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Probezeit: Rechte, Kündigung, Verlängerung

Herzlichen Glückwunsch! Die Bewerbung und ein womöglich anstrengender Bewerbungsprozess liegt hinter Ihnen, Sie haben den Job – und damit beginnt häufig die sogenannte Probezeit.

Die Probezeit ist im Arbeitsvertrag genau geregelt und dauert in der Regel bis zu sechs Monate. Eine typische Formulierung könnte zum Beispiel lauten:

Es wird eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart. Sie beginnt mit dem Arbeitsvertrag und endet oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf mit dem Ab­lauf des TT.MM.JJJJ. Während der Probezeit kann das Angestelltenverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen von beiden Seiten ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.

Eine solche Bewährungsprobe im Job ist allerdings frei verhandelbar. Das heißt: Falls gewünscht, können beide Seiten darauf auch komplett verzichten.

Achtung Haken: Be­fris­te­tes Pro­be­ar­beits­verhält­nis

Arbeitsrecht-Paragraf-Urteile-IconManchmal kommt es im Arbeitsvertrag nur auf Nuancen an. So gibt es auch ein sogenanntes be­fris­te­tes Pro­be­ar­beits­verhält­nis. In dem Fall liegt ein be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis vor – mit dem sach­li­chen Befristungsgrund der gegenseitigen Er­pro­bung. Das ist rechtlich zulässig. Und in dem Fall endet das Ar­beits­verhält­nis au­to­ma­tisch nach Ablauf der Pro­be­zeit. Damit es danach mit dem Job weitergeht und Sie nicht arbeitslos werden, benötigen Sie dann einen neuen Arbeitsvertrag.

Eine verräterische Formulierung hierfür könnte zum Beispiel lauten:

Das Ar­beits­verhält­nis ist zum Zwe­cke der Er­pro­bung bis zum TT.MM.JJJJ be­fris­tet und en­det, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf, mit dem Ab­lauf des TT.MM.JJJJ. Das Ar­beits­verhält­nis kann vor Ab­lauf die­ser Frist von bei­den Par­tei­en mit ei­ner Frist von zwei Wo­chen or­dent­lich gekündigt wer­den.

Weitere Informationen dazu finden Sie HIER.


Probezeit Arbeitsvertrag: Diese Fragen sollten Sie sich stellen

Probezeit Arbeitsvertrag / Probezeit Kündigung / Rechte & Pflichten in der Ausbildung

In dieser Zeit herrscht noch kein Kündigungsschutz, dafür aber eine besondere Kündigungsfrist: Beide Seiten können binnen zwei Wochen kündigen. Die Probezeit Kündigung bedarf nicht einmal einer Angabe von Gründen. Ein schriftlicher Zweizeiler genügt.

Der Gedanke dahinter ist, dass die Probezeit beiden Seiten – Arbeitnehmer und Arbeitgeber – eine wichtige Test- und Orientierungsphase sowie ein noch ungefestigtes Arbeitsverhältnis bieten soll, das zur Not auch schnell wieder gelöst werden kann. Kurz: Es geht darum, herauszufinden, ob beide Parteien wirklich zueinander passen.

Als Arbeitnehmer sollten Sie für sich daher diese probezeitrelevanten Fragen unbedingt beantworten:

  • Ist dies hier wirklich mein Traumberuf und Traumarbeitsplatz?
  • Komme ich mit dem sozialen Umfeld – den Kollegen und dem Chef – zurecht?
  • Fühle ich mich insgesamt wohl und wertgeschätzt?
  • Gefallen mir der Job, die Arbeitsinhalte und Herausforderungen?
  • Beherrsche ich das, was ich mache – oder kann ich es in absehbarer Zeit lernen?
  • Sehe ich für mich hier mittel- bis langfristig Zukunftsperspektiven und Entwicklungschancen?

Die Fragen können Sie natürlich unmöglich gleich alle am ersten Tag beantworten. Es ist vielmehr ein permanenter Prozess, der Sie im Verlauf der Probezeit begleiten wird.

Unzufriedenheit-im-Job-YP-Umfrage

Laut manchen Untersuchungen scheitern derzeit zwischen 20 und 25 Prozent der Arbeitsverhältnisse schon in der Probezeit.

Gehen wir aber mal davon aus, dass Ihnen der Job zusagt, Sie keine vorzeitige Kündigung des Arbeitsvertrages anstreben und bleiben wollen. Dann helfen die folgenden Tipps und Empfehlungen, die Probezeit optimal zu überstehen

Arbeitsrecht: Rechte in der Probezeit

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  • Probezeit Dauer

    Die Dauer der Probezeit muss im Arbeitsvertrag genau geregelt sein. In der Regel dauert sie sechs Monate. Bei Auszubildenden (Azubis) dauert die Probezeit mindestens einen und maximal vier Monate.

    Kürzere Probezeiten können bei berufserfahrenen Fachkräften aber auch noch kürzer – zum Beispiel nur einen Monat – dauern. Das ist Verhandlungssache.

    Dauert die Probezeit hingegen länger als sechs Monate greift das Kündigungsschutzgesetz – und damit dessen Kündigungsfristen.


  • Probezeit Verlängerung

    Eine Verlängerung der Probezeit ist dann zulässig, wenn die Dauer von sechs Monaten noch nicht voll ausgeschöpft wurde, also nicht kurz vor Probeablauf. Der Arbeitgeber darf diese dann noch einmal verlängern – aber nur bis zu einem Maximum von sechs Monaten.

    Die Verlängerung setzt jedoch das Einverständnis des Mitarbeiters voraus. Laut Bundesarbeitsgericht ist die Verlängerung auch nur möglich durch einen Aufhebungsvertrag mit einer Wiedereinstellungszusage für den Fall, dass sich der Arbeitnehmer in der verlängerten Probezeit bewährt.


  • Probezeit Verkürzung

    Die Verkürzung der Probezeit kommt selten vor, ist aber nicht ausgeschlossen. Insbesondere wenn der Arbeitnehmer (oder Auszubildende) schon vorher im Unternehmen beschäftigt war, kann es einen Anspruch auf eine verkürzte Probezeit geben. Dazu urteilen Gerichte allerdings unterschiedlich, sodass Sie etwaige Ansprüche besser mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht abklären.


  • Probezeit Kündigung und Kündigungsfrist

    Wie oben schon angesprochen können während der Probezeit beide Seiten – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – jederzeit und ohne Angaben von Gründen kündigen. Allerdings müssen beide dann eine mindestens zweiwöchige Kündigungsfrist wahren.

    Ausnahmen können im Tarifvertrag stehen. Hier sind oft längere Kündigungsfristen vereinbart. Bei Vertragsabschluss also im Arbeitsvertrag darauf achten, ob eine Tarifvereinbarung zugrunde liegt. Das bedeutet im Extrem aber auch, dass die Kündigung noch am letzten Tag der Probezeit ausgesprochen werden kann und der Arbeitnehmer dann noch maximal 14 Tage im Unternehmen beschäftigt ist.

    Sind die sechs Monate hingegen vorbei und dem Arbeitnehmer wurde bis dahin nicht gekündigt, tritt automatisch der gesetzliche Kündigungsschutz in Kraft – und damit die im Arbeitsvertrag ebenfalls geregelten Kündigungsfristen. Im Allgemeinen sind das nach § 622 Abs. 1 BGB vier Wochen zum Monatsende oder zum 15. eines jeden Monats.

    Die Möglichkeit zur fristlosen Kündigung besteht natürlich auch während der Bewährungsfrist – für beide Seiten.

    Wer als Arbeitnehmer beispielsweise stiehlt oder seinen Arbeitgeber beziehungsweise Chef im Internet öffentlich beleidigt und denunziert, ruiniert das Vertrauensverhältnis unrettbar. Das Festhalten am Arbeitsvertrag für den Arbeitgeber dann nicht mehr zumutbar, Folge: fristlose Entlassung noch am gleichen Tag (Der Grund „Diebstahl von Unternehmenseigentum“ kann sogar später im Arbeitszeugnis stehen). Gehalt gibt es danach natürlich auch keines mehr.


  • Probezeit Urlaub

    Der Anspruch auf den vollen Jahresurlaub besteht erst nach dem sechsten Monat Betriebszugehörigkeit. Ob der Berufseinsteiger auch schon während der Bewährungsfrist in die Ferien darf, hängt maßgeblich von dessen Verhandlungsgeschick ab.

    Auch wenn manche Karriereberaterin/Karriereberatung oder das ein oder andere Karrieremagazin es anders schreiben – richtig ist: Rein rechtlich besteht laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) schon während der Probezeit Urlaubsanspruch auf anteiligen Erholungsurlaub. Bei einem gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch von 20 Tagen im Jahr erwirbt der Arbeitnehmer also alle vier Wochen Anspruch auf 1,67 Tage (20 Tage im Jahr geteilt durch 12 Monate). Nach drei Monaten hätte der Probezeitler also schon Anspruch auf 5 Urlaubstage.

    Soweit der Anspruch. Der schließt aber noch keine Genehmigung ein. So kann der Arbeitgeber den Urlaubsantrag zu dem gewählten Termin verweigern, wenn dringende betriebliche Gründe oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer dagegen sprechen (§ 7 Abs. 1 BUrlG). Wir empfehlen allerdings, so etwas nicht wirklich auszufechten. Besser Sie sprechen einen geplanten Urlaub schon im Vorstellungsgespräch an. Gerade in der Probezeit bewährt sich Kooperation eher als Konfrontation.

    Wird der Arbeitsvertrag hingegen vorzeitig gekündigt, besteht laut Bundesurlaubgesetz ein Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs pro geleistetem Arbeitstag. Nach einem Monat also mindestens zwei Tage. Ist dieser Urlaubsanteil nicht anzutreten, muss er ausbezahlt werden.

    Mehr zu Urlaub und Urlaubsansprüchen in der Probezeit finden Sie HIER.


  • Probezeit Schwangerschaft

    Wer in der Probezeit schwanger wird, muss das dem Betrieb nicht sofort mitteilen. Das geht auch erst nach Ende der Bewährungsfrist – es sei denn Sie müssen in dieser Zeit Dinge tun (Überstunden machen, schwere Lasten heben, Infektionsrisiko bei Krankenschwestern, …), die dem Kindswohl entgegen stehen. In diesem Fall muss der Arbeitgeber das Mutterschutzgesetz (MuSchG) einhalten – was er aber nur kann, wenn er von der Schwangerschaft weiß.

    Immerhin: Es besteht für werdende Mütter ein besonderer Kündigungsschutz – auch in der Probezeit. Sollte es also von Seiten des Arbeitgebers zur Kündigung kommen, muss dieser binnen zwei Wochen über die Schwangerschaft informiert werden. Der Kündigung muss damit dann auch formell widersprochen werden.


  • Probezeit Krankheit

    Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle gibt es während der Probezeit erst nach vier Wochen. Wer schon vorher aus gesundheitlichen Gründen fehlt, verdient daher auch nichts. Dasselbe gilt für Sport- oder Freizeitunfälle.

    Allerdings: Ab der fünften Woche setzt die Lohnfortzahlung wieder ein – auch, wenn die Krankheit bereits vorher begonnen hat. Und: Die Probezeit verlängert sich nicht automatisch um die krankheitsbedingten Fehltage. Wer also beispielsweise in der fünften Woche krankgeschrieben wird und für weitere fünf Monate ausfällt, übersteht die Probezeit – rein rechnerisch – im Krankenbett.



Die genannten Arbeitsrecht-Regeln zur Probezeit und zum Arbeitsvertrag können Sie sich – wie gewohnt – hier noch als kostenloses PDF zum Nachschlagen herunterladen.

Probezeit-Tipps-Cover


Die wichtigsten Regeln für die Probezeit

Bewaehrungsperiode-Cartoon

Ein verpatzter Einstieg verbaut nicht selten den späteren Aufstieg. Wer den Job wechselt oder seinen ersten antritt, sollte daher die wichtigsten Grundregeln für die Probezeit und ersten 90 Tage kennen.

Tatsächlich gibt es ein paar klassische Hürden im jedem neuen Job. Wie Sie diese unbeschadet während der Probezeit überstehen, zeigen wir Ihnen im folgenden Dossier:

  1. Probezeit Tipp: Pünktlichkeit am ersten Arbeitstag

    Der Vertrag ist unterschrieben, die Erfolgsparty mit den Freunden überstanden und das Powermüsli von heute morgen treibt Sie zur Hochform. Jetzt heißt es: Ran an den neuen Job! Bevor Sie allerdings Ihren Triumphzug durchs Firmament beginnen, sollten Sie unbedingt die folgenden drei Grundregeln beherzigen:

    • Erstens… pünktlich sein. Die sprichwörtliche Pünktlichkeit gilt nicht nur für Maurer. Klären Sie deshalb schon vor dem ersten Arbeitstag, wann Sie erscheinen sollen. Falls es Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit gibt, nutzen Sie das bitte nicht gleich aus. Die Zeit zwischen 8 und 9 Uhr ist meistens genau richtig, um auf der Matte zu stehen. Und: Erkunden Sie unbedingt den besten Anfahrtsweg sowie wo eventuelle Staugefahren lauern.

      Wer dauerhaft zu spät kommt, gilt schnell als Schnarchnase und verkürzt damit eher seine Probezeit. Die Anstellung aber auch. Langzeittipp: Fahrgemeinschaften disziplinieren nicht nur – sie eignen sich auch hervorragend, um erste Kontakte zu knüpfen.
    • Zweitens… richtig angezogen sein. Beobachten Sie im Vorfeld genau die Kleiderordnung bei Ihrem neuen Arbeitgeber. Eventuell hilft hier auch die Personalabteilung.

      Bei konservativen Unternehmen kommen sie im dunkelgrauen oder marineblauen Dreiteiler gut an. Auch für den Fall, daß die neuen Kollegen ein legeres Jeans-Outfit präferieren, empfiehlt sich für den ersten Tag eher die sportliche Kombi.

      Faustregel: In den ersten Tagen lieber over- als underdressed. Die Ärmel hochkrempeln, können Sie später immer noch.
    • Drittens… höflich sein. Bereits der erste Eindruck zählt. Für die Betriebsführung heißt das im Klartext: Bitte immer lächeln!

      Erfolgreiche Einsteiger sind offene, freundliche Zeitgenossen, die sich aktiv vorstellen und begrüßen – mit Namen und Handschlag. Das darf dann gerne auch humorvoll sein.

      Hoppla-jetzt-komme-ich-Typen sollten sich eher in Zurückhaltung üben: Lieber im ersten Gang anfahren und dann langsam Gas geben, Sie sind ja noch eine Weile da, um sich zu beweisen. Ein Kavalierstart endet schnell mal im Straßengraben.
  2. Probezeit Tipp: Namen merken

    Zahlen sind für Sie kein Problem? Ihr Spitzname ist Telefonbuch? Klasse, bitte gleich weiter zum nächsten Punkt der Liste… Andernfalls haben Sie wahrscheinlich bald ein Problem: Lauter nette Kollegen – und alle heißen anders.

    Deshalb sollten Sie sich gleich am ersten Tag Notizen machen und eine persönliche Kollegen-Kartei anlegen. Am besten mit Name, Funktion, Durchwahl sowie privaten Daten: wann einer Geburtstag hat, ob einer Drachenflieger, Fußballfan oder zweifacher Vater ist, und so weiter. Das erleichtert hinterher nicht nur, den geeigneten Ansprechpartner zu finden, sondern hilft zugleich Fettnäpfen auszuweichen oder ein lockeres Flurgespräch anzuzetteln.

    Hilfreiche Recherchemittel sind Betriebszeitschriften, Organigramme und der Flurfunk. Achtung: Beziehen sie in Ihre Kartei jeden mit ein – den Chef genauso wie Sekretärinnen oder den Pförtner. Die kleine Hausmacht wird nur allzu oft unterschätzt.

  3. Probezeit Tipp: Einstand feiern – aber richtig

    Wer einen interessanten, gut bezahlten Job ergattert, hat allen Grund zur Freude. Diese Freude wollen Sie nun mit Ihren Kollegen teilen – mit einem Einstand. Gut so.

    Bevor Sie jedoch die Pappnase aufsetzen und in die Tute tüten, sollten Sie zuerst Informationen über die Gepflogenheiten des Hauses einholen. In manchen Betrieben gehört zu einer gelungenen Premiere lediglich ein zweites Frühstück oder eine kurze Kaffeepause mit Selbstgebackenem.

    Als oberste Regel gilt: den richtigen Zeitpunkt immer mit dem Chef abstimmen. Absolutes tabu: Alkohol während der Dienstzeit. Vergessen sollte man auch nicht: Wer einlädt, ist auch Gastgeber.

    Reden Sie also mit allen; gehen Sie von Gruppe zu Gruppe und vermeiden Sie polarisierende Urteile mit Absolutheitsanspruch. Nur weil Sie regelmäßig auf die Malediven fliegen, muss ein Mallorca-Trip keine Schinkenfahrt sein.

  4. Probezeit Tipp: Zugehörigkeit dokumentieren

    Der Arbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz ist ein Arbeitsplatz. Kein Tummelplatz für Kunst oder Kitsch. Fotobände von Ihren Verflossenen gehören ebenso wenig auf die Tisch- oder Festplatte wie Modellautos oder Mainzelmännchen.

    Sicher, gegen ein kleines Foto von Ihrem Partner oder Ihren Kindern wird keiner etwas haben, aber sprengen Sie nicht gleich den Rahmen – nach der Devise: Mein Haus. Mein Auto. Meine Frau. Merke: Private Hortensien dienen oft nur der eigenen Eitelkeit und geben Kollegen gerne Anlass zu Neid, Spott oder Hohn.

    Mag sein, dass Sie morgens um halb zehn eine Banane essen müssen oder einen Kaffee brauchen. Doch auch wenn Ihr Magen um diese Zeit von Kopf bis Fuß auf Koffein eingestellt ist – ab jetzt ist das anders: Nicht wenige Aspiranten scheitern, weil ihr bisheriger Alltag zu Prägungen geführt hat, die die Anpassungsfähigkeit an das neue betriebliche Umfeld schmälern.

    Beim neuen Arbeitgeber herrschen bestimmte Tagesrituale und Umgangsformen. Denen sollten Sie sich anpassen – nicht umgekehrt. Wer allzu großen Wert auf Extratouren legt, fliegt schnell aus dem Rennen.

  5. Probezeit Tipp: Durch Sorgfalt und Engagement glänzen

    Nehmen Sie alle Ihnen übertragenen Aufgaben ernst und erfüllen Sie diese gewissenhaft. Je höher die Position, in der ambitionierte Newcomer einsteigen, desto höher auch die Anforderungen, die man an Sie stellt.

    Klar, einem Einsteiger, der gerade frisch von der Uni kommt, wird man weniger zumuten als einem Umsteiger. Beide aber sollten die ihnen übertragenen Aufgaben zügig und innerhalb der festgelegten Fristen erledigen. Vor allem sorgfältig. Das spart dem Unternehmen Zeit und Geld – und dem Chef Nerven.

    Treten vereinzelt Probleme auf, ist es ratsam, Vorgesetzten rechtzeitig Feedback zu geben. Und in Zeiten des Leerlaufs? Bloß keine Däumchen drehen! Womöglich ist dies ein Test. Zeigen Sie vielmehr Interesse und bieten Sie Ihre Hilfe an wo es geht. Wer anderen zuarbeitet, sammelt wichtige Pluspunkte, gilt als kollegial und bekommt später selber Hilfe. Und wer braucht die am Anfang nicht?

  6. Probezeit Tipp: Schweigen, statt mitlästern

    Der blutleere homo oekonomicus hat zum Glück mit der Realität wenig gemein.

    Überall da, wo Menschen zusammenkommen, entsteht Kommunikation. Und damit auch Klatsch und Tratsch. Bevor Sie sich jedoch ein Urteil über die Kollegen bilden, lassen Sie ruhig ein paar Wochen ins Land gehen. Es dauert einige Zeit, bis Sie sich durch das kollegiale Beziehungsgestrüpp geackert haben und es entwirren können. Erst recht, wenn ach so nette Mitarbeiter geneigt sind, dem Frischling dabei behilflich zu sein.

    Obacht! Aussagen, wie „Passen Sie bloß auf, die Meierin hat was mit dem Chef!“ Oder: „Der Müller ist ein ekliger Schleimer.“ Können stimmen – oder auch nicht. Wer hier gleich mitlästert, begibt sich in jedem Fall auf dünnes Eis. Und das kann schneller einbrechen als einem lieb ist.

    Newcomer sollten daher stets neutral bleiben und auch anderen eine Schonfrist einräumen. Zumindest solange, bis sie über die interne Hackordnung und Rollenverteilung genau Bescheid wissen.

  7. Probezeit Tipp: Vorschläge richtig einbringen

    Kritik hat zwar etwas Positives. Sie zu überbringt, bleibt aber eine hohe Kunst. Wenn Sie von einem anderen Job oder von außerhalb zu einem neuen Arbeitgeber gewechselt sind, fällt Ihnen oft viel schneller auf, was alles falsch läuft. Nur sagen sollten Sie das nicht sofort.

    Es mag ja sein, dass die Kollegen mit Betriebsblindheit geschlagen sind und die Lamentis jedem vernunftbegabtem Menschen Pickel ins Gesicht treiben. Doch gerade dann gilt: Zähne zeigen durch Lächeln. Mit Kritik und Verbesserungsvorschlägen sollte man mindestens vier bis sechs Wochen hinterm Berg halten und auch danach noch recht sparsam damit umgehen. Sonst wird „der Neue“ von der Runde ausgebremst.

    Das ist nicht einmal böser Wille oder Mobbing, sondern ein Erziehungsvorgang: Eiferern spricht man gerne mal Teamgeist und Gremium-Gefühl ab. Die Bewährungsprobe bestehen Profis nicht durch Profilierungssucht, sondern durch Diplomatie.

    Halten Sie daher unbedingt immer auch den Dienstweg ein – auch wenn der Ihnen nicht schnell genug geht. Newcomer brauchen zuerst den Respekt und das Vertrauen der Kollegen.

    Vor jeder Kritik sollten Sie daher ausloten, wie festgefahren die internen Strukturen sind; wem Sie etwas sagen können und wie offen man tatsächlich für Ihre Vorschläge ist. Die beste Strategie: Überzeugen Sie durch fachliche Leistungen – und nicht durch Besserwisserei.

    Wer weiß: Das von Ihnen kritisierte Ablagesystem ist vielleicht die jüngste Ausgeburt des Chefs…

  8. Probezeit Tipp: Fehler zugeben

    Nobody is perfect. Und als Neuer unterlaufen einem gerne mal kleine oder größere Fehler. Das mag einem peinlich sein, leugnen macht alles aber nur noch schlimmer.

    Es ist ein regelrechter Jobkiller, Fehler nicht zugeben zu können. Klüger ist: Das Malheur aktiv melden, Verantwortung übernehmen und am besten gleich eine Lösung oder Wiedergutmachung anbieten.

    Bonuspunkte gibt es, wer beweist, was er daraus gelernt hat und den Fehler deshalb kein zweites Mal begeht. Denn das ist fast noch schlimmer als Fehler nicht zuzugeben: Denselben Fehler immer wieder machen…

  9. Probezeit Tipp: Eigenmarketing betreiben

    Alle Rädchen greifen reibungslos ineinander wie bei einem Schweizer Uhrwerk. Mit der Arbeit und den Kollegen klappt alles prima – nur der Chef kriegt davon nichts mit. Schade eigentlich. Das hilft nur: Werden Sie aktiv, betreiben Sie Selbstmarketing und legen Sie gemeinsam mit dem Boss die kommenden Arbeitsziele fest.

    Wer zeigen will, dass er hohe Anforderungen erfüllen kann, muss seine Leistung nachweisen. Fertigen Sie deshalb schriftliche Protokolle an, um Ihre Arbeit zu dokumentieren. Je konkreter die Ansprache, desto offener die Ohren. Oft schwebt der Chef so sehr über den Wolken, dass er nicht mehr weiß, wieviel Arbeit hinter manchem Ergebnis steckt.

    Deshalb: Ab und an Termine machen und die Protokolle als eine Art Checkliste kurz (!) präsentieren: „Das war mein Projekt. Bisher habe ich das erreicht, hier bin ich noch dran und da bräuchten wir eine neue Strategie, die so und so aussehen könnte…“

    Strahlen Sie Selbstbewusstsein aus und glänzen Sie mit Fakten. Übertriebene Unterwürfigkeit ist hierbei Fehl am Platze. Merke: Rektoskopien sind immer unangenehm.

  10. Probezeit Tipp: Den Aufzug benutzen

    Wer schnell nach oben will, sollte den Fahrstuhl benutzen. Buchstäblich. Denn hier trifft man Kollegen aus allen Abteilungen, kann interessante Kontakte knüpfen und kommt obendrein schnell ins Gespräch.

    Das bedeutet allerdings auch: Sobald der Geschäftsführer oder Abteilungsleiter den Lift betritt, bitte nicht zur Salzsäule zu erstarren. Für den Smalltalk zwischen den Stockwerken gibt es keine festen Regeln. Nur so viel: Seien Sie positiv, brechen Sie die Liftstille erzählen Sie eine nette Anekdote. Aus zwei Fremden werden so Bekannte.

    Danach können Sie immer noch nachlegen: „Sind Sie nicht die neue Marketingleiterin? … Ich bin Michael Mustermann, der neue Trainee. Freut mich, Sie kennenzulernen…“ Ping, sechster Stock, aussteigen. Ergebnis: Die Marketingleiterin kennt Sie jetzt und wird Sie ab sofort freundlich grüßen. Und die Kollegen werden sich wundern, woher Sie die so schnell kennen.

  11. Probezeit Tipp: Konflikte sofort offen ansprechen

    Als Neuer sind Sie nicht automatisch Everybody’s Darling. Im Gegenteil: Den Kuchen müssen die Kollegen nun auch mit Ihnen teilen. Vielleicht hat der Boss gerade Sie geholt, um wieder Schwung in die Bude zu bringen. Oder Sie werden einem anderen Mitarbeiter vor die Nase gesetzt, der selbst gerne auf dem Schreibtischstuhl Platz genommen hätte.

    Statt prima Klima herrscht dann dicke Luft im Büro: Die Kollegen lassen Sie auflaufen, Informationen werden zurückgehalten, zwischen Ihren Beinen wirbeln die Knüppel. Da hilft nur noch eins: ein offenes Wort.

    Wenn die Zusammenarbeit partout nicht klappt, sollten Sie ein klärendes Gespräch mit den betreffenden Kollegen suchen – aber bitte nicht damit drohen. Also nicht gleich beim Chef petzen gehen, sondern offen die Situation schildern und um eine Aussprache bitten. Hart aber herzlich.

  12. Probezeit Tipp: Vorsicht mit Flirtversuchen

    In dem Hollywood-Film „Enthüllung“ hat Michael Douglas null Bock auf Baggern im Büro. Erst muss er sich gegen die Avancen seiner Chefin wehren, anschließend gegen den Vorwurf der sexuellen Nötigung.

    Mit derlei Problemen kämpfen aber nicht bloß Schauspieler: Der Arbeitsplatz ist kein Partnerinstitut, auch wenn – statistisch gesehen – dort zahlreiche Beziehungen entstehen. Wer gleich zu Beginn der attraktiven Kollegin von nebenan Komplimente macht oder der Sachbearbeiterin schöne Augen, tritt vielleicht unverhofft in ein Fettnapf, weil diese mit dem Chef oder einem Kollegen befreundet sind.

    Dasselbe gilt für den umgekehrten Fall. Allzu offenherzige Angebote sollte man (zumindest in der Probezeit) höflich zurückweisen. Und wenn alles nichts hilft, schwärmen Sie ein wenig von Ihrer neuen Flamme oder weisen Sie dezent auf Ihre glückliche Ehe hin.

  13. Probezeit Tipp: Feedback einholen

    Wer fragt, der führt – und in diesem Fall sogar sich selbst. Solange Sie in der Probezeit sind, sollten Sie – im Abstand von zwei Monaten – Ihren Vorgesetzten immer wieder um Feedback bitten: Entspricht Ihre Arbeit seinen Erwartungen? Was können Sie anders, besser machen? Wie beurteilt er Ihre Leistung und Entwicklung?

    Danach zu fragen ist keine Schande, im Gegenteil: Die Rückmeldung gibt Ihnen die Chance, rechtzeitig wichtige Korrekturen vorzunehmen und die Probezeit zu bestehen.

Probezeit-Rezepte-Tipps

Zum Schluss der Probezeit: Das Übernahmegespräch

Sei es am Ende der Ausbildung oder am Ende der Probezeit: Was jede Bewährungsfrist abrundet, ist das sogenannte Übernahmegespräch oder Feedbackgespräch. Es ist eine Art zweites Bewerbungsgespräch, mit dem Unterschied, dass sich beide Parteien nun schon wesentlich besser kennen und einzuschätzen wissen.

Der Absolvent von einst hofft nun auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag, ebenso der Azubi nach Abschluss seiner bis zu dreijährigen Ausbildung. Das Übernahmegespräch (falls es tatsächlich zur Übernahme kommt) findet meist zwischen ein bis zwei Monaten vor Ablauf der Probezeit beziehungsweise vor Ende der Ausbildung statt und bietet dann noch einmal beiden die Gelegenheit, eine Bilanz zu ziehen.

Auch solche Gespräche folgen im Kern den gängigen Regeln eines Vorstellungsgespräches. Darüber hinaus gibt es noch ein paar Empfehlungen, wie Sie solche Übernahmegespräche optimal vorbereiten, beziehungsweise besser bestehen können. Diese…

  • Informationen sammeln

    Schon vorab sollten Sie sich umfassend informieren, ob derzeit Auszubildende übernommen werden oder überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer während der Probezeit gehen müssen. Wenn Sie im Wettbewerb mit anderen stehen, ist das Gespräch vielleicht die letzte Gelegenheit, um aus der Masse herauszustechen.

  • Chance nutzen

    Begreifen Sie das Feedback als Chance, eventuelle Vorurteile gegen Sie oder frühere Fauxpas‘ auszugleichen. Dokumentieren Sie Ihre positive Entwicklung, die Lerneffekte im Lebenslauf und bisherigen Erfolge. Rechnen Sie jedenfalls nicht damit, dass das alles schon bekannt und präsent wäre.

  • Gegenargumente einkalkulieren

    Überlegen Sie sich vorher, wie Sie auf mögliche Einwände kontern können. Dabei sind allerdings weder Ausreden noch „Ja, aber“-Diskussionen gemeint. Kritik hören Sie sich bereitwillig an. Zeigen Sie aber auch, dass Sie den Punkt bereits erkannt haben und daran längst arbeiten – mit Erfolg.

  • Probleme lösen

    Überlegen Sie sich vor dem Gespräch, mit welchen Problemen Ihr Unternehmen derzeit zu kämpfen hat und welchen Beitrag Sie zur Lösung erbringen könnten. Möglicherweise haben Sie beim Aufbau der IT-Abteilung geholfen und kennen sich als einer der wenigen exzellent mit dem Bereich XY aus. Kurz: Zeigen Sie, dass Sie für den weiteren Unternehmenserfolg weitgehend unverzichtbar sind.

  • Vereinbarungen treffen

    Versuchen Sie möglichst alle wichtigen Ergebnisse des Gesprächs schriftlich zu fixieren, wie etwa den Termin zum Unterschreiben des Arbeitsvertrages oder wann Sie offiziell angestellt werden. Wenn dazu noch nichts vereinbart wurde, sprechen Sie es bitte jetzt an und lassen Sie sich nicht mit mündlichen Zusagen abspeisen.

Am Ende sollten Sie noch Ihre Gehaltsvorstellungen formulieren und aushandeln. Und natürlich den eventuell neuen Arbeitsvertrag unterschreiben… Viel Erfolg!

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]



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