Hauptsache Job: Aber auch für weniger Geld?

Hauptsache Job? Für viele – gerade jüngere Arbeitnehmer stimmt diese Erkenntnis so nicht mehr. Für die Generation Y ist es nicht nur wichtig, einen Job zu haben, er muss auch zum Lebenskonzept passen. Jobsharing, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind nur einige Faktoren, die bei der Wahl des neuen Jobs eine Rolle spielen. Kurzum, Hauptsache Job – egal zu welchem Preis war einmal…

Hauptsache Job: Aber auch für weniger Geld?

Hauptsache Job? Was bei der Jobwahl zählt

Verschiedene Arbeitnehmer setzen verschiedene Schwerpunkte bei der Entscheidung nach einem neuen Job. Gehalt, Firmenwagen, betriebliche Altersvorsorge und das kollegiale Umfeld sind nur einige der Faktoren, die Arbeitnehmer dabei in Betracht ziehen.

Hauptsache Job – egal um welchen Preis stimmt so pauschal also nicht. Vor allem ein weiteres Kriterium wird immer wichtiger – und das gerade bei jüngeren Arbeitnehmern: Die (Frei-)Zeit.

Besonders die Generation Y, also Personen, die in den frühen 1980er Jahren bis zu den späten 1990er Jahren geboren sind, nimmt Abstriche beim Gehalt hin, wenn ihr dafür mehr Freizeit und Selbstbestimmung im Job geboten wird. Das Mantra Hauptsache Job, der Rest findet sich dann schon, das die vorherigen Generationen runter gebetet haben, gilt für die junge und jüngere Generation nicht mehr.

Bei jungen Arbeitnehmern sitzt daher die Kündigung lockerer, wenn der Job nicht die gewünschte Work-Life-Balance bereithält.

Ältere Arbeitnehmer haben dagegen – das legen jedenfalls Umfragen nahe – andere Prioritäten. Für sie ist ein hohes Gehalt wichtiger als eine ausgeglichene Balance zwischen Arbeit und Freizeit. Niedriges Gehalt ist für Arbeitnehmer 45 Plus einer der wichtigeren Gründe, sich nach einem neuen Job umzusehen.

Hauptsache Job? Eher nicht! Das finden Arbeitnehmer wichtig

Wir sehen also, dass es Unterschiede in den Anforderungen an einen Job gibt, abhängig davon, wie alt ein Arbeitnehmer ist. Für die jüngere Generation heißt es daher nicht nur Hauptsache Job, sondern das Gesamtpaket muss stimmen.

Dazu gehört:

  • Überstundenausgleich

    Klar, Überstundenausgleich gehört dazu, wenn es um eine ausgewogene Work-Life-Balance geht.

    Daher bevorzugen Arbeitnehmer der Generation Y eher den Ausgleich der Überstunden durch Freizeit, statt durch mehr Gehalt. Wobei sie letzteres auch nicht ablehnen. Wichtig ist, dass überhaupt ein Ausgleich stattfindet. Das sehen übrigens auch Arbeitnehmer anderer Generationen so.

  • Flexibilität

    Überstundenausgleich, eine ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit und Flexibilität – die Generation Y zeigt deutliche Forderungen, wenn es um den Beruf geht. Hauptsache irgendein Job, egal zu welchem Preis – das war einmal.

    Für Arbeitnehmer wird es immer wichtiger, dass sie – so weit wie möglich – eigenverantwortlich über ihren Arbeitstag bestimmen können. Dazu gehören flexibles Arbeiten ebenso wie Teilzeitmodelle oder die Möglichkeit, aus dem Homeoffice zu arbeiten.

  • Flache Hierarchien

    Mitbestimmungsrecht und flache Hierarchien sind gerade für jüngere Arbeitnehmer wichtig, wenn sie sich nach einem neuen Job umsehen.

    Dabei sind ganz verschiedene Modelle denkbar und wie sie bewertet werden, hängt von dem einzelnen Arbeitnehmer ab. Eine Tendenz lässt sich aber erkennen: Gerade Start-ups experimentieren mit neuen Modellen der Unternehmensführung.

    Da gibt es beispielsweise die Idee, dass der Chef nicht Chef ist, weil er dazu ernannt wurde oder das Unternehmen gegründet hat. Nein, Chef-sein will in manchen Start-ups verdient werden. Die Beschäftigten wählen dabei für einen vorgegebenen Turnus eine Person aus ihrer Mitte, die das Amt übernimmt. Ist die Person ungeeignet für den Job, kann sie ihn aber auch vorzeitig wieder los werden – darüber entscheiden die Beschäftigten.

    Natürlich bietet sich dieses Vorgehen nicht für jedes Unternehmen an. Was sich jedoch festhalten lässt ist die eindeutige Tendenz, dass jüngere Arbeitnehmer eher diejenigen Unternehmen bevorzugen, bei denen es flache Hierarchien und die Möglichkeit der Mitbestimmung gibt. Dafür sind sie bereit, Einbußen beim Gehalt in Kauf zu nehmen.

    Da häufig Start-ups mit einer neuen Art der Unternehmenskultur experimentieren, trifft sich das gut. In der Regel können neu gegründete Unternehmen bei den Gehaltszahlungen nicht mit alteingesessenen Firmen mithalten. Für Arbeitnehmer der Generation Y ist das aber nicht unbedingt ein Problem. Hauptsache der Job erfüllt die eigenen Vorstellungen.

  • Konstruktives Feedback

    Zu einer eher demokratisch ausgerichteten Unternehmensführung gehört auch die Möglichkeit, konstruktives Feedback geben zu können – und zwar über alle Ebenen hinweg.

    Wenn Mitarbeiter auch den Teamleitern konstruktives Feedback geben dürfen, steigert das die Mitarbeiterzufriedenheit und die Zugehörigkeit zum Unternehmen. Ganz davon abgesehen, dass von Feedback, bei dem die Feedbackregeln eingehalten werden, ohnehin in der Regel beide Seite profitieren.

Wann Sie einen schlechter bezahlten Job annehmen sollten

In Zeiten des Fachkräftemangels sehen es viele Arbeitnehmer nicht mehr so, dass es die Hauptsache ist, einen Job zu haben – egal um welchen Preis. Und der Preis ist auch schon genau das richtige Stichwort. Das Gehalt ist nicht mehr ganz so wichtig, wie es noch vor ein paar Jahren war.

Trotzdem scheuen sich die meisten Arbeitnehmer davor, einen Job anzunehmen, der schlechter bezahlt ist, als der aktuelle. Dem liegt das ungeschriebene Gesetz zugrunde, dass sich ein Jobwechsel unbedingt bezahlt machen muss – und zwar wortwörtlich.

Das merken Sie schnell, wenn Sie an Ihre letzte Gehaltsverhandlung zurückdenken: Mit großer Wahrscheinlichkeit haben Sie in dem Gespräch mehr Gehalt gefordert, als Sie bis dato verdient haben.

Und so sollte das auch im Bewerbungsgespräch laufen. Der Personaler erwartet sogar, dass Sie mehr verdienen wollen, als Sie es in Ihrer aktuellen Position tun.

Jetzt kann es aber sein, dass Ihnen andere Dinge, wie beispielsweise mehr Zeit für die Familie, ein Hobby oder auch ein Sabbatical wichtiger sind, als das Gehalt – und dann kann es sich lohnen, über den Wechsel in einen schlechter bezahlten Job nachzudenken.

Folgende Fragen können Ihnen bei der Entscheidung helfen:

  • Kommen Sie mit dem Gehalt aus?

    Geld ist zwar nicht alles für Sie, trotzdem sollten Sie von dem Gehalt leben können. Vor allem dann, wenn Sie in dem neuen Job weniger verdienen werden.

    Nutzen Sie einen Brutto-Netto-Rechner und finden Sie zunächst heraus, wie viel Geld Ihnen pro Monat zur Verfügung steht.

    Danach machen Sie eine genaue Aufstellung aller Kosten, die Sie pro Monat haben. Die wichtigsten Posten müssen Sie auch mit dem niedrigeren Gehalt bestreiten können. „Luxusausgaben“ wie Restaurantbesuche sollten Sie vorerst streichen.

    Übrigens: Wenn Sie wissen möchten, wie viel Geld Sie sparen, wenn Sie auf regelmäßige Ausgaben verzichten, die Sie streng genommen gar nicht brauchen, hilft Ihnen die 752-Regel weiter.

  • Sehen Sie längerfristige Perspektiven im Unternehmen?

    Wenn Sie den Job wechseln, dann sollten Sie mindestens zwei bis drei Jahre in der neuen Position bleiben, bevor Sie sich erneut bewerben. Meist empfinden Personaler diese Zeitspanne als ausreichend, um einen neuen Karriereschritt zu rechtfertigen.

    Wechsel des Arbeitgebers in kürzeren Abständen könnte Ihnen unter Umständen als Flatterhaftigkeit ausgelegt werden – und das wird selten positiv beurteilt. Versuchen Sie daher vor dem möglichen Wechsel herauszufinden, ob Ihr potentiell neuer Arbeitgeber an einem langfristigen Arbeitsverhältnis interessiert ist und Ihnen die Möglichkeit gibt, sich intern im Unternehmen oder extern weiterzubilden.

    Berufserfahrung und eigenständiges Arbeiten kann wertvoller sein, als ein üppiges Einsteigsgehalt.

  • Sind Ihnen die Kollegen sympathisch?

    Wenn Sie mehrere Stunden am Tag am Arbeitsplatz verbringen, solle Ihnen der Umgang mit den Kollegen Spaß machen. Es hat wenig Sinn, Abstriche beim Gehalt zu machen und sich gleichzeitig vor einem oder mehreren Kollegen am Arbeitsplatz zu verstecken, weil Sie mit ihnen nichts zu tun haben möchten.

    Sie sollten daher schon vor dem möglichen Jobwechsel einen Eindruck von den neuen Kollegen verschaffen. Können Sie vielleicht einen Probearbeitstag vereinbaren? Das wäre eine tolle Gelegenheit, einen Eindruck des täglichen Arbeitsablaufs und der Mitarbeiter zu bekommen.

    Eine andere Option: Gehen Sie bei Ihren Terminen in der Firma (Vorstellungsgespräch, zweite Runde) aufmerksam durch die Flure. Welchen Eindruck können Sie von der Stimmung in der Firma auffangen? Unter Umständen bietet es sich an, nach dem Gespräch vor dem Gebäude auszuharren. Vielleicht macht ein Kollege eine kurze Pause und Sie können ihn in ein Gespräch verwickeln. Das sollten Sie allerdings sehr unauffällig und beiläufig tun. Gewinnt jemand im Unternehmen den Eindruck, Sie spionierten den Angestellten nach, wird das nur selten gut für Sie ausgehen.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
29. Januar 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.

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