wavebreakmedia/shutterstock.comSchnauze voll. Alles Mist. Der Job macht schon lange keinen Spaß mehr – und der Chef spielt auf den Nerven La Paloma. Zeit für einen Jobwechsel! Überstürzen Sie jetzt trotzdem nichts. Jeden packt mal der Frust. Manchmal so sehr, so dass man alles hinschmeißen, kündigen und woanders neu anfangen möchte. Egal, wie viele Gründe Ihnen einfallen: Den Job zu quittieren, ist zunächst nur eine Option – aber keine, die man spontan treffen sollte, auch wenn Ihnen manche Ratgeber vielleicht einbimsen wollen, ein Jobwechsel mit 30, mit 40 oder 50 sei sowieso Pflicht, damit man sich beruflich bewegt. Unfug! Es ist Ihre individuelle Karriere und Entscheidung. Im folgenden Dossier finden Sie die wichtigsten Tipps, Fragen und Studien dazu…

Umsatteln im Job? Gründe gibt es immer

JobwechselStatistisch wechseln hierzulande pro Jahr etwa 3,4 Prozent der Beschäftigten den Job. Die knappe Mehrheit von 52 Prozent tut dies freiwillig, nahezu jeder Zweite (48 Prozent) muss jedoch unfreiwillig seine bisherige Position aufgeben und nach einer (drohenden) Kündigung den Arbeitgeber wechseln. Das ergab eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Darunter gibt es sicher auch Menschen, die glauben, das Gras nebenan sei immer grüner, die Parallelschlange im Supermarkt grundsätzlich schneller und auch im Stau landen sie gefühlt stets auf der Kriechspur. Stimmt aber nicht. Bei Stau und Supermarkt wissen Psychologen längst: alles Illusion. Und im Beruf gilt: Kein Job ist perfekt. Vielleicht werden sie durch einen Wechsel den nervigen Chef los, bekommen dafür aber einen Kotzbrocken als Kollegen. Haken gibt es überall.

Merke: Ein Jobwechsel ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie auf ein Ziel hinarbeiten. Er sollte jedoch nie aus einem Fluchtreflex heraus stattfinden.

Ohnehin ist es für die eigene Entwicklung oft viel besser, das Problem oder einen schwelenden Konflikt mit Kollegen erst zu lösen, bevor man weiterdenkt und -zieht.

Ebenso wenig sollte Geld das ausschlaggebende Motiv für eine Neuorientierung sein. Mag sein, dass Ihre Kosten gestiegen sind, dass Sie sich endlich ein größeres Auto leisten können wollen. Aber wer nur noch für Geld arbeitet, sägt am eigenen Ast auf dem er sitzt. Geld mag manche Sorgen mindern, es motiviert aber allenfalls kurzfristig und Leidenschaft lässt es erst recht nicht kaufen.

Überhaupt können die Motive für einen Jobwechsel ganz unterschiedlich sein. Natürlich geht es im Folgenden nicht exakt um dieses Alter, Motto: Kaum 30 muss der Jobwechsel sein. Vielmehr sind damit die jeweiligen Lebensabschnitte gemeint:

  • Jobwechsel mit 30: Oft der erste überhaupt und daher meist mit einem Aufstieg verbunden: mehr Gehalt, erste Führungsverantwortung. Das kann also auch ein interner Wechsel sein.
  • Jobwechsel mit 40: In der Regel begleitet von einer beruflichen Neuorientierung. Bisher lief alles gut, steter Aufstieg, spannende Herausforderungen, einige Erfolge. Auch privat sind die größten Meilensteine erreicht. Deshalb fragen sich viele jetzt: War das schon alles? – und schlagen mit dem Jobwechsel womöglich einen ganz neuen Karriereweg ein.
  • Jobwechsel mit 50: Viele schaffen es hierbei entweder ganz an die Spitze eines Unternehmens – oder überlegen, ob das vielleicht schon der letzte Wechsel in der Karriere sein könnte. Im zweiten Fall muss es also ein Job sein, den man noch gerne bis zum Renteneintritt ausübt und auch schaffen kann. Im ersten geben die Betroffenen noch einmal richtig Gas und krönen Ihre bisherige Laufbahn. So jedenfalls der Plan.

Gute Gründe, den Job zu wechseln

Daumenhoch_tSo oder so: Die drei obigen Beispiele wäre mehr oder weniger selbstgewählte Wechsel. Es gibt aber auch die anderen Motive und die fangen in der Regel mit Warnsignalen an: Morgens kommt man immer schwerer aus dem Bett, ab Mittag zählt man die Stunden rückwärts, und den Spaß an der Arbeit kennt man allenfalls aus der Erinnerung… Wer solche Symptome kennt, schlimmer noch: wer sie jede Woche erlebt, lebt bereits im Zustand der inneren Kündigung.

In einer solchen Situation sollte man die Ursachen genau analysieren und eventuell gegensteuern, falls das noch geht. Falls nicht: Die folgenden Gründe können durchaus für einen baldigen Jobwechsel sprechen.

  • Entwicklungsstillstand.

    Wenn Sie merken, dass Sie im aktuellen Job die Fahnenstange erreicht haben, dass Ihr Alltag zu 70 Prozent aus Routine und zu 30 Prozent aus Langeweile besteht, dann sollten Sie sich nach Alternativen umschauen. Aber auch nach internen. Nur bitte nicht gleich den Frust nach außen pellen. Das ist nicht nur unprofessionell – es ruiniert auch Ihren Ruf. Außerdem gilt: Wo Schatten ist, muss es auch Licht geben. Geht aber trotz bestem Willen nichts mehr in dem Laden, gehen besser Sie.

  • Der Job macht krank.

    Schon der Gedanke wieder ins Büro zu müssen, erfüllt Sie mit Angst. Zudem stellen sich immer mehr körperliche Symptome ein: Magen-Darm-Erkrankungen, Rückenschmerzen, häufige Kopfschmerzen, Erkältungsanfälligkeit… Das alles kann vom Stress kommen – es können aber auch Warnsignale Ihres Körpers sein, der sagt: Ich muss hier weg! Warum nicht auf den Körper hören? Sie haben nur den einen…

  • Sie passen nicht mehr ins Team.

    Weder sind Sie bereit, Ihre Werte noch Ihre Verhaltensweisen denen des Unternehmens anzugleichen. Und jedes Mal wenn Sie tun, was man von Ihnen erwartet, schlägt das schlechte Gewissen an. Ein deutliches Zeichen: Besser Sie gehen, bevor Sie in einen handfesten Skandal verwickelt werden.

  • Bei Sonderprojekten fragt man andere.

    Und zwar jüngere, weniger erfahrene Kollegen, während man Ihnen höchstens Standard-Aufgaben überträgt. Klarer Fall: Sie genießen nicht mehr das Vertrauen Ihres Vorgesetzten und sitzen auf dem absteigenden Ast. Wer tatsächlich zu den Leistungsträgern zählt, dem passiert so etwas nicht. Entweder, Sie starten sofort ein Comeback, das allen beweist, dass Sie es noch drauf haben, oder Sie ziehen die Reißleine – bevor es andere tun.

  • Das Unternehmen ist auf dem absteigenden Ast.

    Wem klar wird, dass er auf der Titanic arbeitet, hat zwei Optionen: Entweder, Sie spielen noch etwas Cello – oder sie suchen das nächstbeste Rettungsboot, bevor es voll ist. Das mag illoyal sein, läuft aber umgekehrt genauso.

  • Die Lebensumstände haben sich gravierend geändert.

    Die Familie ist gewachsen, Ihre Prioritäten haben sich verschoben oder Sie steuern in eine andere Zukunft als das Unternehmen – ab hier entscheidet Ihre Kompromissbereitschaft über den Fortgang der Karriere und den Aufenthalt im Unternehmen.

Jobwechsel machen gesund

Als Mats Liljegren und Kerstin Ekberg von der Universität Linköping in Schweden 662 Arbeitnehmer, darunter rund 30 Prozent Jobwechsler befragten, zeigte sich: Wer sich aktiv einen neuen Job gesucht hatte, war hinterher nicht nur glücklicher, sondern auch der Gesundheitszustand verbesserte sich danach deutlich. Bei jenen, die ausharrten, verschlechterten sich Gemütsverfassung und Gesundheit eher noch. Laut den Forschern ist der Hauptgrund für die Stimmungsaufhellung nach dem Jobwechsel aber nicht das Glück der neuen Betätigung, sondern vielmehr ein psychologischer Effekt: Die Betroffenen haben ihr Glück selbst in die Hand genommen – und das vermittelt ihnen Handlungskontrolle und damit Selbstsicherheit. Die Verharrer dagegen spüren nur die Ohnmacht, weiterhin der Willkür ausgeliefert zu sein.

Schlechte Gründe für einen Jobwechel

Daumenrunter_tEs gibt aber auch die andere Seite – schlechte Gründe, warum Sie bloß meinen, den Job wechseln zu müssen. Oder aber diesen Schritt nicht wirklich gründlich durchdacht und geplant zu haben…

  • Kleine Ziele.

    Bei allem, was man sich vornimmt, realistisch zu sein, ist kein Fehler. Es schützt vor Träumereien und Selbstbetrug. Manchmal ist aber auch falsch verstandener Realismus Selbstbetrug. Dann nämlich, wenn Sie sich von vornherein zu kleine Ziele stecken. Ein Beispiel: Eigentlich ist Ihr Traum, sich selbstständig zu machen. Weil Sie aber Angst vor der eigenen Chuzpe haben oder nicht an Ihren Erfolg glauben, versuchen Sie es erst gar nicht und suchen sich lieber einen Job mit größeren Freiheiten oder mehr Verantwortung. Doch – wen wundert’s – die Motivation hierfür hält nicht lange. Ergebnis: Sie wechseln und wechseln ohne jemals das eigentliche Ziel zu erreichen.

  • Schnelle Lösung.

    Viele suchen nur nach einer schnellen Lösung ihres Problems – und ergreifen die erstbeste Chance, die sich ihnen bietet. Fatal. Den richtigen Weg zu identifizieren, braucht meist Zeit. Wägen Sie also gründlich ab – und lehnen Sie auch mal ein Angebot ab. Vor allem: Haben Sie Geduld. Wer zu oft abbiegt, um seinen Kurs zu korrigieren, verschleißt sich nur. Und wer zu viel zu schnell auf einmal will, kommt langsamer voran.

  • Ignorierte Risiken.

    Je nachdem, was Sie anstreben, sind damit auch Risiken verbunden. Von denen sollten Sie sich zwar nicht ins Bockshorn jagen lassen, diese aber ernst nehmen. Sonst erleben Sie vielleicht eine böse Überraschung. Zu einem Jobwechsel gehört deshalb immer auch eine gute Vorbereitung.

  • Unbewusste Scheuklappen.

    Wenn Sie auf neue Bahnen schwenken, sich entsprechend vorbereiten, ergeben sich manchmal Gelegenheiten, die Sie bisher vielleicht gar nicht im Blick hatten. Oder nicht für möglich hielten. Es ist gut, sich seinem Ziel mit Haut und Haar zu verschreiben und dies konsequent zu verfolgen. Es wäre aber ein Fehler, bislang ungeahnte Abkürzungen zu ignorieren. Soll heißen: Bei aller Planungsliebe, behalten Sie sich einen Rest Flexibilität und Offenheit kurzfristig umzuschwenken.

Jobwechsel begründen: Kennen Sie diese Ausreden?

Schlechte Gründe erkennen Sie meist auch an typischen Ausreden, von denen sie begleitet werden und die viele dazu bringen, im (frustrierenden) Job zu verharren…

  • “Irgendwann geht es auch wieder bergauf.” – Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.
  • “Ich bin loyal.” – Eine gute Eigenschaft. Aber ist das Ihr Arbeitgeber auch – vor allem, wenn die Umsätze einbrechen oder Sie eine berechtigte Gehaltserhöhung einfordern?
  • “Wenn ich kündige, hat mein Chef erreicht, was er wollte (der Mistkerl)!” – Na und?! Wenn Sie bleiben, kann er Sie noch länger mobben. Was ist mehr Wert: Ihre Gesundheit und Karriere oder Ihr Stolz?
  • “Ich finde so schnell keinen neuen Job.” – Haben Sie es denn schon versucht? Und haben Sie es richtig versucht? Womöglich suchen Sie an der falschen Stelle oder stellen unmögliche Anforderungen.
  • “Wenn ich kündige, verliere ich mein Abfindung, meinen Dienstwagen, meinen Status.” – Warum arbeiten Sie hier: für das Geld oder aus Leidenschaft? Verwechseln Sie nicht Ursache mit Wirkung: Das Geld und Status sind Ergebnis Ihrer Leidenschaft und Leistung. Wenn Sie in Ihrem jetzigen Zustand verharren, verlieren Sie womöglich beides plus Ihre Reputation. Nur nicht Ihre Motivation, die sind Sie schon quit.
  • “Der Job ist einfach zu gut bezahlt.” – Das nennt man Schmerzzulage. Offenbar haben Sie aber bereits Ihre Schmerzgrenze erreicht, sonst würden Sie nicht über einen Jobwechsel nachdenken.
  • “Ich habe bis jetzt einfach zu viel in dieses Projekt investiert.” – Aber wird das auch honoriert?
  • “Jetzt schon zu kündigen, sieht schlecht im Lebenslauf aus.” – Zu bleiben und zu scheitern oder gar gekündigt zu werden, sieht noch schlechter aus.

Jobwechsel-Tipp: Machen Sie die 10/10/10-Analyse!

Bevor Sie einen Jobwechsel ernsthaft in Betracht ziehen, sollten Sie kurz innehalten und die sogenannte 10/10/10-Analyse machen. Die klingt nur kompliziert. Tatsächlich handelt es sich hierbei um drei Fragen, die Sie sich stellen sollten:

  • Wie werde ich über meine Entscheidung in 10 Minuten denken?
  • Wie werde ich über meine Entscheidung in 10 Monaten denken?
  • Wie werde ich über meine Entscheidung in 10 Jahren denken?

Ein simpler Trick, der Sie allerdings sofort erdet: Es ist normal, dass wir uns ab und an über unseren Job, die Kollegen und Umstände ärgern. Seine berufliche Laufbahn von einem kurzen Moment heftiger Wut abhängig zu machen, wäre jedoch töricht. Die Fragen öffnen den Tunnelblick und geben der Wahl eine relevante Perspektive. Und natürlich hilft die 10/10/10-Analyse nicht nur bei der Entscheidung für einen neuen Job, sondern in vielen anderen Lebenslagen auch.

Checkliste: 5 Fragen VOR dem Jobwechsel

bowie15/123rfWem die 10/10/10-Analyse zu simpel ist, sollte die folgende Fragenliste als eine Art Checkliste begreifen – insbesondere bei der Auswahl Ihres künftigen Berufs und Arbeitgebers:

  1. Wird mir der neue Job einen Kick geben? Die Frage zielt auf Ihre Motivation: Haben Sie wirklich genug Lust auf und Leidenschaft für diesen Job? Wenn nicht, werden Sie vermutlich auch nicht besonders gut darin sein. Das wiederum wäre schlecht für Ihre Karriere.
  2. Wird der Job meinen Horizont, meine Fähigkeiten erweitern? Hinter dieser Frage steckt letztlich Flow-Konzept. Demnach bleibt jeder Mensch dann maximal motiviert, wenn er im Job nicht unterfordert, aber minimal überfordert wird. Ein Beruf, in dem Sie schlauer und besser sind als alle anderen (vielleicht noch als der Chef), wird Sie auf Dauer langweilen und schon bald sehnen Sie sich nach einer Bürohängematte. Auch nicht gut.
  3. Wird dort Kollegen geben, die so ticken wie ich? Das neue soziale Umfeld kann den Jobwechsel entscheidend beeinflussen. Diverse Studien und Umfragen zeigen immer wieder: Die Kollegen sind das Wichtigste für unser Wohlbefinden. Stimmt die Chemie im Betrieb nicht, werden Sie sich jeden Morgen zur Arbeit quälen – und zwar unnötig und selbstverschuldet.
  4. Sollte ich noch mal den Job wechseln, wird mir dieser Türen öffnen? Die vierte Frage soll das Potenzial Ihres neuen Jobs klären. Machen Sie sich nichts vor: Wo immer Sie sich später bewerben, wird man nicht nur auf Ihre Erfolge im letzten Job achten, sondern auch darauf, ob Sie die in Kleinkleckersdorf oder bei einem namhaften Weltmarktführer erzielen konnten. Das ist vielleicht ungerecht, aber es ist die Wahrheit. Und es schadet nicht, sich vorher darüber Gedanken zu machen.
  5. Wenn ich den Job annehme: Wen mache ich damit glücklich? Dies Frage müssen Sie sich definitiv stellen. Die wenigsten Menschen sind in der Lage, ihre Entscheidungen ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer zu treffen. Vielleicht entscheiden Sie sich nur für den Job, weil Sie damit bei Freunden und Nachbarn (oder dem Partner) Eindruck machen. Vielleicht aber auch nur, um nicht mehr länger ohne Job und damit irgendwie als Loser dazustehen. Natürlich schließen wir alle immer wieder Kompromisse im Leben. Entscheidend aber ist, dass Sie diese bewusst treffen und damit in Frieden mit sich leben können.

PS: Eine noch ausführlichere Checkliste mit 55 bedenkenswerten Punkten können Sie sich HIER gratis als PDF herunterladen.

5 Typische Ängste von Wechselwilligen


Mein Job macht mir keinen Spaß mehr, aber Kredite und Familie machen mich abhängig von meinem Gehalt. Was kann ich tun?

Die Frage ist gefährlich gestellt, weil sie Abhängigkeit impliziert. Wer sich abhängig fühlt, verhält sich auch so – unfrei. Man merkt Ihnen irgendwann an, wenn der Elan fehlt und Sie sich an den Arbeitsplatz quälen. Das Resultat ist unkonzentrierte und unbefriedigende Arbeit, die keine Begeisterung auslöst – weder bei Ihnen, noch bei Ihren internen und externen Kunden. Stattdessen ist der richtige Ansatz der Spaß am Job und die daraus entstehenden Perspektiven. Wer Spaß hat, leistet mehr und befreit sich damit auch aus der Abhängigkeitsdenke. Ein Jobwechsel Richtung Zufriedenheit darf daher auch einen Gehaltsverzicht einschließen. Wo Spaß herrscht, stellt sich – über die entsprechende Leistung – auch das stimmige Gehalt mittelfristig ein. Im Übrigen hat auch Ihre Familie Besseres verdient, statt als Ausrede dafür herzuhalten, dass Sie in Erstarrung in einem frustrierenden Job verharren.


Wie gelingt der Quereinstieg auch in eine ganz andere Branche?

Grundsätzlich gilt: Je weiter sie sich von Ihrer alten Branche entfernen, desto erklärungsbedürftiger wird der Schritt. Das heißt, Sie müssen die eigenen Stärken sowie die Beweggründe für den Branchenwechsel viel intensiver kommunizieren. Beidem kommt im Bewerbungsprozess ein besonderer Stellenwert zu. Dazu müssen Sie Ihre fachlichen und persönlichen Kompetenzen gut kennen. Und Sie müssen wissen, welche davon und warum Sie für die neue Branche attraktiv und interessant sind. Einen möglichen Mehrwert wiederum können Sie etwa durch erprobte Problemlösungskompetenz sowie Zusatzqualifikationen dokumentieren. Der Grund, weshalb der Quereinstieg schwierig ist, liegt weniger beim Bewerber, vielmehr sind es die Unternehmen, die häufig einen Branchenkenner bevorzugen. Deshalb ist ein gezieltes und gut vorbereitetes Vorgehen wichtig, um eventuelle Vorurteile auszuräumen.


Wie bewirbt man sich unauffällig aus dem aktuellen Job heraus?

Nutzen Sie zunächst Ihr persönliches Netzwerk. Dazu bieten sich beispielsweise Gespräche mit Ex-Kollegen oder ehemaligen Vorgesetzten an, die bereits zu einem anderen Arbeitgeber gewechselt haben und möglicherweise Perspektiven aufzeigen können. Auch Bekannte und Freunde aus der Studienzeit können helfen, sich diskret zu bewerben. Wenn Sie hingegen auf Stellenanzeigen reagieren oder selbst eine Initiativbewerbung verfassen, sollten Sie unbedingt selektiv vorgehen, damit Ihr Vorgesetzter und die Personalabteilung davon keinen Wind bekommen.


Wie mache ich Headhunter auf mich aufmerksam?

Wenn sie einen exzellenten Erfolgsweg vorweisen können, scheuen sie sich nicht, direkt mit dem Headhunter Kontakt aufzunehmen. Dabei ist wichtig: Finden Sie einen Personalberater, der auch in Ihrer Branche heimisch ist. Einer der nur die Automobilindustrie betreut, wird mit einem Top-Banker nichts anfangen können. Analysieren Sie dazu die Internetseiten der Personalberatungen, dort sind die einzelnen Top-Berater meist detailliert aufgeführt. Ansonsten: Fragen sie Freunde oder vertraute Kollegen, ob die Ihnen einen seriösen Headhunter empfehlen können. Der Erstkontakt zu dem Personalberater erfolgt idealerweise per E-Mail – aber ohne Dateien von mehreren Megabyte anzuhängen. Rufen Sie an, wenn sie sich bereits kennengelernt haben oder ein gemeinsamer Bekannter eine Empfehlung für Sie ausgesprochen hat. Ansonsten belassen sie es bei der E-Mail. Headhunter sind keine Outplacement-Berater. Wenn Sie interessant für ein Projekt sind, wird Sie der Berater schnellstmöglich kontaktieren. Vielleicht dauert es aber auch einige Monate. Deshalb sollten Sie schon frühzeitig ein gutes Verhältnis zu den für Sie relevanten Headhuntern aufbauen. Dann hat er Sie schon auf dem Radarschirm, bevor Sie wechseln wollen.


Wie begründe ich meine Wechselabsicht im Gespräch mit potenziellen Arbeitgebern?

Über ihre Absichten sollten Sie sich klar und wahr äußern. Neben dem Reiz der neuen Position, gibt es eine Fülle legitimer Gründe, warum ein Kandidat ein Unternehmen verlassen möchte. Sich bei diesem Aspekt durchmogeln zu wollen, bringt nichts. Sollte es beim aktuellen Arbeitgeber knirschen, bringen Berater und Referenzen die Wahrheit doch ans Licht. Es ist keine Schande, etwa über die Zusammenarbeit mit einem neuen Vorgesetzten nicht glücklich zu sein, sofern dies gut und glaubwürdig dargestellt wird. Ebenso könnten Sie mit veränderten Rahmenbedingungen, wie Restrukturierung, Verkauf, Private Equity Beteiligung, konfrontiert werden, mit denen Sie nicht einverstanden sind. Es wäre Zynismus zu glauben, gute Leute kämen immer und in jeder Organisation nach oben. Manchmal gelingt auch exzellenten Managern der letzte Karriereschritt nicht im eigenen Unternehmen. Dass solche Personen dann wechselbereit sind, kann ein neuer Arbeitgeber nachvollziehen. Bei der Darstellung Ihrer Gründe ist jedoch Sachlichkeit angebracht: Potenzielle Arbeitgeber interessieren keine emotionalen Details. Und ein guter Grund für Wechselabsichten ist immer, dass das neue Angebot einfach besonders attraktiv ist.

PS: Falls Sie Ihren Jobwechsel begründen müssen, sollten Sie diese Fragen beantworten können:

  • Können Sie fünf Ihrer stärksten Kompetenzen aufzählen?
  • Können Sie fünf positive Charaktereigenschaften nennen, die Ihre Persönlichkeit am besten beschreiben?
  • Können Sie ein bis drei Schwächen identifizieren – und sagen, was Sie dagegen unternehmen?
  • Können Sie drei Erfolge aus dem vergangenen Jahr beschreiben und belegen?
  • Können Sie beschreiben (und quantifizieren), welchen Mehrwert Sie Ihrem neuen Arbeitgeber bieten?
  • Können Sie die angestrebte Position beschreiben (theoretisch) und begründen, warum diese optimal zu Ihnen passt?
  • Können Sie erklären, warum es Sie zu dem neuen Arbeitgeber hinzieht (und nicht nur von dem alten weg)?

Umsatteln: In 8 Schritten zum neuen Job

Sobald Sie schließlich den Entschluss gefasst und sich definitiv für eine berufliche Neuorientierung entschieden haben, geht die eigentliche Arbeit erst los. Die folgenden Schritte zeigen, was jetzt zu tun ist:

Aktiv werden. Während der Arbeitssuche preist man sich an, wie bei einer Marketing- oder Verkaufskampagne. Arbeiten Sie hartnäckig und beständig bei Ihrer Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Dafür reichen ein bis zwei Stunden am Tag nicht aus. Eher sind es 20 Stunden pro Woche. Diese Zeit sollten Sie aber nicht nur hinter dem Computer verbringen. Gehen Sie raus und treffen Sie sich mit Freunden und Bekannten. 60 bis 70 Prozent der Stellen werden durch persönliche Empfehlungen besetzt. Ein gutes Gespräch mit einem Ihrer Kontakte kann daher genauso viel Wert sein, wie 200 Bewerbungsschreiben.
Warm vernetzen. Pflegen Sie Beziehungen zu sogenannten warmen Kontakten. Warme Kontakte sind Menschen, die Sie mögen, denen Sie vertrauen und die Sie respektieren. Nehmen Sie Kontakt zu diesen Menschen auf, egal wo sie leben oder was sie machen. Erzählen Sie ihnen, dass Sie auf der Suche nach einem neuen Job sind, denn warme Kontakte können wie Jobsuchmaschinen funktionieren.
Fremde kennenlernen. Sie lernen jemanden kennen, der jedoch nicht in Ihrem beruflichen Feld tätig ist? Dann verabschieden Sie sich nicht vorschnell von diesem Menschen. Lernen Sie ihn kennen. Machen Sie ihn dezent (!) auf Ihre Jobsuche aufmerksam. Studien haben gezeigt: Die meisten Vermittlungen entstehen über diese sogenannten losen Verbindungen.
Fragen stellen. Fragen Sie Ihre Kontakte nach Hilfe. Auch wenn Sie sich genieren. Wie sonst können andere auf Ihre Jobsuche aufmerksam werden und Ihnen helfen? Achten Sie bei Ihrer Frage aber darauf, dass Sie sie speziell zu Ihrer Jobsuche stellen. Zum Beispiel: “Kennst du jemanden, der im Bereich XY arbeitet und vielleicht Zeit hat, mit mir zehn Minuten dazu zu telefonieren oder mit dem ich ein paar E-Mails austauschen kann?” Bei einer so direkten Frage, muss der Gefragte erst einmal kurz überlegen und wird Sie nicht vorschnell mit einem “Nein” abspeisen.
Klar formulieren. Damit die Leute Ihnen helfen können, müssen sie Sie verstehen. Formulieren Sie Ihre Interessen in schriftlichen und mündlichen Varianten daher keinesfalls in Fachchinesisch. Ihre Freunde werden Sie ansonsten nicht verstehen. Bleiben Sie bei einfachen Sätzen, die auch ein Normalsterblicher versteht.
Realistisch bleiben. Viele Menschen versuchen Ihre Bewerbung zu pimpen, indem sie stundenlang vor ihrem PC sitzen und tüfteln, statt sich Feedback von Freunden und Verwandten einzuholen. Verfassen Sie eine gute Bewerbung, aber versuchen Sie nicht, es gleich perfekt zu können. Sie müssen die Empfänger des Bewerbungsschreiben mit Ihrem persönlichen Anschreiben und dem eigenen Lebenslauf neugierig machen, nicht endgültig überzeugen. Verwenden Sie auf Erstes Ihre Energie und Kreativität.
Verantwortung übernehmen. Oftmals sind wir davon überzeugt, dass andere für die eigene, schlechte Jobsituation verantwortlich sind. Doch das ist nur ein Schutzmechanismus. Allerdings auch einer, der Ihren Erfolg behindert. Tatsächlich sind Sie zu 100 Prozent allein für Ihr Handeln verantwortlich. Diese Erkenntnis kann schmerzhaft sein. Aber nur auf diesem Wege werden Sie verstehen, dass Sie der Taktgeber für Ihre Karriere und Ihre Jobsuche sind.
Alternativen einplanen. Es ist richtig, sich beim Jobwechsel Pläne zu machen und auch ein bisschen zu träumen. Oft empfiehlt es sich aber, parallel auch einen Plan B zu machen. Das kann nicht ebenso ein alternativer Weg zum Ziel sein wie auch ein völlig neues Ziel selbst. Denn erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt.

All diese Schritte bilden letztlich einen grob Leitfaden für Sie, den Sie aber individuell verfeinern sollten. Jeder mit einem Ziel kann auch einen Weg finden, dieses zu erreichen. Die Frage, wann es erreicht wird, hängt indes einzig und allein davon ab, wie gut ihr Plan ist und die Vorbereitung war.

Männer profitieren vom Vitamin B mehr als Frauen

wavebreakmedia/shutterstock.comBei der Jobsuche kommt es bekanntlich weniger darauf an, was man weißt, dafür umso mehr, wen man kennt. Das berühmte Vitamin B – es hilft allerdings nicht allen gleichermaßen, wie jetzt eine Studie der North Carolina State Universität herausgefunden hat. Danach profitieren Männer von solchen Beziehungen deutlich mehr als Frauen. Für die Untersuchung werteten die Forscher um Steve McDonald die Datensätze von mehr als 12.000 Personen aus und welche Rolle deren Erfahrungen und Fachwissen beziehungsweise deren soziale Kontakte beim Jobwechsel hatten. Resultat: Aufgrund ihrer meist stark spezialisierten Tätigkeiten, sammelten die Männer ebenso hoch spezialisierte Kontaktgruppen, die Frauen aber nicht. Hinzu kam: Suchen Männer einen neuen Job, neigen sie um zwölf Prozent stärker dazu, für den Jobwechsel ihre Beziehungen spielen zu lassen. Die Frauen hingegen sahen darin deutlich seltener Vorteile für sich, wählten eher informelle Wege – und fanden wesentlich schlechter eine neue Stelle.

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