Anschreiben-formulieren-Musteranleitung
Das Anschreiben braucht Zeit. Laut Umfragen sitzen, feilen, formulieren Bewerber im Schnitt 74 Minuten an der Seite. Knapp jedem zweiten Bewerber (42 Prozent) graut sogar vor dem Anschreiben, und fast jeder vierte Bewerber hat schon eine Stelle ausgeschlagen, weil ihm der Bewerbungsprozess (und das Formulieren des Anschreibens) zu kompliziert war. Tatsächlich unterschätzen ist die Bedeutung von Länge und Prägnanz des Anschreibens nicht zu unterschätzen. Versetzen Sie sich in die Lage des Empfänger: Nicht wenige Personaler haben oft hunderte Bewerbungen auf dem Tisch. Niemand kann diese Unterlagen alle lesen. Deshalb müssen Sie den Empfänger zuerst überzeugen, dass sich die Lektüre gerade bei Ihrer Bewerbung lohnt. Wie aber schafft man es, all die Soft Skills, Erfahrungen, Kann- und Muss-Qualifikationen im Anschreiben konkret zu benennen, durch Beispiele zu belegen - und trotzdem mit einer Seite auszukommen? Genau das zeigen wir Ihnen in diesem Ratgeber...

Anschreiben formulieren: Erst mal gründlich lesen!

Die wichtigste Voraussetzung für ein gutes Anschreiben ist, dass Sie die Stellenanzeige gründlich lesen, analysieren und verstehen. Bevor Sie loslegen, sollten Sie die folgenden Fragen beantworten können:

  • Was ist die Zielsetzung der ausgeschriebenen Stelle?
  • Welche Aufgaben muss der zukünftige Mitarbeiter erfüllen?
  • Welche Voraussetzungen muss er dafür zwingend (Muss-Qualifikationen) mitbringen?
  • Welche Qualifikationen kann er dafür mitbringen, sind gewünscht?
  • Auf was legt das Unternehmen besonderen Wert?

Beispielhaft haben wir uns eine fiktive Stellenanzeige überlegt, an der wir den Aufbau eine Anschreibens erklären.

Fiktive Stellenanzeige der Staubsaugerfirma.de

Wir sind Teil eines weltweit agierenden Konzerns mit mehr als 20.000 Mitarbeitern und gehören zu den Marktführern im Vertrieb von Elektro-Haushaltsgeräten über den deutschen und europäischen Einzelhandel.

Aufgrund unseres starken Wachstums suchen wir schnellstmöglich für den Bereich Auftragsabwicklung eine/n

Teamleiter der Auftragsabwicklung (m/w)

für die Auftragserfassung/Fakturierung der eingehenden Aufträge, Erledigung des entsprechenden Schriftverkehrs, telefonischer Entgegennahme von Bestellungen und Kundenanfragen, Koordinierung des Warenflusses, Führung eines kleinen Teams.

Wir suchen Mitarbeiter, für die verantwortungsbewusstes und selbständiges Arbeiten selbstverständlich ist und die mit dem MS-Office-Paket vertraut sind. Aufgrund unserer internationalen Aktivitäten sind Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil.

Wir bieten Ihnen einen sicheren und interessanten Arbeitsplatz, eine leistungsbezogene Vergütung und ein sehr gutes Betriebsklima.

Bitte senden Sie Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen mit Angaben zu Ihrer Gehaltsvorstellung und dem frühestmöglichen Eintrittstermin noch heute an folgende Adresse:

Staubsaugerfirma
z.H. Herrn Ansgar Mann - Bachstraße 9 - 12345 Flachstadt
Fon 0123 456710 - A.Mann@staubsaugerfirma.de

Na, schon alles erfasst und alle Fragen beantwortet? Dann geht es weiter...

Anschreiben Muster: Form und Aufbau

Typischerweise wird das Anschreiben nach diesem 9-stufigen Muster aufgebaut:

Aufbau-Bewerbungsanschreiben-Beispiel-Schema

Dabei richten wir unser besonderes Augenmerk auf die Hauptelemente. Im Kern besteht der Aufbau eines Anschreibens stets aus diesen vier Teilen:

  1. Einleitung:

    Hier geht es vor allem darum Interesse zu wecken. Idealerweise beginnt Ihr Anschreiben mit einem Knall, Ihrer Motivation (für diesen Job), Ihrem stärksten Argument und einem originellen Satz. Lassen Sie dabei kurz und subtil einfließen, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht und sich mit dem Unternehmen, seinen Produkten, seiner Kultur bereits intensiv beschäftigt haben, indem Sie etwa ein paar aktuelle Zahlen zitieren oder auf ein kürzlich publiziertes Interview des CEO oder das neuste Produkt eingehen. Das schmeichelt jedem Personaler. Die Betonung hierbei liegt allerdings auf kurz und subtil. Also bitte nicht zu dick auftragen. Mehr als drei bis vier Zeilen haben Sie nicht.

    Achtung: Wer im Internet dazu forscht, findet allerdings auch einige zweifelhafte Beispiele für einen gelungenen Einleitungssatz. Ein Bewerbungshelfer preist beispielsweise folgende Formulierung als "perfekt" an: "Bereits während meines mit 1,0 absolvierten Masterstudiums Wirtschaftsrecht an der Universität Irgendwo habe ich Assistenzfunktionen für die Geschäftsleitung des Berliner Startups Laws & Ordnung GbR übernommen. Insbesondere habe ich die Gesellschaftsgründung juristisch vorbereitet, die allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgearbeitet, eine Patentanmeldung verfolgt und durchgesetzt und die gesamte interne Rechtsberatung geleistet." Na, konnten Sie dem Wortgeklingel und Bandwurmsätze trotz der Grammatikfehler bis hierher folgen? Eben. So wird das sicher nix.

  2. Hauptteil:

    Er dient dem Eigenmarketing und der Darstellung Ihrer sozialen Kompetenzen (Soft Skills). Hier macht der Bewerber klar, welche Stärken, Erfahrungen er oder sie mitbringt. Wichtig ist hierbei, dass Sie nicht alles aufzählen, was Sie können, sondern nur auswählen, was zu dem Job passt, auf den Sie sich bewerben. Fokussieren Sie sich auf die Höhepunkte - jene, die Sie zum idealen Kandidaten machen. Nicht Masse, sondern Klasse zählt.

  3. Unternehmensbezug:

    Hier wird eine Verbindung zum Arbeitgeber in spe hergestellt und der einzigartige Mehrwert begründet, den Ihre Kompetenzen in der angepeilten Stelle schaffen. Es geht also darum, einen Bezug zwischen Ihrem Werdegang und dem angepeilten Job herzustellen. Man könnte auch sagen: Sie spinnen hier den roten Faden, damit Ihr Karriereschritt so wirkt wie eine natürliche Entwicklung, die in diesem Unternehmen münden muss und vor allem eine ist, die dem Unternehmen außerordentlichen Mehrwert bietet. Diesen Teil können Sie natürlich auch mit dem zweiten verweben oder gar zum Einstieg machen. Die Reihenfolge dieser ersten drei Punkte ist nicht fix.

  4. Schlussteil:

    Am Ende können Sie sich für das Interesse bedanken, nennen - falls verlangt - Gehaltsvorstellungen oder frühest möglichen Eintrittstermin und stellen heraus, dass Sie sich über einen Vorstellungstermin freuen.

Falls es Lücken in Ihrem Lebenslauf gibt, etwa eine mehrmonatige Auszeit, eine längere Arbeitslosigkeit, dann sollten Sie das ebenfalls im Bewerbungsanschreiben kurz (!) erwähnen. Sicher wird Sie der Personaler später noch einmal ausführlicher dazu im Vorstellungsgespräch befragen. Aber im Anschreiben gilt es zunächst, die Unterbrechungen, Kündigungen oder die häufigen Jobwechsel der Vergangenheit zu erklären.

Anschreiben: Formalia, Vorschriften, Normen

So ganz ohne ein paar Formalitäten geht es leider nicht. Bei allem Verständnis für Kreativität, an ein paar Grundregeln sollte sich jeder Bewerber halten. Betrachten Sie es aus der Perspektive des Personalers: Der muss meist mehrere Bewerbungen sichten und vergleichen. Je einfacher und übersichtlicher Sie ihm das machen, desto sympathischer ist ihm Ihre Bewerbung.

Das sind die Grundregeln, die Ihre Bewerbungschancen indirekt steigern:

  • Berufseinsteiger sollten nie mehr als eine Seite schreiben. Ältere, die schon mehr Erfahrung gesammelt haben, dürfen auch ein zweiseitiges Anschreiben verfassen. Trotzdem sollte es kompakt bleiben.
  • Das Papier (Standard: DIN A4) ist idealerweise nicht nur einfaches Kopierpapier, sondern besseres. Die Blätter haben keine Flecken, Knicke, Eselsohren. Der Druck ist scharf und verwischt nicht (Laserdruck ist am besten).
  • Verwenden Sie keine ausgefallenen Schnörkelschriften, um sich abzuheben. Das wirkt affektiert. Was zählt, ist der Inhalt. Also lieber auf Helvetica, Verdana, Times oder Georgia zurückgreifen.
  • Die Schriftgröße sollte lesefreundlich sein. Orientieren Sie sich hierbei an der sogenannten 11-13-15-Regel: In 11-Punkt sollte der gesamt Fließtext stehen, also alle längeren Textpassagen im Lebenslauf oder Anschreiben. Verwenden Sie dafür möglichst eine Schrift mit Serifen – wie die Times oder Georgia. Die sind besonders gut bei längeren Texten lesbar. Die 13-Punkt-Schrift sollte Datum, Adressen, Zwischenüberschriften (im Lebenslauf) vorbehalten bleiben. Gerne auch gefettet. Hierfür eignen sich eher groteske Schrifttypen ohne Serifen – wie die Arial oder Helvetica. Die Schriftgröße von 15-Punkt wiederum verwenden Sie bitte ausschließlich für Ihren Namen im Kopf jeder Seite. Er soll am meisten herausstechen. Auch hierfür eignet sich eine serifenlose Schrift am besten. Und warum die krummen Größen? Weil die meisten anderen Bewerber 12-14-16-Schriftgrößen verwenden - 12-Punkt ist die Standardeinstellung bei Word.
  • Einzüge, Linien und Abstände sollten auf sämtlichen Seiten einheitlich sein. Die Bewerbung bekommt sonst leicht einen Patchwork-Charakter. Ein eineinhalbzeiliger Zeilenabstand hat sich bewährt - wirkt luftig.
  • Hauptsachen in Hauptsätze lautet eine alte Journalistenregel. Vermeiden Sie deshalb Schachtel- oder zu viele Relativsätze, die über mehrere Zeilen gehen. Kurze Hauptsätze wirken stärker. Ebenso Verben statt Adjektive. Und vermeiden Sie verquaste Hauptwörter, die auf -ung, -heit oder -keit enden. Die lassen sich immer durch entsprechende Verben ersetzen. Liest sich auch viel flüssiger.
  • Auch wenn wir Ihnen oben schon einige Muster und Vorlagen zur Verfügung gestellt haben: Schreiben Sie jede Bewerbung trotzdem individuell und nie aus Ratgebern einfach ab. Die lesen auch Personaler - und erkennen darin geistige Faulheit. Und das bei Ihrer ersten Arbeitsprobe!

Wer es ganz korrekt und klassisch mag, sollte sich bei der formalen Gestaltung seines Anschreibens nach der DIN-Norm 5008 für Geschäftsbriefe richten:

DIN5008-Normschreiben-Beispielgrafik

Anschreiben Tipps: Präzise und nicht länger als eine Seite

Anschreiben-Bewerbung-formulieren-Tipps-StudentJetzt geht es noch mehr ins Detail. Ein vorweggenommener Lebenslauf wäre im Bewerbungsanschreiben fehl am Platz. Zudem sollten Sie alles weglassen, was für die ausgeschriebene Stelle nicht relevant ist. Das spart bereits viel Platz und dem Leser Zeit. Oder wie es mal ein Chefredakteur formuliert hat: Jedes gestrichene Wort ist für den Leser eine Erleichterung.

Wie also sieht das konkret aus?

  • Einleitungssatz im Anschreiben

    Den ersten Satz können Sie bereits nutzen, um deutlich zu machen, dass Sie die geforderten Qualifikationen mitbringen. Verzichten sollten Sie indes auf alle Floskeln, die sagen, dass Sie die Anzeige "mit Interesse gelesen" haben. Was sonst? Deswegen bewerben Sie sich ja...

    Der erste Satz könnte dann lauten:

    als Teamleiter Commercial Support bei Elektronikfirma XY habe ich neun Jahre Erfahrung in der Führung der kaufmännischen Abwicklung gesammelt.

    Wer mag kann hier natürlich noch etwas emotionaler werden. Aber rein sachlich reicht das Formulierungsbeispiel vollkommen aus.

    Extra-Tipp: Die Motivation

    Extra-Tipp-IconDie persönliche Motivation, warum Sie sich gerade bei diesem Unternehmen bewerben, wirkt sich immer günstig aus - wenn sie der Wahrheit entspricht. Beispielsweise so:

    Ihr Unternehmen ist mir gut bekannt. Bei zwei meiner bisherigen Arbeitgeber wurden Materialien für Ihre XY-Produkte hergestellt.

    Oder:

    Von meiner Haustür bis zur Firmenzentrale sind es mit dem Fahrrad genau 20 Minuten. Das heißt: Während die anderen Mitarbeiter noch im Stau stehen, könnte ich morgens schon der erste Kollege im Büro sein...


  • Die Qualifikationen im Anschreiben

    Anschließend bietet sich an, die geforderten Kenntnisse und Fähigkeiten in Form einer Aufzählung aufzulisten. Das spart noch einmal Platz - ein Anschreiben muss nicht zwingend nur aus Fließtext bestehen.

    Der zweite Vorteil dieser Methode: So können dabei auch gleich Wörter aus der Anzeige, vor allem die sogenannten Keywords. Auf diese achten Personaler besonders. Dank der vorangegangenen Analyse der Stellenanzeige fällt das auch nicht schwer. Beginnen Sie also mit den Muss-Qualifikationen, gefolgt von den Kann-Qualifikationen.

    Ein fiktiver Bewerber könnte nun schreiben...

    • Bürokaufmann mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung
      (IT-Dienstleistungen)
    • Neun Jahre Führungserfahrung, bis zu 37 Mitarbeiter

    Doch halt! Sind diese Punkte wirklich das, was in der Anzeige verlangt wird? Bürokaufmann? Von der erwünschten Ausbildung ist in dem Stellenangebot überhaupt keine Rede. Also weg damit!

    Und was ist mit den IT-Dienstleistungen? Es geht hier um Endverbraucherprodukte - Staubsauger und ähnliches. Da helfen die IT-Dienstleistungen nicht weiter. Wahrscheinlich würden sie sogar eher abschreckend wirken.

    Auch die vielen Jahre Berufserfahrung und der große Führungsumfang passen nicht so recht zu dem, was hier gesucht wird. Am Ende sieht es noch so aus, als sei unser fiktiver Bewerber für die Stelle überqualifiziert. Nicht selten ist das ein K.O.-Kriterium.

    Also zweiter Anlauf und optimierte Formulierungen:

    • Langjährige Praxis in der Auftragsabwicklung
    • Mitarbeiterführung
    • Verantwortlich für
      - Annahme von Bestellungen
      - Auftragserfassung
      - Fakturierung
      - Schrift- und Telefonverkehr
      - Beantwortung von Kundenanfragen
    • Sehr gutes Englisch in Wort und Schrift
    • Sehr gute Kenntnisse in MS-Office

    Auf die "Koordinierung des Warenflusses" geht der Bewerber besser nicht ein - hier hat er nichts vorzuweisen. Aber so passt das schon deutlich besser zur Stellenanzeige.

    Formel für die perfekte Bewerbung

    Googles Personalchef Laszlo Bock hat angeblich de Formel für die perfekte Bewerbung gefunden. In einem Interview mit der New York Times verriet er sie. Formulieren Sie Ihre Erfolge nach diesem Schema: "Ich habe X erreicht, relativ zu Y, indem ich Z getan habe." Die meisten Bewerber würden etwa schreiben: "Ich habe schon Artikel für die New York Times geschrieben." Besser wirken würde es aber, wenn dort stünde: "Ich habe in dieser Zeit 50 Artikel für die New York Times geschrieben (der Durchschnitt liegt bei sechs Artikel), weil ich seit drei Jahren tiefe Einblicke in diesem Bereich habe."

    Bewerbungsformel-Grafik

  • Soft Skills im Anschreiben

    Die Soft Skills sind ein wichtiger Bestandteil des Anschreibens, im Lebenslauf zählen allein die Fakten. In der fikiven Stellenanzeige ist von "verantwortungsbewusstem und selbstständigem Arbeiten" die Rede. Wie lässt sich das am besten durch ein Beispiel belegen?

    Etwa durch den Umgang mit Kunden, mit denen im neuen Job ja auch kommuniziert werden muss. Zum Nachweis der Soft Skills bietet sich daher folgende Formulierung an:

    Nachhaltige Kundenbeziehungen liegen mir von Natur aus am Herzen. Bei meinem aktuellen Arbeitgeber habe ich daher eigenständig ein Projekt initiiert, das Bestandskundenmanagement zu optimieren. Die Kundenzufriedenheit stieg danach um ganze 15 Prozent.

    Unterschätzen Sie bei solchen Beispielen nie die Macht der Zahlen. Alles, was Sie dabei quantifizieren können, sollten Sie auch erwähnen. Papier ist geduldig, Zahlen aber sind auch belastbar.

  • Gehaltsvorstellung und Eintrittstermin im Anschreiben

    Bleibt noch die Frage nach den Gehaltsvorstellungen. Viele Bewerber tun sich damit schwer. Eine zu hohe, aber auch eine zu niedrige Summe kann Kandidaten leicht aus dem Kreis Favoriten katapultieren.

    Als Faustregel aber können Sie sich merken, das aktuelle Gehalt zu nehmen und rund 10 Prozent aufzuschlagen. Das Ganze ist allerdings abhängig von der Branche und Region, in der das Zielunternehmen sitzt. Auf dem Land wird weniger gezahlt als in der Stadt, und das Zielgehalt sollte branchenüblich sein. Also bitte nicht überreizen.

    Was den frühesten Eintrittstermin anbelangt, sollten Sie hier die Kündigungsfristen in Ihrem Arbeitsvertrag beachten. Auch hier gilt die Faustregel: Länger als drei Monate mag kein neuer Arbeitgeber auf eine Besetzung warten.

  • Handlungsaufforderung und Schlussteil im Anschreiben

    Am Schluss des Anschreibens sollten Sie freundlich und motiviert klingen. Mehr aber noch Selbstbewusstsein erkennen lassen. Schließlich haben Sie gerade erklärt, warum Sie nicht nur hochmotiviert sondern auch die Idealbesetzung sind. Damit sind Sie schon mal kein Bittsteller mehr, sondern ein ernstzunehmender Kandidat. Sie haben etwas zu bieten: Engagement, Know-how, Leistungswillen, Erfahrung, Mehrwert – also kein Grund sich unter Wert zu verkaufen.

    Der größte Bewerbungsfehler, den Sie im Schlussteil machen können, ist daher auch der leider verbreitetste: der Konjunktiv (würde, könnte, wäre, ...):

    • "Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören."
    • "Gerne würde ich Ihnen meine Motivation ausführlich im Vorstellungsgespräch erläutern."
    • "Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich zum Bewerbungsgespräch einladen."

    Der Konjunktiv schwächt den Satz ab. Zwar klingen solche Sätze sympathisch bescheiden. Im Abschlusssatz aber macht er aus dem bestimmten Wunsch eine vage Möglichkeit und zieht Ihren Glauben an der Eignung zugleich in Zweifel. So jemand wirkt unsicher und macht sich kleiner als er oder sie ist. Also bitte nie Konjunktiv am Schluss.

    Nutzen Sie lieber den Trick mit dem Call-to-action.

    Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, die zeigen, wenn man seine Leser explizit dazu auffordert, einen Artikel weiterzuleiten, zu empfehlen oder zu kommentieren, dann steigt eben diese Empfehlungs- oder Kommentarrate um ein Vielfaches an. Warum also den Trick nicht auch im Bewerbungsanschreiben anwenden und erwähnen, dass Sie sich auf das Vorstellungsgespräch freuen, obwohl noch gar nicht entschieden ist, dass Sie auch eingeladen werden?

    Solche überzeugten Formulierungs-Beispiele - ohne Konjunktiv - könnten sein:

    • "Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich auf ein persönliches Gespräch."
    • "Gerne überzeuge ich Sie in einem persönlichen Gespräch davon, dass Sie mit mir einen ebenso engagierten wie erfahrenen Mitarbeiter gewinnen."
    • "Ihrer positiven Rückmeldung sehe ich mit großer Freude entgegen."
    • "Falls Sie noch Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung."
    • "Wenn Sie einen kompetenten, zuverlässigen und belastbaren Mitarbeiter suchen, dann freue ich mich über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch."

    Wem das zu viel des Guten ist, der kann natürlich auch den frühest möglichen Eintrittstermin nennen:

    • "Ich kann Ihnen schon einmal zusagen, bei Ihnen am xx. Oktember die Stelle anzutreten."

    Auch das ist letztlich ein Psychotrick: Weil Sie damit subtil unterstellen, DASS Sie den Job bekommen und wenig Fläche für Spekulationen lassen.

    Weitere Dossiers und Tipps zu Schlusssatz, Gehaltsvorstellungen und Anlagen finden Sie hier:

    PS: Zum Schluss noch ein besonderer Tipp

    Es sind nur zwei unscheinbare Buchstaben, jedoch mit einer großen Wirkung: Egal, was und wie viel Sie in Ihrer Bewerbung geschrieben haben – ein PS: (steht für Postskriptum) wird immer gelesen. Das Anhängsel stammt noch aus der Zeit der handgeschriebenen Briefe und ermöglichte dem Autor die Nachschrift eines wichtigen Teils, ohne dass dieser den ganzen Brief noch einmal abschreiben musste.

    In Zeiten von Textverarbeitungsprogrammen, Copy & Paste und E-Mails hat es jedoch ausgedient. Sollte man meinen. Stimmt aber nicht! Denn gerade deshalb erzeugt es enorme Aufmerksamkeit und bleibt im Gedächtnis haften – vorausgesetzt, Sie nutzen es, um etwas Originelles hinzuzufügen. Etwa:

    PS: Ich werde mich am 1. September kurz bei Ihnen telefonisch erkundigen, ob meine Bewerbung angekommen ist. Falls Sie umgekehrt noch Fragen haben, können Sie mich jederzeit erreichen, unter: 0123-4567890.

    Oder:

    PS: Danke, dass Sie meiner Bewerbung bis hierher Ihre Aufmerksamkeit gewidmet haben. Nun würde ich mich freuen, wenn wir uns persönlich kennenlernen könnten. Rufen Sie mich doch gleich an, unter: 0123-4567890.

    Das sind natürlich nur Beispiele, die Sie inspirieren sollen. Dennoch: Auch wenn Sie den Text nur überflogen haben – dieses PS haben Sie sicher gelesen.

Anschreiben Muster: Man kann sich nicht zu viel Mühe geben

Keine Frage, das alles bedeutet viel Aufwand - aber der lohnt sich. Wenn mit dieser Sorgfalt und diesem Engagement Ihr Anschreiben genauso wie den Lebenslauf formulieren, wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Resonanz auf Ihre Bewerbungen verbessern. Die Erfahrung zeigt: Zu viel Mühe mit seiner Bewerbung kann man sich nicht geben, nur zu wenig.

Anschreiben Alternative: Formulieren Sie eine Dankesrede

Wir sagen es gleich vorweg: Die Strategie ist kühn, außergewöhnlich und kommt sicher nicht bei jedem Personaler gleich gut an. Weil sie aber völlig aus dem Rahmen fällt, fällt sie auch enorm auf: Formulieren Sie Ihr Anschreiben als Dankesrede - so, als hätten Sie den Job bereits.

Moderne und kreative Branchen und Unternehmen werden die Idee dahinter zwar durchschauen, gleichzeitig aber auch den Kandidaten kennenlernen wollen, der hinter so einem originellen Anschreiben steckt. Denken Sie nur an dieses Beispiel und die Reaktionen darauf...

Wenn Sie sich also für diese Variante entscheiden, stellen Sie sich vor, Sie arbeiten schon im Unternehmen und Ihr Chef fragt Sie, warum Sie sich damals eigentlich für das Unternehmen entschieden haben. Aus der Antwort auf diese Frage können Sie Ihr Anschreiben (die Dankesrede) formulieren. Der Einstieg könnte beispielsweise so lauten:

... als ich die Stellenanzeige gesehen habe wusste ich sofort: Das ist meine Stelle. Die Ausrichtung, das Unternehmensmotto, die konkreten Aufgaben - all das hat einfach hervorragend zu meiner Erfahrung gepasst. Mir war sofort klar, dass ich meine jahrelange Erfahrung als... perfekt in das Unternehmen einbringen kann. Daher...

Sicher können Sie das Anschreiben auch diplomatischer oder selbstbewusster formulieren. In jedem Fall sollten Sie darauf achten, Ihre Stärken, Kompetenzen und Erfahrungen auch hierbei durch konkrete Beispiele aus Ihrer Laufbahn zu belegen und immer wieder deutlich zu machen, wie diese dem Unternehmen nutzen.

[Mitarbeit: Dr. Cornelia Riechers; Bildnachweis: GaudiLab, Ditty_about_summer by Shutterstock.com]

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