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Jobwechsel sind heute die Regel. Die moderne Ablösepraxis, auch Jobrotation genannt, zwingt Mitarbeiter aller Branchen und Ebenen nicht nur zu mehr Flexibilität, sondern auch in immer neue Projekte und Funktionen. Und das wohlorganisierte Projektkarussell dreht sich auch von Jahr zu Jahr schneller. Im Schnitt wechseln Mitarbeiter heute alle zweieinhalb Jahre in einen neuen Job – intern oder extern. Die Kehrseite: Nahezu jeder Dritte scheitert bei dem riskanten Rollentausch bereits innerhalb der ersten zwölf Monate. Oft entscheidet sich das Schicksal über den Erfolg des Jobwechsels bereits in den ersten 90 Tagen. Wie Sie diese doppelte Probezeit überleben...

Im neuen Job: Überlebenstipps für die ersten Tage

Neuer Job-100 TageSchon der erste Tag im neuen Job ist wie der erste Schultag, nur ohne Schultüte. Das Firmengebäude ist fremd; die neuen Kollegen und neuen Aufgaben sowieso. Als Neuer im Unternehmen haben Sie vorerst einen schwierigen Stand: Sie müssen Ihren Platz im Team erst finden und die Kollegen müssen sich an Sie gewöhnen.

Tatsächlich ist es nicht so, dass jeder Neuling mit Blumen oder offenen Armen im Team begrüßt wird. Falls nämlich gerade viel zu tun ist, stellt so ein Jobeinsteiger erst einmal eine Belastung dar, weil er oder sie noch eingearbeitet werden muss. Das kostet Zeit und Nerven, eventuell bringt es gar das Gruppengefüge durcheinander. Dann werden Neulinge gar zum Störfall.

Egal, ob Sie Ihren Job wechseln oder frisch in das Berufsleben einsteigen die ersten 90 bis 100 Tage stellen immer eine Hürde dar, vor allem weil Sie in dieser Zeit unter besonderer Beobachtung stehen.

Sicher, jeder hat mal so angefangen. Daher dürfen Sie auch davon ausgehen, dass Ihnen die Kollegen folgende Ausgangslage zugestehen:

  • Sie bringen jede Menge Fachwissen mit (dafür hat man Sie eingestellt).
  • Sie sind nervös und unsicher.
  • Sie kennen die Unternehmenskultur noch nicht.
  • Sie wissen kaum etwas über betriebliche Abläufe und Hierarchien.
  • Sie besitzen kaum Kontakte im Unternehmen.
  • Sie kennen die ungeschriebenen Gesetze nicht.
  • Sie werden Fehler machen und viele Fragen haben.
  • Sie sind dafür hoch motiviert.
  • Sie sind unvoreingenommen (unverdorben) und haben frische Ideen.

Trotz dieser Zugeständnisse werden Sie als Neuer nicht automatisch jedermanns Liebling sein. Vielleicht hat der Boss gerade Sie geholt, um Schwung in die Bude zu bringen. Oder Sie werden einem anderen vor die Nase gesetzt, der selbst die Stelle wollte. Da hilft nur eines: eine direkte und offene Aussprache mit dem Betroffenen unter vier Augen, sobald Sie ein Störgefühl haben. Bleiben Sie dabei hart aber herzlich.

Vor allem junge Berufseinsteiger werden zu schnell ins kalte Wasser geschmissen und auf Positionen geschossen, ohne das sie hierauf ausreichend vorbereitet wären.

Es wäre allerdings auch töricht, mit einer vorgefertigten Meinung den neuen Job anzutreten ohne wenigstens die Rahmenbedingungen zu kennen. Nicht selten liegen zwischen der beim Vorstellungsgespräch kommunizierten und der tatsächlichen Unternehmenslage Welten.

Schonfrist: 9 Tipps für die ersten 90 Tage

Für die ersten drei Monate gibt es daher ein paar Grundregeln, die jeder beachten sollte. Selbstverständlich sind natürlich Pünktlichkeit und eine angemessene Kleidung. Bei Letzterem gilt die Faustformel: Im Zweifel lieber am Anfang zu schick als zu lässig. Schließlich prägt das erst einmal den ersten Eindruck - und der hallt noch lange nach. Doof, wenn seine Kraft dann dafür aufwenden muss, den wieder gerade zu rücken.

Ansonsten gilt für die 90 Tage auf Bewährung vor allem eine überzeugende Balance zu finden aus Profilierung einerseits und Anpassung andererseits. Denn auch wenn man Sie als Spezialisten geholt hat - Sie müssen auch ins bestehende Team passen.

Die folgenden 9 Empfehlungen helfen dabei:

  1. Ausführlich vorbereiten.

    Wer im Vorfeld die äußeren Bedingungen klärt, ist am ersten Arbeitstag entspannter und geht mit einem guten Gefühl in den neuen Job. Sprechen Sie mit Ihrem zukünftigen Chef über die ersten Tage: Erkundigen Sie sich, wie die Einarbeitung laufen wird und bitten Sie um Material, um sich einarbeiten zu können. Machen Sie sich auch mit den Formalien vertraut: Brauchen Sie Zugangsberechtigungen? Wo gibt es Parkplätze?

  2. Ausgangssituation analysieren.

    So manchem Hoffnungsträger wurde schon eine "herausfordernde" Aufgabe angedient, an der sich andere zuvor die Zähne ausgebissen haben. Dumm, wenn man das zu spät erkennt. Stellen Sie sich deshalb vorher einige selbstkritische Fragen: Wo liegen meine besonderen Stärken? Welche sind für diese Aufgabe wesentlich? Worin liegen die besonderen Stärken des Teams? Wie lassen sich gemeinsam am schnellsten Erfolge erzielen? Und vor allem: Was ist jetzt die dingendste und wichtigste Aufgabe, die ich lösen muss?

  3. Fragen stellen.

    Sie sollten keine Scheu davor haben, organisatorische Dinge zu erfragen. Ihre erste Woche dient dazu, dass Sie das Unternehmen kennenlernen und sich mit den Arbeitsabläufen vertraut machen. Besser Sie fragen erst nach, wie etwas gehandhabt wird, bevor Sie eigenmächtig handeln und damit einen Fehler machen. Bevor Sie jedoch einen Kollegen um Hilfe bitten, sollten Sie selbst bereits nach einem Lösungsweg gesucht haben, beispielsweise im Internet oder im firmeneigenen Intranet.

  4. Nichts versprechen.

    Viele Kollegen haben oft eine genaue Vorstellung davon, was der oder die Neue leisten soll. Das sind häufig Wünsche, Hoffnungen oder Ideen – zuweilen sogar irrationale – jedoch sind es keine Aufgaben, die es sofort zu lösen gilt. Es wäre daher unklug, bei Amtsantritt gleich Versprechungen zu machen, die später, aufgrund der bisher vielleicht unbekannten Unternehmenspolitik und -kultur, nicht eingehalten werden können. Das verursacht nur Enttäuschungen und provoziert den eigenen Imageverlust – ohne Not.

  5. Beziehungen entwickeln.

    Keiner kann auf Anhieb alles alleine schaffen. Noch dazu müssen manche Jobwechsler gar mit Widerständen rechnen, zum Beispiel von übergangenen Konkurrenten. Sei es das Erbe des Vorgängers, enttäuschte Mitbewerber oder informelle Führer – fast immer stolpern allzu forsche Neueinsteiger darüber, dass sie nicht rechtzeitig ein persönliches Beziehungsnetz aufgebaut haben - und zwar bevor sie richtig loslegen. Deswegen sollten Sie beispielsweise ein gemeinsames Mittagessen zum Gespräch nutzen sowie offen Interesse an Ihren neuen Kollegen zeigen.

  6. Leistungswillen zeigen.

    Klar, alle Ihnen übertragenen Aufgaben sollten Sie ebenso zügig wie sorgfältig erledigen. Es kommt aber vielleicht auch vor, dass Sie schneller sind als erwartet oder es weniger zu tun gibt als erhofft. In solchen Zeiten des Leerlaufs gilt: bloß keine Däumchen drehen! Oft ist das ein (inoffizieller) Test, wie engagiert und motiviert Sie wirklich sind. Bieten Sie in dem Fall Ihre Hilfe an, wo es geht. So outen Sie sich als umsichtigen Teamplayer und selbstständigen Mit-Arbeiter im Wortsinn.

  7. Ideen einbringen.

    Aber behutsam und gemeinsam. Erst recht, wenn Sie als Führungskraft eingestellt wurden. Mitarbeiter wollen zwar frühzeitig wissen, wohin die Reise geht. Sie wollen aber auch wissen, welche Rolle ihnen dabei zukommt. Gerade Strategiewechsel werden häufig unsensibel und unangemessen angegangen: entweder zu schnell, zu einseitig oder zu abwertend, weil die Newcomer gleich alles auf einmal verändern wollen. Aber auch für alle anderen Neukollegen gilt: Versuchen Sie nicht eigene, womöglich revolutionäre Ideen im Rekordtempo durchzuboxen. Das wird Ihnen nicht als Engagement, sondern Arroganz ausgelegt und drückt auf Stimmung und Image. Um sich und die Kollegen vor Überforderung und Unmut zu bewahren, gilt es die richtige Balance zwischen Stabilität und Wandel zu finden. Idealerweise erst mal durch Zuhören.

  8. Zeitpunkt beachten.

    Ein erfolgreicher Jobwechsel ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf. Sie wollen den Job ja länger als 90 Tage machen. Also kommt es auch darauf an, seine Kräfte richtig einzuteilen und Prioritäten zu setzen. Natürlich auch innerhalb der ersten 90 Tage - es sind eben auch 90, nicht neun.

  9. Rituale nutzen.

    Seien Sie ein interessierter Beobachter. Auf diese Weise können Sie sich mit den ungeschriebenen Gesetzen und den Hierarchien im neuen Job vertraut machen. Achten Sie dabei darauf, wie die Kollegen miteinander umgehen, ob es bestimmte Rituale gibt und wie Sie diese für sich nutzen können. Als neuer Teamleiter könnten Sie beispielsweise bei gemeinsamen Meetings jeden Kollegen sofort mit Namen begrüßen (Wow, der kennt uns schon!) oder auch mal unangenehme Aufgaben persönlich übernehmen (Der ist sich ja für nichts zu schade!). Solche symbolischen Handlungen vermitteln nicht nur die Grundwerte des Neuen, sie werden auch emotional registriert und wirken dadurch viel stärker als Worte.

In aller Kürze: Die ersten drei Monate im Überblick

Grob gesagt lassen sich die ersten 90 Tage beziehungsweise drei Monate auch in dieses grobe Raster:

  1. Erster Monat:

    Fragen stellen, zuhören, beobachten und sich einbringen, wo es geht. Die ersten 30 Tage sollten vor allem dazu dienen, das Unternehmen, seine Kultur, die Organisation, Namen und Hierarchien zu verinnerlichen.

  2. Zweiter Monat:

    Nun ist es an der Zeit, Beziehungen aufzubauen und seinen Platz im Unternehmen und in einzelnen sozialen Gruppen und Teams zu finden. Achten Sie aber auch darauf, mit wem Sie sich anfreunden. Oft sind die notorischen Nörgler und Bremser jene, die sich neuen Kollegen allzu aufgeschlossen anbieten. Sie sind für die Karriere aber selten gute Ratgeber oder Vorbilder.

  3. Dritter Monat:

    Nachdem Sie genug Vertrauen gewonnen haben, können Sie zeigen, was Sie alles draufhaben. Demonstrieren Sie Kreativität und Problemlösungskompetenzen, jedoch so taktvoll, ohne dabei die Kollegen zu düpieren.

Sonderfall: 90 Tage als neuer Chef

Nicht selten bedeuten Jobwechsel zugleich einen Aufstieg: Man wird intern befördert oder steigt bei einem neuen Arbeitgeber eine Stufe auf der Karriereleiter empor. Viele der Neulinge schlüpfen dabei zugleich (oder zum ersten Mal) in die Rolle eines Vorgesetzten und Chefs.

Dieser Rollenwechsel bedarf jedoch besonderer Vorbereitung und Handlungsempfehlungen, denn hierbei sind die Erwartungen meist noch größer. Deshalb, daher und darum hier noch fünf typische Chefrollen und wie Sie diese meistern:

  • Neu im Job: Der Aufsteiger

    100Tage-AufsteigerMotto: Macht ist eine Leiter mit angesägten Sprossen.

    Situation: Vom Kollegen zum Chef. Aus dem gewachsenen "Du" wird ein formales "Sie". Die Reaktionen reichen von Neid bis Skepsis. Bei aller Ambivalenz, bleibt bei den Ex-Kollegen die Hoffnung auf Kontinuität und Erhalt des Status quo. Das Problem dabei: Aufsteiger sind zugleich Insider, kennen die Stärken und Schwächen des Teams nur zu gut. Folglich sind sie entweder zu hart, weil sie fair bleiben wollen oder zu weich, weil sie nicht autoritär wirken wollen.

    Lösung: Ein klares Bekenntnis zu alten Freundschaften und zur neuen Rolle hilft, Spannungen abbauen. Nicht weitermachen wie bisher, sondern Aufgaben benennen und delegieren lernen! In kurzer Zeit sollten klare Richtlinien festgelegt werden: Was bleibt so? Was wird anders? Einzelgespräche helfen - besonders bei übergangenen Mitbewerbern.

  • Neu im Job: Der Überflieger

    100Tage-ÜberfliegerMotto: Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.

    Situation: Die Gerüchteküche kocht - wer so schnell aufsteigt, hat entweder gute Beziehungen oder einen schlechten Charakter. Der anschließende Zyklus: Mitarbeiter distanzieren sich; der Highflyer hält sich stärker an Vorgesetzte und wirkt dadurch noch arroganter - ein Teufelskreis der Isolation.

    Lösung: Trotz Reserviertheit und Skepsis konsequent an Schlüsselbeziehungen arbeiten. Erkunden Sie die Stärken Ihrer Mitarbeiter und beziehen Sie diese in Ihre Entscheidungen mit ein. Machen Sie deutlich: Es geht nicht um meine Karriere, sondern um das Team.

  • Neu im Job: Der Nachfolger

    100Tage-NachfolgerMotto: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

    Situation: War der Vorgänger beliebt, begegnet man dem Neuen jetzt mit besonderer Skepsis oder gar Ablehnung. War er’s nicht, richten sich alle Hoffnungen auf den Nachfolger. Besonders schwer haben es Aufsteiger aus dem Schatten des Chefs a.D. herauszutreten: Ihnen hängt oft der Ruf des ewigen Zweiten an.

    Lösung: Würdigen Sie in jedem Fall Ihren Vorgänger, aber machen sie auch deutlich: Sie sind eine völlig andere Person. Betonen Sie Leistungen auf die die Abteilung stolz ist, konzentrieren Sie sich dabei auch auf eigene Stärken und schaffen sie eigene klare Ziele.

  • Neu im Job: Der Quereinsteiger

    100Tage-QuereinsteigerMotto: Erfolg ist das Letzte, was einem vergeben wird.

    Situation: Seiteneinsteiger kommen, weil das jeweilige Know-how im Unternehmen fehlt. Die Folge: Konkurrenten fühlen sich zurückgesetzt, Kollegen durch die Kompetenz externer Profis bedroht. Das Klima ist reserviert bis explosiv. Der Erwartungsdruck an das Top-Talent ist entsprechend groß.

    Lösung: Weil ein Beziehungsnetz im Unternehmen fehlt, sollten anstehende Aufgaben und der Aufbau eines internen Netzwerkes gleichwertig verfolgt werden. Starten Sie nicht zu schnell, sondern erkunden Sie die internen Regeln und suchen Sie Partner. Beziehen Sie stets den Vorstand mit ein.

  • Neu im Job: Der Sanierer

    100Tage-SaniererMotto: Er hatte keine Chance - und nutzte sie.

    Situation: Weil das Unternehmen in der Existenzkrise steckt, sind schnelle, radikale Schnitte unvermeidlich. Zeit und Geld sind Mangelware. Befürworter leider auch. Widerstand, Verunsicherung und Angst vor Jobverlust prägen das Klima. Hinzu kommt Druck von außen durch Politik und Medien.

    Lösung: Überblick verschaffen, Zeichen setzen und die neue Strategie konsequent durchziehen. Krisenmanager sollten nicht vor personellen Veränderungen an strategischen Stellen zurückschrecken. Allerdings muss das Konzept für alle stets transparent bleiben - vor allem für die Presse. Wichtig dabei: Mitarbeiter aller Ebenen zu motivieren und gemeinsam eine neues Selbstverständnis zu entwickeln.

Extra-Tipp: Ziehen Sie eine persönliche Bilanz

Extra-Tipp-IconUnd zwar vor den ersten 90 Tagen wie danach: Notieren Sie sich - nachdem Sie den Job und dessen Herausfoderungen analysiert haben - vorab, einen Aufgaben- und Zielkatalog, was Sie in diesen drei Monaten unbedingt schaffen wollen. Währenddessen und danach ziehen Sie immer wieder selbstkritisch und ehrlich Bilanz. So merken Sie frühzeitig, wo Sie Ihrem Plan hinterher hinken und gegensteuern müssen beziehungsweise wie erfolgreich Sie wirklich sind.

[Bildnachweis: Ditty_about_summer, dotshock, brainpencil, Artit Fongfung,
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