Ein Gastbeitrag von Dr. Elke Frank

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Laut Statistischem Bundesamt geht der Trend zum Home Office zurück. Erlebt die Präsenzkultur nun eine Renaissance? Ist flexibles Arbeiten nur das Wunschdenken der Personalabteilungen zahlreicher Unternehmen? Nein, denn Stimmen, die einen Rückgang der Home Office-Nutzung mit einer Zunahme der Präsenzkultur gleichsetzen, haben flexible Arbeitsmodelle nicht verstanden.

Mitarbeiter wollen selbst entscheiden

Sie bedeuten nicht, dass die Mitarbeiter möglichst viel in den heimischen vier Wänden arbeiten sollen. Es geht um die Befähigung der Mitarbeiter, frei zu entscheiden, wann und wo sie ihre Aufgaben erledigen wollen.

Die Mitarbeiter sollen Arbeitszeit und Arbeitsort selbst bestimmen. Das Büro und das Home Office sind nur zwei von vielen Möglichkeiten. Sie können zum Beispiel ebenso beim Kunden vor Ort oder von unterwegs aus arbeiten, am Flughafen oder im Zug.

Unternehmen müssen schon heute ihre Arbeitsmodelle an die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter und Bewerber anpassen. Eine Studie des Bürodienstleisters Regus macht deutlich:

  • 82 Prozent der deutschen Arbeitnehmer würden sich bei vergleichbaren Jobangeboten für das Angebot entscheiden, das ihnen flexible Arbeitsmodelle bietet.
  • 62 Prozent würden ein Jobangebot sogar gänzlich ausschlagen, wenn flexibles Arbeiten nicht möglich ist.

Und das ist erst der Anfang! Die Generationen Y und Z werden mit ihrem Wunsch nach mehr Eigenverantwortung und Freiheit den "War of Talents" erst richtig vorantreiben. Wer als Unternehmen dann noch bestehen möchte, braucht zwingend einen Kulturwandel hin zu mehr Mitarbeiterorientierung. Weg von Misstrauen und Kontrollzwang, hin zu Vertrauen und mehr Freiheit.

Flexible Arbeitsmodelle sind aber nicht nur für die Mitarbeiterbindung und das Recruiting dringend notwendig, sondern auch für den wirtschaftlichen Erfolg: In 76 Prozent aller deutschen Firmen sind laut einer weiteren Regus-Studie die Mitarbeiter dank flexibler Arbeitsmodelle deutlich produktiver und kreativer.

Mehr Zufriedenheit und Produktivität

Auch bei Microsoft setzen wir auf Vertrauensarbeitszeit. Bei uns zählt das Ergebnis und nicht die Anwesenheit. Unsere Mitarbeiter können überall dort arbeiten, wo es einen Internetanschluss gibt.

Dieses flexible Arbeiten führt bei uns nicht nur zu einem Zuwachs der Produktivität und der Kreativität, sondern auch zu mehr Zufriedenheit unter unseren Mitarbeitern. Das verdeutlicht unsere jährliche Mitarbeiterbefragung: Durch die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wächst außerdem der Frauenanteil kontinuierlich an. 25 Prozent unserer rund 2.700 Mitarbeiter sind weiblich. Damit liegen wir weit über dem Durchschnittswert von 17 Prozent in der IT-Branche.

HR muss den Prozess begleiten

Die Einführung flexibler Arbeitsmodelle ist aber nicht nur eine Frage der richtigen Technik. Sie funktionieren nicht ohne die entsprechende Unternehmenskultur und gewisse Regeln.

Werte wie Vertrauen und Offenheit haben dabei höchste Priorität. Denn flexible Arbeitsmodelle haben nur eine Chance, wenn Führungskraft und Mitarbeiter ohne Hürden kommunizieren und sich gegenseitig ehrliches Feedback geben können.

Hinzu kommt: Nicht in jeder Branche, nicht in jedem Unternehmen und nicht für jeden Mitarbeiter kommen zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten in Frage. Wissensarbeiter sind hier klar im Vorteil. Der HR-Abteilung kommt dabei die wichtigste Rolle zu, denn sie sollte im Vorfeld prüfen, welche Arbeitsformen umsetzbar sind und den gesamten Prozess begleiten.

Unternehmen, in denen jedoch von vornherein Leistung mit Anwesenheit gleichgesetzt wird und das Motto "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" allgegenwärtig ist, werden scheitern.

Über die Autorin

DDr. Elke Frank ist Senior Director Human Resources und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland. Die promovierte Juristin verfügt über vielfältige Erfahrungen in der Personalarbeit internationaler Konzerne.

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