Jobwechsel: Ja oder Nein
Einen Job wechselt man nicht mal eben so. Die Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für die Karriere. Ein solcher Schritt will also gut überlegt und abgewogen sein. Denn wechseln Sie zu oft, bekommen Sie schnell den Stempel Jobhopper. Und solche Bewerber möchte keine Firma Sie einstellen aus Sorge, Sie würden auch hier nur kurze Zeit verweilen. Bleiben Sie hingegen einer Firma lange treu und weist Ihr Lebenslauf deshalb nur wenige Jobwechsel auf, gelten Sie bald als bequem, unaufgeschlossen und unflexibel - und werden ebenfalls nicht eingestellt. Ein Dilemma, das. Aber auch ein lösbares...

Wann es Zeit wird zu gehen: Das denken unsere Leser...

Vor einiger Zeit haben wir unsere Leser gefragt, wann es Zeit wird, zu gehen. Hier einige Meinungen aus der Umfrage:

Wenn die Aufgaben oder die Kollegen oder der Chef nicht mehr auszuhalten sind. Sind zwei von drei in Ordnung, steigt die Verweildauer.

Wenn der Chef einfach nicht mehr zu ertragen ist!

Wenn einem die Arbeit keinen Spaß macht. Chefs kann man zur Not auch aussitzen, manchmal erledigt sich das "Problem" von allein.

Wenn die Arbeit zum Job wird. Zumindest ist das der Zeitpunkt wo man über Veränderungen nachdenken sollte. Dies können auch Veränderungen beim aktuellen Arbeitgeber sein.

Wenn man Morgens keine Lust mehr zum aufstehen hat und hofft, dass der Tag schnell rumgeht...

1. Wenn man sich gerne in eine andere Richtung entwickeln möchte.
2. Wenn man feststellt, dass der eigene Tag nur noch aus Routinen besteht (in diesem Fall, kann man aber vielleicht auch selber etwas tun und muss nicht gleich die Stelle wechseln).
3. Wenn sich die Firma in eine Richtung entwickelt, die man nicht mit sich selbst vereinbaren kann.

1. Wenn man hofft, dass der Tag schnell umgeht, es aber nach drei gefühlten Ewigkeiten doch erst zwanzig Minuten (wenn überhaupt) später ist.
2. Wenn keine Feeback-Kultur existiert.Wenn Leistung nicht anerkannt wird.
3. Und wenn sich all dies in/mit der Firma nicht ändern lässt. Dann sollte es heißen: Abschiedszeit! (Oder man findet's doch nicht schlimm genug)

Was spricht GEGEN einen Jobwechsel?

Jobwechsel NeinLassen Sie sich zunächst einmal nicht verrückt machen. Wechseln nur um des Wechselns willen, wäre eine dumme Idee. Unter guten Arbeitsbedingungen können Sie sich ebenso ohne Jobwechsel weiterentwickeln, etwa wenn...

  • Sie in Ihrer Firma einen guten Job machen.
  • Sie Ihren Bereich verantwortlich führen.
  • der Chef Ihnen vertraut und Sie fördert.
  • Sie sich bezüglich Ihrer Arbeitsinhalte und -methoden auf dem Laufenden halten.
  • Ihnen die Arbeit Freude macht.
  • das Arbeitsklima stimmt.

All diese Punkte sprechen dafür, beim jetzigen Arbeitgeber zu bleiben. Wer weiß schon, wie Sie es anderswo antreffen? Oder ob das Gras dort tatsächlich grüner ist?

Außerdem kann auch ein kurzer Weg zur Arbeit ein gewichtiges Argument gegen eine Veränderung sein: Tägliches Pendeln wirkt sich nachweislich negativ auf die Gesundheit und das Familienleben aus.

Wenn Sie allerdings nach langer Firmenzugehörigkeit doch einmal wechseln möchten, werden Sie es nicht leicht haben. In Ihrer schriftlichen und mündlichen Selbstdarstellung müssen Sie sich dann besonders große Mühe geben. Bereits in Ihren Bewerbungsunterlagen muss deutlich werden, wie sich die Herausforderungen Ihres Jobs über die Jahre verändert haben und wie immer wieder neue Aufgaben hinzu gekommen sind.

Wann ist man ein Jobhopper?

Jobwechsel: Wann ist man ein JobhopperWann ist man eigentlich ein Jobhopper? Eine Faustregel gibt es da leider nicht. Laut einer Umfrage wechseln deutsche Arbeitnehmer durchschnittlich alle vier Jahre ihren Job. Diese Zeitspanne könnte man also als Gradmesser für "Normalität" ansehen.

Im Einzelfall können die Dinge aber ganz anders liegen: In manchen Branchen sind kurzfristige Wechsel eher üblich, in anderen nicht. Zudem kommt es nicht nur auf die Verweildauer in einer Firma an, sondern auch auf die Zahl der Wechsel insgesamt. Wer einmal aus guten Gründen nach wenigen Monaten ausgeschieden ist, der wird sich wohl im Vorstellungsgespräch kritische Fragen gefallen lassen müssen. Ein K.O.-Kriterium dürfte das aber nicht sein. Kommt so etwas öfter vor oder gibt es gar überhaupt keine längere Betriebszugehörigkeit in Ihrem Lebenslauf, dann müssen Sie sich tatsächlich Sorgen machen.

Verlassen Sie also niemals leichtsinnig Ihren Arbeitgeber. Fragen Sie sich, ob dieser Wechsel Ihnen und Ihrer Karriere wirklich gut tut. Mehr Geld bei der neuen Firma ist ein starkes Motiv. Aber stellen Sie sicher, dass Sie den Gehaltszuwachs nicht am am Ende mit schlechteren Arbeitsbedingungen und geringerer Jobzufriedenheit teuer bezahlen.

Was spricht FÜR einen Jobwechsel?

Jobwechsel JaNatürlich gibt es auch gute Gründe, einen Job nach kurzer Zeit wieder zu verlassen. Insbesondere, wenn Sie die aktuelle Position frustriert und unglücklich macht oder gar auf die Gesundheit schlägt. Spätestens dann ist es Zeit, über eine Veränderung nachzudenken. Ganze acht Anzeichen sprechen für eine berufliche Veränderung:

  1. Fehlende Perspektiven

    Es heißt nicht umsonst Karriereleiter: Wer über Monate oder vielleicht sogar Jahre immer dieselben Aufgaben erledigt, wird sich nicht weiterentwickeln. Im Berufsleben gehört es dazu, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen und an ihnen zu wachsen. Treten Sie auf der Stelle und fehlen die beruflichen (und finanziellen) Perspektiven innerhalb des Unternehmens, ist ein Jobwechsel meist zielführender.

  2. Hohe Arbeitsbelastung

    Es werden immer mehr Mitarbeiter entlassen, die Arbeit nimmt jedoch nicht ab, sondern zu. Im Fachjargon wird dies auch Arbeitsverdichtung genannt. Wenn Sie dann auch noch die Aufgaben der entlassenen Kollegen mit übernehmen müssen, herrscht bald Permastress. Trotz Überstunden können Sie dann Ihre Aufgaben nicht ordentlich und in der für Sie üblichen Qualität erledigen. Klar, wohin das führt: Ihr Leistung lässt nach, am Ende sehen Sie wie der Versager aus - nicht der Chef und sein Missmanagement. Besser, wer hier vorher die Kurve kratzt.

  3. Mieses Arbeitsklima

    Der Chef vergiftet die Atmosphäre, die Kollegen mobben. Oder Sie haben innerhalb von zwei Jahren schon den dritten Chef, und niemand interessiert sich für Ihre Arbeit - von Wertschätzung und Anerkennung ist erst recht keine Spur. Auch in dem Fall sollten Sie sich überlegen, ob Sie in einem anderen Job nicht besser aufgehoben sind. Am Schluss entscheidet schließlich der Chef - ob berechtigt oder unberechtigt -, wen er für wichtige Aufgaben oder sogar Beförderungen in Betracht zieht.

  4. Viel Langeweile

    Der Job erfüllt Ihre Erwartungen nicht, man hat Ihnen etwas anderes versprochen. Ihren Arbeitstag könnten Sie mit geschlossenen Augen bewältigen und Ihre Aufgaben fordern Sie nicht, sondern langweilen Sie eher? Dann sollten Sie über eine Veränderung nachdenken, denn Ihr jetziges Arbeitsumfeld wird nicht dazu beitragen, dass Sie berufliche Erfolge erzielen. Überlegen Sie sich, ob eine andere Position nicht besser für Sie und Ihre Fähigkeiten geeignet ist. Doch Vorsicht: Eine dauernde Überforderung ist genauso schädlich wie eine Unterforderung.

  5. Schlechte Bezahlung

    Es ist demotivierend und frustrierend, wenn man das Gefühl hat, für seine Arbeit nicht entsprechend bezahlt zu werden - eben nicht zu verdienen, was man verdient. Wer jeden Tag aufs Neue sein Bestes gibt und sich trotzdem am Ende des Monats fragt, ob das den ganzen Stress überhaupt wert war, sollte zwar zunächst versuchen, eine Gehaltserhöhung zu verhandeln (Nutzen Sie hierzu bitte auch unseren kostenlosen Gehaltscheck). Gelingt das aber nicht, ist ein Jobwechsel durchaus eine (lukrative) Option. Das Forbes Magazin veröffentlichte erst vor einiger Zeit einen Artikel, der zeigte, dass Arbeitnehmer, die länger in einem Unternehmen bleiben, bis zu 50 Prozent weniger verdienen.

All dies sind gute Gründe, den Job zu wechseln, auch wenn Sie ihn erst seit kurzem innehaben, die sich auch mit einer Umfrage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) decken. Niemand sollte sich im Job quälen und unglücklich sein.

Wechselgruende-BMAS-Grafik

Bevor Sie sich jedoch zu einem solchen Schritt entschließen, prüfen Sie trotzdem genau, ob die störenden Bedingungen sich nicht doch ändern lassen: vielleicht durch ein Gespräch mit dem Chef oder mit den Kollegen, durch Eigeninitiative bei der Übernahme zusätzlicher Aufgaben oder durch eine Fortbildung.

Die Unsicherheit vor dem Jobwechsel

Der Arbeitsplatz ist für einige Arbeitnehmer DER Lebensmittelpunkt. Mit mindestens acht Stunden täglich verbringen ja auch viele mehr Zeit im Büro als mit Familie, Freunden und Freizeit. Da überrascht der hohe Stellenwert des Jobs nicht. Dass manche aber bereit sind, auch trotz Unzufriedenheit und steigendem Frust ihrem Job treu zu bleiben, hat vor allem zwei Gründe:

  • Der Jobwechsel wird als Niederlage angesehen. Wer den Arbeitgeber wechselt, fühlt sich zuweilen, als wäre er gescheitert. Man gibt sich selbst die Schuld und denkt, dass man der Aufgabe nicht gewachsen war. Falsch! Es ist in der Regel nicht Ihre Schuld, sondern das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, dass Sie mit Ihrem Job nicht mehr zufrieden sind. Und ein Jobwechsel ist auch keine Niederlage. Im Gegensatz zu früher sind heute in fast allen Lebensläufen Jobwechsel zu finden. Sehen Sie es also als Chance, sich zu entwickeln.
  • Der Job suggeriert Sicherheit. Eine der größten Sorgen, neben der Gesundheit, ist die finanzielle Sicherheit. Ein Job sorgt für ein gesichertes Einkommen und nimmt somit die Angst vor finanziellen Engpässen. Aber wie sicher sind Arbeitsplätze heute wirklich? Und ein Jobwechsel muss der finanziellen Absicherung auch nicht entgegenstehen. Statt plötzlich alles hinzuschmeißen, können Sie sich ebenso nach einer geeigneten Stelle umsehen und erst dann kündigen, wenn Sie den neuen Arbeitsvertrag schon unterschrieben haben. So vermeiden Sie das Risiko, eine temporäre Arbeitslosigkeit überbrücken zu müssen.

Statt sich also an einen (unsicheren) Job zu klammern, sollten Sie sich überlegen, ob Sie aktuell wirklich zufrieden sind und ob Sie der Job Ihren persönlichen Zielen näher bringt.

Jobwechsel Ja oder Nein

Weiterführende Artikel

Mehr Informationen und Tipps rund um den Jobwechsel finden Sie hier:

[Mitarbeit: Dr. Cornelia Riechers, Nils Warkentin]
[Bildnachweis: alphaspirit by Shutterstock.com]