Definition: Was ist eine telefonische Bewerbung?
Die telefonische Bewerbung (synonym: Telefonbewerbung) ist ein initiatives Bewerbungsgespräch am Telefon, bei dem sich eine Bewerberin oder ein Bewerber dem potenziellen Arbeitgeber vorstellt noch bevor die Bewerbungsunterlagen abgeschickt werden. Es ist praktisch die telefonische Variante einer Initiativbewerbung.
Die telefonische Bewerbung kann kurz sein, nur 5-15 Minuten dauern und lediglich wichtige Informationen zu einer ausgeschriebenen oder angestrebten Stelle erfragen. Oder aber daraus entwickelt sich sofort ein regelrechtes Telefoninterview, das auch schon mal 30-45 Minuten dauern kann. Deshalb lautet der wichtigste Tipp für die telefonische Bewerbung: Nie unvorbereitet anrufen!
Welche Arten der telefonischen Bewerbung gibt es?
Der Begriff „telefonische Bewerbung“ ist genau genommen ein Sammelbegriff. Damit können verschiedene Arten und Zeitpunkte im Bewerbungsprozess gemeint sein. Theoretisch ist jeder telefonische Kontakt zwischen Rcruiter und Bewerber eine Art Telefonbewerbung. Experten unterscheiden jedoch drei relevante Formen:
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Telefonbewerbung vor der schriftlichen Bewerbung
In diesem Fall ist die Telefonbewerbung der erste Kontakt zum Unternehmen. Sie rufen initiativ vor einer möglichen Bewerbung an, um Ihr Interesse an einem Job zu bekunden oder Informationen über eine freie Stelle oder den Bewerbungsprozess zu erfragen.
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Anruf nach der schriftlichen Bewerbung
Rufen Sie im Anschluss an eine schriftliche Bewerbung an, geht es meist um den aktuellen Stand im Auswahlprozess und wann Sie mit einer Entscheidung rechnen können. Das sogenannte Nachfassen sollte aber erst im Abstand von 2-3 Wochen nach der Bewerbung erfolgen.
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Vorstellungsgespräch am Telefon
Einige Unternehmen in Deutschland führen heute Vorstellungsgespräche am Telefon, insbesondere bei großen Bewerberzahlen und um eine Vorauswahl für persönliche Gespräche zu treffen. Das sind oft schon vollwertige Telefon- oder Videointerviews.
Bei der vierten Variante werden Sie als Bewerber angerufen – vom Recruiter oder Headhunter. Der Fachbegriff hierfür: Überfallinterview bzw. Schock-Anruf. Solche Überraschungstelefonate müssen Sie allerdings nicht akzeptieren: Sie dürfen jederzeit ablehnen und sagen, dass Sie gerade keine Zeit haben oder nicht frei sprechen können und deshalb den Termin verschieben möchten. Alles völlig legitim.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns vor allem auf die ersten beiden Varianten der telefonischen Bewerbung: Den initiativen Anruf für der Bewerbung – und den danach…
Wann ist die telefonische Bewerbung sinnvoll? Vor- und Nachteile
Eine initiative, telefonische Bewerbung ohne Termin kann die Chancen Ihrer Jobsuche deutlich erhöhen. Der telefonische Erstkontakt mit dem Wunscharbeitgeber kann sofort dazu führen, dass man Sie zu einem persönlichen Gespräch einlädt. Der Schuss kann aber genauso nach hinten losgehen. Deshalb benötigt Ihre telefonische Initiativbewerbung immer einen klugen Anlass oder Vorwand – und Sie sollten das Gespräch gründlich vorbereiten! Dann aber hat es durchaus veritable Vorteile…
Vorteile der telefonischen Bewerbung
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Sie bringen sich ins Gespräch
Indem Sie beim Personaler initiativ anrufen, stellen Sie einen ersten Kontakt her. Ihr Name ist schon mal im Kopf. In einem Stapel voller Bewerbungsmappen fallen Sie eher weniger auf. Es kann also ein Vorteil sein, wenn der Personaler Ihren Namen später erinnert. Sie stechen persönlich aus der Masse heraus.
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Sie gewinnen einen Informationsvorsprung
Gleichzeitig erhalten Sie mit dem Anruf oft Informationen, die Ihnen gegenüber Mitbewerbern Vorteile verschaffen: Vielleicht haben Sie noch Fragen zum Anforderungsprofil der Stelle, zu wichtigen Muss-Qualifikationen. Am Telefon können Sie mehr Tipps und Fakten erfragen als in der Stellenanzeige stehen.
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Sie finden einen guten Einstieg für die Bewerbung
Ein guter und origineller Einleitungssatz im Bewerbungsschreiben fällt vielen schwer. Mit der telefonischen Bewerbung haben Sie sich gleich eine persönliche Option geschaffen: Beziehen Sie sich direkt im ersten Satz auf das freundliche Telefonat und Gespräch und betonen Sie, dass es Ihren Wunsch verstärkt hat, für das Unternehmen zu arbeiten.
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Sie verstärken Motivation und Interesse
Mehr Eigeninitiative geht eigentlich nicht: Noch vor der schriftlichen Bewerbung zeigen Sie mit Ihrem Anruf: „Ich bin hochgradig motiviert und interessiere mich genau für Ihr Unternehmen!“ Das ist genau das, was viele Personaler heute suchen und sich von Kandidaten wünschen.
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Sie haben einen überschaubaren Aufwand
Der Aufwand für eine telefonische Bewerbung hält sich in Grenzen. Sie müssen dafür erst einmal nichts schreiben oder schon den perfekten Lebenslauf formulieren. Und die Vorbereitung für das Telefonat ist dieselbe wie für eine schriftliche Bewerbung. Tatsächlich ist die telefonische Bewerbung sogar eine Chance, um potenzielle Vorurteile zu entkräften: Bewerber mit Migrationshintergrund können am Telefon überzeugend beweisen, dass sie perfekt Deutsch sprechen; Bewerber über 50 wiederum zeigen, dass sie noch immer topfit sind.
Nachteile der telefonischen Bewerbung
Trotz der genannten Vorteile sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie spontan zum Hörer greifen und sich telefonisch bewerben. Wenn es gut läuft, steigern Sie damit Ihre Jobchancen. Der Effekt kann sich durch einen Blöd-Anruf aber genauso ins Gegenteil verkehren. Diese Gründe sprechen gegen eine telefonische Bewerbung:
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Sie nerven kolossal
Personaler sind notorisch gestresst. Über neugierige Anrufer freuen sie sich wie über eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Der telefonische Erstkontakt kann also genauso Minuspunkte bringen, wenn Sie unvorbereitet sind oder dumme Fragen stellen. Zum Beispiel: „Wie viel bezahlen Sie?“ Oder: „Wie bekomme ich am besten einen Job?“ So schon mal nicht!
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Sie haben nichts zu fragen
Die telefonische Bewerbung dient in erster Linie dazu, eine spätere, schriftliche Bewerbung zu optimieren, offene Fragen zu klären oder herauszufinden, ob das öffentliche Jobangebot noch existiert und zu Ihnen passt. Haben Sie keinen nachvollziehbaren Grund oder Anlass, fällt das Ihrem Gesprächspartner auf – und zwar immer negativ.
6 Tipps für die perfekte telefonische Bewerbung
Eine telefonische Bewerbung eröffnet zahlreiche Chancen, ist aber mehr als ein schneller Anruf beim Wunscharbeitgeber. Um damit zu punkten und zu überzeugen, ist gründliche Vorbereitung oberste Pflicht. Für eine erfolgreiche telefonische Bewerbung empfehlen wir daher diese sechs Schritte und Tipps:
1. Bereiten Sie sich vor
Die telefonische Bewerbung wirkt zwar wie ein spontaner Anruf – sie ist es aber nicht, sondern vielmehr ein strategisch vorbereitetes Gespräch. Informieren Sie sich im Vorfeld intensiv über das Unternehmen, die angestrebte Position sowie über Ihren möglichen Gesprächspartner. Informationen dazu finden Sie in der Stellenanzeige und auf der Homepage des Unternehmens. Namen und Hintergründe von Personalern können Sie überdies auf Linkedin oder Xing recherchieren. Zur Vorbereitung gehört auch die Übung des Telefonats: Proben Sie mit Freunden oder Ihrem Partner das Gespräch und überlegen Sie sich einen guten Einstieg oder wie Sie sich selbst kurz vorstellen und was Sie im Gespräch sagen.
2. Legen Sie sich Fragen zurecht
Schon vor dem Anruf sollten Sie genau wissen, was Sie in der telefonischen Bewerbung fragen wollen. Das zeigt, dass Sie ein klares Ziel mit dem Telefonat verfolgen und sich nicht erst währenddessen überlegen, warum Sie überhaupt anrufen. Mögliche Fragen sind zum Beispiel:
- Ist die ausgeschriebene Stelle noch frei?
- An welchem Standort wird die Position besetzt?
- Akzeptieren Sie auch Initiativbewerbungen?
- Wer wäre der richtige Ansprechpartner dafür?
- Welche Unterlagen benötigen Sie zusätzlich zu Anschreiben und Lebenslauf?
- Bevorzugen Sie eine E-Mail-Bewerbung oder Online-Bewerbung?
Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Fragen aber unbedingt darauf, keine Informationen zu abzufragen, die Sie leicht in der Stellenanzeige oder auf der Firmenwebseite hätten finden können! Das entlarvt den Telefonanruf sofort als bloße Masche.
3. Drängen Sie sich nicht auf
Bei einer telefonischen Bewerbung sollten Sie natürlich stets freundlich, höflich und professionell sein. Neben einem freundlichen Ton zählt dazu, dass Sie Ihrem Gesprächspartner das Telefonat nicht aufzwingen. Bedeutet: Die erste Frage nach Ihrer Kurzvorstellung lautet immer: „Haben Sie kurz 5 Minuten Zeit für Fragen zur Bewerbung?“ Hat der Personaler gerade keine Zeit, fragen Sie nach einem späteren Termin für die Telefonbewerbung und wann Sie wieder anrufen dürfen.
4. Schaffen Sie eine gute Gesprächsatmosphäre
Hintergrundlärm und andere Störgeräusche sind bei der telefonischen Bewerbung absolut tabu und ein No-Go. Sie klingeln einfach an und dann tut es auch noch im Ohr weh? Geht gar nicht! Achten Sie also darauf, dass Sie sofort eine ruhige und angenehme Gesprächsatmosphäre schaffen: Ziehen Sie sich für das Telefonat in einen Raum zurück, in dem Sie ungestört telefonieren können. Schließen Sie die Fenster und sprechen Sie langsam, deutlich und weder zu laut noch zu leise. Auch das kann man vorab mit einem Freund oder einer Freundin testen.
5. Lächeln Sie während der Telefonbewerbung
Auch wenn das niemand sehen kann: Während der telefonischen Bewerbung sollten Sie immer und viel lächeln. Glauben Sie uns: Man kann das hören – und es überträgt sich auf Ihre Stimme und Ihren Gesprächspartner. Wer lächelt, klingt sofort sympathischer, offener und freundlicher. Das mag sich anfangs komisch anfühlen, alleine für sich zu lächeln – deshalb sollten Sie auch diesen Teil vorher üben. Sie erzielen damit aber eine viel größere Bereitschaft für ein längeres Gespräch!
6. Bedanken Sie sich am Schluss
Zum professionellen Abschluss der telefonischen Bewerbung gehört unbedingt, dass Sie sich für die Zeit und das Telefonat bedanken. Genau genommen stören Sie den Arbeitsablauf. Hat sich Ihr Ansprechpartner dann doch die Zeit genommen, Ihre Fragen zu beantworten und Ihnen weiterzuhelfen, ist ein „Dankeschön“ das Mindeste und gehört einfach zum guten Ton. Gleichzeitig sollten Sie am Ende noch einmal betonen, dass das Gespräch Sie eher noch bestärkt hat, jetzt erst recht für das Unternehmen arbeiten zu wollen. Falls aus der telefonischen Bewerbung noch kein Telefoninterview geworden ist, fragen Sie also nach, ob Sie dem Personaler gleich noch Ihre Unterlagen mailen dürfen.
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Telefonische Bewerbung Checkliste: Daran bitte denken!
In unserer Checkliste zur telefonischen Bewerbung haben wir noch einmal die wichtigsten Informationen und Eckpfeiler für Sie aufgelistet, an die Sie vorab denken sollten. Die Liste können Sie direkt hier online im Browser anklicken und abhaken:
- Eine telefonische Bewerbung ist in meinem Fall sinnvoll.
- Ich bereite mich darauf gründlich vor.
- Wichtige Hintergrundinformationen habe ich recherchiert.
- Ich habe meine Kurzvorstellung geübt.
- Ich kenne gute Fragen für den Aufhänger und Anlass.
- Ich bin ebenso auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet.
- Ich kann in ruhiger Atmosphäre telefonieren.
- Ich erkundige mich zuerst, ob der Zeitpunkt gerade passt.
- Ich lächele viel während des Telefongesprächs.
- Ich bedanke mich am Ende des Anrufs.
- Ich schicke meine (Initiativ-)Bewerbung hinterher.
Wann ist die beste Zeit für Anrufe?
Unserer Erfahrung nach sind die besten Zeiten für eine telefonische Bewerbung und einen Anruf in der Personalabteilung Dienstag- und Mittwochnachmittag zwischen 14 und 16 Uhr. Am Montag stehen viele noch unter Zeitdruck; zum Wochenende hin, ist die Luft und Motivation oft raus, solche Telefonate zu führen.
Anruf nach der Bewerbung: Bitte warten!
Neben der telefonischen Bewerbung VOR der schriftlichen, gibt es noch den schon angekündigten zweiten Fall für einen Anruf danach. Leider kommt es in Deutschland immer öfter vor, dass Bewerber nach der Bewerbung nichts mehr vom Unternehmen hören – keine Eingangsbestätigung, keine Antwort, nichts.
„Ghosting“ nennt sich das Phänomen in der Fachsprache und ist ebenso unhöflich wie respektlos. Sollten Sie also keine Reaktion und Resonanz auf Ihre Bewerbung erhalten, dürfen Sie nachfassen. Faustregel: Warten Sie zunächst 2-3 Wochen ab, danach dürfen Sie sich nach dem Zwischenstand der Bewerbung erkundigen.
Tatsächlich wirkt das Nachfragen per E-Mail oder Telefon weitaus weniger lästig oder negativ als viele Bewerber befürchten. Trauen Sie sich also! Personaler haben nichts gegen ein professionelles, unaufdringliches Nachfassen. Auch das kann Ihre Jobchancen erhöhen…
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