Versicherungsvergleich-Tipps-Rechner
Nach Studium oder Lehre fängt mit dem Berufseinstieg die Phase an, in der man zunehmend mehr Verantwortung übernimmt und auch mehr an das Morgen denken und vorsorgen muss. Das beinhaltet für die allermeisten Berufsanfänger auch, sich selber um die Finanzen und Versicherungen zu kümmern und die Alternativen zu vergleichen. Es ist aber auch so, dass man es damit übertreiben kann. Die Folge: Überversicherung. Damit nicht das halbe Gehalt für derlei Absicherungen verwendet wird und trotzdem alle wichtigen Policen vorhanden sind, zeigen wir, welche Versicherungen wirklich notwendig sind und welche wenigstens warten können (wenn man sie denn überhaupt braucht)...

Versicherungen vergleichen: Diese Policen brauchen Berufseinsteiger

Versicherungen für BerufsanfängerEinige der zahlreichen Policen, die überall angeboten werden, sind nahezu unverzichtbar. Dazu gehören insbesondere Versicherungen, die Gesundheit, Arbeitskraft sowie potenziell große Vermögensschäden absichern, die im Ernstfall in den finanziellen Ruin führen würden.

Sicher, wer kerngesund ist und keinen allzu riskanten Schreibtischjob ausübt, verspürt vielleicht nicht das Bedürfnis schon gleich am Anfang der Laufbahn seine Arbeitskraft abzusichern. Muss er oder sie ja auch nicht unbedingt. Sobald man aber für mehr Menschen als nur sich selbst Verantwortung übernimmt, sollte es aber zumindest eine bewusste Entscheidung sein - und keine aus Bequemlichkeit.

Natürlich geht es für Sie als Berufsanfänger hauptsächlich darum, potenzielle und schwerwiegende Risiken abzusichern. Mehr lässt das Portemonnaie bei den meisten auch nicht zu. Nur wer dann noch Geld übrig hat, kann sich auch Gedanken über mögliche Finanzpolster oder die Altersversorge machen. Das hat später aber auch noch Zeit.

Und bevor Sie irgendeinen Vertrag unterschreiben: Vergleichen Sie die Angebote gründlich!

Versicherung vergleichen: Diese Versicherungen sind Pflicht

  1. Haftpflichtversicherung

    Eine Haftpflichtversicherung ist zwar freiwillig, schützt aber vor selbst verursachten Schäden. Das können Personenschäden, Sachschäden oder auch Vermögensschäden sein. Die Haftpflicht greift beispielsweise auch dann, wenn Sie als Fußgänger oder Radfahrer einen Unfall verursachen. Die Versicherungssumme sollte mindestens drei Millionen Euro betragen (Personen- oder Sachschäden).

  2. Krankenversicherung (gesetzlich oder privat)

    Die Krankenversicherung ist eine Pflichtversicherung, jeder in Deutschland lebende Mensch muss eine haben. Die Frage ist nur: gesetzlich (GKV) oder privat (PKV)? Die meisten müssen sich gesetzlich versichern, denn Festangestellte sind unter einem bestimmten Einkommen gesetzlich pflichtversichert.

    Wer kannn sich privat versichern?

    Im Grunde stecken darin zwei Fragen: Darf man und sollte man sich privat versichern?

    Formal dürfen in die Privatversicherung folgende Berufsgruppen:

    • Angestellte, die über der Verdienstgrenze verdienen (sogenannte Versicherungspflichtgrenze)
    • Selbständige und Freiberufler
    • Beihilfeberechtigte (Beamte, Beamtenanwärter)

    Schwieriger wird es bei der Frage, ob die private Krankenversicherung sinnvoll ist. Pauschal beantworten lässt sich diese Frage nur für Beamte. Sie sollten die private Krankenversicherung wählen. Denn nur dort erhalten sie Beihilfe (eine Art Arbeitgeberzuschuss) von ihrem Dienstherren. Auch die Familie kann so mitversichert werden. Gesetzlich versicherte Beamte erhalten dagegen keine Beihilfe-Zuschüsse.

    Alle anderen müssen viele zusätzliche Aspekte bedenken. Die folgende Checkliste hilft bei der Entscheidung. Je mehr Aussagen zutreffen, desto eher passt die private Krankenversicherung:

    • Sie wünschen sich mehr und bessere Leistungen als im gesetzlichen System.
    • Kurze Wartezeiten (Behandlung und Facharzttermine) sind für Sie wichtig.
    • Sie haben keine oder höchstens zwei Kinder.
    • Sie müssen derzeit hauptsächlich zur Vorsorge und wegen Kleinigkeiten (etwa Erkältungen) zum Arzt.
    • Sie haben keine schwerwiegenden chronischen Vorerkrankungen.
    • Sie verfügen über ein sicheres Einkommen, mit dem Sie auch Rücklagen bilden können.

    Die wichtigsten Vorteile der jeweiligen Systeme:

    Gesetzliche Krankenkasse Private Krankenversicherung
    • Beitragsbefreiung im Mutterschutz
    • Versicherung unabhängig von Vorerkrankungen
    • Höheres Mutterschaftsgeld
    • Alle Kassen haben weitgehend identische Leistungen
    • Bei niedrigem Einkommen niedrige Beiträge
    • umfassendere Leistungen und kürzere Wartezeiten
    • Teilweise Beitragsrückerstattung bei Gesundheit
    • Niedrige Beiträge auch bei hohem Einkommen möglich
    • Gesunde Lebensweise wird stärker belohnt

    Extra-Tipp

    Extra-Tipp-IconAusschlaggebend ist für die meisten der Preis. Speziell die Beiträge zur Privatversicherung sind jedoch aufgrund der Komplexität und der Tarifvielfalt oft nur mit technischer Hilfe zu vergleichen, idealerweise mithilfe eines der typischen Online-Rechner oder über eine fachkundige Beratung. Und bitte nicht nur Preise, sondern vor allem auch Bedingungen, Deckungssummen, Ausnahmeklauseln. Insbesondere wenn Sie dabei auf die Hilfe eines (unabhängigen) Beraters zurückgreifen, muss der Ihnen ein Protokoll aushändigen, das bescheinigt, dass er Sie gemäß Ihrer Bedürfnisse beraten hat. Auch das unterschreiben Sie bitte erst, wenn Sie damit einverstanden sind, nicht schon vorab.

  3. Pflegeversicherung

    Vielfach unbeachtet bleibt die Pflegeversicherung. Hierbei handelt es sich um eine Pflichtversicherung, die im Rahmen der Krankenversicherung automatisch mit abgeschlossen wird und mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Der Träger der Krankenversicherung ist in der Regel gleichzeitig Träger der Pflegeversicherung.

  4. Berufsunfähigkeitsversicherung

    Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist zwar eine freiwillige Absicherung. Sie zählt jedoch für alle Personen, die ihren Lebensunterhalt mit dem regelmäßigen Arbeitseinkommen bestreiten zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt. Es handelt sich dabei um die Absicherung der Arbeitskraft.

    Tatsächlich ist die statistische Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens berufsunfähig zu werden, bei Berufseinsteigern am höchsten:

    • Sie haben ihr ganzes Arbeitsleben noch vor sich.
    • 20- bis 30-Jährige werden mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent noch vor dem 67. Lebensjahr berufsunfähig.
    • Selbst bei 50-Jährigen ist beträgt die Wahrscheinlichkeit noch rund 30 Prozent.

    Natürlich darf man nicht verschweigen, dass junge Menschen, die das Schicksal trifft, eventuell auch noch einen andern Beruf lernen und ausüben können - eine Klausel übrigens, die manche Assekuranzen nutzen, um nicht zahlen zu müssen.

    Die Versicherung zahlt im Schadensfall nur eine vereinbarte monatliche BU-Rente, wenn die Ausübung des eigenen Berufs (wird im Versicherungsvertrag festgeschrieben) nicht mehr möglich oder zumutbar ist. Damit Sie sich darauf verlassen können, sollten Sie darauf achten, dass der BU-Vertrag keinesfalls die Klausel der sogenannten "abstrakten Verweisung" enthält.

    Wenn es passiert, sind die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit allerdings eher Nerven und Psyche (knapp 32 Prozent der Fälle). Dazu zählen auch Überarbeitung, Mobbing und Depressionen (Burnout meist nicht). Und für die gibt es keine Umschulung. Nur bei rund 22 Prozent der Arbeitnehmer geht der Job im wahrsten Sinne des Wortes auf die Knochen, sie werden aufgrund von Bandscheibenvorfällen, Gelenkschäden und anderem berufsunfähig.

    Extra-Tipp

    Extra-Tipp-IconAlle Aktiven und Menschen mit gefährlichen Hobbys sollten zudem eine Unfallversicherung in Betracht ziehen. Sie kann ebenso eine gute und günstige Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung sein. Das gilt übrigens auch für die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Ähnlich wie die Berufsunfähigkeitsversicherung, sichert sie jedoch jegliche Unfähigkeit zu arbeiten ab, also auch andere Berufe als den eigenen.

Denkbare Versicherungen: Wenn sich die Lebensumstände ändern...

Es gibt allerdings noch ein paar weitere Versicherungen, die - je nach Lebensumständen - ebenfalls notwendig und dringend anzuraten sind:

  1. Kfz-Haftpflichtversicherung

    Wer ein Auto besitzt oder plant eines anzuschaffen, braucht eine Autoversicherung. Diese besteht aus einer Pflichtversicherung (Kfz-Haftpflicht) und einem freiwilligen Teil (Teil- und Vollkaskoversicherung). Ohne den Nachweis einer obligatorischen Kfz-Haftpflichtversicherung ist die Anmeldung und Zulassung des Wagens nicht möglich. Die Kfz-Haftpflicht springt im Schadensfall, ähnlich wie die Privathaftpflicht, für selbst verursachte Personen-, Vermögens- und Sachschäden ein.

  2. Risikolebensversicherung

    Hier geht es nicht um Vermögensaufbau, sondern darum, die Familie abzusichern, falls Sie der einzige oder zumindest der Hauptverdiener sind. Im Falle Ihres Todes erhalten Ihre Angehörigen eine vereinbarte Versicherungssumme, mit der sie eventuell bestehende Kredite und normale laufende Kosten bestreiten können.

  3. Wohngebäudeversicherung

    Wer sich Wohneigentum anschafft, sollte unbedingt eine Wohngebäudeversicherung haben. Diese sichert das Gebäude selbst (nicht die Gegenstände, die sich darin befinden!) gegen Feuer, Sturm und andere Schäden.

Weitere sinnvolle Versicherungen (für später)

  1. Hausratversicherung

    Sie ist sinnvoll, wenn der Wert des eigenen Hausrats (egal, ob in einer Mietwohnung oder im Eigenheim) so weit gestiegen ist, dass die Wiederbeschaffung im Falles des Totalverlusts finanziell kaum tragbar wäre.

  2. Kfz-Kaskoversicherung

    Lohnt, für Autobesitzer, die Schäden am eigenen Auto versichern wollen und deren Kraftfahrzeug noch einen hohen Wert besitzt.

  3. Verkehrsrechtsschutz

    Sinnvoll für Vielfahrer. Gerade bei Verkehrsunfällen ist die Situation unübersichtlich und gegnerische Versicherungen versuchen häufig mit juristischen Tricks die Schuldfrage für sich zu klären.

  4. Krankentagegeldversicherung

    Zwar zahlt die Krankenversicherung ein Krankengeld, jedoch nie das volle Gehalt. Die Lücke lässt sich mit dieser Zusatzversicherung schließen. Privat Krankenversicherte sollten eine Krankentagegeldversicherung auf jeden Fall in Betracht ziehen, da diese Leistung im regulären Tarif meist nicht enthalten ist.

  5. Private Pflegezusatzversicherung

    Schließt die Lücke zwischen dem, was die Pflegepflichtversicherung zahlt und dem, was die Pflege tatsächlich kostet. Spätestens ab Mitte 40 sollte man sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

  6. Private Rentenversicherung

    Dass die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, wissen bereits viele. Private Vorsorge ist das A und O für einen sorgenfreien Renteneintritt. Selbständige und Unternehmer müssen besonders dringend eine private Rentenversicherung abschließen oder anderweitig vorsorgen.

  7. Zahnzusatzversicherung

    Besonders für Kassenpatienten gilt: Zahnersatz und -behandlungen sind teuer und die Kasse erstattet nur einen Teil der Kosten.

  8. Tierhalterhaftpflicht

    Schäden durch Kleintiere zahlt die Haftpflichtversicherung. Hunde- und Pferdehalter sollten aber eine spezielle Tierhaftpflicht haben. Diese schützt vor Schäden, die das Tier verursacht (etwa auf die Straße laufen, Bisse, Sachbeschädigungen).

  9. Auslandsreisekrankenversicherung

    Wer im Urlaub schwer erkrankt oder einen Unfall hat, wird sich über die Behandlungskosten im Ausland wundern. Diese sind nur selten durch die deutsche Krankenversicherung abgedeckt, insbesondere bei gesetzlich Versicherten.

Überflüssige Versicherungen

Versicherungsschutz gibt es gegen alle denkbaren Schäden. Aber fragen Sie sich auch: Wie wahrscheinlich ist das? Und wie hoch wäre die Regulierung? Wenn Sie im Endeffekt durch einfaches Sparen den Schaden begleichen und die Versicherungsprämie alternativ deutlich darüber liegt, lohnt sich die Police nicht.

Aus unserer Sicht gilt dies für diese Versicherungen:

  1. Sterbegeldversicherung

    Teuer, wobei die Versicherungsleistung oft nicht einmal den eingezahlten Beiträgen entspricht.

  2. Diebstahl- und Reparaturversicherungen

    Unnötig, da es sich hierbei meist um seltene Kleinschäden handelt (Handyversicherungen, Brillenversicherung, Glasbruchversicherung), die man lieber aus eigener Tasche zahlt.

  3. Krankenhaustagegeldversicherung

    Lieber die Krankentagegeldversicherung abschließen, die auch Krankenhausaufenthalte abdeckt.

  4. Autoschutzbrief

    Liegt preislich oft über der regulären Kfz-Versicherung sowie Schäden, den Automobilclubs oder die Werkstatt abdecken.

  5. Fondsgebunde Lebensversicherung

    Teuer und ohne garantierte Versicherungsleistung.

  6. Reiseversicherungen

    Sichert Bagatellschäden (Gepäck und Rücktrittsversicherungen), die extrem selten eintreten. Lieber aus eigener Tasche zahlen. Eine Ausnahme bilden allenfalls sehr teure Reisen (zum Beispiel lange Kreuzfahrten).

  7. Wohnungsschutzbrief

    Versichert werden kleine Bagatellschäden durch Pannen im Haushalt (Schlüsseldienst, Handwerkereinsätze). Wie oft kommt das vor?

  8. Auto-Insassenunfallversicherung

    Wird üblicherweise bereits durch die Kfz-Versicherung versichert.

  9. Fahrradversicherung

    Allenfalls sinnvoll für sehr teure Räder. Für handelsübliche Räder genügt die Abdeckung durch die Hausratversicherung.

[Bildnachweis: GaudiLab, Suzanne Tucker by Shutterstock]