Gyorgy Barna / by shutterstock.com
Ein Studienabschluss ist das Nonplusultra und bietet jungen Menschen die besten Berufschancen. Das ist zumindest die weit verbreitete Annahme, die Ausbildungsberufe auf den ersten Blick unattraktiv macht. Eine Konsequenz ist die allenthalben beklagte Azubi-Lücke, die sich - laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung - in über 33.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen niederschlägt. Diese scheinbar schlechten Zahlen stellen für junge Menschen allerdings eine echte Chance: Nie hatten angehende Azubis bessere Aussichten und Perspektiven bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz...

Bewerbung für Ausbildung: Der etwas andere Ansatz

Robert Kneschke/ShutterstockViele angehende Azubis orientieren sich bei der Gestaltung ihrer Bewerbung an den Tipps und Richtlinien für Arbeitnehmer. Das ist nachvollziehbar, jedoch nur bedingt sinnvoll. Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz folgen eigenen Regeln und machen andere Schwerpunkte notwendig.

Angehende Azubis können beispielsweise nicht annähernd die Erfahrung von Arbeitnehmern vorweisen. Das erwartet auch niemand von ihnen. Es ist daher nicht sinnvoll, die Bewerbung für eine Ausbildung auf der praktischen Erfahrung des Bewerbers aufzubauen. Vielmehr sollten angehende Azubis ihre persönlichen Stärken und ihre Motivation für die Ausbildung in den Vordergrund stellen. Drei Fragen helfen Ihnen dabei:

  • Warum will ich diesen Beruf erlernen?
  • Warum bin ich dafür genau der oder die richtige?
  • Warum möchte ich die Ausbildung in diesem Betrieb machen?
Extra-Tipp: Vergessen Sie im Lebenslauf nicht, Ihre Hobbys anzugeben. Die werden von Personalern nicht nur gern gelesen - sie geben bei jungen Menschen auch einen guten ersten Eindruck über weitere Interessen oder soziales Engagement, die sogenannten Soft Skills.

Vorlage fürs Anschreiben

l i g h t p o e t/shutterstockDie drei oben genannten Fragen stellen den roten Faden für das Anschreiben dar. Angehende Azubis und Lehrlinge sollten hier der Versuchung widerstehen, sich via Copy & Paste bei den zahlreich verfügbaren Bewerbungsvorlagen zu bedienen. Auch unsere unten eingebettete Vorlage fürs Anschreiben soll lediglich als Inspiration, jedoch nicht als Kopiervorlage dienen.

Formulierungen eins zu eins zu übernehmen ist aus drei Gründen riskant:

  1. Geübte Personal erkennen Standardformulierungen und Textbausteine und sortieren entsprechende Bewerbungen in der Regel aus. Im schlimmsten Fall werden Erwartungen geweckt, die Bewerber im Vorstellungsgespräch nicht erfüllen können.
  2. Einer vorgefertigten Bewerbung fehlt die persönliche Note. Diese ist bei der Bewerbung für eine Ausbildung jedoch entscheidend, da in der Regel kaum (praktische) Qualifikationen vorhanden sind.
  3. Bewerbungen für Arbeitsplätze passen nicht zu angehenden Azubis und Lehrlingen. Die Formulierungen sind meist zu geschliffen und unterscheiden sich zu stark vom individuellen Stil.

Punkt eins und zwei sind selbsterklärend und werden meist beachtet, doch der dritte Punkt gerät gerne in Vergessenheit. Bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz spielen geschliffene Formulierung nur eine untergeordnete Rolle. Rechtschreibung und verständliches Deutsch sind zwar selbstverständliche Voraussetzungen, doch wenn die Motivation des Bewerbers für die jeweilige Ausbildung erkennbar ist, müssen die Sätze nicht perfekt formuliert sein.

Zu elegante Formulierungen - wie sie beispielsweise in Bewerbungsmustern für Arbeitnehmer zum Einsatz kommen - können bei Personalern sogar den Verdacht aufkommen lassen, dass das Anschreiben nicht vom angehenden Azubi selbst verfasst wurde.

Spätestens im Vorstellungsgespräch zeigt sich die Diskrepanz zwischen Anschreiben und persönlichem Auftreten. Ist diese zu groß, ist Enttäuschung - und damit schlechte Chancen - beim Personaler vorprogrammiert.

Unsere Anschreiben Vorlage - die Sie auch als PDF herunterladen können - zeigt, wie angehende Azubis und Lehrlinge ihre Motivation und Gründe für eine Ausbildung überzeugend vermitteln können. Ihr konkretes Anschreiben sollten Sie natürlich an Ihren individuellen Stil anpassen.

Vorlage Anschreiben Bewerbung Ausbildung

Unsere Vorlage ist bewusst zurückhaltend formuliert. Zu selbstbewusste Anschreiben sind bei der Bewerbung für eine Ausbildung in der Regel unangebracht, da angehende Azubis und Lehrlinge noch keine Leistungen oder Erfahrungen vorweisen können, die sehr selbstbewusstes Auftreten rechtfertigen könnten.

Der Verweis auf Praktika und eventuell vorhandene Beurteilungen oder Zeugnisse ist sinnvoll, beim Einsatz von Referenz- oder Empfehlungsschreiben ist jedoch Vorsicht geboten. Empfehlungen, die offensichtlich als Gefälligkeit erstellt wurden, können die Glaubwürdigkeit Ihrer Bewerbung eher negativ beeinflussen und Ihre Chancen reduzieren.

Checkliste für die Azubi-Bewerbung

Eine klassische Bewerbung orientiert sich an Regeln der sogenannten DIN 5008. Diese regelt generell den Aufbau von Schreiben im Geschäftsleben. Entsprechend sollte die Bewerbung für einen Ausbildungsplatz unbedingt diese Elemente enthalten:

[ ] Name, Anschrift, Telefon, E-Mail
[ ] Datum (rechtsbündig)
[ ] Anschrift des Empfängers
[ ] Betreffzeile: Welcher Ausbildungsplatz?
[ ] Persönliche Anrede (nicht "Sehr geehrte Damen und Herren")
[ ] Unterschrift mit Vor- und Nachnamen
[ ] Anlagenverzeichnis
[ ] Keine Tippfehler bei Namen - Korrekturlesen!

7 Bewerbungstipps für angehende Azubis und Lehrlinge

Um Ihnen die Bewerbung und Vorbereitung zu erleichtern, haben wir im Folgenden sieben bewährte Tipps zusammengestellt, die unserer Erfahrung nach oft ignoriert werden. Manche davon mögen banal oder offensichtlich klingen, Gespräche mit zahlreichen Personalern zeigen jedoch, dass sie in der Praxis viel zu oft unterschätzt oder vernachlässigt werden.

  1. Rechtzeitig recherchieren - Die meisten Ausbildungen beginnen direkt nach den Sommerferien, spätestens im September respektive Oktober. Angehende Azubis bewerben sich daher oft im Mai oder Juni - und sind damit zu spät dran. Denn viele Unternehmen, vor allem große Konzerne, suchen ihre Künftigen Azubis ein bis anderthalb Jahre im Voraus. Fragen Sie daher spätestens zwei Jahre vor dem geplanten Ausbildungsbeginn bei attraktiven Unternehmen an.
  2. Voraussetzungen klären - Wenn Sie ohnehin mit Unternehmens sprechen, sollten Sie gleich die formalen Voraussetzungen abklären. Dazu gehören unter anderem Altersbeschränkungen, der erforderliche Schulabschluss, notwendige Praktika und der Notendurchschnitt, insbesondere in ausbildungsrelevanten Fächern. Auch unternehmensspezifische Anforderungen sollten Sie erfragen.
  3. Bewerbungsmappe vorbereiten - Eine Bewerbungsmappe ist auch bei der Bewerbung für eine Ausbildung Pflicht. Das ist den meisten Bewerbern klar, doch beim Inhalt kommt es regelmäßig zu Missverständnissen. In eine vollständige Bewerbungsmappe gehören: Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto (nicht Pflicht), Schulzeugnis, Nachweise, Kopie des Führungszeugnisses (falls verlangt).
  4. Wirkung beachten - Eine saubere Bewerbungsmappe - bewährt haben sich Modelle mit durchsichtigem Deckblatt - macht nur einen Teil der Wirkung aus. Auch die Verwendung eines sauberen Umschlags, qualitativ gute Kopien - Zeugnisse werden nie im Original beigelegt - und ein professionelles Bewerbungsfoto tragen zu einer positiven Wirkung der Bewerbung bei. Lassen Sie daher vor dem Versand andere die Wirkung Ihrer Bewerbung beurteilen.
  5. Nachweise auswählen - Eine Kopie des aktuellsten Schulzeugnisses gehört auf jeden Fall in die Bewerbung. Sind die Noten hier nicht überragend, kann es sinnvoll sein, die letzten beiden Zeugnisse - wenn diese besser sind - ebenfalls beizulegen. Bei Nachweisen von Praktika und ehrenamtlichen Aktivitäten sollten Sie sich auf die wichtigsten beschränken.
  6. Länge begrenzen - Sowohl beim Lebenslauf als auch beim Anschreiben gilt: Eine A4-Seite ist bei der Bewerbung für eine Ausbildung das Maximum. Das Anschreiben sollte allerdings mindestens eine dreiviertel A4-Seite lang sein. Die Schriftgröße sollte zwischen elf und zwölf Punkten - auch abhängig von der gewählten Schriftart - liegen.
  7. Aktiv nachfragen - Wenn Sie sich postalisch oder per E-Mail bewerben, sollten Sie zeitnah telefonisch nachfragen und sich den Eingang Ihrer Bewerbung betätigen lassen. So können Sie sich nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern auch Probleme beim Versand ausschließen und sich eine groben Zeitraum bis zur ersten Rückmeldung nennen lassen.
[Bildnachweis: Gyorgy Barna, Robert Kneschke, l i g h t p o e t by Shutterstock.com]

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