ab. Eingestellt werden fast immer nur Spezialisten – mit fortgeschrittenem Alter sowieso. Zeigen Sie also, warum Sie exakt der Richtige für den Job sind, wie gut Ihre Stärken und welche Kompetenzen passen.
  • Sprechen Sie – wenn möglich – Ihr Alter niemals an. Und schon gar nicht verteidigen! Mit Ihrer Leistungsfähigkeit, Kreativität und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem hat das schließlich nichts zu tun. Falls Sie dennoch vom Personaler darauf angesprochen werden, wirken Sie entschlossen sämtlichen Klischees entgegen: Sie sind kerngesund, lernwillig, kommen mit jungen Leuten und anderen Kulturen wunderbar zurecht und müssen noch nicht einmal mehr früh nachhause, weil da ein kleines Kind auf Sie wartet.
  • Spielen Sie lieber Ihre Trümpfe voll aus: Jemand in Ihrem Alter hat sicher einige Erfahrungen gemacht – auch Fehler. Aber aus denen haben Sie viel gelernt und begehen sie nicht zweimal. Sie sind ebenso erfahren im Umgang mit schwierigen Mitarbeitern wie mit Kunden. Ihre Sozialkompetenz und Teamfähigkeit wird nur noch von Ihrer kristallinen Intelligenz übertroffen. Heißt: Aufgrund Ihrer Erfahrungen können Sie besser kombinieren und assoziieren und finden so schnelle Lösungs-Abkürzungen zu den Problemen Ihres Arbeitgebers in spe, Motto: Neue Besen kehren gut, aber die alten kennen die Ecken.
  • Bei aller Dynamik – übertreiben Sie es aber auch nicht. Ihre Kleidung sollte dem Alter angemessen sein, Ihre Sprache gewählt, Ihre Bewegungen ruhig und souverän. Wenn Sie zu sehr aus der Rolle fallen, wird man Ihrer Geschichte nicht glauben, und Sie sind raus aus dem Rennen.
  • Apropos: Wenn Sie schon länger aus dem Bewerbungsprocedere raus und deshalb unsicher sind, suchen Sie sich ruhig einen Coach. Die Kosten sind moderat, der Gewinn – vorausgesetzt der Trainer ist seriös – enorm. Für den Anfang reicht manchmal aber auch schon, sich vor einem guten Freund zu präsentieren. Auch der merkt sofort, was ankommt und was nicht.

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