Freiberufler: Definition, Steuern, Versicherungen

Freiberufler werden oft mit anderen Begriffen in einen Topf geworfen, gleichgesetzt oder verwechselt. Solche Missverständnisse sind den Ähnlichkeiten zwischen den Begriffen und Bedeutungen geschuldet, doch ist eine klare Trennung und Definition wichtig und sinnvoll. Denn wer wirklich Freiberufler ist, wird durch das Gesetz eindeutig geregelt. Sollte der Status Freiberufler auf Sie zutreffen, bringt dies einige Besonderheiten und auch Vorteile mit. Wir informieren, was Sie zum Thema Freiberufler wissen müssen, was das Gesetz dazu sagt und welche Unterschiede zu beachten sind…

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Freiberufler: Definition, Steuern, Versicherungen

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Definition: Was ist ein Freiberufler?

Oftmals gibt es Verwirrung und Missverständnisse darüber, wer tatsächlich per Definition ein Freiberufler ist. Dabei ist eindeutig und abschließend im Gesetz festgelegt, welche Berufe und Tätigkeiten zu den Freiberuflern zählen. Soll heißen: Die Liste gibt somit einen genauen Überblick über Freiberufler und zugehörige Jobs

Zu finden ist diese Übersicht der Freiberufler in § 18 des Einkommensteuergesetzes. Zu den freien Berufen zählen die sogenannten Katalogberufe, diese sind demnach:

Eine wichtige Ergänzung zu dieser Liste einzelner Jobs für Freiberufler ist ebenfalls im Gesetz zu finden. Im ersten Absatz heißt es: Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit…

Auch Dozenten, Erzieher, Hebammen, Lehrer (beispielsweise Musik- oder Tanzlehrer), Logopäden, Tagesmütter und Sozialpädagogen können Freiberufler sein. Sie gehen einer der genannten selbständig ausgeübten wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder erzieherischen Tätigkeiten nach beziehungsweise üben einen Beruf aus, der der Linderung oder Heilung von Menschen dient.

Darüberhinaus legt das Einkommenssteuer für Freiberufler fest:

Ein Angehöriger eines freien Berufs im Sinne der Sätze 1 und 2 ist auch dann freiberuflich tätig, wenn er sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedient; Voraussetzung ist, dass er auf Grund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig wird. Eine Vertretung im Fall vorübergehender Verhinderung steht der Annahme einer leitenden und eigenverantwortlichen Tätigkeit nicht entgegen.

Glossar: Freiberufler, Freelancer oder freier Mitarbeiter?

Häufig werden Begriffe die Begriffe Freiberufler, Freelancer oder auch einfach Selbstständiger synonym verwendet. Das ist jedoch nicht korrekt, denn die tatsächlichen Bedeutungen unterscheiden sich zum Teil sehr voneinander. Für ein besseres Verständnis und zur Klärung der häufigsten Missverständnisse haben wir deshalb ein kurzes Glossar erstellt, um Freiberufler, Freelancer und Selbstständige beziehungsweise Gewerbetreibende besser voneinander zu trennen.

  • Freelancer

    Freelancer ist die englische Bezeichnung für freier Mitarbeiter. Besonders häufig kommen solche Freelancer in der IT-Branche zum Einsatz, aber auch in der Medienbranche und der Werbung sind sie oft anzutreffen. Entscheidend für Freelancer ist, dass sie selbstständige Dienstleister sind. Sie können Ihre Fähigkeiten jedem Unternehmen, Interessenten oder Auftraggeber anbieten.

    Dabei sind Freelancer nicht in das Unternehmen eingegliedert und auch nicht weisungsgebunden. Über Arbeitszeit und -ort können sie in der Regel selbst entscheiden. Für ihre Arbeit erhalten sie kein festes Gehalt, sondern werden stundenweise oder über eine Pauschale vergütet. Statt eines vereinbarten Gehalts arbeiten sie somit auf Honorarbasis.

    Von diesem gehen noch Einkommens- und Umsatzsteuer ab, auch muss sich der freie Mitarbeiter um Krankenversicherung und Altersvorsorge eigenständig kümmern. Freie Mitarbeiter werden so in Abgrenzung zu Arbeitnehmern in Festanstellung bezeichnet.

    Das allein sagt allerdings noch nichts darüber aus, ob sie einer gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeit nachgehen. Anders ausgedrückt: Freelancer können Freiberufler sein, wenn sie in den oben aufgeführten Katalogberufen arbeiten, doch nicht jeder Freelancer ist automatisch ein Freiberufler.

  • Gewerbetreibende

    Gewerbetreibende sind ausdrücklich keine Freiberufler. Vielmehr müssen sie ein Gewerbe anmelden und sind in diesem gewerblich selbstständig. Wenn Sie beispielsweise vorhaben, selbst Produkte herzustellen und diese in einem Online-Shop zu verkaufen, müssen Sie dafür ein Gewerbe anmelden. In einem solchen Fall sind Sie kein Freiberufler, sondern Gewerbetreibender.

    Gewerbetreibende sind somit Selbstständige, die keiner der gelisteten Tätigkeiten für Freiberufler nachgehen.

  • Selbstständige

    Selbstständigkeit ist in erster Linie ein Oberbegriff, der sich leicht erklären lässt: Jeder, der nicht in einem Angestellten- oder Ausbildungsverhältnis beschäftigt ist, ist zunächst selbstständig.

    Somit gelten Freelancer, Gewerbetreibende als auch Freiberufler grundsätzlich als selbstständig.

  • Freiberufler

    Für die Vollständigkeit sind an dieser Stelle auch noch einmal die Freiberufler selbst zu nennen. Wie oben bereits genauer definiert, handelt es sich dabei um Angehörige der sogenannten freien Berufe (auch Katalogberufe), die in § 18 des Einkommensteuergesetzes festgelegt sind.

  • Teilweise sind die Grenzen zwischen den Begriffen nicht immer leicht zu erkennen. Im Zweifelsfall entscheidet deshalb das Finanzamt, ob ein Selbstständiger letztlich als Freiberufler, Freelancer oder Gewerbetreibender eingestuft wird.

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Steuern: Das gilt für Freiberufler

Wie wichtig die Unterscheidung zwischen Freiberufler und Gewerbetreibenden ist, zeigt sich spätestens beim Blick auf die steuerlichen Auswirkungen. Freiberufler müssen kein Gewerbe anmelden, sondern die Tätigkeit lediglich beim Finanzamt anmelden. Dort erhalten Sie eine Steuernummer, die Sie für Ihre Rechnungen nutzen können.

Das bedeutet auch: Als Freiberufler unterliegen Sie nicht der Gewerbeordnung und müssen deshalb keine Gewerbesteuer entrichten. Für Freiberufler fallen lediglich die üblichen Einkommens- und Umsatzsteuern an.

Die Umsatzsteuer beträgt momentan 19 Prozent des in Rechnung gestellten Betrages. Die ermäßigte Umsatzsteuer von sieben Prozent können einige Freiberufler anwenden, vor allem Schriftsteller, Journalisten oder auch Illustratoren. Denn Bücher, Zeitungen, Broschüren, auch Mal- und Bilderbücher unterliegen dem ermäßigten Satz.

Medizinische Leistungen sind grundsätzlich sogar umsatzsteuerfrei. Gar keine Umsatzsteuer zahlen daher Freiberufler wie Ärzte, Zahnärzte, Krankengymnasten oder Heilpraktiker.

Aber Achtung: Kosmetische Operationen wiederum sind voll umsatzsteuerpflichtig. In diese Kategorie fallen etwa Eingriffe, bei denen Fett abgesaugt, Botox gespritzt oder eine Tätowierung entfernt wird. Immer häufiger bieten Ärzte sogenannte Igel-Leistungen an. Die Abkürzung steht für „individuelle Gesundheitsleistung“, auf die unter Umständen ebenfalls Umsatzsteuer fällig wird.

Umsatzsteuerpflichtige Freiberufler, deren Umsatz im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht überschreitet und im vergangenen Jahr nicht mehr als 17.500 Euro betrug, können sich von der Umsatzsteuer befreien lassen. Dann fallen sie unter die Kleinunternehmerregelung.

Sie müssen dann weder eine Umsatzsteuervoranmeldung noch eine Umsatzsteuerjahreserklärung beim Finanzamt abgeben. Wichtig: Auf Rechnungen muss der Hinweis erscheinen, dass Sie von der Umsatzsteuer befreit sind.

Allerdings entfällt im Gegenzug auch die Möglichkeit des Vorsteuerabzugs. Und: Die Entscheidung bindet einen Freiberufler fünf Jahre, sollte also vorab gut abgewägt werden.

Versicherungen für Freiberufler

Nicht nur bei den Steuern, auch wenn es um Versicherungen geht, gelten für Freiberufler besondere Regelungen. Da Freiberufler nicht bei bei einem Arbeitgeber angestellt sind, müssen sie sich um bestimmte Versicherungen selbst kümmern, die ansonsten über die Abgaben der Sozialversicherungen direkt vom Gehalt abgezogen werden. Die wichtigsten Versicherungen, um die Freiberufler sich kümmern müssen, sind…

  • Krankenversicherung

    Freiberufler übernehmen die Kosten für ihre Krankenversicherung – im Gegensatz zu Angestellten – vollständig selbst. Sie können dabei zwischen gesetzlicher und privater Krankenkasse wählen.

    Hier ist ein sorgfältiger Vergleich von Kosten und Leistungen angebracht, bevor Sie sich entscheiden. Freie aus künstlerischen Berufen versichern sich über die Künstlersozialkasse und erhalten so staatliche Zuschüsse.

  • Pflegeversicherung

    Oft in Kombination mit der Krankenversicherung können Sie gleichzeitig die Pflegeversicherung erhalten. Es handelt sich dabei um eine Pflichtversicherung, nicht nur für Angestellte, sondern auch für Freiberufler.

  • Rentenversicherung

    Selbstständige und Freiberufler unterliegen grundsätzlich nicht der Rentenversicherungspflicht. Aber es gibt Ausnahmen: So sind Freiberufler aus „sozial schutzbedürftigen Berufen“ sehr wohl rentenversicherungspflichtig, zum Beispiel Erzieher und Hebammen.

    Freiberufler aus Kammerberufen (wie Ärzte, Architekten und Anwälte) zahlen in der Regel ihren Rentenversicherungsbeitrag über das jeweilige berufsständische Versorgungswerk. Sie können sich aber auf Antrag befreien lassen. Die Künstlersozialkasse wiederum bezuschusst die gesetzliche Rentenversicherung ihrer Mitglieder.

  • Arbeitslosenversicherung

    Freiberufler können sich arbeitslos melden, wenn ihre wöchentliche Arbeitszeit weniger als 15 Stunden beträgt. Dann haben sie den gleichen Anspruch auf Arbeitslosengeld wie Angestellte – sofern sie zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.

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Freiberufler: Vor- und Nachteile

Freiberufler zu sein hat einige Vorteile, aber auf der anderen Seite gibt es ebenso negative Aspekte, die zu beachten sind. Wir haben nachfolgend eine kleine Übersicht über die Vor- und Nachteile als Freiberufler erstellt:

Die größten Vorteile für Freiberufler sind:

    Das sind die Vorteile von Freiberuflern
  • Freiheit

    Als Freiberufler sind Sie nicht bei einem Unternehmen angestellt, selbst wenn sie für ein Unternehmen eine freiberufliche Tätigkeit ausüben. Sie genießen deshalb größere Freiheiten als bei einer Festanstellung. Zudem können Sie sich Ihre Auftraggeber Kunden und Kooperationspartner im Prinzip frei aussuchen.

  • Anmeldung

    Als Freiberufler müssen Sie sich zwar beim Finanzamt melden, doch ansonsten benötigen Sie keine weitere Anmeldung etwa beim Gewerbeamt. Der Start in eine freiberufliche Tätigkeit ist somit schnell, einfach und vergleichsweise unbürokratisch.

  • Buchhaltung

    Ein weiterer Vorteil für Freiberufler: Sie müssen keine doppelte Buchführung betreiben und auch keine Bilanzen erstellen. Es reicht, wenn Sie eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) anfertigen.

Die größten Nachteile für Freiberufler sind:

    Das sind die Nachteile von Freiberuflern
  • Risiko

    Sie tragen zweifelsfrei ein höheres Risiko als ein Arbeitnehmer. Bricht ein wichtiger Auftraggeber weg, kann dies sofort existenzbedrohend sein. Ratsam ist daher, das Risiko zu streuen. Auch haften Freiberufler zunächst einmal mit Ihrem Privatvermögen, was ein großes finanzielles Risiko bedeuten kann.

  • Work-Life-Balance

    Eigentlich sollte dieser Punkt auf der Habenseite stehen. Die Wahrheit ist: Freiberufler arbeiten oft länger als Angestellte, haben keinen festen Feierabend und stehen ständig unter Strom. Die größeren Freiheiten erfordern auch mehr Disziplin und klare Strukturen.

  • Altersvorsorge

    Freiberufler sind für ihre Altersvorsorge selbst verantwortlich – es sei denn, sie sind über Berufskammern abgesichert. Wer sich nicht rechtzeitig darum kümmert oder genug für die eigene Altervorsorge tut, kommt später möglicherweise in Schwierigkeiten. Ohne die nötige Vorsorge droht Altersarmut.

Freiberufliche Tätigkeiten in Deutschland

Rund 1,4 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland als selbstständige Freiberufler. Auf diese Zahlen kommt der Bundesverband der Freien Berufe (BFB). Seit 1999 hat sich ihre Zahl damit verdoppelt. 2008 hatte die Zahl der Freiberufler erstmals die Millionen-Marke übersprungen, ist auch danach kontinuierlich gewachsen.

Vor allem Informatiker und Ingenieure arbeiten immer häufiger frei, bei ihnen betrug der jährliche Zuwachs zuletzt vier Prozent. Unter allen Freiberuflern lag er bei 2,8 Prozent.

So viele Selbstständige gab in den freien Berufen im vergangenen Jahr:

Freie Heilberufe

  • Ärzte: 117.472
  • Zahnärzte: 51.058
  • Psychotherapeuten: 31.565
  • Physiotherapeuten: 44.923
  • Tierärzte: 12.010
  • Apotheker: 15.476
  • Andere freie Heilberufe: 148.590

Rechts-, wirtschafts- und steuerberatende freie Berufe

  • Rechtsanwälte: 125.301
  • Patentanwälte: 3.849
  • Nur-Notare: 1.714
  • Steuerberater/Steuerbevollmächtigte: 60.531
  • Wirtschaftsprüfer/vereidigte Buchprüfer: 8.798
  • Unternehmensberater: 48.163
  • Andere rechts-, wirtschafts- und steuerberatende freie Berufe: 150.580

Technische und naturwissenschaftliche freie Berufe

  • Architekten: 56.670
  • Beratende Ingenieure: 15.625
  • Andere freiberuflich tätige Ingenieure: 75.500
  • Sachverständige: 21.300
  • Andere technische und naturwissenschaftliche freie Berufe: 110.700

Kultur

  • Freie Kulturberufe: 332.014
[Bildnachweis: Iconic Bestiary by Shutterstock.com]
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6. Mai 2020 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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