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Burnout: Auslöser, Symptome, erste Hilfe

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Kaum eine Erkrankung hat in den vergangenen Jahren so viele Titelgeschichten, Leitartikel, Bücher und Fernsehsendungen hervorgebracht, wie der Burnout. Es gibt mittlerweile hoch spezialisierte Burnout-Kliniken, Unternehmen wiederum führen betriebsinterne Gesundheitschecks zur Stressreduktion ein, um dem Burnout-Syndrom und den damit verbundenen Produktivitätsverlusten vorzubeugen. Das Ausbrennen im Job ist längst so etwas wie eine Art Volkskrankheit.

Wahr ist allerdings auch, dass seit Jahren die psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz zunehmen. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der durch Burnout verursachten Fehltage in den vergangenen zehn Jahren um rund 70 Prozent. Zum Vergleich: Wer eine Erkältung bekommt, fällt im Schnitt 6,5 Tage aus – bei psychischen Erkrankungen sind es nahezu 23 Tage…

Burnout Definition

Mit der genauen Begriffsdefinition des Burnout-Syndroms tun sich selbst Experten schwer. Am besten aber lässt sich das Ausbrennen beschreiben als…

totale körperliche und emotionale Erschöpfung aufgrund beruflicher oder privater Überlastung.

Bei einem Burnout ist man weder körperlich noch emotional in der Lage, seinen Alltag zu bewältigen. Manche sprechen auch von einem Infarkt der Seele.

Burnout Syndrom: So geht es los…

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. Permapräsenz und ständige Erreichbarkeit sowie die zunehmende Arbeitsverdichtung, Überstunden und Jobunsicherheiten erhöhen den Druck. Der Stress – er nimmt für viele Beschäftigte stetig zu. Mindestens gefühlt.

Dann, eines Tages, macht die Arbeit keinen Spaß mehr, man schläft schlechter, wird nervöser, unkonzentrierter, ist stets gereizt, spürt die nahende Überforderung, den Stress, den Frust, die Ohnmacht. Dabei antwortet der Körper nur auf die Seele, die schon lange leidet.

Stress beginnt immer im Kopf. Dort bleibt er lange unbemerkt, vielleicht feuert er zuerst sogar noch zu besseren Leistungen an. Das nagt an der der Gesundheit, unbemerkt, doch irgendwann sagt der Körper: „Schluss! Aus! Ich kann nicht mehr!“

Dann ist sie da, mit einem Mal – die Leere, die totale Erschöpfung, das Ausgebranntsein – der Burnout.

Burnout: Wer ist besonders betroffen?

Burnout-Syndrom-UrsachenBurnout ist heimtückisch. Er trifft keinesfalls nur die Schwachen, die Labilen, die Jammerlappen und Weicheier. Betroffen sind ebenso Manager, Menschen in sozialen Berufen, Beschäftigte in sogenannten Sandwichpositionen, also zwischen zwei Hierarchieebenen, Schichtarbeiter und Berufspendler. Aber auch Menschen, die unter dem Druck stehen, ständig ihre Emotionen im Zaum zu halten und nach außen eine neutrale Fassade zu wahren, erkranken häufiger an einem Burnout als andere.

Das fanden die Psychologen Daniel Beal und John Trougakos von der Universität von Toronto sowie Christine Jackson von der Purdue Universität heraus. Laut den Forschern gehören zu den besonders Gefährdeten:

  • Journalisten
  • Krankenhausmitarbeiter (überhaupt Angestellte im Gesundheitssystem)
  • Sozialarbeiter
  • Anwälte
  • Servicemitarbeiter

„Seine Gefühle unterdrücken zu müssen, verlangt der Menschen eine Art Maut ab“, sagt Daniel Beal. „Es kostet die Leute Energie – und die fehlt Ihnen an anderer Stelle, etwa bei den Arbeitsaufgaben, die sie täglich zu bewerkstelligen haben.“ Derlei Gefühlsunterdrücker waren häufig auf mittleren Managementebenen zu finden, bei Führungskräften, die sowohl versuchten, die Erwartungen ihrer Chefs, der Mitarbeiter als auch der Öffentlichkeit zu erfüllen.

Interessanterweise sind laut Statistiken auch Frauen stärker gefährdet als Männer. Sie neigen vermehrt dazu, es allen recht machen zu wollen, und stützen ihr Selbstwertgefühl öfter auf äußere Anerkennung.

Am größten ist die Gefahr, einen Burnout zu erleiden, im Alter zwischen 30 und 49 Jahren.

Darauf hat unsere Leistungs- und Erfolgsgesellschaft einen nicht unerheblichen Einfluss. Sie produziert ständig Gewinner und Verlierer. Der moderne Top-Performer ist zwingend motiviert, selbstbewusst, flexibel, weltoffen, pragmatisch – vor allem aber: belastbar und bereit jeden Tag über sich selbst hinauszuwachsen.

Ein hehrer Anspruch – dem allerdings längst nicht alle Menschen gerecht werden können. Sie merken, dass ihre vorhandene Kraft und Energie für diesen täglichen Marathonlauf nicht ausreicht. Das erzeugt zusätzlichen Druck und eine Spirale nach unten entsteht. Der drohende Burnout verstärkt sich so bereits im Anfangsstadium selbst.

Arbeitsrecht: Versicherungen müssen Burnout anerkennen

ParagrafDie Richter der 25. Zivilkammer des Landgerichts München kamen zu dem Urteil, dass Versicherungen die ärztliche Diagnose „Burnout-Syndrom“ anerkennen müssen. Ein 58-jähriger Finanzmakler hatte seine Berufsunfähigkeitsversicherung verklagt, weil die sich weigerte, ihm 3500 Euro monatlich auszuzahlen. Sein Arzt hatte ihm eine 50-prozentige Minderung der Arbeitsfähigkeit bescheinigt.

Die Assekuranz muss zahlen, urteilten die Richter. Dabei stützten sie sich auch auf ein Gutachten des Erlanger Professors Wolfgang Sperling, der schrieb, dass nicht nur die berufliche Belastung zum Burnout beigetragen habe, sondern vor allem die aus der Persönlichkeit des Finanzmaklers „getriebene permanente Unruhe und fast zwanghaft anmutende Tendenz zum Perfektionismus„. Beidem sei er auf Dauer nicht gewachsen gewesen.

Kritik am Burnout-Begriff: Verkleidete Depression

Burnout-Definition-KritikEinige Fachleute (PDF) meinen jedoch, der Begriff Burnout sei nur erfunden worden, weil das besser klingt und weniger stigmatisierend wirkt als Depression. Ein Euphemismus eben: Wer ausbrennt, der ist schließlich nicht einfach nur psychisch krank. So jemand schuftet immer noch und glüht bei vollem Elan und Engagement innerlich aus. Und das klingt weniger nach Schwäche und einem, der nicht belastbar ist, als vielmehr nach jemandem, der sich selbst ausbeutet und keine Limits kennt. Nicht zuletzt deshalb sei der Modebegriff Burn-Out bei betroffenen Managern so beliebt.

Und es stimmt: Der inflationäre Gebrauch des schwammigen Begriffs wirkt eher irreführend als heilsam. Fakt ist: Der Begriff „Burn-Out“ ist nicht wirklich klar definiert und in den maßgeblichen internationalen Klassifikationssystemen gibt es keine Diagnose Burnout.

Entsprechend liegen für die zahlreichen psychischen Störungen, die darunter zusammengefasst werden, auch kaum Behandlungen mit Wirksamkeitsbelegen aus methodisch soliden Studien vor.

Zu kritisieren sind vor allem drei Punkte:

  1. Die Vermengung der Begriffe Stress, Burnout und Depression führt letztlich zu einer Verharmlosung der Depression. Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden. Depression dagegen ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Die Verharmlosung der Depression verstärkt das Unverständnis gegenüber depressiv Erkrankten.
  2. Der Begriff suggeriert eine Überforderung von außen als Ursache. Auch wenn Depressionen oft mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergehen, ist nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser. Viele depressive Episoden werden durch Verlusterlebnisse, Partnerschaftskonflikte, durch eher positive Veränderungen im Lebensgefüge, wie Urlaubsantritt, Beförderung, Umzug getriggert und bei zahlreichen Menschen mit einer depressiven Episode ist beim besten Willen kein bedeutsamer Auslöser festzustellen. Und: Wäre Burnout oder gar Depression in erster Linie Folge einer beruflichen Überforderung, so sollte diese Erkrankung in Hochleistungsbereichen häufiger sein als bei Rentnern, Studenten oder Nicht-Berufstätigen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.
  3. Zudem existiert verbreitet die Vorstellung, dass langsamer treten, länger schlafen und Urlaub machen gute Bewältigungsstrategien sind. Verbirgt sich hinter dem angeblichen Burnout jedoch eine depressive Erkrankung, so sind dies keine empfehlenswerten, oft sogar gefährliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagieren auf längeren Schlaf und eine längere Bettzeiten nicht selten mit weiterer Stimmungsverschlechterung. Auch wird ein Urlaubsantritt depressiv Erkrankten dringend abgeraten, da die Depression mitreist und der eigene Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, irgendeine Freude zu empfinden, im Urlaub in fremder Umgebung besonders bedrückend und schmerzlich erlebt wird.

Es ist also wichtig, zwischen vorübergehender starker Erschöpfung, Stress und einem beginnenden Burnout einerseits und einer depressiven Erkrankung andererseits zu unterscheiden.


Burnout Symptome: Checkliste markanter Auslöser

Tatsächlich entwickelt sich ein Burnout meist langsam und kaum spürbar. Auf dem Weg dorthin sucht sich der Körper verschiedene Ventile wie…

  • Hörsturz
  • Lustlosigkeit
  • Herz-Kreislaufprobleme
  • Immunschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darmbeschwerden
  • Permamüdigkeit oder Schlaflosigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Reizbarkeit und Aggression
  • Fehlendes Mitgefühl

Dagegen anzukämpfen, beschleunigt den Energieverfall oft noch. Irgendwann wachsen einem die Dinge über den Kopf. Alles geht schief, die Selbstzweifel nagen am Ego, man isoliert sich, fühlt sich überfordert, hilflos. Das kann einen tage- oder wochenweise aus der Bahn werfen.

Burnout-Phasen-Modell-1992

Klassisch sind aber auch folgende drei Symptome:

  1. Sie sprechen immerzu vom Job.

    Egal, ob Sie in der Kaffeeküche stehen, einen Kongress besuchen oder abends mit Freunden in einer Bar zusammenstehen – es dauert nicht lange, bis Sie das Gespräch auf den Job gelenkt haben. Kurz: Ihre Gedanken kreisen nur noch darum.

  2. Sie können nicht delegieren.

    Die meisten Workaholics tun sich schwer damit, Verantwortung zu teilen und Aufgaben abzugeben. Entweder, weil sie fürchten, die Kontrolle darüber zu verlieren. Oder, weil sie glauben, das Ergebnis wäre nur halb so gut. Sie neigen entweder zum Perfektionismus oder zum Kontrollfreak, oder zu beidem. Und beides sind sichere Wege in Frustration, soziale Isolation und den Burnout.

  3. Sie vernachlässigen private Aufgaben.

    Schauen Sie sich einmal kritisch in Ihrer Wohnung um: Türmen sich Schmutzwäsche und Geschirr in der Spüle? Die Haushaltsmitglieder monieren längst überfällige Reparaturen? Sie vergessen regelmäßig einzukaufen oder die Besorgungen, die man Ihnen aufgetragen hat? Auch das sind typische Anzeichen, dass sich Ihre Prioritäten ungleich verschoben haben und Ihr Kopf kaum noch frei ist. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Ausbrennen.

Wer das finale Stadium erreicht, muss indes mit massiveren Konsequenzen rechnen: Durch den Dauerstress werden zahlreiche körperliche Funktionen in Mitleidenschaft gezogen, die bis hin zur Berufsunfähigkeit führen können.

Hier angelangt, ist eine medizinische und psychologische Behandlung unumgänglich.

Burnout Test: Wie gefährdet sind Sie?

Burnout-TestWie hoch ist Ihr individuelles Burnout-Risiko? Finden Sie es heraus mit diesem kurzen Test! Natürlich kann und soll der eine eingehende medizinische Diagnose nicht ersetzen. Er kann Ihnen aber erste Hinweise liefern, ob Sie auf das Ausbrennen allmählich zusteuern…

Wie viele der folgenden Aussagen treffen auf Sie zu?

Psychische Symptome

Kasten-Fragebogen Meine Arbeit macht mir immer weniger Spaß.
Kasten-Fragebogen Mir werden meine täglichen Aufgaben allmählich zuviel.
Kasten-Fragebogen Ich habe das Gefühl, nichts zu bewirken und nur ein Rad im Getriebe zu sein.
Kasten-Fragebogen Ich mache mir viele Sorgen, manche davon sind regelrecht Ängste.
Kasten-Fragebogen Ich traue mir weniger zu als früher.
Kasten-Fragebogen Mir fällt es zunehmend schwer, mich zu konzentrieren.
Kasten-Fragebogen Ich habe kaum noch neue Ideen, fühle mich unkreativ.
Kasten-Fragebogen Ich kann mich aber auch kaum zu Neuem aufraffen.
Kasten-Fragebogen Ich kann mich kaum noch entspannen – auch nicht in den Pausen.
Kasten-Fragebogen Ich fühle mich leer und ausgelaugt.
Kasten-Fragebogen Ich spüre eine wachsende Traurigkeit über meinem Leben.

Körperliche Symptome

Kasten-Fragebogen Ich komme morgens schwerer aus dem Bett.
Kasten-Fragebogen Ich leide neuerdings unter Schlafstörungen.
Kasten-Fragebogen Ich wache morgens kaputt und matt auf.
Kasten-Fragebogen Ich bin tagsüber häufiger und schneller müde.
Kasten-Fragebogen Ich trinke abends schon mal mehr Alkohol, um zu entspannen.
Kasten-Fragebogen Ich habe seit kurzem Magen-Darm-Probleme.
Kasten-Fragebogen Ich habe seit kurzem Rückenschmerzen.
Kasten-Fragebogen Ich habe seit kurzem Herz-Kreislauf-Probleme.
Kasten-Fragebogen Ich leide öfter unter Kopfschmerzen.
Kasten-Fragebogen Ich nehme Tabletten, um die körperlichen Symptome zu unterdrücken.
Kasten-Fragebogen Ich nehme Drogen, um mein Pensum zu schaffen.

Soziale Symptome

Kasten-Fragebogen Ich fühle mich häufig angespannt und gereizt.
Kasten-Fragebogen Ich fühle mich im Job zunehmend isoliert und alleine gelassen.
Kasten-Fragebogen Ich werde neuerdings schnell aggressiv.
Kasten-Fragebogen Meine Familie findet, ich habe mich verändert.
Kasten-Fragebogen Die Lust am Sex hat bei mir deutlich nachgelassen.
Kasten-Fragebogen Ich treffe mich seltener mit meinen Freunden.
Kasten-Fragebogen Meine Hobbys pflege ich kaum noch.

Burnout Test: Die Auswertung

Burnouttest-PDFDen Burnout-Test können Sie selbstverständlich auch als kostenloses PDF herunterladen, ausdrucken und bequemer mit dem Stift ausfüllen, als sich zu merken, wie oft Sie nicken mussten…
Andernfalls: Zählen Sie bitte zusammen, wie oft Sie den obigen Aussagen zugestimmt haben und klicken Sie auf die jeweilige Auswertung:

Burnout-Prävention, Hilfe und Auswege

Burnout entsteht in der Regel durch ständige Überlastung oder weil man sich mehr zumutet als man körperlich und emotional leisten kann. Die Batterien können kaum noch geladen werden und bleiben schließlich leer.

Was sich dagegen tun lässt?

Glücklicherweise eine ganze Menge…

  1. Der erste Schritt ist, die richtige Diagnose zu stellen. Ein Spezialist, Psychiater oder Psychologe sollte prüfen, ob es sich tatsächlich um ein nahenden Burnout oder um eine Depression handelt.
  2. Im zweiten Schritt müssen die Ursachen für den Dauerstress erkannt werden, etwa durch einen Stresstest. Sie sollten den Mut haben, innezuhalten und sich Ihrer Situation bewusst zu werden. Entscheidend ist, die Schuld nicht (nur) bei anderen zu suchen, sondern sich selbst an der Nase zu packen und zu überlegen, was man selbst dazu beigetragen hat, dass man sich in dieser Situation wiederfindet. Es geht darum, daraus zu lernen und zu überlegen, was man tun muss, um es in kleinen Schritten systematisch und konsequent zu verändern.
  3. Im dritten Schritt beginnt dann die Therapie. Die wichtigsten Fragen, die man dabei klären muss, lauten: Wie lege ich den Dauerstress ab? Kann ich die Probleme im Team lösen oder liegt es an mir selbst? Wie gewinne ich mehr Gelassenheit? Wie erkenne ich meine Ressourcen? Und kann ich die Probleme selbst lösen, oder brauche ich professionelle Hilfe?

Aber auch selbst kann man einiges vorbeugend tun: Eine andere Einstellung zum Beruf und die Arbeitsbelastung so verändern, dass diese weniger lange nachstrahlt. Das klingt simpel, ist aber der effektivste Weg.

So beugen Sie dem Burnout vor

  • Kämpfen Sie gegen Ursachen, nicht gegen die Symptome! Gegen Müdigkeit hilft nicht mehr Kaffee, sondern regelmäßige Pausen, regelmäßiger Schlaf, gesundes Essen und Ausgleichssport. Planen Sie mehr Auszeiten ein und zelebrieren Sie einen festen Ruhetag – buchstäblich. Der Sonntag ist nicht nur im christlichen Sinne heilig, Sie brauchen die Entspannung, um neue Energie für die Woche zu sammeln. Treffen Sie sich lieber wieder mal mit guten Freunden auf einen Plausch – aber reden Sie nicht über die Arbeit.
  • Setzen Sie Prioritäten! Jeder Mensch hat gleich viel Zeit – man muss sie nur richtig einteilen. Was müssen Sie erledigen? Was sind die Zeitfresser? Wie können Sie die Zeit besser einteilen? Manches lässt sich delegieren.
  • Überprüfen Sie Ihre Erwartungen! Genauso wenig wie Sie allen gefallen können, können Sie andere ändern. Machen Sie sich frei von übernommenen Statusbildern und Rollenmustern.
  • Gehen Sie Konflikte offensiv an! Ungeklärtes runterzuschlucken oder in sich hineinzufressen, zermürbt und zehrt an der Leistungskraft. Entweder Sie bleiben Teil des Problems oder werden Teil der Lösung.
  • Klären Sie Ihre Aufgaben! Überforderung entsteht, wenn berufliche Kompetenzen und Erfolgskriterien nicht klar definiert sind. Schaffen Sie sich emotionalen Halt durch Gewissheit.
  • Üben Sie das Nein-Sagen! Nette, hilfsbereite Kollegen mag jeder, denn sie machen das Leben leichter – das eigene vor allem. Wer anderen aber seine Hilfe stets allzu bereitwillig zukommen lässt, zahlt dafür einen hohen Preis: Nicht nur, dass man sich danach fühlt wie ein Teebeutel nach dem dritten Aufguss, Hilfsbereite stehen immer auch in der Gefahr, ausgenutzt zu werden. Lernen Sie also Nein zu sagen – auch gegenüber Chefs.
  • Reduzieren Sie Ihre Erreichbarkeit! Auch Smartphones haben einen Ausschalter. Benutzen Sie ihn! Setzen Sie sich eine Uhrzeit, nach der Sie nicht mehr geschäftlich erreichbar sind oder schalten Sie zumindest die Datendienste aus.
  • Nehmen Sie sich Zeit zur Muße! Müßiggang ist aller Laster Anfang. Heißt es. Vergessen wird dabei, dass er genauso oft Ursprung guter Gedanken und großartiger Ideen ist. Sagen wir es, wie es ist: Die hohe Kunst des süßen Nichtstuns ist uns abhanden gekommen. Statt unseren Gedanken ab und an genussvoll beim Verklären zuzuschauen, schuften wir den ganzen Tag im Büro und sind auch noch stolz darauf, im Hamsterrad die Bodenhaftung trotz zunehmenden Tempos zu behalten. Wie dumm! Statt uns über optimiertes Zeitmanagement und mehr Work-Life-Balance den Kopf zu zerbrechen und darüber, möglichst rund um die Uhr beschäftigt zu sein, sollten wir uns hin und wieder der Muße hingeben – mit famosen Effekten.

Burnout – und dann? Wie das Leben nach der Krise weiter geht

Carola KleinschmidtWie lässt sich eine solche Erschöpfungskrise im Leben meistern? Wie geht das Leben nach dem akuten Tiefpunkt weiter? Was hilft dabei, ganz gesund zu werden und zu bleiben und nicht wieder in die Erschöpfungsfalle zu tappen? Wir haben dazu ein Interview mit der Diplombiologin Carola Kleinschmidt geführt. Sie ist Expertin für Burnout-Prävention und hat zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt mehrere Bücher geschrieben.

Frau Kleinschmidt, wie lange dauert es, bis Betroffene sagen: Ich bin wieder gesund?

Viele brauchen Monate. Therapeuten sagen oft: Gesund zu werden, dauert in etwas so lange, wie es dauerte, bis man völlig erschöpft war. Dr. Manfred Nelting, von der psychosomatisch orientierten Gezeitenklinik in Bonn, verabschiedet seine Patienten zum Beispiel mit den Worten: Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen in zwei Jahren noch viel besser geht als heute. Er weiß, dass der Einstieg in den Alltag den Betroffenen extrem viel abfordert und oft eine Phase von Hochs und Tiefs folgt, bevor man sich wirklich wieder stabil und belastbar fühlt.

Gibt es denn Faktoren, die die Rückkehr in den Job erleichtern?

Durchaus. Viele finden leichter in den Job zurück, wenn sie nicht zu lange damit warten. Genauso ist es wichtig, dass die Kollegen und Vorgesetzte sie dabei unterstützen. Das heißt nicht, dass man die Rückkehrer in Watte packen sollte. Eher geht es darum, gemeinsam zu schauen, welche Tätigkeiten zur Person passen. Dazu ist eine gewisse Offenheit im Umgang mit Überlastung hilfreich.

Was ist nötig, um den Burnout dauerhaft hinter sich zu lassen?

Menschen, die wieder gesund wurden, gelang dies am besten, indem sie ihr Selbstwertgefühl grundlegend verändert haben. Während sie vorher extrem abhängig davon waren, dass sie von außen Lob und Anerkennung für ihre Tätigkeiten bekommen haben und immer alles richtig machen, hatten sie nach der Krise eine innere Freiheit entwickelt.

Innere Freiheit heißt, dass sie in der Therapie und in der Auseinandersetzung mit sich selbst ein Gespür entwickelten, dass sie wertvolle Menschen sind – ob sie nun super Leistung bringen oder nicht. Manche erleben zwar auch einen Rückfall. Unter jenen, die einen Burnout aber überstanden haben, gibt es aber keinen, der sein Leben nicht grundlegend verändert hat.

Was ist wichtiger: Die Umstände zu verändern oder seine Haltung zum Stress?

Beides spielt zusammen. Wenn tatsächlich nur die äußeren Umstände die Kraft hätten, Menschen in den Burnout zu treiben, müssten in Firmen mit hohem Druck, reihenweise Leute ausfallen. So ist es aber nicht. Die innere Einstellung spielt eine ebenso große Rolle. Viele Betroffene erzählen, dass sie schon lange vor dem Zusammenbruch spürten, dass etwas nicht stimmt: Schlafprobleme, Schmerzen, ständig schlechte Laune – so was. Aber sie haben diese Signale nie als Warnsignal ernst genommen. Es sind Menschen, die locker über ihre persönlichen Grenzen weggehen, um ein Ziel zu erreichen. Und wenn sie unsicher werden, dann fangen sie erst recht an zu rödeln. Sie haben keine Notbremse – und schliddern so immer tiefer in die Erschöpfung.

Die Rückfallquote bei Burnout ist leider hoch…

Das stimmt. Ehemals Betroffene sagen etwa, dass sie sich immer noch gefährdet fühlen. Deshalb machen sie mit ganz großer Akribie ihre Übungen, meditieren regelmäßig oder machen Entspannungs- und Körperübungen.

Ich denke, diese Menschen sind nicht mehr unbedingt gefährdet, aber sie haben sich etwas aufgebaut, um sich zu schützen. Ich habe Menschen getroffen, die an einem bestimmten Punkt sagten: Ich bin eigentlich nicht krank. In meinem Leben liegt schlicht irgendwas total schief, so dass ich meine Energie verpulvere. Ich finde jetzt raus, was das ist. Sie stellen fest, dass ihnen eigentlich nur Selbsterkenntnis helfen kann.


Zum Beispiel die Frau, die einen Frisörsalon aufgemacht hatte – das war immer ihr Traum gewesen. Doch eines Tages versagten ihre Beine. Erst ging sie zum Arzt. Organisch war aber nichts zu finden. Da hat sie sich auf ihr Sofa gelegt und nachgedacht. Irgendwann ist sie darauf gekommen, dass sie sich mehr mit sich selbst beschäftigen sollte: Sie war immer durch ihr Leben gerannt – darum die Beine – und hat ihren Mann gestanden. Vor vielen inneren Themen war sie dagegen davongelaufen.
 Sie hat auf diesem Weg herausgefunden, was ihr die Krise sagen will. Ihren Friseursalon hat sie dann abgegeben. Heute ist sie wieder ganz gesund. Man muss allerdings dazu sagen: Auch diese Frau hat sich eine Ärztin an die Seite geholt, die sagte: Wenn irgendwas ist, was bedrohlich ist, bin ich für Sie da. Sie hatte sozusagen ein Netz für den Notfall.

Aber einfach in die Klinik gehen oder sich eine Auszeit gönnen und Kraft schöpfen, dann aber genauso weitermachen wie vorher – das funktioniert nicht.

Frau Kleinschmidt, Danke für das Gespräch.

[Bildnachweis: Robert Adrian Hillman, luxorphoto, lassedesignen, Mmaxer, Alexander Raths, Beata Lange by Shutterstock.com]

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