Dienst nach Vorschrift
68 Prozent der Arbeitnehmer schieben während ihrer Arbeitszeit nur Dienst nach Vorschrift und ganze 16 Prozent haben bereits innerlich gekündigt und sind vielleicht schon auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle - das ist das erschreckende Ergebnis des Gallup Engagement Index, einer jährlichen Umfrage zum Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld. Woran erkennt man aber, dass Mitarbeiter sich nicht mehr vollkommen engagieren, sondern nur noch ein Standardprogramm abfahren, sobald sie im Büro erscheinen? Häufige Anzeichen, dass Arbeitnehmer nur noch Dienst nach Vorschrift erledigen und was Sie tun können, damit Ihre Mitarbeiter im Job wieder aufblühen...

Jeder Dritte identifiziert sich nicht mit dem Job

Jeder Dritte identifiziert sich nicht mit dem JobJeder dritte Angestellte in Deutschland identifiziert sich nicht mit seinem Arbeitsplatz. Rund 23 Prozent erledigen ihren Job nach eigener Einschätzung zwar gut und gewissenhaft, die übrigen aber geben sich weniger Mühe oder schieben Dienst nach Vorschrift. Das ist das Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Personalberatung Rochus Mummert (PDF).

Den Grund dafür offenbart die Studie allerdings ebenfalls: den Chef. So arbeitet etwa jeder vierte Beschäftigte unter einem Vorgesetzten, der ihn oft kritisiert, selten lobt und dessen Anweisungen er nicht hinterfragen darf. Umgekehrt hätte nahezu jeder Zweite gerne einen Vorgesetzten nach Art eines Trainers, der ihn individuell fördert und Aufgaben sinnvoll delegiert. Tatsächlich haben aber nur 23 Prozent einen derartigen Chef.

Dienst nach Vorschrift: Häufige Anzeichen

Ein Arbeitnehmer, der sich nicht mehr an den aktuellen Arbeitgeber gebunden fühlt, ist nicht mehr so engagiert und motiviert wie seine Kollegen, die an einer langfristigen beruflichen Zukunft und dem Erfolg des Unternehmens arbeiten wollen. Allerdings sind die Zeichen, dass ein Mitarbeiter nach und nach seinen Antrieb verliert, nicht immer auf den ersten Blick offensichtlich.

Denn auch wenn nur noch Dienst nach Vorschrift geleistet wird und die Motivation immer weiter sinkt, wollen die meisten Mitarbeiter sich nichts anmerken lassen. So werden die nötigen Aufgaben weiterhin erledigt und der Arbeitstag läuft im Autopilot ab - nicht mehr und nicht weniger.

Allerdings gibt es auch einige Anzeichen, dass nur noch Dienst nach Vorschrift geleistet wird oder dass die Gefahr einer solchen Entwicklung besteht:

  • Der Fokus liegt auf dem Problem, nicht auf der Lösung. In jeder Abteilung kommt es früher oder später zu einem Problem. Entscheidend ist der richtige Umgang mit der Situation. Dies ist auch ein Indiz dafür, ob Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Geht es nur darum, wer die Schuld am Problem trägt und nicht darum, wie man dieses lösen kann, sollten die Verantwortlichen aufmerksam werden.
  • Informationen werden zurückgehalten. Mitarbeiter wollen gerne in Entscheidungsprozesse eingebunden werden - immerhin betrifft es ihre berufliche Zukunft. Werden einige Informationen aber zurückgehalten, fühlen sich die Angestellten schnell ausgeschlossen und verlieren auch einen großen Teil ihrer Motivation. Auch zwischen Kollegen können Informationen bewusst vorenthalten werden, was den gleichen Effekt erzielt.
  • Es gibt kaum noch persönlichen Kontakt. Mit sinkendem Engagement, nimmt oft auch der persönliche Kontakt innerhalb der Belegschaft ab. Die Kommunikation findet nur noch über interne Mails statt und auch der Kollege im Nachbarbüro wird lieber angerufen, anstatt bei einer Frage kurz an die Tür zu klopfen.
  • Die Zusammenarbeit fehlt. In einem Team hat natürlich jeder auch seine eigenen Aufgaben, doch es ist ebenso wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen und bei schwierigen Aufgaben zu helfen. Besonders lässt sich dies bei erfahrenen Mitarbeitern beobachten, die nur widerwillig mit neuen Kollegen zusammenarbeiten.
  • Die Ergebnisse verschlechtern sich. Ein weiteres Anzeichen dafür, ob Mitarbeiter mit großem Engagement bei der Sache sind oder nur Dienst nach Vorschrift leisten, ist die Qualität der Arbeit. Je geringer die Motivation und das Engagement, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Aufgaben nicht rechtzeitig erledigt werden oder es bei der Ausführung an der nötigen Sorgfalt mangelte und sich Fehler häufen.

Dienst nach Vorschrift: Was sind die Ursachen?

  • Probleme mit dem Chef. Wer mit seinem Chef auf keinen grünen Zweig kommt, verliert häufig den Ansporn, mit seinen Leistungen zu überzeugen. Man will sich für den Vorgesetzten nicht wirklich anstrengen, also macht man nur das absolut Nötigste.
  • Kein Mitspracherecht. Am Ende trifft der Chef die Entscheidungen, doch Mitarbeiter wollen ihre Ideen und Meinungen äußern und in den Prozess einbezogen werden. Werden Angestellte nur von oben herab behandelt und alles geht über ihren Kopf hinweg, reagieren einige mit Dienst nach Vorschrift.
  • Kein Feedback. Lob und Kritik sind gleichermaßen wichtige Faktoren, um die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter zu sichern. Ohne den Wert der eigenen Leistungen zu kennen, bleibt die Lust an der Arbeit meist auf der Strecke.
  • Kein Bezug. Im besten Fall identifizieren Mitarbeiter sich mit ihrem Unternehmen - sowohl mit den Zielen als auch mit den Werten. Fehlt dieser Bezug hingegen völlig, leisten Arbeitnehmer meist nur Dienst nach Vorschrift.
  • Keine Aussichten. Warum sollen Mitarbeiter engagiert sein und Eigeninitiative zeigen, wenn am Ende doch keine Aussicht auf eine Beförderung besteht? Fehlen die Aufstiegschancen, sinkt das Engagement der Arbeitnehmer.

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So blühen Mitarbeiter wieder auf

Ollyy/shutterstock.comHat sich ein Mitarbeiter einmal soweit von seinem Unternehmen abgewandt, dass er bereits innerlich gekündigt hat und lieber heute als morgen in einen neuen Job einsteigen würde, ist es ein hartes Stück Arbeit, diesen Kollegen wieder ins Boot zu holen. Doch der Aufwand kann sich lohnen und gerade bei Arbeitnehmern, die weiterhin eine Bindung zu ihrem Arbeitgeber spüren, sind die Erfolgsaussichten durchaus vielversprechend. Passend zu den oben genannten fünf häufigen Anzeichen, dass nur noch Dienst nach Vorschrift erledigt wird, zeigen wir Ihnen fünf Tipps, wie Ihre Mitarbeiter wieder aufblühen.

  1. Gehen Sie richtig mit Fehlern um

    Wird bei einem Problem nur nach einem Schuldigen gesucht, sollten Sie diesem Vorhaben den Wind aus den Segeln nehmen. Zeigen Sie, dass aus Fehlern gelernt werden kann und dass diese durchaus geschätzt werden. Auf der einen Seite nehmen Sie so die Motivation, einen einzelnen Kollegen an den Pranger zu stellen und auf der anderen Seite zeigen Sie allen Mitarbeitern, dass in Ihrem Unternehmen lösungsorientiertes Denken und Mitarbeiterzufriedenheit ernst genommen werden.

  2. Machen Sie Informationen öffentlich

    Wichtige Informationen, die eine ganze Abteilung betreffen, sollten auch für alle Beteiligten öffentlich gemacht werden. Es mag vielleicht der erste Gedanke sein, schlechte Nachrichten nicht an die Mitarbeiter weiterzugeben, doch Ehrlichkeit bringt in diesem Fall weiter. Sprechen Sie auch Schwierigkeiten offen an. Möglicherweise steigert dies sogar das Engagement der Mitarbeiter, um die Krise zu überwinden.

  3. Seien Sie ein gutes Vorbild

    Um Ihr Team zu animieren, mehr Wert auf den persönlichen Kontakt zu legen, sollten Sie mit gutem Beispiel voran gehen, um die Effizienz eines persönlichen Gesprächs zu demonstrieren. Führen Sie beispielsweise ein wöchentliches Meeting ein oder nehmen Sie sich die Zeit, persönlich mit einem Kollegen zu sprechen, anstatt eine Mail zu schreiben.

  4. Fördern Sie Teamprojekte

    Ein guter Weg, um die Zusammenarbeit in Ihrem Team zu steigern, sind Teamprojekte. Lassen Sie beispielsweise mehrere Kollegen gemeinsam an einer großen Aufgabe arbeiten oder führen Sie ein Mentoren-Programm ein, um neue Kollegen mit erfahrenen Mitarbeitern zusammenzubringen.

  5. Hinterfragen Sie Ihr eigenes Verhalten

    Es ist der leichteste Weg, einen Mitarbeiter zur Verantwortung zu ziehen, wenn dessen Arbeit nicht den Ansprüchen entspricht. Allerdings sollten Vorgesetzte sich auch fragen, ob ihr Verhalten möglicherweise Auslöser der sinkenden Qualität ist. Wollen Sie in jede kleine Entscheidung einbezogen werden und kontrollieren Sie jeden Schritt eines Projektes? Zeigen Sie stattdessen, dass Sie den Fähigkeiten Ihres Teams vertrauen und räumen Sie die Freiräume ein, die für eine erfolgreiche Arbeit benötigt werden.

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