“Ich habe gestern noch 100 Bewerbungen fertig gemacht!”, verkündet die Teilnehmerin meines Bewerbungstrainings stolz und will dafür gelobt werden. Doch ich muss passen. So verständlich die Vorgehensweise aus ihrer Sicht ist – sie sucht wirklich dringend einen Job – so sinnlos ist sie auch. Wer aus blanker Not oder purer Bequemlichkeit Massenware versendet, scheitert im Regelfall auch massenhaft. Es ist, als wolle man mit Schrot einen Blattschuss landen. Unpersönliche, unspezifische und ungewollte Offerten landen aber bei den meisten Unternehmen direkt im Papierkorb.

Dabei sind Initiativbewerbungen durchaus sinnvoll – wenn man sie richtig einsetzt. Schließlich wird nur ein Drittel der offenen Stellen ausgeschrieben. Wer die richtigen Kanäle nutzt, Aufmerksamkeit weckt und passende Angebote macht, findet den Rest. Wer sich dann noch überlegt, wo und wie er punkten kann, gezielt vorgeht und auf Klasse statt Masse setzt, kommt seinem Ziel ganz nahe. Dafür muss er noch nicht Mal Unterlagen verschicken – sondern sich offen zeigen und Beachtung gewinnen. Und hier sind drei Strategien dafür:

Strategie 1: Netzwerken

Die meisten offenen Stellen werden über Beziehungen vergeben, weil jeder Personaler eher auf Empfehlungen anderer Manager oder seiner Mitarbeiter vertraut, statt aufs Geratewohl jemanden einzustellen. Das spart nicht nur Kosten für Stellenausschreibung und Bewerberauswahl, sondern minimiert auch das Risiko und die eigene Unsicherheit.

Umgekehrt schränkt das freilich auch die Auswahl ein. Damit Sie zum Zug kommen, müssen Sie gemeinsame Bekannte haben oder mit den Mitarbeitern gut stehen, sofern Sie den Entscheider nicht sowieso persönlich kennen.

Natürlich müssen Sie Ihr Netzwerk pflegen, um dem Chef auch empfohlen zu werden – lange bevor Ihre Bewerbung virulent wird: Hier Mal nach dem Befinden erkundigt, da Mal einen Hinweis gegeben, und natürlich immer die besten Wünsche zu allen möglichen Anlässen geschickt. Mehr braucht es nicht, um in positiver Erinnerung zu bleiben. Wer dagegen erst dann auf Andere zugeht, wenn die für ihn etwas tun sollen, tut sich langfristig keinen Gefallen.

Erfolgreich für Ihre Ziele nutzen Sie die Netzwerke, indem Sie Ihre Partner mit Informationen versorgen, was Sie aktuell gerade tun und was Sie so alles drauf haben. Wenn Sie Kostproben Ihres Könnens abgeben können: nur zu! Kompetenz plus Sympathie befördern Ihre Chancen auf eine Empfehlung ungemein. Waren Sie einem Netzwerkpartner einmal hilfreich, wird er auch Sie gerne bei der Jobsuche unterstützen, indem er die Informationen in sein Netzwerk weiterleitet.

Um diese Möglichkeit nutzen zu können, müssen Sie klären, wer Ihnen wie nützlich sein könnte. Welche Mitglieder Ihres Netzwerks haben Kontakt zum Wunschunternehmen – direkt oder um mehrere Ecken? Erste mögliche Mittelsmänner sind Familienmitglieder, Freunde und Arbeitskollegen – aktuelle wie ehemalige. Aber auch frühere Kommilitonen, Mitarbeiter von Kunden und Lieferanten und natürlich Kollegen aus anderen Unternehmen Ihrer Branche – bevorzugt natürlich die von Ihrem Wunscharbeitgeber.

Oder Sie gehen online auf die Suche: Virtuelle Netzwerke wie XING, LinkedIn oder Google+ bieten die Gelegenheit, sich mit Mitarbeitern des Wunschunternehmens gezielt zu vernetzen. XING bietet außerdem die Möglichkeit, durch rege Mitarbeit in Gruppen seine Expertise zu zeigen. Netter Nebeneffekt: Über die ausgereifte Suchfunktion finden nicht nur Sie Ihre Netzwerkpartner, sondern auch interessierte Personaler und Headhunter ebenso Sie.

Strategie 2: Sichtbar machen

Natürlich können Sie sich im Netz auch mit einem eigenen Blog oder reger Mitarbeit in Foren als Experte präsentieren. Wenn das Thema Ihrer Wahl auch für Unternehmen von Bedeutung ist, werden die ganz schnell auf Sie aufmerksam – und kommen dann gern auf Sie zu. Dafür müssen Sie nicht Mal zu erkennen geben, dass Sie auf der Suche nach einer Stelle sind, denn als Experte sind plötzlich Sie gefragt – auch wenn Sie aktuell (noch) woanders in Lohn und Brot sind.

Im realen Leben zeigen Sie Expertise durch Vorträge und Seminare. Kammern und Verbände suchen zum Beispiel regelmäßig Redner zu Themen, die für Ihre Mitglieder von Interesse sind. Ans breitere Publikum wenden sich die Bildungseinrichtungen von Kirchen, Parteien und Gewerkschaften. Wenn Sie Ihr Wissen gar didaktisch aufbereiten und weitergeben können, sind Ihre Ansprechpartner Akademien und Volkshochschulen. Je marktfähiger Ihr Thema ist, desto interessanter werden Sie für Unternehmen.

Wesentlich einfacher und auch für Nicht-Experten geeignet ist die Selbstpräsentation auf Messen. Dort informieren Sie sich bei den Firmen, für die Sie sich interessieren. Zunächst unverbindlich, ohne dass das Wort “Stellensuche” überhaupt fällt. Natürlich wird der Firmenvertreter trotzdem wissen wollen, woher Ihr Interesse rührt: Sagen Sie’s ihm! Aber erst auf Nachfrage. Das ist souveräner. Geeignetes Mittel dafür ist der Elevator Pitch: eine knackige Kurzpräsentation, die Qualifikation, Motivation und Intention auf den Punkt bringt.

Strategie 3: Angebote unterbreiten

Die schriftliche Initiativbewerbung hat noch nicht ausgedient – auch wenn der Trend zu digitalen Medien geht. Nur bitte nie per Massensendung bewerben, sondern indem Sie sich interessanten Unternehmen als Problemlöser präsentieren. Ganz wichtig ist, dass Sie aus Kundensicht argumentieren – warum Sie dort gern arbeiten würden interessiert erst Mal nicht. Weil es keine Stellenanzeige gibt, müssen Sie den Bedarf Ihres Wunscharbeitgebers selbst recherchieren – indem Sie Ihr Netzwerk befragen, den Firmenstand auf der Messe besuchen oder einfach dort anrufen und fragen, was der ideale Bewerber für eine bestimmte Stelle denn so mitbringen müsste.

Werden Sie dann gefragt, warum Sie sich so engagieren wollen, sind Sie wieder mit Ihrer Kurzpräsentation dran – und damit gleich mitten im Vorstellungsgespräch. Meistern Sie das mit Bravour, besteht echtes Interesse an Ihrer Person und die Aufforderung, Ihre Unterlagen einzuschicken, bedeutet, das Sie schon mit einem Bein in der Tür stehen. Die anschließende schriftliche Bewerbung muss dann dem Personaler noch einmal zeigen, was er gewinnt, wenn er Sie einstellt. Falls Sie sich das nicht zutrauen, können Sie gern auf unsere Vorlagen zurückgreifen.

Alternativ können Sie auch erst ein unverbindliches Arbeitsangebot einreichen, in dem Sie Ihr generelles Interesse bekunden, dort zu arbeiten. Aber nur bei Firmen, die prinzipiell Bedarf haben. Etwa eine Woche später fassen Sie dann noch einmal nach. Fragen, ob Ihr Angebot angekommen ist und ob Interesse besteht. Das ist ganz wichtig, weil Ihr Angebot oft erst dann ernst genommen wird. Spätestens jetzt wird es wirklich unter die Lupe genommen und Sie erfahren, ob Sie in absehbarer Zeit den üblichen Bewerbungsprozess durchlaufen.

Selbst wenn nichts daraus wird, nutzen Sie die Gelegenheit und erfragen Sie, woran Sie gescheitert sind. Meist hat das Unternehmen aktuell einfach keinen Bedarf und die Ablehnung ist keine Geringschätzung Ihrer Qualifikation. Und wenn die Gründe dafür doch bei Ihnen liegen, erfahren Sie, was Sie beim nächsten Mal besser machen können.

Und das ist tausendmal besser, als viel Papier in Umlauf zu bringen.