Nervös im Vorstellungsgespräch: Bitte durchatmen!
Vorstellungsgespräche sind heikel: Binnen weniger Minuten soll man das Schlauste sagen, was einem jemals über die Lippen gekommen ist, soll vor Inspiration und Engagement nur so sprühen, soll sympathisch und motiviert sein, einen guten Eindruck machen und obendrein subtil herausstreichen, warum das die einmalige Chance für das Unternehmen ist, die Bestbesetzung für die Position einzustellen. Und das alles unter dem hohen Stress einer klassischen Prüfungssituation. Kein Wunder, dass die meisten Bewerber in so einer Situation nervös werden. Und mit der Nervosität kommen die feuchten Hände, das Herzrasen und das flaue Gefühl im Magen. Was gegen die Nervosität im Vorstellungsgespräch hilft...

Was passiert bei Nervosität und Lampenfieber?

Nervosität, Aufregung oder auch Lampenfieber bezeichnen einen Zustand innerer Unruhe. Dann schüttet der Körper massenhaft Adrenalin aus, der Herzschlag beschleunigt sich, Energiereserven werden freigesetzt. Die Pupillen weiten sich und man ist sofort aufnahmefähiger.

All diese Reaktionen stellen zunächst einen Schutzmechanismus des Körpers dar. Wenn Gefahr lauert, ist der Mensch dadurch in der Lage zu flüchten oder sich zu verteidigen.

In einem Vorstellungsgespräch und in vergleichbaren Situationen kann dieser Fluchtinstinkt jedoch hinderlich sein. Denn viele Bewerber versuchen die Nervosität wegzureden und reden sich dabei um Kopf und Kragen.

Körpersprache im Vorstellungsgespräch

Wir sagen nicht immer, was wir denken. Aber unsere Körpersprache verrät, was wir fühlen. Gerade die Körpersprache bekommt in einem Vorstellungsgesprächen oft enormes Gewicht, denn wer sagt schon in den ersten zwei Minuten soviel Überzeugendes, dass der Rest total egal wird? Nicht wenige Kandidaten scheitern im Bewerbungsgespräch eben nicht an ihrer fachlichen Qualifikation, sondern genau wegen dieser nonverbalen Signale.

Eine CareerBuilder-Umfrage hat wiederum ermittelt, welche Gesten Personaler im Vorstellungsgespräch überhaupt nicht mögen und Bewerber tendenziell durchfallen lassen:

  1. Fehlender Blickkontakt (67 Prozent)
  2. Fehlendes Lächeln (38 Prozent)
  3. Herumzappeln (33 Prozent)
  4. Schlaffe Körperhaltung (33 Prozent)
  5. Schlaffer Händedruck (26 Prozent)
  6. Arme verschränken (21 Prozent)
  7. Mit den Haaren spielen oder im Gesicht rumfummeln (21 Prozent)
  8. Mit den Händen fuchteln (9 Prozent)

(Mehrfachnennungen möglich)

Wie Sie Nervosität am besten umgehen

HomeArt/shutterstock.com Vorweg: Auch wenn Sie alle unten aufgeführten Tipps berücksichtigen, wird die Nervosität nicht einfach ganz verschwinden. Das ist auch ganz normal, denn für Sie als Bewerber ist das Vorstellungsgespräch eine Stresssituation. Immerhin geht es um den Job, den Sie unbedingt haben wollen.

  • Sehen Sie die positiven Seiten. Führen Sie sich vor Augen, dass die Nervosität auch ihre guten Seiten hat, denn sie macht Sie konzentrierter und spornt Sie zu Höchstleistungen an. Nutzen Sie Ihre erhöhte Aufnahmefähigkeit.
  • Gehen Sie selbstbewusst ins Gespräch. Wird man zum Vorstellungsgespräch eingeladen, hat man die größte Hürde bereits genommen. Ihre Unterlagen waren so überzeugend, dass man Sie für die ausgeschriebene Stelle in Betracht zieht. Im schriftlichen Teil des Bewerbungsprozesses haben Sie sich bereits gegen eine Reihe anderer Bewerber durchsetzen können. Das sollte Sie beruhigen und Ihr Selbstbewusstsein stärken.
  • Beschäftigen Sie sich mit Stressauslösern. "Warum haben Sie Ihr Studium abgebrochen?" oder "Haben Sie vor Kinder zu bekommen?" Fragen, die Schwachstellen ansprechen oder zu persönlich werden, setzen Bewerber zusätzlich unter Druck. Die meisten Bewerber fühlen sich von solchen Fragen überrumpelt und wissen nicht, was sie darauf antworten sollen. Deswegen sollten Sie sich gezielt auf diese Fragen vorbereiten. Legen Sie sich bereits mögliche Antworten für Brüche im Lebenslauf zurecht. In der eigentlichen Situation sind Sie dann nicht überrascht und können souverän antworten.
  • Achten Sie auf Ihre Körpersprache. Selbst wenn Sie schweigen, redet Ihr Körper immer noch. Vor lauter Nervosität spielen viele Bewerber mit ihren Haaren, kauen auf ihren Lippen oder rücken ihre Kleidung andauernd zurecht. Doch mit all diesen Gesten wirken Sie unsicher und eingeschüchtert. Wie die obige Umfrage zeigt, bemerken das auch Personaler. Werden Sie sich Ihrer Körpersprache bewusst, indem Sie ein Vorstellungsgespräch simulieren und per Video aufzeichnen. Können Sie sich selbst von außen beobachten, merken Sie, auf welche kleinen Gesten Sie achten sollten.
  • Bewegen Sie sich kurz vorher. Bewegung wirkt entspannend. Dabei muss es sich nicht um Leistungssport handeln. Ein kurzer Spaziergang, Treppensteigen oder etwas Gymnastik helfen genauso, Nervosität und Lampenfieber zu reduzieren.
  • Sein Sie rechtzeitig vor Ort. Nichts verursacht mehr Stress, als kurz vor dem Termin gestresst und gehetzt anzukommen und sofort dem Personaler entgegentreten zu müssen. Planen Sie lieber ausreichend Zeit für die Anreise. Das bedeutet auch, dass Sie sich ein genaues Bild davon machen, wie Sie anreisen und eventuelle Verspätungen und Ausfälle im Verkehr einkalkulieren. Zehn Minuten, die Sie eher da sind und sich entspannen können, machen bereits einen großen Unterschied.
  • Trinken Sie vorher keinen Kaffee. Das darin enthaltende Koffein verstärkt nur Ihre Nervosität und kann Sie hektischer werden lassen.
  • Lutschen Sie vorher ein Bonbon. Fühlt sich Ihr Mund trocken an, wenn Sie nervös sind? Durch die Aufregung produzieren Sie weniger Speichel. Zusätzlich atmen viele Menschen, wenn Sie nervös oder aufgeregt sind durch den Mund. Dadurch entsteht ein unangenehmes Trockenheitsgefühl. Ein Kaugummi zu kauen oder ein Bonbon zu lutschen, regt die Speichelproduktion an. Bitte vergessen Sie jedoch nicht, dieses kurz vor dem Termin aus dem Mund zu nehmen.
  • Nutzen Sie die Ankermethode. Das ist eine Technik, die Ihnen dabei hilft, in stressigen Situationen zu entspannen. Sie beruht auf der Reizreaktionskopplung. Dabei werden Daumen und Zeigefinger aufeinander gepresst und währenddessen denkt man intensiv an ein positives Erlebnis, beispielsweise den letzten Urlaub. Die schönen Erinnerungen werden auf den Druck der Finger übertragen. Haben Sie diese Übung oft genug wiederholt, stellt sich das gute Gefühl allein durch das Aufeinanderdrücken der Finger ein. Jedoch erfordert diese Methode einiges an Übung.
  • Beruhigen Sie sich mithilfe eines Gegenstandes. Fällt Ihnen das Abwarten kurz vor dem Vorstellungsgespräch schwer? Ihre Hände zittern und Sie wissen nicht wohin damit? Bringen Sie sich einen kleinen Gegenstand mit, den Sie in diesen Minuten bearbeiten können. Auf diese Weise beruhigen Sie sich und vermeiden nervöse Gesten.
  • Atmen Sie tief durch. Nervosität beeinträchtigt Ihre Atmung. Viele Menschen neigen dann dazu durch den Mund zu atmen oder nur in den oberen Bereich des Körpers. Doch dadurch wird Ihr Mund trocken und Ihre Stimme piepsig. Bewusst zu atmen, hilft Ihnen dabei die Anspannung abzubauen. Nehmen Sie sich also kurz vor dem Gespräch eine paar Minuten Zeit für eine Atemübung.
  • Gehen Sie ehrlich mit Ihrer Nervosität um. Ein guter Personaler weiß, dass Sie aufgeregt sind. Ihre Nervosität ist ein Zeichen dafür, dass Ihnen etwas an der Stelle liegt und beweist Ihre Ernsthaftigkeit. Deswegen sollten Sie nicht versuchen, Ihre Aufregung zu verheimlichen. Sind Sie beim Sprechen ins Stocken geraten und haben den Faden verloren, sprechen Sie offen an, dass Sie nervös sind. Das wirkt menschlich und macht sympathisch.
  • Fürchten Sie sich nicht vor dem Personaler. In der Regel ist es nicht im Interesse eines Personalverantwortlichen Sie als Bewerber fertig zu machen. Es geht darum, Sie kennenzulernen und sich davon zu überzeugen, dass Sie die richtige Wahl für die ausgeschriebene Stelle sind. Deswegen sollten Sie den Personaler nicht als jemanden sehen, der Ihnen etwas Böses will, sondern daran denken, dass er nur auf der Suche nach der Bestbesetzung ist.

Eine Atemübung gegen Stress

Setzen oder stellen Sie sich aufrecht hin, die Schultern gerade, legen Sie Ihre Hand auf den Bauch und versuchen Sie nur durch die Nase dorthin zu atmen – möglichst, ohne dass sich der Brustkorb hebt.

Atmen Sie nach der 4-6-8-Methode:

  • Langsam und tief einatmen, bis vier zählen,
  • die Luft anhalten, bis sechs zählen,
  • langsam durch den Mund ausatmen und bis acht zählen.

Das Ganze wiederholen Sie mindestens fünf Mal. Mit der Zeit werden Sie die Hand nicht mehr brauchen. Dafür können Sie mit dieser Übung Stress genauso wegatmen wie Frust oder Wut.

In Ihrem Berufsleben warten mit Sicherheit noch zahlreiche Situationen, die Sie nervös machen und verunsichern werden, beispielsweise Präsentationen vor Kunden oder Gehaltsverhandlungen mit dem Chef. Deswegen wird es auch für die Zukunft hilfreich sein, wenn Sie frühzeitig Wege finden mit Ihrer Nervosität umzugehen.

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