StockLite/Shutterstock.comVorstellungsgespräche dauern in der Regel zwischen 30 und 60 Minuten. 30 Minuten sind dabei allerdings eher die Unteruntergrenze, also wenn es eher schlecht läuft. Wenn es gut läuft, dauern sie tendenziell länger. Entsprechend bleibt viel Zeit zum Reden – oder Labern.

Es gibt Menschen, die reden viel, sagen aber nichts. Zumindest nichts Relevantes. Statt eines flammenden Plädoyers für ihre Motivation und Worten, die vor Inspiration und Engagement nur so sprühen, kommen ihnen in selbstquälerischer Hingabe Sätze über die Lippen vom Typ Besinnungsaufsatz: “… und dann … und dann … und dann …” Sagen wir es, wie es ist: Labern im Vorstellungsgespräch ist ein Jobkiller.

Labern Sie sich schon um Kopf und Karriere?

ollyy/shutterstock.comTypischerweise verlaufen Jobinterviews in fünf Phasen:

  1. Smalltalk (5 Minuten)
  2. Selbstpräsentation (15 Minuten)
  3. Unternehmensvorstellung (10 Minuten)
  4. Rückfragen (10 Minuten)
  5. Abschluss (5 Minuten)

Dabei gilt es dann, möglichst authentisch zu sein und Kraft der vorbereiteten Argumente und mittels Lebenslauf im Vorstellungsgespräch zu überzeugen. Ein hoher Anspruch, Nervosität ist da programmiert…

Und genau dann passiert es: Statt sich kurz zu fassen, reden sich Bewerber die Nervosität einfach weg – und den Job gleich dazu.

Und zwar aus zwei Gründen:

  • Relevanz. Statt auf den Punkt zu kommen, reihen sie zahlreiche irrelevante Informationen aneinander, Motto: viel hilft viel. Stimmt aber nicht. Was beim Personaler hängen bleibt ist stattdessen: Konfuser Kopf! Der schafft es ja nicht mal, sein eigenes Leben zu analysieren, zu strukturieren und die relevante Substanz herauszuschälen.
  • Konsistenz. Die Variante zwei wirkt noch desaströser: Durch die zu vielen Informationen wird die vorher zurechtgelegte stimmige Erfolgsgeschichte vom Toptalent plötzlich brüchig. Es gibt auf einmal Widersprüche, und dem Personaler kommen erste Zweifel. Und im Zweifel gilt: contra reo. Schließlich warten da draußen noch andere, glaubhaftere Kandidaten.

Zügeln Sie Ihre Zunge!

Um im Bewerbungsgespräch zu brillieren, gilt es die richtige Balance zu finden:

  • zwischen Selbstanpreisung einerseits und einem Rest Spekulationsfläche andererseits,
  • zwischen sachlicher Präzision und persönlichem Einblick.

Dabei will Ihr Gegenüber vor allem den Menschen hinter der Standardbewerbung kennenlernen, die Fakten kennt er ja bereits aus dem Lebenslauf. Doch wäre es grundverkehrt, aus lauter Nervosität gleich einen Seelenstriptease hinzulegen.

Sparen Sie also mit Worten. Aber nicht geizen!

Maulfaule, denen die Sätze schon auf der Zunge verdorren, sind auch nicht gerade Personalers Liebling. Seine Worte wohl zu dosieren, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – das überzeugt.

Wie das geht? Etwa so…

  • Konzentrieren Sie auf die Fragen des Interviewers. Klingt banal, machen aber gar nicht so viele und beantworten irgendwas – nur nicht die Frage. Wenn er Sie also nach bisherigen Karrierestationen fragt, antworten Sie in knappen Beispielen, kurz und knackig, nicht mehr. Fragen Sie lieber hinterher: “Ist Ihre Frage damit beantwortet oder möchten Sie noch mehr Beispiele?” So entsteht ein Dialog.
  • Legen Sie sich vorher knackige Anekdoten zurecht. Spontaneität ist gut, bleibt aber Profis vorbehalten. Der Rest sollte sich vorbereiten: Überlegen Sie sich, welche Fragen kommen können. Und dann suchen Sie sich gleich dazu ein paar amüsante wie relevante Beispiele aus Ihrem bisherigen Lebenslauf. Komprimieren Sie diese auf ein wesentliches Extrakt. Fünf bis zehn Minuten sollte keiner darüber erzählen, sonst wird’s Geschwafel. Dann lieber mehr Beispiele.

EXTRA-TIPP

Nutzen Sie mehr rhetorische Pausen. Sie dürfen zum Nachdenken ruhig schweigen. Die meisten glauben, Pausen ließen sie irgendwie dumm aussehen oder wären peinlich, weil man nicht sofort eine Antwort weiß. Fehler! Das Gegenteil ist richtig: Sie labern eben nicht drauflos, sondern denken erst einmal nach, bevor Sie etwas sagen… Chapeau!

Überzeugen im Vorstellungsgespräch: Warnzeichen, dass Sie langweilen

Rakov Studio/ShutterstockDie meisten Kandidaten öden ihr Gegenüber gar nicht mal mit Absicht an. Überdruss entsteht selten zu Beginn eines Gesprächs, er entwickelt sich erst im Laufe desselben. Umso wichtiger ist es, die subtilen Signale rechtzeitig zu erkennen, die Ihr Gegenüber aussendet, sobald sein Hirn auf Standby schaltet.

Beobachten Sie also die Körpersprache des Personalverantwortlichen und erkennen Sie die Warnsignale, dass Sie bereits labern…

  • Einsilbigkeit. Sobald Ihr Gesprächspartner aufhört, Rückfragen zu stellen und nur noch zustimmend nickt oder “Hm, hm” und “Ja, ja” murmelt, sollten Ihre Alarmglocken klingeln. Hier hat jemand innerlich abgeschaltet und ist gedanklich bereits zuhause oder im nächsten Bewerbungsgespräch.
  • Abwenden. Der Körper lügt nie. Menschen, die sich aufmerksam belauschen, sich sympathisch finden und füreinander interessieren, halten Blickkontakt oder synchronisieren gar ihre Körpersprache. Dreht sich der Personaler jedoch immer wieder dem Raum zu, schaut aus dem Fenster oder kontaktiert öfter die ebenfalls anwesenden Kollegen, sagt er nonverbal: Kann mich mal bitte jemand erlösen?!
  • Blinzeln. Etwa alle 20 bis 30 Sekunden blinzeln unsere Augen, um Tränenflüssigkeit auf dem Auge zu verteilen und Schmutz wegzuwischen. Es ist ein körperlicher Reflex, dem man kaum Beachtung schenkt. Zu unrecht! Augen sind besonders verräterisch: Wer redet, blinzelt häufiger als einer, der schweigt. Ist das umgekehrt, dürfen Sie davon ausgehen, dass sich der Zuhörer langweilt.
  • Unterbrechen. Jemandem ins Wort zu fallen, ist grob unhöflich. Es ist aber auch ein starkes Indiz dafür, dass Ihre Sätze gerade so inspirierend wirken wie Taubenkacke. Immerhin: Ihr Gegenüber hat noch so viel Interesse an Ihnen, dass er oder sie das Gespräch auf ein interessanteres Feld zu lenken versucht. Geben Sie ihm und sich diese Chance!
  • Einfallslosigkeit. Ihr Gegenüber wechselt häufiger die Sitzposition, macht sich kaum noch Notizen? Wer sich langweilt, wird nicht mehr nachhaken und Sie zum Beispiel fragen: „Was genau meinen Sie damit?“ Oder Sie auffordern: „Erzählen Sie doch mal, wie das passiert ist!“ Einige höfliche Menschen, tarnen ihren Überdruss zwar mit kleinen Rückfragen, verräterisch ist dafür umso mehr die Art der Fragen: Je einfallsloser, desto gelangweilter.
  • Gähnen. Das kann ein Alarmsignal sein, muss aber auch nicht. Manche Menschen gähnen einfach nur, weil sie müde sind und letzte Nacht zu kurz geschlafen haben. Wenn aber die obigen Indizien noch dazu kommen, spricht das für den Verdacht, dass Sie labern und langweilen.

Da hilft nur eines: Kommen Sie sofort zum Punkt oder brechen Sie Ihren Monolog ab.

Selbst Wechseln in die Metaebene ist erlaubt: “Pardon, langweile ich Sie?” Das zeigt zumindest, dass Sie ein empathischer Kandidat sind – und lernwillig.

Der wichtigste Tipp zum Schluss

Nachdem sie es mit Bravour durch das Jobinterview geschafft haben und der Personaler weiterhin Sympathie und Interesse bekundet, brechen bei einigen Kandidaten die Dämme. Wie nach einer Klausur, die man gerade abgegeben hat, fällt aller Stress und jegliche Disziplin von ihnen ab und sie kommen ins Plappern und Plaudern. Riesenfehler!

Wer bis dahin vielleicht noch als richtig cooler und souveräner Bewerber galt, der weiß was er kann, will und wert ist, degradiert das Vorstellungsgespräch durch sein Abschlussgelaber zur bloßen Bühnenshow. So mancher hat sich schon in den letzten fünf Minuten abgeschossen, indem er den bisher glänzenden Auftritt und sich selbst entzauberte.

Deshalb, daher und darum: Halten Sie die Körperspannung und die Zunge im Zaum, solange Sie auf dem Firmengelände sind. Reden ist zwar nur Silber – aber Labern schon Blech.

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