Lernen lohnt sich: Eine längere Ausbildung zahlt sich auch beim Gehalt aus. Laut einer IAB-Studie bringt ein zusätzliches Jahr Bildung später ein Gehaltsplus von fünf Prozent. Doch das ist natürlich ein relativer Wert – abhängig vom Fixgehalt. Daher stellt sich schon die Frage: Was können Akademiker und Hochschulabsolventen aktuell verdienen – wie hoch liegen die Einstiegsgehälter 2013? Eine aktuelle Studie gibt einen Überblick…
Um es kurz zu machen: rund 3400 Euro im Monat, brutto, ohne Sonderzahlungen – so hoch liegt das derzeitige Durchschnittsgehalt von Hochschulabsolventen. Allerdings variieren die Einstiegsgehälter stark – je nachdem, welcher Abschluss vorliegt und wo dieser erworben wurde. So können promovierte Berufsanfänger bereits im Schnitt mit einem Monatsbrutto von rund 4220 Euro starten, während die Absolventen mit einem Masterabschluss von der Uni mit rund 3680 Euro rechnen können. Wer dagegen nur einen Bachelor von der Fachhochschule besitzt, muss sich eher mit rund 3300 Euro begnügen. Der Bachelor von der Uni bringt sogar noch weniger: im Schnitt nur 2880 Euro. Siehe auch die folgende Tabelle:
Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen 2013
| Abschluss | Monatsgehalt* |
|---|---|
| Promotion | 4222 |
| Master (Uni) | 3682 |
| Master (FH) | 3563 |
| 2. Staatsexamen | 3490 |
| Diplom (Uni) | 3415 |
| Bachelor (FH) | 3301 |
| Diplom (FH) | 3283 |
| Bachelor (Uni) | 2889 |
| Magister | 2618 |
| Durchschnitt | 3401 |
*in Euro, brutto, ohne Sonderzahlungen
[Quelle: Lohnspiegel.de, Studie]
Beim Blick auf die einzelnen Professionen und Berufe liegen indes derzeit die Elektroingenieure klar vorn: Sie verdienen im Schnitt 4540 Euro im Monat. Danach kommen schon die Wirtschaftsingenieure mit rund 4290 Euro. Auch die Diplomkaufleute liegen mit rund 3750 Euro immer noch über dem Durchschnitt, ebenso die Juristen mit 3730 Euro, wie die Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung (Online-Befragung von rund 4300 Hochschulabsolventen) zeigt.
Wie so oft belegen auch dieses Jahr wieder Soziologen die unteren Ränge: 3010 Euro landen am Monatsende auf auf der Gehaltsabrechnung, Sozialpädagogen sehen sogar nur rund 2760 Euro darauf und die Architekten bilden das Schlusslicht: 2460 Euro.
Deutliche Gehaltsunterschiede
Die Diskrimminierung der Frauen macht sich leider schon bei den Berufseinsteigern bemerkbar: Zwar sind rund 40 Prozent der Absolventen Frauen, ihre Einstiegsgehälter liegen aber im Schnitt 19,4 Prozent unter denen der Männer – ein Minus von rund 713 Euro im Monat.
Auch liegen die Einstiegsgehälter der Hochschulabsolventen in Westdeutschland deutlich über denen ihrer Ex-Kommilitonen im Osten: 3537 Euro zu 2861 Euro – ein Gefälle von 19 Prozent.
Am stärksten aber machen sich die Gehaltsunterschiede bei den einzelnen Branchen bemerkbar. Wer ein möglichst hohes Einkommen erzielen will, sollte daher unbedingt im Bankensektor anfangen. Hier liegen die Erstgehälter bei rund 4400 Euro. Der Spitzenplatz.
Auch im Fahrzeugbau wird gutes Geld bezahlt. Hier erzielen Absolventen im Schnitt ein Monatsbrutto von 4380 Euro, in der chemischen Industrie sind es noch rund 4350 Euro.
Schon knapp 1000 Euro weniger sind es in der Datenverarbeitung (3525 Euro), bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen (3330 Euro) und in der öffentlichen Verwaltung (3300 Euro). Am wenigsten verdienen Berufseinsteiger in der Bauwirtschaft (2990 Euro), bei Verlagen (2970 Euro) sowie im Bereich Kultur/Sport/Unterhaltung (2650 Euro).
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Volker
Eine Diskriminierung wäre es für mich, wenn die Elektroingenieurin 20% weniger bekäme als der Elektroingenieur. Ist das so? Oder werden hier (wie sooft bei anderen ebenfalls) Äpfel mit Birnen verglichen? Also z.B. der männliche Elektroingenieur mit der weiblichen Sozialpädagogin? Dass z.B. BWLer in der deutschen Großbank nur aufgrund des Geschlechts 20% Gehaltsdifferenz aufweisen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Da passt ja schon allein der Betriebstrat auf. Von daher möchte ich um vorsichte Verwendung des Begriffs Diskriminierung bitten.
Dafür, daß Mann und Frau sich unterschiedliche Berufe und Studiengänge auswählen, kann niemand was, nicht mal die Männer. ;)
S.Bauer
Habe gerade die Studie überflogen. Speziell zum Thema, ob Frauen vom Gehalt her tatsächlich diskriminiert werden oder nicht hätte ich mir nähere Angaben zur verwendeten Methodologie gewünscht.
Es ist nämlich die Frage, ob Frauen wirklich wegen ihres Geschlechtes weniger verdienen, oder eher deshalb weil sie sich vermehrt in schlechter bezahlten Berufen und Branchen tummeln.
So ist z.B. Bereiche wie Banken, Automobil oder Chemie immer noch überwiegend Männerdomäne, während Frauen lieber in den Sozialbereich gehen oder Architektin werden.
Um wirklich eine Aussage treffen zu können, ob Frauen tatsächlich wegen ihres Geschlechts diskriminiert werden, müsste dieser Effekt herausgerechnet werden; man müsste direkt die Gehälter von Frauen und Männern in äquivalenten Branchen vergleichen.
Die Studie hat aber wohl nur ganz allgemein die Mittelwerte der Einstiegsgehälter von Frauen und von Männern miteinander verglichen. Ich vermute ganz schwer (auch aus Beobachtungen aus meiner Branche, die IT, wo die leider immer noch zu wenigen Frauen definitiv *nicht* 19% weniger verdienen als Männer), daß der Einkommensunterschied sich erheblich verringern oder sogar ganz verschwinden könnte, wenn man das ganze branchenbezogen betrachtet.
Die schlechtere Bezahlung von Frauen könnte also schlicht daran liegen, daß Frauen sich zum guten Teil selbst diskriminieren was ihr Gehalt angeht.
Jana
Ich frage mich gerade, welche Studiengänge befragt wurden. Das sind ja Summen, von denen ich noch nicht einmal jetzt, fast 3 Jahre nach dem Berufseinstieg, zu träumen wage.
Volker
Ist hier eine wirkliche Diskriminierung festgestellt worden oder liegt eine Äpfel-mit-Birnen-Vergleich vor? Hypothese: wenn viele Frauen Studiengänge abschließen, die in der Studie ein geringes Gehalt vorweisen, z.B. Sozialpädagogik, und Männer eher hoch bezahlte Studiengänge wie Elektrotechnik abschließen, dann ist das Durchschnittsgehalt von Frauen niedrig und das von Männern hoch. Könnte sein, oder? Ist das dann Diskriminierung?
Die Betriebsräte von großen Banken und anderen großen Unternehmen würden sofort auf die Barrikaden gehen, wenn das stimmen würde.
Dass Frauen auch im Jahr 2012 Studiengänge absolvierten, die seit Dutzenden von Jahren schlechter bezahlt werden, darf nicht “den Männern” anlasten oder es Diskriminierung nennen.
Marie D.
Yay, da liege ich als Masterabsolventin (Uni) mit meinen 1000 Euro Brutto ja ganz schön weit unten… Vollzeit versteht sich, ohne Weihnachtsgeld oder sonstige Schätze.. :-) Man muss dazu sagen, dass es ein Volotariat ist.. Naja, wieso beschweren – ich bin froh endlich überhaupt einen Job zu haben.
Ingenieur
Ja, schrecklich diese Diskiminierung…. Warum bekommt der Diplom-Ingenieuer bei BMW 52000 und die Sozialpädagogin beim KeinerKenntEs Institut nur 24000 im Jahr….
Wenn man übrigens wirklich mal die Ingenieurin mit dem Ingenieur vergleichen würde, würde man merken, dass sich die DAX Konzerne da nicht lumpen lassen und jedem das gleiche bieten…. Was dieses populistische Mittelwert gebilde immer soll ist mir schleierhaft…..
Jochen Mai
Es wäre natürlich schön, wenn sich dazu ein paar Ingenieurinnen melden würden und sagen, ob sie tatsächlich gleich gut bezahlt werden wie ihre Kollegen.
Jochen Mai
Weil dazu Fragen aufkamen:
Zunächst mal ist die Original-Studie ja verlinkt. Ein Blick darauf klärt manche Frage – auch die nach der Diskrimminierung.
Unter Punkt 2.2. bzw. 2.2.1 finden sich die Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen noch mal aufgeschlüsselt. Und so wie es aussieht, wurde hier nicht innerhalb der Branche unterschieden, sondern nach Abschlüssen bzw. der gesamte Durchschnitt genommen. Das ist natürlich methodisch unsauber.
Aber: Legt man den Gesamtdurchdurchschnitt zugrunde, so sind darin alle enthalten – also alle männlichen und weiblichen Elektroingenieure, alle männlichen und weiblichen Juristen und so weiter. Damit gleicht sich Vieles schon aus.
Der Unterschied bleibt nur dann unsauber wenn praktisch alle Männer nur in hochbezahlten Branchen arbeiten und Frauen nur in schlechtbezahlten. Das spielt zwar – zugegebenermaßen – in der breiten Masse eine wesentliche Rolle, weil beispielsweise viele Frauen in Teilzeitjobs und einfachen Dienstleistungsberufen arbeiten, unter Akademikern ist das aber wesentlich weniger ausgeprägt:
Allein in BWL beginnen mehr Frauen (79.041) ein Studium als Männer (67.710). ebenso im Fach Jura. Maschinenbau und Informatik sind zwar noch Männerdomänen, der Frauenanteil steigt aber schon seit Jahren (auch wegen der guten Jobaussichten).
Will sagen: Ja, das Ergebnis dürfte bei Einzelbetrachtungen in jeweiligen Branchen schwanken, aber weniger als angenommen. Da hier nicht Teilzeitbeschäftigte mit Akademikern in einen Topf geworfen werden, sondern durchweg die Gruppe der Hochqualifizierten.
S.Bauer
Da Herr Mai nach Beispielen von Ingenieurinnen gefragt hat, melde ich mich einfach mal stellvertretend für meine Frau.
Meine Frau und ich haben äquivalente Ausbildungen (ich Physiker, sie Mathematikerin). Wir sind beide in die IT gegangen, Bereich Softwaredesign und -architektur. Alter und Position sind ebenfalls vergleichbar. Wir sollten also beide ein Paradebeispiel sein, um eventuelle Gehaltsdiskriminierung aufgrund des Faktors Geschlecht aufzeigen zu können.
Wir verdienen beide so ziemlich das gleiche (meine Frau sogar einen Tacken mehr). Ich kann das mit Sicherheit sagen, denn ich verwalte die Finanzen unserer Familie und habe damit den genauen Überblick über unsere monatlichen Einkommensquellen.
Und aus Beobachtungen in unserem jeweiligen beruflichen Umfeld kann ich ziemlich sicher sagen, daß Frauen mit vergleichbarer Qualifikation nicht gehaltsmäßig diskriminiert werden. Das Problem in der IT ist schlicht, daß es leider viel zu wenige Frauen gibt, was aber glücklicherweise sich langsam ändert.
Anja
Jetzt muss ich mich aber auch mal zu Wort melden. Ich bin Informatikerin und habe während meines Studiums einige Praktika absolviert und auch eine zeitlang in einer Art Scheinselbstständigkeit gearbeitet. Inzwischen habe ich aber eine richtige Stelle. ABER die ist längst nicht so gut bezahlt wie die meiner (männlichen) Freunde, zu denen ich noch aus der Unizeit Kontakt habe. Die verdienen jetzt schon sehr viel mehr. Auch schon zu Praktikumszeiten.
Da fühle ich mich schon diskriminiert und kann die Ergebnisse hier sehr gut nachvollziehen. Es ist leider so, auch in der Informatik. Frauen werden schlechter bezahlt.
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Stefan Hartmann
1. Damit bekommen Lehrer, dass mit Abstand größte Einstiegsgehalt. A13 im öffentlichen Dienst, entspricht ca. 70 – 75.000 Euro. Wahnsinn.
2. In den Firmen, in denen ich war, gab es etliche tarifliche Mitarbeiter, die irgendwas zwischen 60 – 70.000 Euro nach Hause geschleppt haben und das für 37,5 h und einer recht entspannten Arbeitsauffassung.
Also, bevor wir hier über die Diskriminierung von Frauen reden, sollten wir über eine Diskriminierung der akademischen Angestellten reden.