Zahlreiche Titelgeschichten, Leitartikel, Bücher und Fernsehsendungen haben den Begriff “Burnout” zu einem der Modeworte des Jahres werden lassen. Selbsternannte “Burnout-Kliniken” springen auf den Zug auf und hoffen auf eine lukratives Klientel von Managern mit Privatversicherung. Die Unternehmen wiederum führen betriebsinterne Gesundheitschecks zur Stressreduktion ein, um dem Burnout und damit verbundenen Produktivitätsverlusten vorzubeugen.
Auch wenn so die Bedeutung psychischer Erkrankungen deutlicher wird und die Sensibilität gegenüber Betroffenen steigt – der inflationäre Gebrauch des schwammigen Begriffs Burnout wirkt eher irreführend und ist längst nicht so gesund, wie man annehmen könnte – findet Professor Ulrich Hegerl, Chef der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig, und hat gleich fünf Thesen (PDF) gegen den Modebegriff verfasst:
- Der Begriff „Burnout“ ist nicht klar definiert und in den maßgeblichen internationalen Klassifikationssystemen gibt es keine Diagnose Burnout. Entsprechend liegen für die bunten psychischen Störungen, die alle unter Burnout zusammengefasst werden, auch keine Behandlungen mit Wirksamkeitsbelegen aus methodisch guten Studien vor.
- Ein Großteil der Menschen, die wegen „Burnout“ eine längere Auszeit nehmen, leidet de facto an einer depressiven Erkrankung. Alle für die Diagnose einer Depression nötigen Krankheitszeichen liegen vor, wozu immer auch das Gefühl tiefer Erschöpftheit gehört.
- Wird Burnout als weniger stigmatisierende alternative Bezeichnung zu Depression verwendet, so wäre dies akzeptabel. Problematisch und irreführend ist jedoch, dass der Begriff eine Selbstüberforderung oder Überforderung von außen als Ursache suggeriert. Auch wenn ausnahmslos jede Depression mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergeht, ist nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung. Viele depressive Episoden werden durch Verlusterlebnisse, Partnerschaftskonflikte, durch eher positive Veränderungen im Lebensgefüge, wie Urlaubsantritt, Beförderung, Umzug getriggert und bei zahlreichen Menschen mit einer depressiven Episode ist beim besten Willen kein bedeutsamer Auslöser festzustellen. Wäre Burnout oder gar Depression in erster Linie Folge einer beruflichen Überforderung, so sollte diese Erkrankung in Hochleistungsbereichen häufiger sein als bei Rentnern, Studenten oder Nicht-Berufstätigen. Das Gegenteil ist jedoch eher der Fall.
- Vielfach existiert die Vorstellung, dass langsamer treten, länger schlafen und Urlaub machen gute Bewältigungsstrategien sind. Verbirgt sich hinter dem angeblichen „Burnout“ jedoch eine depressive Erkrankung, so sind dies keine empfehlenswerten, oft sogar gefährliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagieren auf längeren Schlaf und eine längere Bettzeit nicht selten mit noch mehr Erschöpftheit und Stimmungsverschlechterung. Auch wird ein Urlaubsantritt depressiv Erkrankten dringend abgeraten, da die Depression mitreist und der eigene Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, irgendeine Freude zu empfinden, im Urlaub in fremder Umgebung besonders bedrückend und schmerzlich erlebt wird.
- Und: Die Vermengung von Stress, Burnout und Depression führt zu einer Verharmlosung der Depression. Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden. Depression dagegen ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Die Verharmlosung der Depression verstärkt das Unverständnis gegenüber depressiv Erkrankten.







gabaretha
Lieber Jochen Mai,
nach meiner Auffassung ist jede Diagnose eine Momentaufnahme, die sich verändern kann und darf. Besonders bei psychischen Belastungen, wo wir über subjektive Empfindungen und Emotionen sprechen, halte ich es für schwierig, eine allgemein gültige Richtschnur zu erstellen.
Der inflationäre Gebrauch des Begriffs “Burnout” hat nach meine Auffassung Vor- und auch Nachteile. Ich empfinde es als sehr positiv, dass ein größeres Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Problematik psychischer Belastung entstanden ist. Frühzeitige Maßnahmen können Betroffenen viel Leid ersparen.
Aber wo Licht ist, ist immer auch Schatten: Immer häufiger schlagen Menschen bei mir auf, die sich schon selbst eine Diagnose gestellt haben. Nach meiner Meinung lässt sich das (unter anderem) auf die vielen Psycho- und Selbsttests zurückführen, die zur Zeit für das BurnOut Syndrom wie Pilze aus dem Boden schießen ;-). Für mich sind Worte bzw. Diagnosen nur wichtig, um mit anderen Menschen zu kommunizieren und mich verständlich auszudrücken. Pragmatisch betrachtet ist ausschließlich der Mensch entscheidend…und das was ihn bewegt, belastet und hilft.
Besser und besser,
Gaba
d.p.
meine Erfahrung: wer zugibt unter Depressionen zu leiden, hat eine schwere Erkrankung. wer damit prahlt einen Burnout zu haben, möchte unter den gegenwärtigen Arbeitsbedingungen (z.B. Versetzung droht oder Arbeitsplatzverlust) nicht weiterarbeiten, sondern seinem Arbeitgeber eins auswischen oder ein Rentenbegehren unterstreichen. ich denke schon, dass viele der heutigen Arbeitsbedingungen krank machen können (immer weniger Menschen müssen aus Kostengründen immer mehr Arbeit machen), aber anfällig für Erschöpfung sind die, die als Kind gelernt haben, die eigenen Grenzen zu ignorieren. wer die aber noch wahrnimmt und sich wegen Burnout anmeldet weiß meist was er tut. depressive fallen aus obwohl sie weitermachen wollen und ohne selbst zu wissen was passiert. wer schon mit dem Begriff Burnout um Anerkennung buhlt zieht sich meiner Meinung nach passiv-aggressiv aus der Athmosphäre.
Claus F. Dieterle
Zur Behandlung von Depressionen möchte ich auch auf die Biblische Krankenheilung (Aufklärung und Beratung) hinweisen. Grundlage sind Aussagen der Bibel.
Jesus Christus spricht in Matthäus 11,28:
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken.
Psalm 146,8:
Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind.
Mit guten Segenswünschen
Claus F. Dieterle Heilpraktiker / Psychotherapie
Nicole
Also ich muß sagen, daß wenn man unter Depressionen leidet man unter anderen eine Art Burnout oder eher gesagt Erschöfung des Körpers entwickeln kann. Da ich dies gerade selber durch mache, weiß ich auch wovon ich spreche. Man sagt, Sport wäre gut für Depressionen, was auch die Tatsache ist, aber wenn man sich total erschäft und überlastet fühlt hilft kein Sport mehr. Ich habe es ausprobiert, danach war ich so müde wie noch nie zuvor und habe das ganze Wochenende fast durchgeschlafen. Ob es ein Burnout nun wirklich gibt oder nicht, kann man wohl in Frage stellen. Auf jeden Fall kann eine Depression zu Erschöpfung und körperlicher Überlastung führen.
Und diese Personen sind sicherlich keine Simulalten, wie sie von anderen gerne dargestellt werden und wollen sich auch nicht vor der Arbeit drücken. Bevor man solche Aussagen macht, sollte man sich erstmal richtig informieren und eher Verständnis für die Betroffenen zeigen. Sicherlich gibt es immer wieder mal Simmulanten die sich gerne vor allem drücken. Aber wer wirklich so eine Krankheit hat, dem sollte man bei Seite stehen und ihn unterstützen oder wenigstens die blöden Sprüche und falschen Behauptungen sein lassen. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Warscheinlich kann kaum einer, der das nicht selbst durch macht wirklich nachvollziehen. Ebenso sind die Informationen zu solchen Krankheiten, die man heutzutage erhält wirklich schlecht und stimmen teilsweise nicht mals wirklich.