TIPPS, TOOLS & DOSSIERS

Probezeit: Die besten Tipps von allen

Probezeit-Erster-Arbeitstag-Tipps
Herzlichen Glückwunsch! Ein womöglich anstrengender Bewerbungsprozess liegt hinter Ihnen. Wochen sind vergangen. Darin mehrere Jobinterviews. Doch am Ende hat man Ihnen einen Arbeitsvertrag überreicht (den Sie geprüft haben) – und Sie haben unterschrieben… Damit beginnt für Sie die Probezeit.

Die in der Regel bis zu sechs Monate andauernde Probezeit ist eine wichtige Orientierungsphase, in der Sie für sich wichtige Fragen beantworten sollten:

  • Ist das wirklich mein Traumberuf und Traumunternehmen?
  • Komme ich mit dem sozialen Umfeld – den Kollegen und dem Chef – zurecht?
  • Fühle ich mich insgesamt wohl und gewertschätzt?
  • Gefallen mir der Job, die Arbeitsinhalte und Herausforderungen?
  • Beherrsche ich das, was ich mache – oder kann ich es in absehbarer Zeit lernen?
  • Jetzt wo ich einen immer besseren Einblick habe: Sehe ich hier für mich Zukunftsperspektiven und Entwicklungschancen?

Die Fragen sollten Sie sich natürlich nicht nur am ersten Tag stellen, sondern immer wieder im Verlauf der Probezeit. Denn auch das kommt vor: Kandidaten brechen die Probezeit vor deren Ablauf ab und kündigen. Das können übrigens beide Seiten – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – binnen zwei Wochen und ohne Nennung von Gründen. Hier reicht eine kurze, schriftliche Arbeitnehmerkündigung formal aus.

Gehen wir aber mal davon aus, dass Ihnen der Job weiterhin Spaß macht und Sie bleiben wollen. Dann helfen die folgenden Tipps und Empfehlungen, die Probezeit optimal zu überstehen


Die wichtigsten Regeln für die Probezeit

Probezeit-Kollgen-TippsEin verpatzter Einstieg verbaut nicht selten den späteren Aufstieg. Wer den Job wechselt oder seinen ersten antritt, sollte daher die wichtigsten Grundregeln für die Probezeit und ersten 90 Tage kennen. Tatsächlich gibt es klassische Hürden im neuen Job. Wie Sie diese meistern können, zeigen wir Ihnen im folgenden Dossier. Mit den Tipps überleben Sie jede Probezeit unbeschadet…

  1. Probezeit Tipp: Pünktlichkeit am ersten Arbeitstag

    Der Vertrag ist unterschrieben, die Erfolgsparty mit den Freunden überstanden und das Powermüsli von heute morgen treibt Sie zur Hochform. Jetzt heißt es: Ran an den neuen Job! Bevor Sie allerdings Ihren Triumphzug durchs Firmament beginnen, sollten Sie unbedingt folgenden Drei-Stufen-Plan beherzigen:

    • Erstens… pünktlich sein.

      Die sprichwörtliche Pünktlichkeit gilt nicht nur für Maurer. Klären Sie deshalb schon vor dem ersten Arbeitstag, wann Sie erscheinen sollen. Falls es Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit gibt, nutzen Sie das bitte nicht gleich aus. Die Zeit zwischen 8 und 9 Uhr ist meistens genau richtig, um auf der Matte zu stehen. Und: Erkunden Sie unbedingt den besten Anfahrtsweg sowie wo eventuelle Staugefahren lauern. Wer dauerhaft zu spät kommt, gilt schnell als Schnarchnase und verkürzt damit eher seine Probezeit. Die Anstellung aber auch. Langzeittipp: Fahrgemeinschaften disziplinieren nicht nur – sie eignen sich auch hervorragend, um erste Kontakte zu knüpfen.

    • Zweitens… richtig angezogen sein.

      Beobachten Sie im Vorfeld genau die Kleiderordnung bei Ihrem neuen Arbeitgeber. Eventuell hilft hier auch die Personalabteilung. Bei konservativen Unternehmen kommen sie im dunkelgrauen oder marineblauen Dreiteiler gut an. Auch für den Fall, daß die neuen Kollegen ein legeres Jeans-Outfit präferieren, empfiehlt sich für den ersten Tag eher die sportliche Kombi. Faustregel: Lieber over- als underdressed. Die Ärmel hochkrempeln, können Sie später immer noch.

    • Drittens… höflich sein.

      Bereits der erste Eindruck zählt. Für die Betriebsführung heißt das im Klartext: bitte immer lächeln! Erfolgreiche Einsteiger sind offene, freundliche Zeitgenossen, die sich aktiv vorstellen und begrüßen – mit Namen und Handschlag. Das darf dann gerne auch humorvoll sein. Hoppla-jetzt-komme-ich-Typen sollten sich eher in Zurückhaltung üben: Lieber im ersten Gang anfahren und dann langsam Gas geben, Sie sind ja noch eine Weile da, um sich zu beweisen. Ein Kavalierstart endet schnell mal im Straßengraben.

  2. Probezeit Tipp: Namen merken

    Zahlen sind für Sie kein Problem? Ihr Spitzname ist Telefonbuch? Klasse, bitte gleich weiter zum nächsten Punkt der Liste… Andernfalls haben Sie wahrscheinlich bald ein Problem: Lauter nette Kollegen – und alle heißen anders. Deshalb sollten Sie sich gleich am ersten Tag Notizen machen und eine persönliche Kollegen-Kartei anlegen. Am besten mit Name, Funktion, Durchwahl sowie privaten Daten: wann einer Geburtstag hat, ob einer Drachenflieger, Fußballfan oder zweifacher Vater ist, und so weiter. Das erleichtert hinterher nicht nur, den geeigneten Ansprechpartner zu finden, sondern hilft zugleich Fettnäpfen auszuweichen oder ein lockeres Flurgespräch anzuzetteln. Hilfreiche Recherchemittel sind Betriebszeitschriften, Organigramme und der Flurfunk. Achtung: Beziehen sie in Ihre Kartei jeden mit ein – den Chef genauso wie Sekretärinnen oder den Pförtner. Die kleine Hausmacht wird nur allzu oft unterschätzt.

  3. Probezeit Tipp: Einstand feiern – aber richtig

    Wer einen interessanten, gut bezahlten Job ergattert, hat allen Grund zur Freude. Diese Freude wollen Sie nun mit Ihren Kollegen teilen – mit einem Einstand. Gut so. Bevor Sie jedoch die Pappnase aufsetzen und in die Tute tüten, sollten Sie zuerst Informationen über die Gepflogenheiten des Hauses einholen. In manchen Betrieben gehört zu einer gelungenen Premiere lediglich ein zweites Frühstück oder eine kurze Kaffeepause mit Selbstgebackenem. Als oberste Regel gilt: den richtigen Zeitpunkt immer mit dem Chef abstimmen. Absolutes tabu: Alkohol während der Dienstzeit. Vergessen sollte man auch nicht: Wer einlädt, ist auch Gastgeber. Reden Sie also mit allen; gehen Sie von Gruppe zu Gruppe und vermeiden Sie polarisierende Urteile mit Absolutheitsanspruch. Nur weil Sie regelmäßig auf die Malediven fliegen, muss ein Mallorca-Trip keine Schinkenfahrt sein.

  4. Probezeit Tipp: Zugehörigkeit dokumentieren

    Der Arbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz. Kein Tummelplatz für Kunst oder Kitsch. Fotobände von Ihren Verflossenen gehören ebenso wenig auf die Tisch- oder Festplatte wie Modellautos oder Mainzelmännchen. Sicher, gegen ein kleines Foto von Ihrem Partner oder Ihren Kindern wird keiner etwas haben, aber sprengen Sie nicht gleich den Rahmen – nach der Devise: Mein Haus. Mein Auto. Meine Frau. Merke: Private Hortensien dienen oft nur der eigenen Eitelkeit und geben Kollegen gerne Anlass zu Neid, Spott oder Hohn. Und: Mag sein, dass Sie morgens um halb zehn eine Banane essen müssen oder einen Kaffee brauchen. Doch auch wenn Ihr Magen um diese Zeit von Kopf bis Fuß auf Koffein eingestellt ist – ab jetzt ist das anders: Nicht wenige Aspiranten scheitern, weil ihr bisheriger Alltag zu Prägungen geführt hat, die die Anpassungsfähigkeit an das neue betriebliche Umfeld schmälern. Genau wie Sie, herrschen auch bei Ihrem neuen Arbeitgeber bestimmte Tagesrituale und Umgangsformen. Denen sollten Sie sich anpassen – nicht umgekehrt. Wer allzu großen Wert auf Extratouren legt, fliegt schnell aus dem Rennen.

  5. Probezeit Tipp: Durch Sorgfalt und Engagement glänzen

    Nehmen Sie alle Ihnen übertragenen Aufgaben ernst und erfüllen Sie diese gewissenhaft. Je höher die Position, in der ambitionierte Newcomer einsteigen, desto höher auch die Anforderungen, die man an Sie stellt. Sicher, einem Einsteiger, der gerade frisch von der Uni kommt, wird man weniger zumuten als einem Umsteiger. Beide aber sollten die ihnen übertragenen Aufgaben zügig und innerhalb der festgelegten Fristen erledigen. Vor allem sorgfältig! Das spart dem Unternehmen Zeit und Geld – und dem Chef Nerven. Treten vereinzelt Probleme auf, ist es ratsam, Vorgesetzten rechtzeitig Feedback zu geben. Und in Zeiten des Leerlaufs? Bloß keine Däumchen drehen! Womöglich ist dies ein Test. Zeigen Sie vielmehr Interesse und bieten Sie Ihre Hilfe an wo es geht. Wer anderen zuarbeitet, sammelt wichtige Pluspunkte, gilt als kollegial und bekommt später selber Hilfe. Und wer braucht die am Anfang nicht?

  6. Probezeit Tipp: Schweigen, statt mitlästern

    Der blutleere homo oekonomicus hat zum Glück mit der Realität wenig gemein. Überall da, wo Menschen zusammenkommen, entsteht Kommunikation. Und damit auch Klatsch und Tratsch. Bevor Sie sich jedoch ein Urteil über die Kollegen bilden, lassen Sie ruhig ein paar Wochen ins Land gehen. Es dauert einige Zeit, bis Sie sich durch das kollegiale Beziehungsgestrüpp geackert haben und es entwirren können. Erst recht, wenn ach so nette Mitarbeiter geneigt sind, dem Frischling dabei behilflich zu sein. Obacht! Aussagen, wie „Passen Sie bloß auf, die Meierin hat was mit dem Chef!“ Oder: „Der Müller ist ein ekliger Schleimer.“ Können stimmen – oder auch nicht. Wer hier gleich mitlästert, begibt sich in jedem Fall auf dünnes Eis. Und das kann schneller einbrechen als einem lieb ist. Newcomer sollten daher stets neutral bleiben und auch anderen eine Schonfrist einräumen. Zumindest solange, bis sie über die interne Hackordnung und Rollenverteilung genau Bescheid wissen.

  7. Probezeit Tipp: Vorschläge richtig einbringen

    Kritik hat zwar etwas Positives. Sie zu überbringt, bleibt aber eine hohe Kunst. Wenn Sie von einem anderen Job oder von außerhalb zu einem neuen Arbeitgeber gewechselt sind, fällt Ihnen oft viel schneller auf, was alles falsch läuft. Nur sagen sollten Sie das nicht sofort. Es mag ja sein, dass die Kollegen mit Betriebsblindheit geschlagen sind und die Lamentis jedem vernunftbegabtem Menschen Pickel ins Gesicht treiben. Doch gerade dann gilt: Zähne zeigen durch Lächeln. Mit Kritik und Verbesserungsvorschlägen sollte man mindestens vier bis sechs Wochen hinterm Berg halten und auch danach noch recht sparsam damit umgehen. Sonst wird „der Neue“ von der Runde ausgebremst. Das ist nicht einmal böser Wille oder Mobbing, sondern ein Erziehungsvorgang: Eiferern spricht man gerne mal Teamgeist und Gremium-Gefühl ab. Die Bewährungsprobe bestehen Profis nicht durch Profilierungssucht, sondern durch Diplomatie. Halten Sie daher unbedingt immer auch den Dienstweg ein – auch wenn der Ihnen nicht schnell genug geht. Newcomer brauchen zuerst den Respekt und das Vertrauen der Kollegen. Vor jeder Kritik sollten Sie daher ausloten, wie festgefahren die internen Strukturen sind; wem Sie etwas sagen können und wie offen man tatsächlich für Ihre Vorschläge ist. Die beste Strategie: Überzeugen Sie durch fachliche Leistungen – und nicht durch Besserwisserei. Wer weiß: Das von Ihnen kritisierte Ablagesystem ist vielleicht die jüngste Ausgeburt des Chefs…

  8. Probezeit Tipp: Fehler zugeben

    Nobody is perfect. Und als Neuer unterlaufen einem gerne mal kleine oder größere Fehler. Das mag einem peinlich sein, leugnen macht alles aber nur noch schlimmer. Es ist ein regelrechter Jobkiller, Fehler nicht zugeben zu können. Klüger ist: Das Malheur aktiv melden, Verantwortung übernehmen und am besten gleich eine Lösung oder Wiedergutmachung anbieten. Bonuspunkte gibt es, wer beweist, was er daraus gelernt hat und den Fehler deshalb kein zweites Mal begeht. Denn das ist fast noch schlimmer als Fehler nicht zuzugeben: Denselben Fehler immer wieder machen…

  9. Probezeit Tipp: Eigenmarketing betreiben

    Alle Rädchen greifen reibungslos ineinander wie bei einem Schweizer Uhrwerk. Mit der Arbeit und den Kollegen klappt alles prima – nur der Chef kriegt davon nichts mit. Schade eigentlich. Das hilft nur: Werden Sie aktiv, betreiben Sie Selbstmarketing und legen Sie gemeinsam mit dem Boss die kommenden Arbeitsziele fest. Wer zeigen will, dass er hohe Anforderungen erfüllen kann, muss seine Leistung nachweisen. Fertigen Sie deshalb schriftliche Protokolle an, um Ihre Arbeit zu dokumentieren. Je konkreter die Ansprache, desto offener die Ohren. Oft schwebt der Chef so sehr über den Wolken, dass er nicht mehr weiß, wieviel Arbeit hinter manchem Ergebnis steckt. Deshalb: Ab und an Termine machen und die Protokolle als eine Art Checkliste kurz (!) präsentieren: „Das war mein Projekt. Bisher habe ich das erreicht, hier bin ich noch dran und da bräuchten wir eine neue Strategie, die so und so aussehen könnte…“ Strahlen Sie Selbstbewusstsein aus und glänzen Sie mit Fakten. Übertriebene Unterwürfigkeit ist hierbei Fehl am Platze. Merke: Rektoskopien sind immer unangenehm.

  10. Probezeit Tipp: Den Aufzug benutzen

    Wer schnell nach oben will, sollte den Fahrstuhl benutzen. Buchstäblich. Denn hier trifft man Kollegen aus allen Abteilungen, kann interessante Kontakte knüpfen und kommt obendrein schnell ins Gespräch. Das bedeutet allerdings auch: Sobald der Geschäftsführer oder Abteilungsleiter den Lift betritt, bitte nicht zur Salzsäule zu erstarren. Für den Smalltalk zwischen den Stockwerken gibt es keine festen Regeln. Nur so viel: Seien Sie positiv, brechen Sie die Liftstille erzählen Sie eine nette Anekdote. Aus zwei Fremden werden so Bekannte. Danach können Sie immer noch nachlegen: „Sind Sie nicht die neue Marketingleiterin? … Ich bin Michael Mustermann, der neue Trainee. Freut mich, Sie kennenzulernen…“ Ping, sechster Stock, aussteigen. Ergebnis: Die Marketingleiterin kennt Sie jetzt und wird Sie ab sofort freundlich grüßen. Und die Kollegen werden sich wundern, woher Sie die so schnell kennen.

  11. Probezeit Tipp: Konflikte sofort offen ansprechen

    Als Neuer sind Sie nicht automatisch Everybody’s Darling. Im Gegenteil: Den Kuchen müssen die Kollegen nun auch mit Ihnen teilen. Vielleicht hat der Boss gerade Sie geholt, um wieder Schwung in die Bude zu bringen. Oder Sie werden einem anderen Mitarbeiter vor die Nase gesetzt, der selbst gerne auf dem Schreibtischstuhl Platz genommen hätte. Statt prima Klima herrscht dann dicke Luft im Büro: Die Kollegen lassen Sie auflaufen, Informationen werden zurückgehalten, zwischen Ihren Beinen wirbeln die Knüppel. Da hilft nur noch eins: ein offenes Wort. Wenn die Zusammenarbeit partout nicht klappt, sollten Sie ein klärendes Gespräch mit den betreffenden Kollegen suchen – aber bitte nicht damit drohen. Also nicht gleich beim Chef petzen gehen, sondern offen die Situation schildern und um eine Aussprache bitten. Hart aber herzlich.

  12. Probezeit Tipp: Vorsicht mit Flirtversuchen

    In dem Hollywood-Film „Enthüllung“ hat Michael Douglas null Bock auf Baggern im Büro. Erst muss er sich gegen die Avancen seiner Chefin wehren, anschließend gegen den Vorwurf der sexuellen Nötigung. Mit derlei Problemen kämpfen aber nicht bloß Schauspieler: Der Arbeitsplatz ist kein Partnerinstitut, auch wenn – statistisch gesehen – dort zahlreiche Beziehungen entstehen. Wer gleich zu Beginn der attraktiven Kollegin von nebenan Komplimente macht oder der Sachbearbeiterin schöne Augen, tritt vielleicht unverhofft in ein Fettnapf, weil diese mit dem Chef oder einem Kollegen befreundet sind. Dasselbe gilt für den umgekehrten Fall. Allzu offenherzige Angebote sollte man (zumindest in der Probezeit) höflich zurückweisen. Und wenn alles nichts hilft, schwärmen Sie ein wenig von Ihrer neuen Flamme oder weisen Sie dezent auf Ihre glückliche Ehe hin.

  13. Probezeit Tipp: Feedback einholen

    Wer fragt, der führt – und in diesem Fall sogar sich selbst. Solange Sie in der Probezeit sind, sollten Sie – im Abstand von zwei Monaten – Ihren Vorgesetzten immer wieder um Feedback bitten: Entspricht Ihre Arbeit seinen Erwartungen? Was können Sie anders, besser machen? Wie beurteilt er Ihre Leistung und Entwicklung? Danach zu fragen ist keine Schande, im Gegenteil: Die Rückmeldung gibt Ihnen die Chance, rechtzeitig wichtige Korrekturen vorzunehmen und die Probezeit zu bestehen.

Probezeit-Rezepte-Tipps

Arbeitsrecht: Rechte in der Probezeit

  • Dauer

    Die Probezeit dauert in der Regel sechs Monate, selten länger, da sonst das Kündigungsschutzgesetz greift. Kürzere Probezeiten sind möglich – dann aber Verhandlungssache. Die Dauer muss im Arbeitsvertrag genau geregelt sein.

  • Verlängerung

    Eine Verlängerung der Probezeit ist dann zulässig, wenn die Dauer von sechs Monaten noch nicht ausgeschöpft wurde. Dann darf der Arbeitgeber diese noch einmal verlängern – aber eben nur bis zu einem Maximum von sechs Monaten. Die Verlängerung setzt jedoch das Einverständnis des Mitarbeiters voraus. Laut Bundesarbeitsgericht ist die Verlängerung auch nur möglich durch einen Aufhebungsvertrag mit einer Wiedereinstellungszusage für den Fall, dass sich der Arbeitnehmer in der verlängerten Probezeit bewährt.

  • Urlaub

    Ein Urlaubsanspruch besteht erst nach dem sechsten Monat. Ob der Neuling während der Bewährungsfrist in die Ferien darf, hängt von dessen Verhandlungsgeschick ab. Wird der Arbeitsvertrag vorzeitig gekündigt, besteht ein Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs pro geleistetem Arbeitstag. Nach einem Monat also mindestens zwei Tage. Ist dieser Urlaubsanteil nicht anzutreten, muss er ausbezahlt werden.

  • Krankheit

    Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle gibt es während der Probezeit erst nach vier Wochen. Wer vorher aus gesundheitlichen Gründen fehlt, verdient auch nichts. Dasselbe gilt für Sport- oder Freizeitunfälle. Allerdings: Ab der fünften Woche setzt die Lohnfortzahlung wieder ein – auch, wenn die Krankheit bereits vorher begonnen hat.

  • Kündigung

    Während der Probezeit können beide Seiten – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – jederzeit und ohne Angaben von Gründen kündigen. Allerdings müssen beide dann eine mindestens zweiwöchige Kündigungsfrist wahren. Ausnahmen können im Tarifvertrag stehen. Hier sind oft längere Kündigungsfristen vereinbart. Bei Vertragsabschluss also darauf achten, ob eine Tarifvereinbarung zugrunde liegt. Sind die sechs Monate hingegen vorbei und dem Arbeitnehmer wurde nicht gekündigt, tritt nun automatisch der gesetzliche Kündigungsschutz in Kraft – und damit die im Arbeitsvertrag geregelten Kündigungsfristen.

Und so machen Sie die Sache fest…

Zum Schluss der Probezeit: Das Übernahmegespräch

Sei es am Ende der Ausbildung oder am Ende der Probezeit: Was jede Bewährungsfrist abrundet, ist das sogenannte Übernahmegespräch oder Feedbackgespräch. Es ist eine Art zweites Bewerbungsgespräch, mit dem Unterschied, dass sich beide Parteien nun schon wesentlich besser kennen und einzuschätzen wissen.

Der Absolvent von einst hofft nun auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag, ebenso der Azubi nach Abschluss seiner bis zu dreijährigen Ausbildung. Das Übernahmegespräch (falls es tatsächlich zur Übernahme kommt) findet meist zwischen ein bis zwei Monaten vor Ablauf der Probezeit beziehungsweise vor Ende der Ausbildung statt und bietet dann noch einmal beiden die Gelegenheit, eine Bilanz zu ziehen.

Auch solche Gespräche folgen im Kern den gängigen Regeln eines Vorstellungsgespräches. Darüber hinaus gibt es noch ein paar Empfehlungen, wie Sie solche Übernahmegespräche optimal vorbereiten, beziehungsweise besser bestehen können. Diese…

  • Informationen sammeln.

    Schon vorab sollten Sie sich umfassend informieren, ob derzeit Auszubildende übernommen werden oder überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer während der Probezeit gehen müssen. Wenn Sie im Wettbewerb mit anderen stehen, ist das Gespräch vielleicht die letzte Gelegenheit, um aus der Masse herauszustechen.

  • Chance nutzen.

    Begreifen Sie das Feedback als Chance, eventuelle Vorurteile gegen Sie oder frühere Fauxpas auszugleichen. Dokumentieren Sie Ihre positive Entwicklung, die Lerneffekte und bisherigen Erfolge. Rechnen Sie jedenfalls nicht damit, dass das alles schon bekannt und präsent wäre.

  • Gegenargumente einkalkulieren.

    Überlegen Sie sich vorher, wie Sie auf mögliche Einwände kontern können. Dabei sind allerdings weder Ausreden noch „Ja, aber“-Diskussionen gemeint. Kritik hören Sie sich bereitwillig an. Zeigen Sie aber auch, dass Sie den Punkt bereits erkannt haben und daran längst arbeiten – mit Erfolg.

  • Probleme lösen.

    Überlegen Sie sich vor dem Gespräch, mit welchen Problemen Ihr Unternehmen derzeit zu kämpfen hat und welchen Beitrag Sie zur Lösung erbringen könnten. Möglicherweise haben Sie beim Aufbau der IT-Abteilung geholfen und kennen sich als einer der wenigen exzellent mit dem BEreich XY aus. Kurz: Zeigen Sie, dass Sie für den weiteren Unternehmenserfolg weitgehend unverzichtbar sind.

  • Vereinbarungen treffen.

    Versuchen Sie möglichst alle wichtigen Ergebnisse des Gesprächs schriftlich zu fixieren, wie etwa den Termin zum Unterschreiben des Arbeitsvertrages oder wann Sie offiziell angestellt werden. Wenn dazu noch nichts vereinbart wurde, sprechen Sie es bitte jetzt an und lassen Sie sich nicht mit mündlichen Zusagen abspeisen.

Am Ende sollten Sie noch Ihre Gehaltsvorstellungen formulieren und aushandeln. Und natürlich den eventuell neuen Arbeitsvertrag unterschreiben… Viel Erfolg!


Bewaehrungsperiode-Cartoon

[Bildnachweis: oneinchpunch, Syda Productions by Shutterstock.com]


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*