Spontaneitaet-spontan-ad-hoc
Pläne geben Sicherheit, aber Spontaneität macht glücklich. Damit meine ich nicht die im positiven Sinne naive Ungezwungenheit, etwa spontan mit einem oder einer Fremden einen Kaffee trinken zu gehen, sondern vielmehr jene charakterliche Eigenschaft, aus heiterem Himmel einfach mal etwas Ungeplantes tun zu können - ohne hinreichenden Grund, einfach so. Darin liegt nicht nur ein wesentlicher Schlüssel des Erfolgs, sondern auch das Geheimnis des Lebensglücks...

Spontaneität bestimmt unsere Erinnerung

Glauben Sie nicht? Dann machen Sie doch ein kleines Experiment...

Egal, wie alt Sie sind: Versuchen Sie sich an ein paar echte Höhepunkte in Ihrem Leben zu erinnern - Geschichten, die Sie auch eventuellen Enkeln erzählen würden!

Die wenigsten würden wohl Geschichten erzählen, wie: "...und dann nahm ich mir vor Manager zu werden, machte einen Karriereplan, absolvierte mein Studium mit Auszeichnung und arbeitete mich Schritt für Schritt die Karriereleiter empor..." Laaaaaaangweilig!

Was Sie vielmehr erinnern werden, sind Anekdoten vom Typ:

  • An jenem Wochenende haben wir uns ein Cabrio gemietet und sind spontan ans Meer gefahren.
  • Wir sind zum Flughafen, haben den nächsten Billigflug nach Paris genommen und dort eine wunderschöne Nacht an der Seine verbracht.
  • Mit meinem Freund bin ich nachts noch rüber nach Belgien - nur um ein paar original belgische Fritten zu essen.

Es sind jene total verrückten Einfälle, unerwartete Handlungen und spontane Aktionen, die sich in unser Gedächtnis einbrennen, an die wir uns noch Jahre später mit einem Leuchten in den Augen erinnern wenn wir davon erzählen und schwärmen. Selbst wenn es auf dem Weg Enttäuschungen gab, die Fritten nicht ganz so lecker waren, wie gedacht oder es an der Seine Hunde und Katzen regnete - für einen kurzen Moment, eine kleine Weile waren wir völlig frei, mutig, glücklich bis in die Haarspitzen.

Ganz spontan: Spontaneität oder Spontanität?

Seit der neuen Rechtschreibung sind beide Schreibweisen zulässig. Doch woher kommt eigentlich das e in Spontaneität? Kurze Antwort: aus dem Französischen beziehungsweise Spätlateinischen. Denn unser Wort stammt ursprünglich vom französischen spontanéité ab, was wiederum auf das lateinische spontaneus zurückgeht.

Insofern wäre die spontane Frage andersrum richtiger: Wo ist eigentlich das e in Spontanität geblieben?

Warum ist Spontaneität ein Erfolgsschlüssel?

Mut-spontaneitaet-spontanVerstehen Sie mich nicht falsch: Das ist weder ein Plädoyer für das permanente Lustprinzip, noch eines gegen planvolles, rationales Handeln. Gewiss ist kaum ein Begriffspaar in den vergangenen Jahren so sehr strapaziert worden, wie das sperrig klingende Duo der Flexibilität und der Anpassungsfähigkeit. Pläne und noch viel mehr die dahinter stehenden Ziele sind also auch weiterhin gut und wichtig.

Doch führen sie uns auch allzu leicht auf den betonierten Pfad der Routinen, der kaum noch reflektierten Gewohnheiten und Traditionen und der Scheinsicherheit. Pläne haben die unangenehme Nebenwirkung, uns einzulullen und den Blick auf einen schmalen Tunnelausgang zu verengen.

Es ist leider so: Der Mensch bewegt sich am liebsten auf sicheren und gewohnten Pfaden. Ein allumfassendes Kontrollbewusstsein ist uns eingeimpft. Es dient dazu, um jeden Preis ein positives und fehlerfreies Selbstbild aufrecht zu erhalten. Deswegen wird alles geplant und so vorhersehbar wie möglich gemacht. Dahinter steht die Angst, etwas falsch zu machen und sich vor unseren Mitmenschen zu blamieren.

Doch irgendwann ist es so, dass wir nur noch auf feste Regeln hören. Was nicht von langer Hand ausreichend durchdacht und vorgeplant war, wagen wir nicht mehr; wir wehren uns sogar dagegen, bekämpfen es, weil es sich inzwischen unbehaglich und unheimlich anfühlt.

Kurz: Wir haben unseren Geist selbst eingemauert und verteidigen diese Engstirnigkeit auch noch. Gefährlich! Vor allem weil sich das Leben in Gänze sowieso nie planen lässt und nichts sicherer ist als die Aussicht auf Unvorhergesehenes.

Wie sagte John Lennon einst so schön: "Life is what happens while you are busy making other plans." Der Schriftsteller Martin Mosebach wiederum formulierte es so: "Man muss sich um das Neue keine Sorgen machen. Das kommt ganz von selbst."

Dem Spontanen hingegen wohnt die Fähigkeit zur Anpassung inne. Solche Menschen können jederzeit assoziieren, adaptieren, improvisieren. Und das ist auch gut so.

Wer krampfhaft auf die Erfüllung seines Plans stiert, übersieht höchstwahrscheinlich eine einmalige Chance, die sich ihm abseits des Weges auftut. Und gerade diese Gelegenheiten sind es, die Traumkarrieren hervorgebracht haben – auch wenn mancher Top-Manager im Nachhinein dazu neigt, seinen Aufstieg als von langer Hand geplant darzustellen. Ist er natürlich nicht, ist er nie!

Improvisationstalent wird oft als Zeichen von Inkompetenz missverstanden, doch das Gegenteil ist richtig: Es ist eine wichtige Problemlösungskompetenz. Wer improvisieren kann, ist in der Lage mit den Mitteln, die einem gerade zur Verfügung stehen, spontan eine Lösung für das Problem zu erarbeiten. Nicht nur im Job kann einen diese Fähigkeit weit bringen.

Fehlende Spontaneität dagegen macht berechenbar und auch sozial unflexibel. Manche Forscher warnen gar davor, es könne zu einem übersteigerten Sicherheitsbedürfnis und einem abnormalen Sozialgefüge führen.

Mutanfall: Die Kunst, impulsiv zu sein

Subbotina Anna/shutterstock.comEine Welt, in der Menschen nur noch ihren spontanen Trieben nachgeben, wäre natürlich kein besserer Ort. Aber etwas mehr Ungezwungenheit tut uns allen gut. Eine spontane Reise ins Unbekannte - und sei es nur mental - gibt unserem Leben nicht nur die Würze und Stoff für Gute-Nacht-Geschichten. Es trainiert zugleich unseren Mut-Muskel.

Den gibt es so natürlich nicht, die Metapher veranschaulicht aber treffend, wie es sich mit der Courage verhält, wenn wir sie regelmäßig pflegen: Je mehr wir sie trainieren, desto stärker wird sie. Spontaneität wird ja auch nicht dadurch schlechter, dass sie einem weniger schwerfällt.

Im Endeffekt aber sind beide vor allem eine Frage des Willens: Man muss mutig und spontan sein wollen. Und wer sich beides immer wieder leistet, erlangt auf lange Sicht mehr Reichtum als mit allen Plänen zusammen.

Wie das geht?

Es wäre grober Unfug und ein Widerspruch in sich, ausgerechnet eine Anleitung für mehr Spontaneität zu entwerfen. Ungezwungenheit nach Plan oder in drei Schritten kann es nicht geben. Zum Glück muss es das auch nicht.

Machen Sie einfach, probieren Sie etwas Neues, wagen Sie was - es muss ja nicht gleich ein Wochenende in Paris sein. Ein Spaziergang im Regen oder eine Nachtwanderung durch die Stadt sind ein wunderbarer Anfang...

Vorurteile, mit denen spontane Menschen kämpfen

Nicht jeder steht großer Spontaneität positiv und aufgeschlossen gegenüber, was sich auch in einigen Vorurteilen zeigt, mit denen sich Spontane immer wieder herumschlagen müssen:

  • Spontane Menschen können sich nicht konzentrieren. Aufgrund ihrer Sprunghaftigkeit wird oft unterstellt, dass es Spontanen schwer fallen würde, sich zu konzentrieren. Für einige mag das zutreffen, doch muss man hier differenzieren: zwischen affektiven Handlungen und einer bewussten Entscheidung, den üblichen Trott zu durchbrechen. Gerade die spontane Pause kann Konzentration eher noch steigern.
  • Spontane Menschen sind nicht zuverlässig. Hier werden zwei Beobachtungen unzulässig verknüpft: Wer spontan ist, muss deswegen nicht unzuverlässig sein - aber die ursprünglichen Pläne kann der Spontane schon mal über den Haufen werfen.
  • Spontane Menschen scheitern häufiger. Wer vielen Ideen nachgeht, erhöht die Chance für Fehler - aber auch für Erfolge. Oft sind es nur die Rückschläge, über die mehr gesprochen wird. Das heißt aber nicht, dass uns Spontaneität häufiger scheitern lässt. Man wagt nur mehr.

8 Dinge, die (nur) spontane Menschen verstehen

Eugenio Marongiu/shutterstock.comDie oben genannten Vorurteile zeigen, dass es zahlreiche Missverständnisse in Bezug auf Spontaneität gibt. Gerade ruhigere und weniger impulsive Menschen können oft nicht nachvollziehen, was in diesen impulsiven Köpfen vorgeht und wie es zu deren plötzlichem Sinneswandel kommen kann. Einige dieser Missverständnisse lassen sich aus der Welt schaffen, wenn man versteht, wie spontane Menschen ticken. Daher zum Abschluss noch diese Liste mit acht Dingen, die spontane Menschen nur allzu gut nachvollziehen können:

  1. Sie können sich für alles begeistern.

    Es gibt nichts, was Spontane nicht auf irgendeine Art und Weise spannend finden - oder spannend gestalten können. Mit dem Auto spontan verreisen, kurzfristig zum Spiel der Lieblingsmannschaft fahren oder bei der Hitze spät abends noch zum Baggersee aufbrechen? Alle Möglichkeiten versprechen gleichermaßen interessant und aufregend zu werden, also bleibt bis zur letzten Sekunde offen, wofür man sich am Ende entscheidet.

  2. Sie haben keine Angst.

    Die meisten Menschen haben Angst davor, sich in der Öffentlichkeit zu blamieren, doch für ihre Ideen ist Spontanen keine Aktion zu peinlich. Da kann es schon mal passieren, dass in der Innenstadt die Musik am Handy laut aufgedreht wird, um ein wenig zu tanzen. Aber auch andere Ängste treten in den Hintergrund. Wenn die Idee aufkommt, den Sonnenuntergang auf dem Dach anzusehen, werden Gedanken über mögliche gebrochene Knochen bei einem Sturz kurzerhand ausgeblendet.

  3. Sie wissen, dass Pläne sich schnell ändern können.

    Bereits Wochen vorher einen Plan aufstellen? Das ist zwar möglich, doch gibt es keine Garantie, dass Spontane sich auch daran halten werden. Das ist weder böswillig noch rücksichtslos gemeint, es ist einfach ihre Persönlichkeit. Auch wenn sie sich fest vorgenommen haben, einen Termin einzuhalten, kann immer noch etwas Spannendes passieren, dass die Aufmerksamkeit fesselt und alles andere verdrängt.

  4. Sie lieben es, neue Leute zu treffen.

    Jeder neue Kontakt bietet die Gelegenheit, etwas Neues und Aufregendes zu erfahren. Vielleicht trifft man einen Fallschirmspringer, der noch einen Partner für den nächsten Sprung sucht oder der neue Kollege berichtet über seine Reisen nach Asien und Afrika. Spontane Menschen sind interessiert, wenn sie neue Leute treffen, was sie zu hervorragenden Gesprächspartnern macht, die den Geschichten des Gegenübers ihre volle Aufmerksamkeit widmen.

  5. Sie brauchen immer etwas zu tun.

    Wer rastet, der rostet. So könnte das Lebensmotto vieler spontaner Menschen lauten. Einfach nur herumzusitzen und nichts tun ist für sie eine absolute Horrorvorstellung. Auch wenn es nicht immer außergewöhnlich sein muss, ziehen sie es vor, den Abend mit Freunden zu verbringen, als allein auf der Couch zu sitzen. Kurzum: Langeweile ist der vielleicht größte Feind.

  6. Sie kennen auch die negativen Seiten der Spontaneität.

    Die meisten spontanen Menschen haben im Eifer des Gefechts bereits Dinge getan, die sie später bereut haben. Denn nicht jede Idee kann die hohen Erwartungen erfüllen, die an sie gestellt werden. Leider kann es da passieren, dass eine teure Anschaffung getätigt wird, die im Anschluss nie wieder benutzt wird.

  7. Sie wollen dabei sein und nicht nur zusehen.

    Egal ob eine Party nach Feierabend oder eine Reise an die Nordsee - spontanen Menschen reicht es nicht, von aufregenden Dingen zu hören oder diese aus der Ferne zu beobachten. Sie wollen immer mitten drin sein und die neuen Erfahrungen selbst machen. Dieses Vorhaben kann allerdings auch sehr anstrengend werden, denn irgendwo ist immer etwas los, das Spontane gerne erleben würden.

  8. Sie sind hervorragende Problemlöser.

    Es wird ihnen oft nicht zugetraut, doch wenn es darum geht, ein Problem zu lösen, kann Spontaneität sehr hilfreich sein. Das liegt besonders an ihrer offenen und unvoreingenommenen Art. Sie schließen keine Möglichkeiten aus, finden Lösungen und probieren diese aus. Auf diese Weise können sie zu kreativen und effektiven Problemlösungen kommen.

3 wichtige Kennzeichen spontaner Menschen

  1. Sie zögern nicht.

    Spontane Menschen warten nicht auf einen besseren Zeitpunkt, um ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen. Während andere noch überlegen, ob es wirklich eine gute Idee ist, haben Spontane bereits den halben Weg zurückgelegt.

  2. Sie sind mitreißend.

    Es ist schwer, der Überzeugungskraft eines spontanen Menschen zu widerstehen. Durch seine Energie und die positive Ausstrahlung schafft er es, auch anfängliche Zweifler zu animieren und für seine Ideen zu begeistern.

  3. Sie sind kreativ.

    Wer nicht auch mit einem ähnlichen Maß an Spontaneität ausgestattet ist, kann oft nur staunen, auf was für Ideen spontane Menschen kommen. Scheinbar aus dem Nichts kommt ein Vorschlag, an den sonst niemand gedacht hätte.

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