Ängste: Sind Sie Kartoffel, Ei oder Kaffeebohne?

Die Wahrheit ist: Wir alle haben Angst. Egal, wie souverän und selbstbewusst wir vielleicht sonst sind: Es gibt immer noch ein paar Dinge, die uns Ängste und Sorgen machen. Allerdings reagieren die Menschen völlig unterschiedlich darauf beziehungsweise gehen verschieden damit um. Dazu gibt es eine schöne Parabel, die seit Jahren durch das Internet wabert. Sie beginnt mit einer scheinbar trivialen Frage: Was passiert, wenn Sie eine Kartoffel, ein rohes Ei und eine Kaffeebohne in einen Topf mit heißem Wasser geben? Nunja, was soll schon passieren?, werden viele jetzt denken: Sie garen und kochen… Richtig. Aber alle drei verhalten sich dabei völlig unterschiedlich…

Ängste: Sind Sie Kartoffel, Ei oder Kaffeebohne?

Kartoffel, Ei und Kaffee im Topf

Kartoffel, Ei und Kaffee im TopfWer die Geschichte ursprünglich erzählt hat, lässt sich nicht mehr eindeutig feststellen. Früheste Fundstellen reichen bis auf das Jahr 2011 zurück. Und im Original (Potato, Egg or a Coffee Bean) erzählt die Geschichte von einem Vater und seiner Tochter. Seitdem wir sie immer wieder in verschiedenen Varianten kolportiert und erzählt.

Aber zurück zur Ausgangsfrage: Was passiert im Topf?

Natürlich sind alle drei – Kartoffel, Ei, Kaffeebohne – zu Beginn roh und mehr oder weniger ungenießbar. Das heiße Wasser aber verändert sie:

  • Die Kartoffel ist anfangs hart und wird mit der Zeit immer weicher und weicher. Am Ende ist sie sogar Matsch.
  • Das Ei dagegen ist anfangs weich und labbrig und wird mit dem Kochen hart und stabil (kann aber auch platzen, wenn man vorher nicht die Schale einpiekst).
  • Die Kaffeebohne wiederum wird weder hart noch weich, sondern macht aus dem Wasser etwas ganz Neues: Kaffee (wenn auch zugegeben in dem Fall eine ziemlich dünne Brühe, aber das ignorieren wir mal). Oder anders formuliert: Die Bohne verändert ihre Umgebung.

So weit, so bekannt. Was aber hat das nun mit unseren Ängsten zu tun?

Betrachten Sie das heiße Wasser als Symbol für Ihre Ängste – bewusste wie unbewusste. Die meisten Menschen reagieren darauf übrigens mit einer klassischen Vermeidungsstrategie: Sie weichen dem Problem aus, leugnen die Angst, wollen aus dem Topf heraus.

Nicht der beste Umgang mit den eigenen Ängsten. Denn so gewinnt das Vermeiden nach und nach die Oberhand, wird zur Standardstrategie, und auf das Vermeiden folgen wachsende Unsicherheit, Selbstzweifel und weniger Selbstvertrauen.

Oder anders formuliert: Die Angst lähmt und blockiert uns. Wir wagen kaum noch etwas und bleiben so unter unseren Möglichkeiten. Die Probleme werden dadurch sowieso nicht kleiner. Eher ist das Gegenteil der Fall.

Aber auch wer im symbolischen Topf bleibt, reagiert so oder so:

  • Die einen wirken anfangs hart, nahezu unzerbrechlich. Eine starke Fassade, die jedoch mit der Zeit abblättert und den weichen Kern unter der Schale offenbart.
  • Die anderen wirken zerbrechlich, sind es aber nicht. Sie überwinden ihre Ängste (im Wasserbad) und gehen daraus gestärkt und abgehärtet hervor.
  • Und wieder andere machen daraus etwas ganz Eigenes, Neues, Nützliches – sie verändern sich und Ihr Umfeld gleich mit.

Sie ahnen natürlich längst, worauf ich hinaus will. Für jeden von uns stellt sich die Frage: Sind Sie eher Kartoffel oder Ei oder Kaffeebohne?

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
28. April 2016 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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