Lebenslauf-ohne-Berufserfahrung
Es ist ein Teufelskreis: Ich finde keinen Job, weil ich keine Berufserfahrungen habe; ich habe keine Berufserfahrungen, weil ich keinen Job finde. Die Situation gilt als Klassiker, ein Catch22-Problem, das seine eigene Lösung unmöglich macht. So wie "Falls Ihre Tastatur nicht mehr reagiert, drücken Sie die Escape-Taste." Zahlreiche Berufsanfänger stehen heute vor demselben Dilemma: Entweder sie bekommen mangels Praxiserfahrung keinen Job - oder (dem Studium) nur Praktika angeboten. Die wiederum werden von manchen Personalern nicht als vollwertige Berufserfahrung gewertet. Schon beißt sich die Katze in den Schwanz, die Karriereaussichten - sie rücken in weite Ferne...

Bewerben ohne Berufserfahrung: Wege aus dem Teufelskreis

Jobsuche-Ohne-Berufserfahrung-Nicht selten steht in Stellenanzeigen, der Arbeitgeber wünscht sich von den Bewerbern mindestens drei Jahre Berufserfahrung. Na, Danke! So entsteht eine unheilige Abwärtsspirale, die junge Absolventen dauerhaft davon abhält, in ein geregeltes Arbeitsverhältnis zu kommen.

Sicher, das betrifft nicht die meisten Absolventen. Genaue Zahlen zu diesem Phänomen gibt es leider nicht. Die Lage hat eher anekdotische Evidenz. Aber für jene, die es betrifft, ist das nicht mal ein schwacher Trost. Durchbrechen lässt sich dieser Teufelskreis häufig nur schwer und oft auch nur dadurch, indem die Berufsanfänger (vorübergehend) drastisch ihre Ansprüche senken, um überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Fehlende Berufserfahrung: Was Karrierebibel-Leser erlebt haben

Wir haben deshalb einige Karrierebibel-Leser befragt, die das Problem aus eigener Erfahrung kennen. Hier ihre - kurzen - Erfahrungsberichte:

Judith Riemer:

Ich hatte dieses Problem direkt nach meiner Ausbildung. Ich habe es dann direkt in der Bewerbung schon angesprochen und natürlich auch im Bewerbungsgespräch - ich habe konkret um die Chance gebeten, endlich Berufserfahrung sammeln zu dürfen. Wenn einem niemand die Chance gibt, wird das nix. Ich habe es auch ziemlich direkt so gesagt (natürlich blieb ich höflich, aber ich brachte meinen Unmut zum Ausdruck). Hat dann auch geklappt.

Eraldo Lagrange:

Ich habe vor 9 Jahren Abitur gemacht, damals habe ich ein Praktikum gesucht und keins gefunden, weil es kaum Angebote gab. Heute findet man fast nur noch Praktikantenstellen für Berufseinsteiger. Festanstellungen verlangen immer Minimum 1-2 Jahre Berufserfahrung. Die Krux: Für die meisten Personaler zählen Praktika nicht als vollwertige Berufserfahrung, sondern nur Festanstellungen NACH dem Studium. Im Gegenzug bieten die Unternehmen nur noch Praktika an. Ziemlich beschissener Kreislauf. Die Bewerber sollen dann auch noch Auslandserfahrung haben und am besten Anfang 20 sein. Da läuft einfach was falsch in der Wirtschaft. Am besten gehts halt immer noch mit Vitamin B und lokaler Ungebundenheit und natürlich Hartnäckigkeit.

Ronnie Räuber:

Ein Problem was mich seit über 2 Jahren nervt: Ich hab ein Diplom und hab es auch nach dem Abschluss mit dem Weg über Praktika versucht. Das Ergebnis war: Man sagte mir andauernd, dass ich dafür überqualifiziert bin. Toll, zu gut fürn Praktikum und anscheinend zu wenig für ne richtige Stelle. Mitlerweile mache ich alle möglichen Jobs die nix mit meinem Studium zu tun haben, nur um Geld zu verdienen. Danke Medienbranche.

Andreas Gramsch:

 Ich sehe das als echtes Problem in der deutschen Wirtschaft an. Als ehemalige Führungskraft bei Siemens im IT Bereich hatte ich den Mut, auch Unerfahrenen eine Chance zu geben. Ich habe es nur einmal bereut, bei den anderen bin ich um so mehr positiv durch Motivation, Lernbereitschaft, Ehrgeiz und Engagement sowie Ergebnis belohnt worden. Ich hoffe sehr, dass mehr Führungskräfte anfangen umzudenken, ansonsten werde ich es demnächst genauso wieder in meinem eigenen Unternehmen praktizieren.

Berufserfahrung: Keine Korrelation zwischen Erfahrung und Können

Macht Berufserfahrung tatsächlich besser? Die beiden Wirtschaftspsychologen Uwe Peter Kanning und Philipp Fricke von der Hochschule Osnabrück haben das untersucht und ihre Ergebnisse in der Zeitschrift Personalführung publiziert. Allerdings ging es bei ihnen um eine besondere Form der Berufserfahrung, der sogenannten Führungserfahrung - und damit um die Frage, ob diese Manager zu besseren Managern macht.

Um die Pointe gleich vorweg zu nehmen: Macht sie nicht. Weder die Erfahrung Mitarbeiter zu führen, die Teamgröße noch das Alter wirken sich positiv auf das Führungsverhalten aus. Oder kurz: Nur weil einer schon ganz lange Chef ist, muss er noch lange kein besserer Chef sein.

Das Experiment dazu ist ein Klassiker aus der internen Talentauswahl: Die beiden Forscher ließen 814 Probanden mit ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen ein typisches Assessment Center (AC) absolvieren. Dabei sollte sich zeigen, ob diese als Führungskraft geeignet wären. Üblicherweise geschieht dies, indem auf klassische Soft Skills getestet wird, wie zum Beispiel:

  • Können die Kandidaten gut kommunizieren und diskutieren?
  • Sind Sie konfliktfähig?
  • Treffen sie schnelle und analytische Entscheidungen?
  • Sind sie in der Lage, ihr Handeln zu reflektieren?
  • Arbeiten sie strukturiert und organisiert?
  • Sind die Kandidaten teamfähig?
  • Ist ihre Arbeits- und Führungshaltung kooperativ?
  • Können sie andere gut überzeugen und mitnehmen?

Alles wünschenswerte Eigenschaften - nicht nur von angehenden Chefs (von denen aber ganz besonders). Und natürlich offenbarte die sogenannte Potenzialanalyse erhebliche Unterschiede bei den Kandidaten: Manche waren geeigneter, manche weniger - um es positiv auszudrücken.

Nun allerdings verglichen die Wissenschaftler die AC-Ergebnisse mit der tatsächlichen Management-Erfahrung der Teilnehmer: Wie viele Mitarbeiter hatten die schon geführt? Wie lange? Wie alt waren sie selbst und spielte das Geschlecht dabei eine Rolle?

Resultat: Wer schon Führungserfahrung besaß, schnitt deswegen im AC keineswegs besser oder schlechter ab. Es gab und gibt schlicht keinen Zusammenhang. Ebenso wenig gab es Korrelationen bei der Anzahl der bisherigen Mitarbeiter oder dem Alter. Am ehesten gab es noch Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Insgesamt schnitten die Frauen besser ab als die Männer. Sie konnten besser mit Konflikten umgehen, trafen bessere Entscheidungen, konnten besser organisieren, kommunizieren, reflektieren und andere überzeugen. Alles in allem kein großer Unterschied, aber ein messbarer.

Jetzt könnte man einwenden, dass Führungserfahrung nur ein kleiner Teil der Berufserfahrung sei - und nicht jeder will Führungskraft werden. Stimmt. Allerdings sind Kanning und Fricke davon überzeugt, dass ihr Ergebnis sich generell auf Lernprozesse übertragen lässt. Oder anders formuliert: Mit steigender Lebens- und Berufserfahrung entwickeln sich längst nicht alle zwangsläufig und im positiven Sinne weiter.

Es sei ein Trugschluss, aus gesammelter Erfahrung kausal die spätere Qualität der Arbeit abzuleiten. Dafür verantwortlich seien letztlich ganz andere Faktoren: Lernwille etwa, Offenheit, Intelligenz und die Fähigkeit, sich kritisch zu hinterfragen und an sich zu arbeiten.

Berufserfahrung sammeln - ohne Berufserfahrung

Ohne-Berufserfahrung-Suchen-BewerbungDoch was tun? Das Schlimme daran, dass einem manche Personaler mangels Berufserfahrung keine Chance geben, ist letztlich die gefühlte Ohnmacht: Ich will, darf aber nicht: Wie soll ich Praxiserfahrungen sammeln, wenn mich keiner lässt?

Immerhin hat der betroffene Bewerber eine abgeschlossene Ausbildung nachzuweisen, ein Studium, vielleicht sogar Bestnoten und eben Praktika, ohne die heute kaum ein Bachelor- oder Master-Absolvent seinen Abschluss macht. Wozu hat man Jahre lange Stunden im Hörsaal und der Bibliothek verbracht, gelernt und nebenbei noch gearbeitet, wenn das jetzt alles scheinbar nichts zählt?

Zumindest gibt es etwas, das sich tun lässt...

Bewerbung ohne Berufserfahrung: Wege aus der Abwärtsspirale

  • Fokussierung

    Suchen Sie gezielt nach Jobangeboten, die Berufserfahrung nicht zur Muss-Qualifikation, sondern zur Kann-Qualifikation erheben. Zu erkennen ist das an Formulierungen wie: "Mehrjährige Berufserfahrung ist wünschenswert". Das bedeutet: Erfahrene haben Vorteile, Unerfahrene werden aber nicht gleich aussortiert. Zudem sollten Sie sich auf Jobofferten konzentrieren, deren andere Anforderungen Sie durchaus und mehrheitlich (!) erfüllen können.

  • Mobilität

    Wenn die Jobsuche im bisherigen Umfeld erfolglos blieb, hilft es, den Suchradius zu erweitern. Ja, das kann bedeuten, dass man um- und aus seiner Heimat wegziehen muss. Es steigert aber auch die Jobchancen erheblich, weil bestimmte Qualifikationen regional unterschiedlich stark nachgefragt werden.

  • Ausland

    Auslandserfahrungen haben, wenn man nicht gerade Erntehelfer in Australien war, einen deutlich höheren Stellenwert als hiesige Praktika. Sie gelten als Indiz für interkulturelle Kompetenzen, für Offenheit und Selbstständigkeit, für geistige und physische Mobilität (siehe Punkt 1). Und: Sie lassen sich kaum überprüfen. Das soll keine Aufforderung zum Lebenslauf-Pimpen sein. Aber Projektmanagement in São Paulo klingt definitiv herausfordernder und hernach erfahrener als Projektarbeit in Wanne-Eickel (nichts gegen Wanne-Eickel!).

  • Nischenmärkte

    Bewerben Sie sich nicht da, wo es alle versuchen. Es geht darum den Bann zu brechen und Berufserfahrung zu sammeln, nicht um einen Prestigejob. Das kann bedeuten, dass Sie sich zum Beispiel nicht bei den schillernden Konzernen der bekannten Arbeitgeber-Rankings bewerben, sondern eher bei den Hidden Champions - Mittelständlern auf der grünen Wiese, die händeringend Nachwuchs suchen und ebenso wenig wählerisch sein können wie Sie. Die Alternative: Bewerben Sie sich auch nicht unbedingt für die typischen und beliebten Stabsstellen im Marketing, in der Entwicklung oder im Vertrieb. Auch der Personalbereich kann ein Sprungbrett sein - je nachdem, was man draus macht.

  • Zeitarbeit

    Sie genießt nicht den besten Ruf. Aber hier gibt es den sogenannten Klebeeffekt: Der Zeitarbeitnehmer macht seinen Job bei dem ausleihenden Unternehmen so gut, dass dieses ihm gleich ein reguläres Jobangebot macht. Er bleibt also kleben, im positiven Sinne. Kritiker sagen allerdings, der Klebeeffekt mache allenfalls 7 Prozent aus. Mehr Leiharbeiter würden nicht übernommen. Die Zeitarbeitsfirmen sprechen erwartungsgemäß lieber von einer Übernahmewelle von rund 30 Prozent. Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen. Das ist aber auch nicht nix, sondern eben eine weitere Chance.

  • Vitamin B

    Es ist kein Geheimnis, dass Beziehungen nur dem schaden, der keine hat. Das berühmte Vitamin B zu nutzen ist auch keine Schande. Erst recht nicht in einer solchen Lage. Allerdings sagen nicht gerade wenige Absolventen, dass ihr Netzwerk dazu nicht ausreicht. Das kann sein - und doch lässt sich zweierlei daraus lernen: Erweitern Sie regelmäßig und egal, in welchem Alter Ihr Netzwerk, wenn Sie es nicht brauchen, damit Sie davon profitieren können, wenn Sie es brauchen. Und zweitens: Fragen Sie Ihre Kontakte nicht nach einem Job, sondern fragen Sie nach einem Rat. Kein Witz. Die Bitte ist ein subtiler Appell an das Ego Ihres Gegenübers. Allein die Tatsache, dass man sie fragt, imponiert den meisten Menschen. Sie fühlen sich aufgewertet, wichtig, wissend. Also sagen die meisten "Ja". Gut so! Hören Sie aufmerksam zu (es könnte wirklich ein guter Rat sein), bedanken Sie sich für den Tipp (selbst wenn der Murks war), versprechen Sie, damit zu experimentieren und fragen Sie, ob Sie später noch einmal darauf zurückkommen können... Natürlich sagt jetzt keiner mehr Nein. Und genau das ist der Plan: Wenn Sie Ihren Gesprächspartner das nächste Mal kontaktieren, um ihm zu erzählen, was Sie mit seinem Rat erlebt und erreicht haben, nur leider nicht den Joberfolg, dann dürfen Sie nun direkt nach einem Job fragen.

Lebenslauf ohne Berufserfahrung

Zusätzlich sollten Sie schauen, an welchen Stellen Sie Ihren "dünnen Lebenslauf" aufbessern können. Dabei geht es weniger um Schummeleien und Kosmetik, sondern vielmehr darum, jene Stärken und Kompetenzen zu finden und zu ergänzen, die dort noch fehlen - aber den Mangel an Erfahrungen ausgleichen können.

Das können zum Beispiel...

  • Ehrenamtliches Engagement bei Vereinen oder in sozialen Projekten
  • Fort- und Weiterbildung - auch autodidaktische
  • Orchideenfächer, Zusatzkurse und private Praxisprojekte
  • eigene Blogs und andere (fachliche) Publikationen, in denen Sie schreiben


...sein. Haben Sie alle ergänzenswerten Punkte zusammengestellt, steht die Integration in den Lebenslauf an. Der einfachste Weg besteht darin, ehrenamtliches Engagement und ähnliche Aktivitäten unter einem eigenen Punkt aufzuführen. Sie können diese aber auch chronologisch in den Lebenslauf einfügen.

Voraussetzung ist dann allerdings, dass diese Erfahrungen in irgendeiner Weise einen Bezug zur anvisierten Stelle haben und Ihr Profil abrunden. Ob die Punkte dieses Kriterium erfüllen, lässt sich durch eine einfache Frage prüfen: Macht mich dieser diese Station für den Arbeitgeber attraktiver?

Bonus: Praktika im Lebenslauf: Tipps zum Pimpen

Lebenslauf-gestalten-Karrieresprung-de

Ohne Berufserfahrung: Leser sagen, wie Sie einen Job finden

Die Empfehlungen unserer Leser auf Facebook und den Karrierefragen fallen zwar recht unterschiedlich aus, gehen aber in die gleiche Richtung wie die obigen Empfehlungen, teilweise auch darüber hinaus:

Lür Pirat:

Berufsanfänger haben per Definitionem keine Berufserfahrung, das ist also kein Hinderungsgrund. Wer Berufsanfänger sucht, sucht Berufsanfänger. Die will der Arbeitgeber dann selber formen. Tatsächlich gibt es Studenten, die nebenbei arbeiten und erste Berufserfahrung sammeln. Diese Option steht eigentlich jedem offen. Und wenn jemand keine Praktika oder sonstwas neben dem Studium gemacht hat, dann muss er schon sehr gute Noten vorlegen, um das zu rechtfertigen. Sonst hat er den Titel "lazy bone" und fällt durchs Raster. Ich berichte kühl aus der tatsächlichen Praxis.

Daniel Höly:

In dem Fall wohl erst mal Erfahrung sammeln. Ob extern (Praktikum) oder selbst mit Bloggen etc. anfangen - das wäre doch schon mal der erste Schritt, da rauszukommen, oder?

Rudi Kwiczalla:

Nutze die Zeit, die Du hast. Du hast eine Ausbildung und/oder ein Thema. Recherchiere Fakten und Details, schreibe es zusammen und poste es in G+. Denk an die Hashtags! Dann mach Dich auf und suche die Firmen, bei denen Du gerne wärst. weise auf Deine Publikationen und belege damit das Interesse und die Fachkompetenz. Und - wichtig - mehr als zwei Praktika sollten nicht im CV stehen. Annsonsten erhälst Du den "Sklavenstempel".

Nico Rose:

Die Lösung in Kurz: Ausnutzen von Ineffizienzen im Markt zwischen Unternehmen und Bewerbern. Viele Unternehmen erhalten die meisten Bewerbungen für eine sehr kleine Anzahl von Positionen (80/20-Prinzip). Wenn man sich hierfür bewirbt, ist die Konkurrenz irre groß. Dagegen gibt es viele Positionen, für die sich kaum jemand bewirbt. Das hängt u.a. davon ab, was die Kernkompetenz des Unternehmens ist bzw. wofür es "bekannt" ist. Ein Beispiel: Bei L´Oréal bewerben sich fast 80% aller Menschen für das Produkt-Marketing. Die restlichen 20% verteilen sich auf alle anderen (auch kaufmännischen) Bereiche, also Vertrieb, HR, Logistik, Einkauf etc. Wenn man sich also als kaufmännisches Profil z.B. im HR Bereich bewirbt, hat man automatisch 80% der Konkurrenz eliminiert. Ähnliche Effekte gibt es in den meisten großen Firmen. Und dann: Eine gewisse Zeit einen guten Job machen, auch wenn es nicht der Traumjob ist. Intern wechseln ist viel einfacher, als überhaupt erst reinkommen. Außerdem: Wer keine Wahl hat, kann nicht wählerisch sein. Ich bin 100% sicher, dass ich mein erstes Praktikum in der Marktforschung von L´Oréal nur "mangels Alternative" bekommen habe. Ich selbst hätte mich später, als ich dort das Praktikantenprogramm verantwortet habe, nicht eingestellt. Keine Praxiserfahrung, kein besonders herausragender Student.

Mike Gutzschhahn:

Auf Bewerberseite würde ich noch Mobilität hinzufügen. Oder gar in Betracht ziehen für den Start in's Berufsleben in eine andere Stadt, ein anderes Bundesland (oder weiter?) zu ziehen. An der Herausforderung wird man nur wachsen. Ich denke das sehr viele in einem zu begrenztem Radius nach Jobangeboten recherchieren. Und wenn es an Skills, Noten und Berufserfahrung nicht liegt, tippe ich auf die "Verpackung" der Bewerbung.

Svetlana Jernej:

Kontakte spielen lassen, Augen und Ohren offen halten und viel unterwegs sein! Manchmal hilft's abgesehen von inneren Werten und Qualifikationen, natürlich.

Karl J. Wargan:

Eine Möglichkeit wäre, ein Praktikum zu machen, welches man als Erfahrung angeben kann. Andere Möglichkeit, wie ich es erlebte: Vor 21 Jahren flieste ich einem Bekannten das Lokal, welches er in Italien hatte. Meine Erfahrung als Fliesenleger waren nur ein paar Bäder im Bekanntenkreis. Als der Fliesenhändler mein fertiges Werk sah, wollte er mich als Fliesenleger einstellen. Fazit: Erfolge vorweisen, wenn sie auch noch so klein sein mögen. Jede Möglichkeit nutzen, um einen Erfolg sichtbar zu machen. Versuchen anstatt vorneweg zu sagen „Das kann ich nicht“ oder „Das habe ich noch nie gemacht“. Eine meiner Motivations-Spells seit über 40 Jahren ist der Song "You Can Get It If You Really Want".

Felix Steinhauer:

Mein Studium war Ende 2008 rum - Spitzenzeit zur Jobsuche. Hab erst ein Praktikum gemacht, dann bin ich in die Schweiz gegangen für den ersten Job und bin geblieben (wie die meisten Deutschen, was die Schweizer langsam nicht mehr so lustig finden. Also: Mobilität und Flexibilität ist alles.

Jotpunkt Kapunkt:

Also mir hat es damals geholfen, über Zeitarbeit einen Fuß in die Tür zu kriegen. Wichtig ist die Auswahl seriöser Zeitarbeitsfirmen und der rechtzeitige Absprung.

VersicherungsKarrieren:

Zwei Geschichten: 1) Jemand aus meiner Familie, nennen wir ihn Peter, war Drahtzieher (ja, wirklich). In meiner Heimat Altena, der Wiege der deutschen Draht-Industrie, gibt es eine Jahrhunderte alte Straße mit zig kleinen Fabriken. Peter, der gerne mal 1,0 Promille bei der Arbeit hatte, verlor genau diese ab und an. Dann nahm er seine Sachen, schlief seinen Rausch aus und stiefelte am nächsten Morgen auf der einen Seite die Straße hoch und auf der anderen wieder runter. Er klopfte an jede Tür und bot an, einen Tag kostenlos zur Probe zu arbeiten. Peter war nie länger als einen Tag arbeitslos.
2) Meine bessere Hälfte betreibt in Berlin ein Restaurant für chinesische Spezialitäten. Mindestens einmal pro Jahr zieht ein Kellner aus Berlin weg oder möchte ein eigenes Geschäft eröffnen. Weil die Köche nur chinesisch sprechen, müssen auch die Kellner chinesisch, natürlich deutsch und, wenn möglich englisch sprechen. Chinesisch und Deutsch und die Zusage, bereits etwas Erfahrungen im Restaurant zu haben, führen auch hier zur Probearbeit. Meistens mehrere Tage, bezahlt, und OHNE Zeugnisse, Diplome oder so'n Kram. We hire for attitude and train for skill. Was der Hans damit sagen will: Wenn Du Dich grundsätzlich geeignet fühlst (wie unter 2. mit Sprachen), biete einen Probe-Arbeitstag an. Natürlich wäre ein Praktikum klasse. Klappt aber nicht immer.

Jetzt sind Sie gefragt!

  • Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
  • Vor allem aber: Was hat Ihnen geholfen, Berufserfahrungen zu sammeln?
  • Oder: Was würden Sie empfehlen?

[Bildnachweis: Jochen Mai, Minerva Studio, maminez by Shutterstock.com]

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