Persönlichkeit: Wie Sie Ihre Karriere beeinflusst
Laut, leise, aufdringlich, zurückhaltend, selbstbewusst oder doch eher schüchtern - die Persönlichkeit ist genauso einzigartig wie der Fingerabdruck eines jeden Menschen. Sie legt fest, wie wir auf schwierige Situationen reagieren, wofür wir uns begeistern können und was auf der anderen Seite schwer fällt. Nicht zuletzt hat Ihre Persönlichkeit auch großen Einfluss auf Ihre Karriere. Genügend Gründe also, um sich dem Thema einmal genauer zu widmen. Was die Persönlichkeit ausmacht, wie Sie Ihre eigene Persönlichkeit beschreiben und wie Persönlichkeit und Karriere zusammenhängen...

Persönlichkeit Definition: Was macht uns aus?

Jeder Mensch bringt seine eigene Persönlichkeit mit. Bedeutet das gleichzeitig, dass es keine allgemeine Definition des Begriffs Persönlichkeit gibt? Nicht direkt, denn natürlich befasst die Wissenschaft sich seit jeher damit, die Persönlichkeit des Menschen zu verstehen. Doch wo viel geforscht wird, gibt es auch viele unterschiedliche Meinungen.

Wissenschaftlich wird die Persönlichkeit als dynamisches Ordnungssystem eines Individuums beschrieben, das eine Anpassung an die ständigen Veränderungen der Umwelt ermöglicht. Weniger wissenschaftlich, doch dafür verständlicher bedeutet das: Die Persönlichkeit ist die Kombination aller prägender Eigenschaften eines Menschen - also das, was uns ausmacht.

Aber welche Eigenschaften sind damit gemeint? Schließlich gibt es eine schier unüberschaubare Anzahl. Bei dieser Frage hilft das Modell der Big Five weiter, das die fünf großen Dimensionen der menschlichen Persönlichkeit darstellt, auf deren Skala von schwach bis stark ausgeprägt jeder Mensch eingeordnet werden kann.

  1. Extraversion - Diese Dimension steht für Durchsetzungsfähigkeit, Geselligkeit und ein hohes Energieniveau.
  2. Verträglichkeit - Mitgefühl, Freundlichkeit und eine herzliche Art prägen Menschen mit dieser Zuschreibung.
  3. Gewissenhaftigkeit - Ordnung, strukturiertes Vorgehen und hohes Pflichtbewusstsein machen diese Dimension der Persönlichkeit aus.
  4. Neurotizismus - Neurotizistisch veranlagte Menschen sind emotional, wirken unsicher und launenhaft.
  5. Offenheit für Erfahrungen - Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, sich auf neue Dinge einzulassen, prägen Menschen, die dieser Dimension der Persönlichkeit zuzuordnen sind.

Persönlichkeit beschreiben: Wer sind Sie?

Ollyy/shutterstock.comJeder kennt die klassische Situation: Sie sitzen in einem Vorstellungsgespräch und der Personaler bittet Sie freundlich, sich selbst in einigen Sätzen zu beschreiben. In der Dimension der Extraversion sehe ich bei mir eine starke Ausprägung, Neurotizismus kann ich hingegen weniger feststellen. So wird Ihre Antwort wohl kaum ausfallen. Doch wie lässt sich die eigene Persönlichkeit treffend beschreiben? Oft wird sich über diese Frage keine Gedanken gemacht, bis es tatsächlich zu einer Situation kommt - wie eben im Vorstellungsgespräch - in der es notwendig wird. Wer dann auf dem Schlauch steht, kann sich mit einigen Fragen helfen:

  • Was würden Ihre Freunde über Sie sagen? Eine gelungene Selbsteinschätzung, die auch den Tatsachen entspricht, ist nicht ganz leicht. Fragen Sie sich stattdessen - natürlich ehrlich - was Ihre Freunde oder Ihre Familie über Sie sagen würden. Welche Eigenschaften sehen andere in Ihnen?
  • Was ist Ihnen wichtig? Ein guter Weg, um die eigene Persönlichkeit zu beschreiben, ist zu verstehen, worauf Sie großen Wert legen. Brauchen Sie beispielsweise den regelmäßigen Austausch mit Freunden und Kollegen oder haben Sie lieber Zeit für sich?
  • Was regt Sie besonders auf? Auch das Gegenteil funktioniert, um die Persönlichkeit besser zu verstehen. Was kann Sie wirklich auf die Palme bringen? Können Sie vielleicht nur schlecht mit Streitigkeiten umgehen oder regen Sie sich über Unordnung auf?

Wann ist man eine gefestigte Persönlichkeit?

Eine starke, gefestigte Persönlichkeit ist wie ein Fels in der Brandung. Auch dem größten Unwetter, Stress und hoher Belastung, halten sie stand. Diese Person ruht gewissermaßen ins sich selbst. Sie weiß, was sie kann und hat ein ausgeprägtes Selbstvertrauen.

Das Vertrauen in sich selbst bestärkt diese Persönlichkeit auch darin, zuversichtlich und optimistisch in die Zukunft zu blicken. Wer eine gefestigte Persönlichkeit besitzt, glaubt fest daran, dass sich letztlich alles zum Guten wenden wird, auch in der schlimmsten Krise. Die Kontrolle über die eigenen Gefühle und die Bereitschaft eingefahrene Pfade zu verlassen, lassen gefestigte Persönlichkeiten schnell eine Lösung finden und ihren Weg fortsetzen.

Im Grunde meint gefestigt, dass Sie eine innere Widerstandsfähigkeit besitzen.

Persönlichkeit: So beeinflusst sie Ihre Karriere

Ollyy/shutterstock.comDass Ihre Persönlichkeit sich auch auf Ihre Karriere auswirkt, haben Sie wahrscheinlich bereits vermutet: Gerade bei der Wahl des Berufes ist die Persönlichkeit ein entscheidender Faktor. Es gibt zum Beispiel Menschen, die sind von Kindesbeinen an extrovertiert. In der Regel wählen sie später Berufe, in denen sie ihre natürliche Veranlagung ausleben und gewinnbringend einsetzen können. Nicht wenige werden Verkäufer, Kreative, Künstler, Trainer, Redner, Manager.

Eine Langzeitstudie zweier Wissenschaftler an der belgischen Ghent Universität zeigte jedoch einen weiteren, spannenden Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Karriere.

1994 befragten die Forscher zunächst 266 Absolventen. Dabei wollten die Forscher vor allem wissen, welche Persönlichkeitsmerkmale ihre Probanden aufwiesen - also etwa wie offen sie für neue Erfahrungen waren, wie gewissenhaft, wie extrovertiert sie waren.

Ein paar Jahre danach befragten sie die Teilnehmer erneut, insbesondere zu ihren aktuellen Jobs. Darunter waren Positionen in der Industrie, in der Modebranche, in der Forschung, Lehrer, Kaufleute, Vertriebler und so weiter.

Wenig überraschend: Die Persönlichkeit hatte bei den meisten die Jobwahl beeinflusst. Viele Extrovertierte fanden sich im Vertrieb oder Marketing wieder, die Gewissenhaften waren oft in der Forschung und Controlling und jene mit ausgeprägter Offenheit arbeiteten auffällig häufig im künstlerischen Bereich.

Persönlichkeit entwickelt sich durch den Job weiter

Deutlich interessanter hingegen das Ergebnis, dass eine weitere Umfrage gut 15 Jahre später zeigte: Nun wollten die Wissenschaftler erkunden, ob sich die Persönlichkeit der Probanden in irgendeiner Form verändert hatte.

Und tatsächlich: Wer besonders extrovertiert war, wurde im Laufe der Jahre zwar nicht noch extrovertierter. Aber er oder sie entwickelten derweil Persönlichkeitsmerkmale, die sie vorher nicht oder zumindest nicht so ausgeprägt besaßen, die aber für eine noch bessere Anpassung an den Job sorgten.

Ein Beispiel der Forscher: Ein Extrovertierter wird Manager. Muss er deswegen noch extrovertierter werden, um weiter Karriere zu machen? Wohl kaum. Auch weniger dieser Eigenschaft hilft ihm nicht - sie hat ihn immerhin dorthin gebracht. Allerdings täte ihm wohl eine gesunde Portion Gewissenhaftigkeit gut, um seine Funktion als fürsorglicher Zuhörer und effektiverer Führer zu stärken. Und genau das passierte laut den Studienergebnissen mit den Teilnehmern auch: Wer Karriere machte, dessen Persönlichkeit wurde auch durch den Beruf verändert.

Oder stark verkürzt: Du wirst dein Job.

Persönlichkeit entscheidet über die Jobzufriedenheit

Unsere Persönlichkeit entscheidet nicht nur darüber, für welchen Job wir uns entscheiden. Sie spielt auch eine große Rolle dabei, wie zufrieden wir im spätere Leben mit dieser Position sind. Das zeigt eine Studie, basierend auf dem Persönlichkeitsmodell des Meyers-Briggs-Typenindikators. Wir haben die sechs wichtigsten Ergebnisse für Sie zusammengefasst.

  1. Extrovertierte Menschen sind in der Regel zufriedener mit Ihrem Job
  2. Eine stärkere Ausprägung der Gefühlsebene führt zu mehr Zufriedenheit.
  3. Wer an seinen Entscheidungen festhält, ist eher zufriedener im Job.
  4. Rationale Entscheidungen bringen mehr Geld - persönliche Werte erhöhen die Zufriedenheit.
  5. Mehr Verantwortung und eine Führungsposition sind nicht automatisch Indizien für mehr Zufriedenheit im Job.
  6. Es ist zwar eine Floskel, doch die Studie zeigt: Geld allein macht nicht glücklich.

Persönlichkeit in der Bewerbung: So klappt's

Ollyy/shutterstock.comImmer wieder werden kritische Stimmen laut, die Bewerbungen mit Persönlichkeit als Risiko für die Bewerbungschancen sehen und vehement von ihnen abraten. Das häufig vorgebrachte Argument: Persönlichkeit lenkt in der Bewerbung von den fachlichen und objektiven Fähigkeiten und Kompetenzen ab. Dadurch fließen Faktoren in die Bewertung und Auswahl ein, die keine Rolle spielten sollten.

Doch persönliche Eigenschaften - und der Geschmack der Personaler - spielen bei Bewerbungen und im Auswahlprozess immer eine Rolle. Selbst bei anonymen Bewerbungen kommen menschliche Faktoren wie Sympathie und Persönlichkeit spätestens im Vorstellungsgespräch zur Geltung. Deshalb darf Ihre Persönlichkeit gerne auch schon in der Bewerbung zum Vorschein kommen. Mit diesen Tipps klappt das auch erfolgreich:

  • Das Design Ihres Lebenslaufs. Dieser Trend hat sich noch nicht in jeder Branche durchgesetzt, doch ein Lebenslauf muss nicht immer klassisch gestaltet sein. Wenn es zum Unternehmen und zur Stelle passt, kann auch Ihre Persönlichkeit mit einfließen.
  • Ihr Bewerbungsfoto. Natürlich sollte es unbedingt ein professionelles Foto sein, aber Ihre Persönlichkeit muss dennoch nicht außen vor bleiben. Durch Kleidung, Haltung und Blick können Sie die Wirkung beeinflussen. Ein gutes Ergebnis ist erreicht, wenn Sie das Foto ansehen und sich darin wiedererkennen.
  • Ihr Bewerbungsschreiben. Auch Ihr Anschreiben bietet eine Menge Spielraum, um Ihrer Persönlichkeit freien Lauf zu lassen. Das Wichtigste jedoch: Bleiben Sie authentisch. Das Vorspielen falscher Tatsachen ist genau so tabu wie die Vermittlung eines falschen Eindrucks, nur um dem Personaler zu gefallen.

Charaktertest: Besitzen Sie eine gefestigte Persönlichkeit?

Quelle: shutterstock/ollyyZum Abschluss haben wir noch einen Test für Sie vorbereitet, bei dem Sie feststellen können, ob Sie über eine gefestigte Persönlichkeit verfügen. Dazu haben wir sieben Fragen für Sie zusammengestellt und würden Sie bitten, sich zu merken, welchen Buchstaben Sie am häufigsten gewählt haben. Am Ende der Seite führt sie dieser zur Auflösung.

1. Frage: Sie organisieren für Ihren Kunden einen Messestand und befinden sich in den letzten Zügen der Planung. Nun erhalten Sie einen Anruf und Ihr Kunde informiert Sie darüber, dass er doch alles anders machen möchte und erwartet nun von Ihnen seine Sonderwünsche bis zum Messetermin umzusetzen. Wie reagieren Sie?

  • Ich gerate in Panik. Wie um Himmels Willen soll ich das schaffen? Ich stürze mich in Arbeit. (A)
  • Den Stress lasse ich nicht an mich heran kommen. Ich erkläre dem Kunden ruhig, wie viel Arbeit bereits in die aktuelle Planung geflossen ist und bestärke ihn darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind. (C)
  • Ich verdränge das Problem erst einmal. Ich habe schreckliche Angst, dass alles schief geht. (B)
  • Ich bin so wütend über die Sonderwünsche des Kunden und stelle ihm ein Ultimatum: Entweder er ist bereit deutlich mehr für den Auftrag zu bezahlen oder unsere Zusammenarbeit ist beendet. (D)

2. Frage: Ein Praktikant hat Mist gebaut und beichtet Ihnen den Fehler. Nun müssen Sie den Fehler wieder ausbügeln und das bedeutet zusätzlichen Arbeits- und Zeitaufwand für Sie. Wie reagieren Sie?

  • Ich bin verärgert und geige dem Praktikanten erst einmal die Meinung. (D)
  • Ich sage nichts und ärgere mich im Stillen. (B)
  • Ich schaue mir die Arbeit des Praktikanten an und überlege, was davon verwertbar ist. Dann zeige ich ihm seine Fehler auf. Gemeinsam teilen wir uns die verbleibende Arbeit auf, um schnell zu einem Ergebnis zu kommen. (C)
  • Ich denke mir: "Alles Mist, was der da gemacht hat. Völlig unbrauchbar." In meinem Kopf sehe ich all die negativen Auswirkungen, die der Fehler auf meine Arbeit hat. (A)

3. Frage: Ihre Firma hat ein neues Programm für die Arbeitszeiterfassung eingeführt. Sie kommen damit nicht zurecht. Was tun Sie?

  • Ich bitte meine Kollegen um Hilfe. Schließlich kann man nicht alles wissen. (D)
  • Ich kann unmöglich zugeben, dass ich nicht zurecht komme. Was sollen die anderen nur von mir denken?(A)
  • Ich schiebe die Sache erst einmal auf. Das hat doch noch Zeit, oder? (B)
  • Ich erkenne, dass ich die Funktionsweise noch nicht verstanden habe und lese mich ein. (C)

4. Frage: Ihr Chef bittet Sie zu einem persönlichen Gespräch. Er teilt Ihnen mit, dass er unzufrieden mit Ihrer Arbeit ist und kritisiert Sie für die Betreuung dieses Projekts. Wie reagieren Sie?

  • Ich bin am Boden zerstört, zweifel daran meinen Job gut zu machen und habe Angst davor, entlassen zu werden. (A)
  • Ich höre mir die Kritik an und frage nach Input, was ich anders machen könnte. (C)
  • Ich rechtfertige mich für mein Handeln und suche nach Erklärungen. (B)
  • Ich bedanke mich für das Feedback und versichere, dass ich künftig anders vorgehen werde. (D)

5. Frage: Sie haben einen Fehler gemacht und damit einen wichtigen Kunden verprellt. Wie gehen Sie mit der Situation um?

  • Ich prüfe, was schief gelaufen ist und suche nach Möglichkeiten, den Fehler künftig zu vermeiden. (C)
  • Eigentlich kann ich gar nichts dafür, die Wünsche des Kunden waren von Anfang an nicht zu erfüllen. (B)
  • Ich zerfleische mich für diesen Fehler und denke immer wieder darüber nach, was wäre, wenn ich anders gehandelt hätte. (A)
  • Ich akzeptiere, dass man es nicht immer allen Recht machen kann und stecke umso mehr Energie in die Gewinnung neuer Kunden. (D)

6. Frage: Im Job lief es schon seit langem nicht gut. Nun haben Sie die Kündigung erhalten. Wie reagieren Sie?

  • Ich bin am Boden zerstört und sehe mich dabei den Harz IV-Antrag auszufüllen. (A)
  • Mir war klar, dass es früher oder später so kommen musste. Ich nehme mir die Zeit, um meine Situation zu analysieren und herauszufinden, was ich wirklich will. (C)
  • Ich gebe dem Chef die Schuld für meine Situation. (B)
  • "Ich werde einen besseren Job finden", mit diesem Gedanken mache ich mich auf die Suche. (D)

7. Frage: Sie wollen Ihr Hobby zum Beruf machen und haben sich mit Ihrer Idee selbstständig gemacht. Doch es läuft nicht wie erwartet. Wie reagieren Sie?

  • Ich beiße die Zähne zusammen und mache weiter. (D)
  • Ich gebe frustriert auf. War eh eine blöde Idee. (B)
  • Ich aktiviere meine Netzwerk, frage Freunde und Bekannte, was ich tun könnte, damit das Geschäft besser läuft. (C)
  • Ich bereue den Schritt getan zu haben und sehe bereits alles den Bach runtergehen. (A)
[Bildnachweis: NeydtStock, Ollyy by Shutterstock.com]