Fehler-Bewerbung-vermeiden-Facepalm
Sie haben schon mehr als 100 Bewerbungen geschrieben und verschickt - und erhalten trotzdem nur Absagen (wenn überhaupt)? Das kann daran liegen, dass Sie sich für die falschen Jobs bewerben (für die Sie nicht ausreichend qualifiziert sind) oder dass Ihre Mitbewerber jedes Mal besser waren. Wahrscheinlicher aber ist, dass Sie ein paar typische Bewerbungsfehler machen, die Sie - unbewusst - regelmäßig ins Aus katapultieren. Die gute Nachricht: Auch aus Bewerbungsfehlern lässt sich lernen. Wir verraten wie...

Dieser Fehler ruiniert jede Bewerbung

Bevor wir auf die klassischen Bewerbungsfehler eingehen: Der schlimmste Fehler in der Bewerbung entsteht schon, bevor die Tinte das Papier erreicht – er beginnt im Kopf des Bewerbers.

Jeremy Schifeling ist Experte auf dem Gebiet des Recruitings. Seit Jahren wählt er für globale Konzerne wie Apple, Amazon, Microsoft und LinkedIn Nachwuchstalente und Experten im Technologiebereich aus. Er beurteilte schon Tausende Bewerbungsunterlagen und stellte bald fest: Ein gravierender Fehler tauchte dort regelmäßig auf und kostete schon so manchen Kandidaten den Job.

Nicht Tippfehler oder falsche Namen kickten die Bewerber ins Aus - es war ihre Perspektive.

Die Betroffenen schrieben ihre Bewerbung nicht für den Personaler oder einen Headhunter, sondern für sich selbst. Oder mit anderen Worten: Sie fokussierten sich auf Erfahrungen, die ihnen wichtig waren, dem Personaler bei der Beurteilung und Auswahl aber nur wenig halfen – geschweige denn ihn überzeugten.

Warum machen Bewerber diesen Fehler überhaupt?

Kurz gesagt: Weil es ihnen nicht bewusst ist. Wer sich bewirbt, sieht meist nur sich und sein Problem: Ich brauche dringend einen Job! Entsprechend finden sich in zahlreichen Anschreiben vor allem Ich-Formulierungen:

  • Ich bin teamfähig.
  • Ich bin belastbar.
  • Ich bin ein Macher.
  • Ich bin engagiert, motiviert.
  • Ich habe schon Verantwortung übernommen.

Inhaltlich mag das alles richtig sein. Doch in dieser Häufung wirkt das nicht nur eintönig, sondern auch latent egozentrisch. Behaupten kann so etwas ohnehin jeder – beweisen dagegen nur wenige.

Clevere Verkäufer wissen es besser: Sie versetzen sich in die Perspektive des Kunden und lösen dessen Problem. Das überzeugt - und führt zum Abschluss. Und in der Bewerbung, die nichts anderes ist als ein Verkaufsgespräch, gilt das genauso.

Beispiele, wie Sie die Bewerbung ruinieren - oder positiv auffallen

Da die meisten Bewerbungsschreiben eine solche Ich-Perspektive enthalten, bietet sich hier eine wunderbare Chance, sich von der Masse (positiv) abzusetzen: Sagen Sie also nicht, dass Sie teamfähig, motiviert oder verantwortungsvoll sind, sondern umschreiben Sie kurz (!) ein Projekt, das Sie vorbildlich mit Ihrem Team abgeschlossen haben. Vor allem aber wählen und formulieren Sie das Beispiel so, dass erkennbar wird, wo und wie Sie dem Unternehmen einen Mehrwert bieten oder vorhandene Probleme lösen können.

Hier ein paar Beispiele, wie es nicht beziehungsweise besser geht...

Die richtige Perspektive beim Einstieg

Daumenrunter_r_tSo nicht:

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit bewerbe ich mich um die ausgeschriebene Stelle als _______ in Ihrem Unternehmen...

Daumenhoch_tBesser so (wenn Sie schon Kontakt haben):

Sehr geehrte Frau Mustermann,
von Herrn Beispiel habe ich erfahren, dass Sie nach einem neuen _______ suchen...

Daumenhoch_tOder so:

Sehr geehrte Frau Mustermann,
wie ich aus den Medien erfahren habe, wollen Sie mit Ihrem Unternehmen den Bereich _______ ausbauen. Das dazu nötige Fachwissen sowie langjährige Erfahrungen bringe mit und würde dies gerne mit Gewinn für Sie einsetzen...

Die richtige Perspektive bei den Qualifikationen

Daumenrunter_r_tSo nicht:

Nach Abitur am Heinrich von Kleist Gymnasium in Berlin, habe ich an der Freien Universität Geschichte studiert. Dann absolvierte ich ein Volontariat bei _______ und wurde übernommen.

Daumenhoch_tBesser so:

Durch mein Studium an der Freien Universität Berlin und das Volontariat bei _______ konnte ich vor allem meine Kenntnisse im Bereich _______ ausbauen und vertiefen - genau das, was Sie derzeit brauchen, um...

Die richtige Perspektive bei den Soft Skills

Daumenrunter_r_tSo nicht:

Ich bin teamfähig, belastbar und engagiert...

Daumenhoch_tBesser so:

Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie in der derzeitigen Restrukturierungsphase Mitarbeiter suchen, die belastbar und stressresistent sind, selbst wenn es im Team hoch hergeht. Ganz ehrlich: Mir machen solche Phasen und gelegentliche Überstunden nichts aus, vor allem wenn die Aufgaben so herausfordernd sind, wie gerade bei Ihnen...

Die richtige Perspektive im Schlusssatz

Daumenrunter_r_tSo nicht:

Über eine Einladung zum persönlichen Gespräch würde ich mich freuen.

Daumenhoch_tBesser so:

Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich über eine Einladung zum persönlichen Gespräch.

Das sind natürlich nur Beispiele und Anregungen. In Ihrem Anschreiben sollten Sie natürlich Ihre ganz persönliche Formulierung finden. Aber es lässt sich anhand der Mustertexte schon gut erkennen, welche Wirkung der Perspektivwechsel auf den Leser und damit auf den Personaler hat.

Oder anders formuliert: Der Bewerber klingt dadurch weniger wie ein Bittsteller, dafür umso mehr nach einem Dienstleister und Problemlöser. Und wer möchte so jemanden nicht beschäftigen?

Typische Bewerbungsfehler vermeiden

Typische-Bewerbungsfehler-MappeDas vorausgeschickt, kommen wir nun zu den klassischen Bewerbungsfehlern, die leider immer noch viel zu häufig vorkommen.

Es beginnt schon bei der schriftlichen Bewerbung. Sie bildet Ihre erste Arbeitsprobe. Wer hier also schlampig ist - Tippfehler, Eselsohren, Preisschilder auf Bewerbungsmappen, falsch geschriebene Namen -, vermurkst bereits den ersten Eindruck und damit meist die ganze Bewerbung.

Gerade Personaler, die auf eine Stellenanzeige viele Bewerbungsschreiben erhalten, zeigen meist eine Null-Fehlertoleranz gegenüber Schlampereien. Zurecht erwarten Sie von Bewerbern Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit. Die brauchen Sie später schließlich auch im Job.

Eine perfekte Bewerbung zu schreiben, ist allerdings keine Raketenwissenschaft (siehe Kasten mit unseren zahlreichen Dossiers ganz unten). Sie können die folgenden Punkte daher wie eine Checkliste behandeln, mit deren Hilfe Sie Ihre Bewerbungsunterlagen zum Schluss noch einmal durchgehen und auf eben diese Fehler hin prüfen. So haben Sie sich selber hinterher auch nichts vorzuwerfen.

Bewerbungsfehler: Checkliste für bekannte Klassiker

    Fehler im Anschreiben

  • Falscher Firmenname, Falsche Adresse, Falsche Anrede
  • Unseriöse E-Mail-Adresse (Scharfesuzy66@mail.de)
  • Anrede mit "Sehr geehrte Damen und Herren," obwohl Empfänger in Anzeige benannt ist
  • Kein individueller Bezug zur Stelle
  • Überzogene Grußformel ("Hochachtungsvoll")
  • Fehlende Unterschrift, fehlendes Datum
  • Fehler im Lebenslauf

  • Unseriöses Bewerbungsfoto (Urlaubsbild, Ganzkörperaufnahme, Automatenfoto)
  • Uneinheitliche Systematik (Werdegang chronologisch; Ausbildung amerikanisch)
  • Lückenhafte Angaben
  • Fehlende Unterschrift, fehlendes Datum
  • Allgemeine Bewerbungsfehler

  • Nicht ausreichende Frankierung Unterlagen
  • Verwendung von minderwertigem Papier
  • Doppelseitiges Bedrucken von Anschreiben und Lebenslauf
  • Rechtschreibfehler, Grammatikfehler
  • Eselsohren, Fettflecken auf dem Papier
  • Zeugnisse im Original mitgeschickt (statt Kopie)
  • Widersprüchliche Angaben in Anschreiben und Lebenslauf
  • Fehlende Anlagen (obwohl angekündigt oder gefordert)

Bewerbungsfehler: Diese 8 sind besonders heimtückisch

Neben den genannten Klassikern, die eigentlich bekannt und daher vermeidbar sind, kommen noch ein paar besonders gemeine Bewerbungskiller dazu. Auch sie sind im Grunde einfach herzuleiten, werden aber gerne ignoriert. Leider - wie uns einige Personaler immer wieder berichten:

  1. Bewerbungsfehler: Kopierte Anschreiben

    Auch wir bieten Ihnen auf der Karrierebibel mehr als 40 Bewerbungsmuster und Gratis-Vorlagen an. Diese sollten Bewerber aber stets als Anregung und Hilfestellung betrachten und nie 1:1 kopieren. Spätestens wenn Ihr Mitbewerber auf dieselbe Idee kam, fliegt das Plagiat auf und Sie sind beide raus. Zudem können solche Vorlagen immer nur allgemein gehalten sein, sie passen also nie zu 100 Prozent auf die Stelle - doch genau darauf kommt es an. Kein Personaler schätzt unpersönliche Massenschreiben.

  2. Bewerbungsfehler: Zu langer Lebenslauf

    Solange Sie sich nicht auf einen Vorstands- oder Geschäftsführerposten bewerben und keine 20 Jahre Berufserfahrung besitzen, sollte der Lebenslauf 2 Seiten nicht übersteigen. Nicht nur, weil kein Personaler Romane lesen mag, sondern weil Sie damit bereits in der ersten Arbeitsprobe scheitern: die Konzentration auf das Wesentliche (auch bekannt als Postkorbübung). Seien Sie beim Editieren des Lebenslaufs so prägnant und so präzise wie möglich, aber auch so kurz wie möglich. Das gilt zum Beispiel auch für die Auswahl der genannten Hobbys.

  3. Bewerbungsfehler: Zu schwer zu lesen

    Für alle Ihre Bewerbungsunterlagen gilt: Denken Sie zuerst an den Adressaten und Leser. Je leichter Sie es diesem machen, desto wohlwollender wird er. Dazu gehören - neben Rechschreibfehlerfreiheit - ein übersichtliches Schriftbild mit kurzen Sätzen und kurzen Absätzen, einheitliche Schriftarten, markante Überschriften und Betreffzeilen sowie sinnvolle Paragraphen und Bulletpoints. Diese machen nicht nur Online-Artikel lesbarer... Beachten Sie hierbei bitte auch die Regeln der DIN 5008:

    DIN5008-Normschreiben-Beispielgrafik

  4. Bewerbungsfehler: Muss-Qualifikationen fehlen

    Stellenanzeigen unterscheiden meist zwischen sogenannten Muss-Qualifikationen und Kann-Qualifikation. Zu erkennen sind erstere beispielsweise an Formulierungen wie: "Bewerber müssen/sollten..." oder "Wir erwarten von Ihnen, dass...". Kann-Qualifikationen wiederum sind oft im Konjunktiv formuliert und werden meist durch Formulierungen angekündigt, wie: "Mehrjährige Berufserfahrung ist wünschenswert" oder "Darüber hinaus würden wir uns freuen, wennn...". Wer die geforderten Muss-Qualifikation nicht mitbringt, braucht sich gar nicht erst zu bewerben. Danach wird zuerst ausgesiebt. Die Kann-Qualifikationen sollten Sie aber ebenfalls besitzen. Ihre Chancen steigen mit jedem Haken auf dieser Liste - oder umgekehrt.

  5. Bewerbungsfehler: Keine Zahlen oder Prozente

    Unterschätzen Sie niemals die psychologische Wirkung von Zahlen. Sie geben jeder Aussage sofort mehr Gewicht und Glaubwürdigkeit. Das gilt insbesondere für Ihre Erfolge im Lebenslauf. Konnten Sie durch Ihre Arbeit Kosten sparen, Umsätze steigern, Kunden zufriedener machen? Dann beziffern Sie das quantitativ in Zahlen und Prozenten. Behaupten, dass Ihre Arbeit einen Mehrwert geschaffen hat, lässt sich leicht. Ist der Erfolg aber messbar, wird er zum Fakt.

  6. Bewerbungsfehler: Übertriebene Anbiederei

    In Ihrer Bewerbung wollen Sie hervorheben, wie gerne Sie für genau diesen Arbeitgeber tätig sein wollen? Grundsätzlich eine gute Idee, doch sollten Sie dabei nicht zu dick auftragen. Der Grat zwischen Motivation und Anbiederei ist schmal. Das Ganze kann auch schnell wie Bedürftigkeit aussehen. Dann wirken Sie nicht mehr wie ein Talent, das dem Unternehmen seine Vorteile anbietet, sondern wie jemand, der dringend einen Job braucht. Das senkt Ihre Verhandlungsposition deutlich - und meist auch die Bewerbungschancen.

  7. Bewerbungsfehler: Fehlende Aussagekraft

    Es gibt Formulierungen, die sich in vielen Bewerbungen wiederfinden. Das bedeutet aber nicht, dass Sie gut wären: Ich bin kreativ, teamfähig, belastbar, ... sind typische Phrasen, die kein Personaler noch ernst nimmt - eben weil sie so inflationär verwendet werden. Überdies handelt es sich hierbei um Selbstverständlichkeiten: Das Gegenteil wäre die Nachricht ("Ich bin nicht teamfähig.") - aber so jemand wird auch nicht eingestellt. Wer aber Selbstverständlichkeiten betont, nährt den Verdacht, dass da sonst nichts mehr ist. Arbeiten Sie daher lieber das Besondere, die Alleinstellungsmerkmale an sich heraus.

  8. Bewerbungsfehler: Keine Positionierung

    Der Fehler wird vor allem bei Initiativbewerbungen gemacht: Sie präsentieren sich als Generalist mit dem gesamten Portfolio, Motto: Den Job könnte ich machen, den aber auch... Riesenfehler! Dahinter steckt zwar die Idee, seine Chancen zu verbreitern und zu steigern. Eingestellt werden aber nie Allrounder, sondern stets Spezialisten. Fokussieren Sie sich daher im Anschreiben stets auf eine klare Zielposition oder ein bestimmtes Aufgabengebiet. Eine klare Positionierung erhöht nicht nur die Bewerbungschancen - sie steigert auch Ihren Marktwert.

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Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Bewerbung!

[Bildnachweis: HomeArt, ArtFamily by Shutterstock.com]

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