Wie konnte das passieren? Der Bewerbungsprozess lief so gut: Schon zwei Wochen, nachdem die Bewerbungsmappe verschickt war, folgte die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das Gespräch war glänzend: alle Fragen beantwortet, gute Rückfragen gestellt, alle haben sich gut unterhalten, sogar manchmal dabei gelacht. Und jetzt das – eine Absage… Leider müssen wir Ihnen mitteilen… Es fühlt sich an wie ein Foul, fieser Verrat, ein dumpfer Schlag in die Magengrube.
Also: Warum zum Kuckuck haben Sie den Job nicht bekommen?
Nun, zunächst einmal gibt es die ganz offensichtlichen Gründe, die immer wieder vorkommen:
- Konkurrenz. Sie waren höchstwahrscheinlich nicht der einzige Bewerber auf die Traumstelle – und einer der anderen Kandidaten war entweder besser qualifiziert oder hat sich noch besser verkauft. Das ist Wettbewerb, muss Sie aber nicht ärgern. Das passiert immer wieder im Leben: Es gibt immer einen, der besser ist…
- Farce. Keine Frage, das ist unfair, geschieht aber gerade bei internen Stellenausschreibungen recht häufig: Offiziell muss die Stelle ausgeschrieben werden – inoffiziell steht der Kandidat längst fest. Und Sie sind es nicht. Trotzdem nimmt man Sie genauer unter die Lupe, lässt Sie den Bewerbungsprozess durchlaufen, um Sie vielleicht beim nächsten vakanten Job direkt auf dem Radar zu haben. Sehen Sie es also positiv: als Training für den Ernstfall.
- Umstrukturierung. Auch das kommt vor: Mitten im Auswahlprozess wird die Stelle gestrichen oder aus betrieblichen Gründen umdefiniert – mit dem Effekt, dass sich auch die Anforderungen an Bewerber ändern. Und Sie haben darauf womöglich nicht mehr gepasst.
- Fehleinschätzung. Okay, Sie hatten ein gutes Gefühl bei dem Bewerbungsgespräch, waren danach euphorisch und motiviert. Es könnte aber auch gut sein, dass Sie Ihre Wahrnehmung trügt. Gut möglich, dass Sie die Personalentscheider weniger beeindruckt haben, als Sie dachten. Nutzen Sie die Gelegenheit, einen selbstkritischen Blick auf sich zu werfen, um Ihren Auftritt beim nächsten Mal zu verbessern.
Das – wie gesagt – sind die offensichtlichsten Gründe. Es gibt aber noch einen weiteren Grund – und der kommt nach meiner Einschätzung sogar am häufigsten vor:
Man konnte Sie nicht leiden.
Gut, in der Regel wird das etwas charmanter verpackt und klingt dann so: Sie haben nicht zu unserer Unternehmenskultur gepasst. Oder: Wir hatten das Gefühl, Sie würden sich bei uns nicht wohl fühlen. Solche Formulierungen machen es zwar leichter erträglich. Aber im Kern läuft es darauf hinaus: Sie waren dem Auswahlkomitee nicht sympathisch genug.
Tatsächlich wird häufig unterschätzt, wie wichtig diese soziale Komponente und Beziehungsebene im Bewerbungsgespräch ist. Die meisten konzentrieren sich dabei lediglich auf die fachliche Eignung, die zwar nicht unwichtig ist, aber eben auch relativ austauschbar. Viele Bewerber haben einen guten Ausbildungsabschluss, Auslandserfahrung, Fremdsprachenkenntnisse, erste Erfolge, das Übliche. Aber am Ende muss so jemand auch ins Team passen und die Persönlichkeit haben, mit der man die bestehende Belegschaft bereichern kann – und zwar mindestens fünf Tage die Woche, ein paar Jahre lang!
Ihnen hat man das nicht zugetraut. Deshalb den Kopf hängen zu lassen, wäre aber auch verkehrt. Gehen Sie lieber konstruktiv damit um. So:
- Nehmen Sie es nie persönlich! Klar, Absagen, womöglich gar wiederholte, tun weh und nagen am Selbstwertgefühl. Sollten sie aber nicht. Denn das heißt nicht, dass Sie nicht gut wären. Sie haben nicht in dieses Unternehmen gepasst. Gut so! Sie wollen schließlich auch den Job finden, der optimal zu Ihnen passt.
- Lernen Sie daraus! Bleiben Sie realistisch: Sie haben nichts gewonnen – aber auch nichts verloren. Letztlich geht es Ihnen nach der Absage genauso (gut) wie vorher. Mehr noch: Sie haben Mut bewiesen, etwas gewagt – und an Erfahrung gewonnen.
- Verbessern Sie Ihre Bewerbung! Kritik, selbst subtile, muss man erst einmal verdauen. Danach aber können Sie jede Niederlage in steigende Chancen verwandeln: Was Sie nicht persönlich nehmen, macht Sie selbstbewusster, stärker. Und Fehler, die Sie jetzt kennen, begehen Sie kein zweites Mal. So wird Ihre Bewerbung von Mal zu Mal perfekter – während Ihre Mitbewerber noch lernen.
- Bleiben Sie stets höflich! Wer heute “Nein” sagt, sagt morgen vielleicht “Ja”. Bedanken Sie sich ruhig für die Chance, das gute Gespräch und beweisen Sie Größe. Wer hier patzt, verbrennt Brücken, über die er morgen vielleicht noch einmal gehen möchte.






