VUKA-Welt: Neue Chancen in der neuen Arbeitswelt

VUKA mag nicht jedem Arbeitnehmer ein Begriff sein. Betroffen ist er dennoch. Keine Sorge: Die Rede ist nicht von einer ansteckenden Krankheit. VUKA ist ein Akronym, das sich aus den Anfangsbuchstaben der Worte Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität zusammensetzt. Die Begriffe beschreiben den Zustand der aktuellen Arbeitswelt: Sie ist kompliziert, schnell, unsicher und unvorhersehbar. Tendenz weiter steigend. Aber was bedeutet eine VUKA-Welt auf lange Sicht für Arbeitnehmer und Unternehmen?

VUKA-Welt: Neue Chancen in der neuen Arbeitswelt

Definition: Was ist eine VUKA-Welt?

Definition: Was ist eine VUKA-WeltVUKA – das sind vier Buchstaben, die es in sich haben. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass die moderne Arbeitswelt von den folgenden Phänomenen geprägt ist:

  • Volatilität: Veränderungen treten überraschend schnell ein.
  • Unsicherheit: Prozesse und Abläufe werden zunehmend schwerer planbar.
  • Komplexität: Aufgrund der digitalen Transformation und der Globalisierung werden Prozesse komplizierter.
  • Ambivalenz: Es gibt nicht immer eindeutige Lösungen für ein bestehendes Problem.

VUKA ist ein Phänomen, das vielleicht nicht jeder Arbeitnehmer benennen kann, aber jeder spürt es längst am eigenen Leib. Infolge der Digitalisierung sind zum Beispiel viele Prozesse im Arbeitsleben schneller geworden und haben sich verdichtet. Aufgaben, mit denen früher vier bis fünf Arbeitnehmer ganztags beschäftigt waren, werden heute in vielen Bereichen von einer Einzelperson und ein paar Maschinen binnen Stunden erledigt.

Arbeitswelt: Das Tempo steigt

Hinzu kommt, dass viele Teams über Landesgrenzen hinweg an gemeinsamen Projekten arbeiten. Die Globalisierung und die zunehmende Vernetzung in der Arbeitswelt über schnelle Internetverbindungen machen es möglich.

So lange alles funktioniert, ist alles gut. Verändert sich aber nur ein Faktor in dem sensiblen digitalen Geflecht der modernen Arbeitswelt, laufen Projekte schnell aus dem Ruder. Und das kann in einer zunehmend volatilen Arbeitswelt von einer Sekunde auf die andere passieren.

Mögliche Gründe gibt es viele:

  • Maschinen fallen plötzlich aus.
  • Die Lieferung von benötigtem Arbeitsmaterial verzögert sich.
  • Menschen an zentralen Positionen werden krank und es gibt keinen Ersatz.
  • Die IT streikt.
  • Hacker greifen die IT an.
  • Arbeitnehmer streiken.
  • Politische Unruhen beim ausländischen Handelspartner verzögern Liefer-Prozesse.

VUKA-Welt: Die Unsicherheit im Arbeitsleben steigt

Diese Unvorhersehbarkeit zieht eine konstante Unsicherheit im Arbeitsleben nach sich: Keiner weiß heute, welche Herausforderungen morgen auf ihn zukommen. Manchmal auch aufgrund unvorhergesehener Marktentwicklungen.

Zum Beispiel dann, wenn der Wettbewerb schneller war, als das eigene Unternehmen und ein deutlich innovativeres Produkt auf dem Markt gebracht hat, als das, an dem man selbst gerade arbeitet. Nicht selten wird dann in Projekten der Stecker gezogen, um andere Innovationsideen voranzutreiben.

Das verlangt Arbeitnehmern ab, Altes schnell hinter sich zu lassen und sich Neuem zuzuwenden. Das ist kann komplex sein: Arbeitnehmer müssen sich rasant in Arbeitsinhalte einarbeiten und ad hoc Leistung bringen.

Und: Oft gibt es gerade in stark innovationsgetriebenen Gebieten keine eindeutigen Antworten, falls Probleme aufkommen. Aus dem einfachen Grund, weil sie so neu sind, dass sich bislang noch niemand mit ihnen je auseinandergesetzt hat. Dann sind kreative Ansätze gefragt.

Die verschiedenen Gesichter der VUKA-Welt

Die VUKA-Welt hat aber noch viele andere Gesichter:

  • Karrieren sind nicht mehr planbar: Die Lebenskarriere in einem Unternehmen gibt es nicht mehr. Dazu verändern sich Berufsbilder und Funktionen zu schnell. Die einen fallen weg, während andere neu hinzukommen. Darauf müssen Arbeitnehmer flexibel mit Positions- oder Arbeitgeberwechseln reagieren.
  • Nicht immer geht die Karriere steil nach oben: Es gibt Phasen, in denen Arbeitnehmer bewusst Verantwortung abgeben, um zum Beispiel mehr Zeit für die Familie zu haben, so lange die Kinder noch klein sind. Früher ein No-Go, heute machbar. Denn Unternehmen sind in Zeiten des Fachkräftemangels froh um jede helfende Hand und tun alles, um Mitarbeiter zu binden.
  • Unternehmen haben eine kürzere Lebensdauer: Selbst wer heute bei einem Marktführer anheuert, kann nicht sicher davon ausgehen, dass er morgen noch dort arbeitet. In der VUKA-Welt können Big Player von heute auf morgen von viel kleineren Start-Ups in ihrem angestammten Marktsegment abgehängt werden: Alles ist möglich.
  • Höhere Fluktuation in Unternehmen: Der War for Talents hat dazu geführt, dass Arbeitnehmer heute viel mehr berufliche Angebote haben als früher. Diese beschränken sich nicht allein auf das Heimatland. Dank der zunehmenden globalen Vernetzung, eilt Experten ihr Ruf auch jenseits der eigenen Landesgrenzen voraus. Diese Möglichkeiten nutzen Talente zunehmend und wechseln ihren Arbeitsplatz häufiger als früher.

Alles wird schneller, dichter und komplexer

Halten wir also fest: Arbeitsgebiete wandeln sich schneller denn je, Planbarkeit ist Schnee von gestern und auf viele offene Fragen, gibt es in einer VUKA-Welt keine Antworten. Doch sind Unternehmen und Arbeitnehmer dem Ganzen wehrlos ausgeliefert?

Nein! Unter dem Begriff New Work stellen viele Arbeitgeber ihre internen Strukturen inzwischen völlig auf den Kopf, um den Anforderungen der VUKA-Welt Rechnung zu tragen.

„Weg mit verkrusteten Hierarchien und langen Entscheidungswegen“ – so das Motto. Denn in einer VUKA-Welt, in der sich Bedingungen von Jetzt auf Gleich ändern, kann der Mitarbeiter nicht Wochen warten, bis der oberste Manager eine Entscheidung getroffen hat, wie es weitergehen soll.

Die Konsequenz: Der einzelne Mitarbeiter wird stärker in die Verantwortung genommen und trifft eigene strategische Entscheidungen. Darauf bereiten Unternehmen ihre Mitarbeiter aktuell vor: Führungskräfte müssen lernen, Verantwortung abzugeben, Mitarbeiter müssen lernen, sie zu tragen.

Wohlfühlklima beim Arbeitgeber

Um den steigenden Druck in der Arbeitswelt durch die zunehmende Komplexität etwas abzufedern, schaffen viele Arbeitgeber außerdem ein Arbeitsumfeld, in dem sich ihre Angestellten rundum wohlfühlen. Die Idee dahinter: Wer gerne zur Arbeit kommt und eine Atmosphäre vorfindet, die ihm guttut, tut sich nicht so schwer damit, wenn’s mal länger dauert.

Spitzenreiter sind die Firmen aus dem Silicon Valley, die sich mit kreativen Arbeitsplatzkonzepten geradezu überbieten: Arbeiten im Kunstwald, Abschalten in Stresskapseln, Besprechungen in Motto-Meetingräumen und, und, und. Hinzu kommen Familienbüros, ausgleichende Sportangebote während der Arbeitszeit sowie leckere und gesunde Essensangebote. So lässt sich’s arbeiten.

Neue Lernumgebungen

Auch in punkto Lernen haben Unternehmen neue Konzepte aus dem Boden gestampft, die dabei helfen, offene Fragen, für die es noch keine Standardlösungen gibt, schnell und elegant zu klären.

Geht es zum Beispiel um die Entwicklung neuer Konzepte für den nächsten großen Produktentwurf, ist etwa ein Barcamp nicht verkehrt: Barcamps sind wie eine Mini-Tagung im Unternehmen, zu der Angehörige verschiedener Fachbereiche eingeladen werden, die zu der neuen Lösung beitragen können.

Es gibt kein festgelegtes Programm. Der Organisator schildert lediglich das Problem. Ab dann hat jeder Teilnehmer des Barcamps die Gelegenheit, sich selbst einzubringen, Workshops anzubieten, Themen zur Diskussion zu stellen oder als Redner aufzutreten. Hieraus ergeben sich häufig hochkreative Lösungsansätze.

Das Barcamp ist aber nur eine von vielen Lern- und Entwicklungs-Möglichkeiten. Die Bandbreite reicht bis zum MOOC, dem Massive Open Online Course. Hier kommen per Internetschalte tausende Experten zusammen, um sich per Chat auszutauschen, Ideen zu entwickeln oder Vorträgen von Wissenschaftlern zu lauschen. Auch das bringt neue Impulse.

Die Chancen, die die VUKA-Welt bietet

Fazit: Auf den ersten Blick mag die VUKA-Welt beängstigend sein, auf den zweiten eröffnen sich in ihr aber auch besondere Chancen. Zum Beispiel hat jeder selbst in der Hand, was er aus seiner Karriere macht und ist nicht aus einem Mangel an Möglichkeiten ein Leben lang an einen Arbeitgeber gebunden. VUKA ist also letztlich, was man selbst daraus macht.

[Bildnachweis: Spectral-Design by Shutterstock.com]
28. Mai 2018 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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