Bewerbung nach Kündigung
Kündigungen gehören vermutlich zu den unangenehmsten Ereignissen im Verlauf einer Karriere. Trotzdem kommen sie vor. Also: Ihnen wurde gekündigt - und jetzt suchen Sie nach einem neuen Job. Nur haben Sie keine Ahnung, wie Sie die Knitterfalten im Lebenslauf wieder ausbügeln und bei der Bewerbung optimal verkaufen sollen? Zugegeben, leicht wird das nicht. Aber auch nicht unmöglich. Wir zeigen Ihnen per Beispielen und Muster, wie Sie eine Bewerbung nach der Kündigung optimal formulieren...

Bewerbung nach Kündigung: Bitte nicht lügen!

Ganz wichtig ist dabei: Lügen Sie auf keinen Fall! Das wird immer zum Boomerang:

  • Fällt die Unwahrheit noch in der Bewerbungsphase auf, ist Ihr Ruf endgültig ruiniert.
  • Kommt man Ihnen erst später im Job auf die Schliche, ist das ein handfester Grund für eine fristlose Kündigung.

Bewusst falsche Angaben im Lebenslauf sind ein schwerer Täuschungsversuch, der das Vertrauen des Arbeitgebers irreperabel zerstört. So sehen es jedenfalls die Arbeitsrichter. Und da Personaler heute stets lückenlose Lebensläufe einfordern sowie einen geübten Blick für Lücken haben, wird es schwer, die Kündigung zu verschleiern.

Die Kündigung: Ein Teil der Karriere

Die wichtigste Voraussetzung, um Kündigungsgründe glaubhaft zu erklären, sind weder die passenden Formulierungen noch die richtigen Argumente, sondern Ihre Haltung und Ihr Umgang mit der Kündigung an sich. Auch wenn sich der Rauswurf ganz schlecht anfühlt, sollten Sie ihn als normalen Teil Ihrer Karriere betrachten. Es passiert mehr Menschen, als man meint - und es muss keine Schande sein.

Diese Ansicht hat sich zwar noch nicht bei allen Unternehmen durchgesetzt, doch angesichts der steigenden Zahl an Arbeitgeber- und Jobwechseln innerhalb weniger Jahre sind Kündigungen auch keine weltbewegenden Ereignisse mehr.

Die konkrete Bedeutung - und das Problempotenzial - Ihrer Kündigung hängt allerdings direkt von den Gründen für die Kündigung ab. Die sollten Sie zunächst unterscheiden, also warum Sie gefeuert wurden:

  1. Unverschuldet.

    Wurde Ihre Abteilung dicht gemacht, etwa infolge einer Firmenfusion? Baute das Unternehmen im großen Stil stellen ab, etwa weil es in eine wirtschaftliche Schieflage geriet? Hat Ihr Ex-Arbeitgeber gar Konkurs gemacht? Glück im Pech: In diesem Fall können Sie Ihre Entlassung erhobenen Hauptes erwähnen und der Bewerbung womöglich gar einen Pressebericht beilegen. Im Lebenslauf reicht dann die Formulierung: 10/2005 bis 11/2007 - Abteilungsleiter bei der Flop AG (Kündigung wegen Insolvenz). Es ist schließlich nicht Ihre Schuld gewesen, dass Sie den Job verloren haben.

    Glaubhafte Formulierungstipps für Kündigungsgründe

    • 10/2013 bis 11/2015 - Senior Account Manager bei der Flop AG (Umstrukturierung des Unternehmens, Rationalisierungsmaßnahmen führten zum Stellenabbau, darunter auch meiner)
    • 9/2012 bis 10/2015 - Niederlassungsleiter bei der Flop AG (Umstrukturierung führten zur Schließung meiner Filiale, ein Umzug kam aus familiären Gründen nicht infrage)
  2. Selbstverschuldet.

    Das ist weniger gut. Ob Sie überfordert oder unbeliebt waren, Ärger mit dem Team oder dem Vorgesetzten hatten, Ihre Leistung unterdurchschnittlich oder gar schädlich für das Unternehmen waren, spielt dabei keine Rolle: Sie wurden entlassen. Punkt. Ein Lebenslauf beschränkt sich nunmal auf die Fakten. Jede noch so gewundene Beteuerung oder Begründung beweist nur: Sie haben ein schlechtes Gewissen und machen sich deswegen Sorgen (vermutlich sogar zurecht). Dann lieber bei den Fakten bleiben. Sie können allerdings etwas Schadensbegrenzung betreiben (dazu später mehr).

    Glaubhafte Formulierungstipps für Kündigungsgründe

    • 4/2014 bis 9/2015 - Key Account Manager bei der Beispiel AG (Einvernehmliche Trennung aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die berufliche Entwicklung)
    • 1/2010 bis 11/2015 - Kundenbetreuer bei der Beispiel AG (einvernehmliche Kündigung aufgrund einer persönlichen Lebenskrise, anschließend Neuorientierung)


Nur bitte schreiben Sie nie so etwas wie, dass der Job mies, der Chef doof und die Bezahlung unterirdisch war - selbst wenn es der Wahrheit entspricht. Das ist nicht professionell - und negative Aussagen wirken immer auch negativ auf den Absender.

Die dritte Variante ist:

  • Sie haben selbst gekündigt.

    Ohne jedoch einen neuen Job in Aussicht zu haben. Auch hier entsteht ein Erklärungsbedarf. Das bedeutet aber nicht, dass Sie Ihre Situation oder Entscheidung rechtfertigen müssen. Nur nach überstürzter Flucht sollte es nicht aussehen. Hüten Sie sich also davor, in Ihrer Bewerbung eine allzu defensive Verteidigungshaltung einzunehmen und sich fast schon für Ihre Kündigung zu entschuldigen. Eine solche Haltung vermittelt immer die (unausgesprochene) Botschaft, dass die Ursachen für die Kündigung in erster Linie bei Ihnen zu suchen sind. Selbstbewusst und kompetent wirken Sie so nicht.

Haben Sie also selbst gekündigt, könnte die Formulierung beispielsweise lauten:

...das meine Arbeitsverhältnis auf eigenen Wunsch am 31.10.2015 endet...

Gründe für die Kündigung - egal ob selbst eingereicht oder vom Arbeitgeber ausgesprochen - müssen Sie nicht ausdrücklich erwähnen. Aber rechnen Sie damit, dass im Vorstellungsgespräch Fragen dazu kommen.

Bewerbung nach Kündigung: Musteranschreiben

Eine Kündigung muss im Anschreiben nicht explizit erwähnt werden. Wichtig ist, dass Sie Ihre Kompetenzen und vor allem Ihre Motivation für den neuen Job deutlich machen. Diese ist für Ihren künftigen Arbeitgeber entscheidend und kann Sie - neben Ihrem Profil - deutlich von anderen Bewerbern abheben. Unser Musteranschreiben können Sie - wie gewohnt - auch gratis als PDF herunterladen.

Muster nach Kündigung

Unser Musteranschreiben für die Bewerbung nach einer Kündigung unterscheidet sich übrigens nicht großartig von einem Anschreiben aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis:

Aufbau-Bewerbungsanschreiben-Beispiel-Schema

Die Gestaltung ist bewusst gewählt und macht einen Grundsatz deutlich: Ihre Kündigung wird im Bewerbungsprozess - vor allem im Vorstellungsgespräch - natürlich eine Rolle spielen. Sie dürfen jedoch nicht zulassen, dass sie Ihre Bewerbung dominiert.

Defizite geschickt klein wirken lassen

Noch unauffälliger können Sie Ihre Kündigung integrieren, indem Sie folgende kleinen Tricks und Handgriffe einsetzen, den Vita-Fleck zumindest etwas aufzupolieren:

  • Lebenslauf-Layout. Es gibt zwei Varianten, wie Lebensläufe heute aufgebaut werden können: chronologisch – oder mit der aktuellen Position zuerst. Da beides erlaubt ist, sollten Sie die Reihenfolge so wählen, dass Ihre bisherigen (guten) Leistung dort als Erstes auftauchen und die Sache mit der Kündigung möglichst erst auf der zweiten Seite erscheint. Beginnen Sie also mit besonderen Leistungen, bisher herausragenden Erfolgen – notfalls auch mit Ihren Interessen oder sozialem Engagement.
  • Erwähnen. Und mehr nicht. Wie gesagt: Hüten Sie sich vor langen Erklärungen oder Rechtfertigungsversuchen. Die haben im Lebenslauf nichts verloren und wirken immer negativ. Erst recht, wenn Sie versuchen, die Schuld dabei auf einen cholerischen Chef, mobbende Kollegen oder generelle Antipathien zu schieben. Auch wenn es stimmt – verlieren Sie darüber kein Wort. Auch nicht im Vorstellungsgespräch. Sie können dabei nur verlieren und sehen wir ein Jammerlappen aus, der keine Verantwortung übernehmen kann.
  • Formulierung. Falls Ihre Arbeitslosigkeit immer noch aktuell ist, dann bezeichnen Sie sich bitte nicht als arbeitslos, sondern allenfalls als arbeitssuchend – das klingt aktiver. Noch besser ist, wenn Sie Ihr persönliches Dilemma ins Positive drehen, also etwa: 4/2008 bis 6/2008 - Berufliche Neuorientierung mit dem Ziel einer neuen Position im Bereich Vertriebsleitung. Das wirkt sofort selbstbewusster, engagierter und zeigt obendrein Ihre Zielorientierung (bei gleichzeitig vorhandener Reue).

Schärfen Sie Ihr Profil

Bei Jobsuche und Bewerbung geht es um Ihr Profil, Ihre Kompetenzen und Ihre Motivation für die neue Stelle. Entscheidend ist, was Sie dem neuen Unternehmen zu bieten haben und was Sie an dem neuen Job reizt. Ihr Schwerpunkt sollte daher darauf liegen...

  • klar zu machen, warum und wie die neue Stelle zu Ihnen passt.
  • zu zeigen, wie Sie zum Unternehmen passen.
  • deutlich zu machen, wie Sie dem Unternehmen auch über die konkrete Stelle hinaus nützlich sein können.
  • Ihr Profil in der Bewerbung zu schärfen und sich selbstbewusst und kompetent zu positionieren.

Ja, Sie wurden - oder haben - gekündigt und das war kein angenehmes Erlebnis. Doch das ändert nichts an Ihren Kompetenzen, Stärken und Vorzügen, die Sie in ein neues Arbeitsverhältnis mit- und einbringen. Diese Haltung sollte Ihr roter Faden sein. Die Kündigung ist dann nur einer von vielen Faktoren, die Ihre Jobchancen beeinflussen.

[Bildnachweis: baranq by Shutterstock.com]

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