Man sollte meinen, mit dem Alter wird alles besser. Wird es aber nicht. Jedenfalls nicht sofort. Erst einmal wird es schlechter. Insbesondere wenn Sie so um die 35 Jahre alt sind. Vermutlich hassen Sie gerade Ihren Job oder sind so richtig unglücklich damit. Trösten Sie sich: Sie sind nicht alleine damit. Tatsächlich steigt die Unzufriedenheit im Berufsleben tendenziell an und erreicht mit dem 35. Lebensjahr eine Art Höhepunkt. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer bemerkenswerten Umfrage...

Ich hasse meinen Job 35 Effekt

Mit 35 erreicht die Unzufriedenheit im Job einen Höhepunkt

Für die Umfrage wertete der britische Personaldienstleister Robert Half die Antworten von rund 2000 Beschäftigten aus. Diese sollten sagen, wie zufrieden sie aktuell mit ihrem Job waren.

Das Resultat verblüffte die Marktforscher: Zwar waren Berufsanfänger natürlich zunächst glücklich darüber, einen oder gar DEN Job bekommen zu haben. Danach aber nahm die Zufriedenheit bei den Befragten kontinuierlich wieder ab. Ab dem 35. Lebensjahr waren schließlich doppelt so viele Arbeitnehmer unglücklich im Job wie in den Jahren davor.

Ganze 16 Prozent der um die 35-Jährigen gaben an, unglücklich im Job zu sein. Zum Vergleich: Bei den 18- bis 34-Jährigen waren es nur 8 Prozent.

Warum sind so viele 35-Jährige unglücklich im Job?

In der Umfrage offenbarten sich allerdings auch ein paar Ursachen, die maßgeblich zur wachsenden Unzufriedenheit beitrugen:

  • Zunehmender Stress im Job (34 Prozent)
  • Mangelnde Wertschätzung (28 Prozent)
  • Fehlende berufliche Perspektiven (25 Prozent)
  • Druck, eine Familie planen zu müssen (12 Prozent)

Was allerdings auch oft vorkommt und die Zufriedenheit belastet: Routine. Und das meinen wir jetzt gar nicht mal negativ.

So sind die ersten Jahre nach der Schule geprägt von reichlich Abenteuer und Abwechslung: Die meisten finden in dieser Zeit den Partner fürs Leben, ziehen zusammen, beginnen eine Ausbildung oder ein Studium. Die Lebensphase ist geprägt von wilden Partys, aufregenden Bekanntschaften, neuen Erfahrungen - und vor allem vielen Freiheiten.

Danach folgt in der Regel der Berufseinstieg. Auch der ist geprägt von vielen Herausforderungen, aber auch ersten Erfolgen: das erste eigene Gehalt, gelerntes Wissen verwandelt sich in Berufserfahrungen, Kompetenzen und Erfolge. Es folgen vielleicht ein paar Jobwechsel - intern oder extern - bis man seinen Platz gefunden hat, ein paar Beförderungen und Gehaltserhöhungen - und das alles binnen 10 bis 15 Jahren. Wow!

Aber dann?

Dann setzt die Routine ein: Man beherrscht seinen Job, berufliche Veränderungen werden seltner, das Gehalt stagniert. Und die Perspektive mit 35? Noch mindestens 32 Jahre weiterarbeiten... Womöglich in dieser Position! Das Leben reduziert sich gefühlt auf Wochenenden und Urlaube. Für die nächsten 30 Jahre. Uff.

Kein Wunder, dass da so manchen die Panik und der Frust überkommt. Gesellen sich dann noch die oben genannten Faktoren - Stress, fehlende Wertschätzung und Familiendruck - dazu, wird daraus ein giftiger Cocktail.

Ungluecklich im Job Frust Grafik Spruch

Unglücklich im Job - was tun?

Zunächst einmal: Keine Panik! Dass Sie um die 35 unglücklich im Job sind, ist ganz normal. Wie gesagt: Das geht vielen so und geht meistens auch ganz von alleine wieder vorbei. Vor allem dann, wenn Sie Ihre Lebensbalance wieder gefunden haben.

Ein anderer Weg ist, selbst für entsprechende Perspektiven zu sorgen:

  • Setzen Sie sich neue Ziele

    Fragen Sie sich: Was will ich in meinem Leben noch erreichen? Beruflich? Privat? Zielstrebigkeit ist nicht nur ein wichtiger Schritt zu mehr Erfolg - sie macht auch glücklich. Denn Sie haben etwas, auf das Sie bewusst hinarbeiten und nehmen damit wieder das Steuer Ihres Lebens in die Hand.

  • Genießen Sie den Lebensabschnitt

    Immer nur Party und Abenteuer sind auf Dauer auch nicht gesund. Genießen Sie den Moment und den aktuellen Lebensabschnitt. Im Job läuft es mehr oder weniger rund, womöglich ist jetzt einfach eine Phase gekommen, in der Sie sich mehr auf die Familie konzentrieren können und sollten. Karriere ist schließlich nicht alles. Und das heißt ja nicht, dass in den nächsten 30 Jahren nichts mehr kommt. Stellen Sie jetzt die Weichen, planen Sie gründlich - und dann gehen Sie einen Schritt nach dem anderen.

  • Seien Sie dankbar

    Insbesondere für das, was Sie schon alles erreicht haben. Dankbarkeit ist eine Wurzel für Gesundheit und Wohlbefinden. Man kann nicht dankbar und zugleich unglücklich sein. Und Dankbarkeit macht sogar resistenter gegenüber Stress. Das konnten Untersuchungen von Martin Seligman und Tracy Stehen von der Universität von Pennsylvania nachweisen. Ihre - dankbaren - Probanden konnten so den empfundenen Stress reduzieren und zeigten sich auch widerstandsfähiger gegenüber psychischen Erkrankungen.

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