Berufserfahrung: Alles, was Sie wissen müssen
Berufserfahrung ist ein großes Thema, über das immer wieder diskutiert wird. Unternehmen setzen oftmals voraus, dass Bewerber bereits einige Jahre gearbeitet haben, um überhaupt eine Chance auf den Job zu haben. Gerade für Absolventen, die vor dem Berufseinstieg stehen, eine schwierige Situation, da die Anforderungen manchmal kaum zu erfüllen sind. Wir haben uns ausgiebig mit der Berufserfahrung auseinandergesetzt und beantworten für Sie die wichtigsten Fragen: Warum ist Berufserfahrung so wichtig? Was genau verstehen Arbeitgeber darunter und was verlangen sie von Bewerbern? Und natürlich auch: Wo kann ich Berufserfahrung sammeln?

Ohne Berufserfahrung ist es schwer auf dem Arbeitsmarkt

Ein einziger Blick in Stellenbörsen oder in die Ausschreibungen der Zeitung zeigt sofort den Wert der Berufserfahrung. In fast jeder Anzeige findet sich eine Mindestanforderung an die Erfahrung eines potenziellen Mitarbeiters. Mal sind es zwei Jahre, mal drei und woanders fünf, aber doch bleibt es derselbe Grundgedanke: Berufserfahrung entscheidet darüber, ob ein Bewerber gute Chancen auf eine Position hat oder Personaler sich für jemand anderen entscheiden.

Bei den zusätzlichen Qualifikationen, die ein Arbeitnehmer über die erforderlichen fachlichen Kenntnisse hinaus mitbringen sollte, rangiert die Berufserfahrung damit ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Aber warum eigentlich?

Unternehmen erhoffen sich von berufserfahrenen Mitarbeitern viele Vorteile. Zunächst zeigt die Berufserfahrung, dass ein Arbeitnehmer wirklich sein Handwerk versteht, sich gut in der Branche auskennt, weiß, welche Aufgaben und Erwartungen auf ihn zukommen und in der Lage ist, mit diesen umzugehen und Ergebnisse zu liefern. Für viele Arbeitgeber ist auch wichtig, dass neue Mitarbeiter bereits mit den Abläufen im Arbeitsalltag vertraut sind, im Team zusammenarbeiten können und auch die Unternehmenshierarchien kennen und verstehen.

Zusätzlich soll Berufserfahrung einen schnelleren Einstieg in die Arbeit ermöglichen. Es braucht keine lange und ausführliche Einarbeitung, Aufgaben können schneller eigenständig bearbeitet werden und es braucht weniger Aufsicht und Kontrolle. Kurz gesagt: Durch Berufserfahrung können neue Mitarbeiter schneller zum Erfolg beitragen und benötigen weniger Zeit und Aufwand - klingt eigennützig, ist aber vor allem wirtschaftliches Denken.

Der Teufelskreis der Berufserfahrung

Berufserfahrung Teufelskreis Definition Sammeln Ausbildung SynonymKommen die Themen Berufserfahrung und Berufseinstieg zusammen, ist Streit und Frust abzusehen. Gerade Studenten stehen immer wieder vor einem regelrechten Teufelskreis, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt: Ohne Berufserfahrung scheint es fast unmöglich, einen Job zu bekommen. Aber ohne Job kann keine Berufserfahrung gesammelt werden.

Den utopischen Erwartungen lässt sich kaum gerecht werden. Bewerber sollen bitte möglichst jung und motiviert sein, frisch von der Uni, aber gleichzeitig mindestens drei bis fünf Jahre Berufserfahrung mitbringen, dazu guten Noten, am besten ein Auslandsaufenthalt, das ein oder andere Praktika bei namhaften Unternehmen und als Kirsche auf der Wunschbewerber-Torte noch diverse Sprachkenntnisse. Die klassische eierlegende Wollmilchsau eben.

Selbst mit einem guten Uni-Abschluss kann die Jobsuche so zur Qual werden und viele Stellen, die ideal erscheinen und Traumjobpotenzial mitbringen, fallen von vornherein raus, da mehrjährige Berufserfahrung vorausgesetzt wird. Wer sich ohne bewirbt, kann gleich mit einer Absage rechnen, da Arbeitgeber bei diesen Anforderungen kaum eine Ausnahme machen.

Als Ausweg aus dem Teufelskreis bleibt oftmals nur eine designierte Einstiegsposition, die explizit für Berufseinsteiger gedacht ist. Allerdings bringt das gleich das nächste Problem mit: Diese Stellen sind eine Rarität, gleichzeitig aber sehr begehrt. Dabei bricht ein regelrechter Konkurrenzkampf aus, in dem Kandidaten versuchen, sich gegenseitig auszustechen und zu überbieten.

Welche Berufserfahrung bringe ich eigentlich mit?

Für den ersten Job ist die Berufserfahrung zweifellos kritisch. Es gab schlichtweg kein vorheriges Arbeitsverhältnis, auf das Sie sich berufen könnten. Ist dieser Schritt jedoch einmal gemacht, sollte es bei einem Jobwechsel einfacher werden. Oder etwa nicht?

Zwei Drittel der Arbeitnehmer wechseln im Verlauf ihres Berufslebens bis zu fünf Mal den Job und Arbeitgeber. Die häufigsten Gründe sind schlechte Bezahlung und ein mieses Arbeitsklima, doch unabhängig davon bringt jede Station weitere Monate oder Jahre auf das eigene Erfahrungskonto, um bei der nächsten Bewerbung zu punkten. Allerdings sollten Sie Stellenanzeigen immer sehr genau lesen und darauf achten, welche Art der Berufserfahrung ein Arbeitgeber verlangt.

Berufserfahrung ist noch lange nicht gleich Berufserfahrung und jenachdem, auf welche Position Sie sich bewerben, sollten Sie wissen, ob Sie die richtigen Voraussetzungen mitbringen, um überhaupt eine Chance auf den Job zu haben - oder ob Sie gleich in der ersten Auswahlrunde aussortiert werden und Ihre Unterlagen in der Ablage P landen. Häufig geben Unternehmen zeitliche Rahmen an, etwa mindestens drei Jahre Berufserfahrung, ist dies nicht der Fall, lässt sich die Information aus den Formulierungen ziehen:

  • Berufserfahrung: Stellen für keine oder geringe Erfahrung

    Wird im Jobangebot Berufserfahrung überhaupt nicht erwähnt, können Sie Ihr Glück auch als Einsteiger versuchen. Es bedeutet zwar nicht, dass bei der Auswahl überhaupt nicht darauf geachtet wird, zumindest aber ist es keine gesondert erwähnte Voraussetzung. Aber auch einige Formulierungen zeigen, dass Berufserfahrung nicht zwingend erforderlich ist.

    Unternehmen verwenden hierbei gerne den Satz Erste Berufserfahrung ist von Vorteil. Heißt übersetzt: Wenn sonst alles passt, geht es auch ohne, aber besser stehen die Chancen, wenn Sie schon etwas vorzuweisen haben. Die gleiche Bedeutung hat etwa die Formulierung Idealerweise bringt der Kandidat bereits erste Berufserfahrung mit...

    Wird hingegen nur erste Berufserfahrung verlangt, sollte diese auch vorhanden sein. Dabei muss es allerdings kein langjähriger Arbeitsvertrag sein. Hier zählt vor allem, dass Sie schon einmal in der Praxis tätig waren. Das kann in einem regulären Arbeitsverhältnis gewesen sein, aber auch ein mehrmonatiges Praktikum oder ein Nebenjob im entsprechenden Bereich sind denkbar.


  • Berufserfahrung: Stellen für vorhandene Erfahrung

    Erwartet ein Arbeitgeber mehr, ist in der Stellenausschreibung häufig von einschlägiger Berufserfahrung oder auch relevanter Berufserfahrung die Rede. Konkret bedeutet dies, dass von einem Bewerber erwartet wird, dass er bereits in diesem oder einem sehr verwandten Bereich gearbeitet hat und sich mit den Aufgaben und Ablaufen auskennen sollte.

    Wie lange die Berufserfahrung in diesem Fall sein sollte, kommt auf die individuelle Situation an. Ein Kandidat erlangt die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse vielleicht nach einem, ein anderer nach drei Jahren. Entscheidend ist deshalb auch, wie Sie die Berufserfahrung im Lebenslauf verkaufen und platzieren.

    Wichtig für diese Position ist aber, dass Sie sich auf wirklich relevante Berufserfahrung beziehen. Ein Praktikum oder ein Job in einer vollkommen anderen Branche ist zwar grundsätzlich auch Berufserfahrung, qualifiziert Sie aber nicht für eine solche Stelle.


  • Berufserfahrung: Stellen für besondere Erfahrung

    Sucht ein Unternehmen nach Mitarbeitern mit umfassender Berufserfahrung, fundierter Berufserfahrung oder auch langjähriger Berufserfahrung, wird meist eine Beschäftigung von mindestens mehreren Jahren in einer passenden Position erwartet. Hier setzt der Arbeitgeber voraus, dass Sie sich bestens auskennen, mit Aufgaben und allen Zusätzen vertraut sind und sich schnell im neuen Umfeld zurechtfinden.

    Hierbei sollten Sie auch achten, wenn Sie sich auf eine höhere Position bewerben wollen. Wenn Sie fünf Jahre auf Ihrer Position gearbeitet haben, haben Sie für diese Tätigkeit zwar die erwünschte Berufserfahrung, diese fehlt jedoch, wenn Sie sich auf eine höhere Stelle, beispielsweise als Führungskraft, bewerben.

    Es lohnt sich deshalb, besonders langfristig zu planen. Wollen Sie als Führungskraft in ein anderes Unternehmen wechseln, kann es empfehlenswert sein, zunächst beim aktuellen Arbeitgeber aufzusteigen, um sich im Anschluss mit vorhandener Berufserfahrung zu bewerben.

Berufserfahrung in der Bewerbung

Berufserfahrung Bewerbung Lebenslauf Anschreiben AusbildungIst Berufserfahrung für einen Job erwünscht oder wird sogar vorausgesetzt, sollte diese auch in der Bewerbung einen Platz finden. Klassischerweise ist dieser im Lebenslauf, wo Sie Ihre bisherigen Stationen auflisten. Wichtig ist dabei, dass Sie nicht nur die Dauer der Beschäftigung und den Namen des ehemaligen Arbeitgebers angeben, sondern auch kurz und in Stichpunkten darauf eingehen, welche Aufgaben Sie übernommen haben. Mit dem Punkt 01.01.2005 bis 31.04.2009 - Mitarbeit bei Müller GmbH kann ein Personaler nicht viel anfangen.

Fügen Sie jedoch hinzu, dass Sie hauptverantwortlich für das Marketingbudget waren, große Projekte koordiniert oder Messebesuche organisiert haben, wird ein Schuh daraus. Achten Sie deshalb auch darauf, in Ihrer Berufserfahrung auf Aspekte einzugehen, die für das neue Unternehmen interessant und relevant sind. Wonach genau gesucht wird, finden Sie dabei meistens in der Stellenanzeige.

Auch in Ihrem Bewerbungsanschreiben sollten Sie auf Ihre Berufserfahrung eingehen. Hier haben Sie die Möglichkeit, noch einmal auszuformulieren, was Sie gelernt haben und wie Sie dieses Wissen für den neuen Chef einsetzen wollen. Dabei sollten Sie allerdings nicht zu ausschweifend werden, sondern sich darauf konzentrieren, die wichtigsten Punkte präzise zu formulieren und auf den Punkt zu bringen.

Weitere Tipps und Informationen finden Sie in unserem Artikel zur Bewerbung ohne Berufserfahrung.

Wo kann ich Berufserfahrung sammeln?

Berufserfahrung sammelnMit einer Ausbildung kommt die erste Berufserfahrung ganz automatisch - allerdings wird eine Ausbildung oftmals geringer gewichtet als spätere Berufserfahrung. Noch schwieriger ist es, wenn Sie an der Uni oder einer Fachhochschule sind. In erster Linie erfordert es größere Eigeninitiative. Wollen Studenten sich gleichzeitig zur theoretischen Ausbildung noch Berufserfahrung aneignen, stehen ihnen dabei verschiedene Wege offen. Eine ist natürlich das duale Studium, das in der folgenden Auflistung deshalb bewusst nicht auftaucht, da hier die Berufserfahrung bereits Teil des gesamten Studienkonzeptes ist. Stattdessen konzentrieren sich die Optionen auf Studenten, deren Studium sich auf theoretisches Wissen fokussiert und die deshalb nach anderen Möglichkeiten suchen, um Berufserfahrung zu sammeln. Wir haben uns verschiedene Alternativen angesehen und zeigen Ihnen, wo Sie besonders gut und zielgerichtet Berufserfahrung sammeln können.

  1. Praktikum

    Die oftmals einfachste Möglichkeit, um Berufserfahrung zu sammeln, ist ein Praktikum. In vielen Studiengängen gehören diese ohnehin zum Pflichtprogramm, doch auch aus eigenem Antrieb heraus sollten Sie sich nach geeigneten Möglichkeiten umsehen. Wenn es Ihnen gelingt, ein Praktikum bei einem Unternehmen zu machen, das als späterer Arbeitgeber für Sie in Frage kommt, haben Sie nicht nur Berufserfahrung gesammelt, sondern durch die Kontakte vielleicht schon einen Fuß in der Tür.


  2. Studentenjobs

    Viele Studenten gehen arbeiten, um sich ein wenig Geld dazuzuverdienen. In zahlreichen Branchen werden Teilzeit-Stellen oder projektbezogene Aufgaben gerne an Studenten des Fachgebietes vergeben. Natürlich müssen sich Studenten für diese Jobs ganz normal bewerben. Das kann stressig sein, ist jedoch eine hervorragende Vorbereitung für die spätere Bewerbung um einen Arbeitsplatz. Wichtig ist bei solchen Stellen allerdings, dass sich sowohl der Zeitumfang als auch die Arbeitszeiten mit dem Studium vereinbaren lassen. Hier haben Branchen mit hoher Telearbeit logischerweise Vorteile gegenüber Jobs, bei denen die Studenten persönlich vor Ort sein müssen.


  3. Kooperationsprojekte der Hochschulen mit Unternehmen

    Diese haben gleich mehrere Vorteile: Erstens sind die Arbeits- und Projektzeiten in der Regel von vornherein auf die Vorlesungszeiten abgestimmt und zweitens läuft die Bewerbung hier hochschulintern ab, der Aufwand hält sich daher meist in Grenzen. Dazu kommt, dass die so erbrachten Leistungen oft direkt für das Studium verwertet werden können. Einen Nachteil stellt dabei jedoch oft die Bezahlung dar, die bei solchen Projekten entweder gar nicht oder nur niedrig erfolgt.


  4. Werkstudent

    Als Werkstudent knüpfen Sie wichtige Kontakte zu Unternehmen und legen vielleicht bereits den ersten Stein für Ihre spätere Karriere. Sie arbeiten bis zu 20 Stunden pro Woche neben dem Studium bei einem Arbeitgeber und erhalten Einblicke in die Prozesse und Arbeitsabläufe. Auch die Bezahlung ist hier ein Pluspunkt. Auf der anderen Seite sind die Anforderungen jedoch relativ hoch: Zum einen sind diese Plätze durch die vielen positiven Aspekte sehr begehrt, auf der anderen Seite bedeuten sie eine Menge Arbeit, da Werkstudenten in den Semesterferien oftmals in Vollzeit arbeiten.


  5. Freiberufliche Tätigkeit

    Eine freiberufliche Tätigkeit bietet die größte zeitliche und räumliche Flexibilität, ist jedoch auch am schwersten zu realisieren. Denn um überhaupt Aufträge zu erhalten oder an Projekten von Unternehmen teilnehmen zu können, müssen Studenten Reputation und Reichweite aufbauen. Das braucht Zeit und Energie, die Studenten im Vorfeld investieren müssen, ohne sicher sein zu können, dass sich der Aufwand später lohnt.

Berufserfahrung sammeln: Das sollten Sie beachten

Berufserfahrung sammeln Ausbildung LebenslaufUnabhängig davon, auf welche der oben beschriebenen Arten Sie Ihre Berufserfahrung sammeln, gibt es einige Punkte zu beachten. Wenn Sie die folgenden Themen im Vorfeld Ihrer Tätigkeit klären, können Sie sich viel Stress und Hektik sparen. Konkret bedeutet das:

  • Klären Sie den Zeitbedarf der Aufgaben möglichst exakt.
  • Vereinbaren Sie die Arbeitszeiten unbedingt schriftlich und stimmen Sie diese - wenn es zu Kollisionen mit Vorlesungen kommt - mit Ihren Referenten oder Professoren ab.
  • Legen Sie schriftlich die Zeiten fest, in denen Sie persönlich anwesend sein müssen.
  • Achten Sie auf Klauseln, die einen kurzfristigen Arbeitseinsatz notwendig machen könnten. Klären Sie, ob diese Klauseln gestrichen werden können.
  • Bestehen Sie darauf, dass alle Absprachen und Vereinbarungen bezüglich Arbeitszeit, Anwesenheit, Bezahlung und ähnliches schriftlich festgehalten werden.

Was Personaler aus der Berufserfahrung im Lebenslauf lesen

Personaler erkennen aus der Berufserfahrung nicht nur die Qualität eines Kandidaten, sondern können auch weitere Rückschlüsse ziehen, die möglicherweise im Laufe des Bewerbungsprozesses noch einmal von Bedeutung sein könnten. Hier geht sicherlich jeder Personalverantwortliche ein wenig anders vor und dahinter stehen oftmals Denkschubladen, aber nichtsdestotrotz sollten Sie als Bewerber darauf vorbereitet sein, um sich für den Notfall eine passende Antwort parat legen zu können. Berufserfahrung und Beschäftigungsverhältnisse...

    Bis 6 Monate: War der Wechsel ein eigener Entschluss?

  • Sicher, eine einmalige kurze Station ist kein Ausschlusskriterium - möglicherweise hat der Bewerber schon früh erkannt, dass der Job oder Arbeitgeber nicht zu ihm passen. Vielleicht wurde ihm auch aufgrund von Sparmaßnahmen und personellen Kürzungen gekündigt oder er hat ein anderes, verlockendes Angebot bekommen. Problematisch wird es jedoch immer dann, wenn mehrere solcher Kurzengagements aufeinander folgen. Hier vermuten Personaler irgendwann jemanden, der nicht teamfähig oder sich schlecht in bestehende Organisationen integrieren kann. Auch die Leistungsfähigkeit und Arbeitsmoral stehen dann bald im Zwielicht.
  • Manche Kandidaten haben einfach nur Pech bei der bisherigen Jobwahl gehabt. Dennoch sollten und müssen Sie in diesem Fall die kurzen Beschäftigungsverhältnisse von sich aus ansprechen - spätestens im Vorstellungsgespräch, besser aber schon im Bewerbungsschreiben. Es gilt, genau diesen gefährlichen Assoziationen entgegen zu wirken. Erzählen Sie dem Leser stattdessen, wie viel Sie in den jeweils sechs Monaten gelernt haben und wie Sie im neuen Job anwenden können.
  • 1 Jahr: Ist dieser Kandidat ein Jobhopper?

  • Weist der Lebenslauf eine oder gar mehrere Beschäftigungen von rund einem Jahr auf, vermuten Personaler dahinter leicht einen sogenannten Jobhopper. Das sind entweder besonders opportune Beschäftigte, die sofort wechseln, sobald sich etwas (vermeintlich) Besseres bietet. Oder sie sind womöglich teamunfähig, renitent, nicht integer. Laut Umfragen kommen für fast die Hälfte der Personaler solche Kandidaten als Arbeitnehmer nicht in Frage.
  • Falls Sie kein Jobhopper sind, dann überzeugen Sie den Personaler genau davon: Erzählen Sie, warum Sie Interesse an dieser Stelle und am Unternehmen haben und warum dieser Job kein Sprungbrett für Sie ist beziehungsweise wo Sie Ihre langfristige Entwicklung im Unternehmen sehen. Falls Sie aber doch zu häufigen Jobwechseln neigen, unterstreichen Sie zumindest, welchen Vorteil Ihre Berufserfahrung für das Unternehmen bringt. Manchmal ist es besser, ein Genie für ein Jahr einzustellen, statt einen Durchschnittsbewerber für mehrere Jahre.
  • 1 bis 3 Jahre: Gab es keine Beförderung?

  • Eine Beförderung wird nicht immer aus dem Lebenslauf ersichtlich, da sich die Stellenbeschreibung dabei nicht zwangsläufig ändert. Für Personaler ist bei einem Zeitraum von drei Jahren wichtig zu wissen, ob und was Sie in dieser Beschäftigungsdauer erreicht, ob Sie mehr Verantwortung übernommen und welche quantitativen und qualitativen Erfolge Sie erzielt haben. Eine Faustregel besagt: Echte Leistungsträger hinterlassen spätestens im dritten Jahr messbare Spuren im Unternehmen. Wer dann wechselt, sucht entweder neue Herausforderungen (gut) - oder zieht weiter, weil er oder sie nichts bewirkt hat und nun feststeckt.
  • Zeigen Sie im Lebenslauf knapp und kompakt, was Sie erreicht haben und wie. Am besten belegt durch Zahlen oder andere Messgrößen. Auch Beförderungen sowie Aufgaben- und Kompetenzerweiterungen sollten unbedingt erwähnt werden. Ansonsten bereiten Sie sich bitte unbedingt auf entsprechende (kritische) Rückfragen im Bewerbungsgespräch vor. Die kommen fast immer.
  • 3 bis 5 Jahre: Warum wollen Sie das Unternehmen gerade jetzt verlassen?

  • Diese Beschäftigungsdauer imponiert jedem Personaler, vor allem, wenn man die aktuelle Fluktuationsrate am Arbeitsmarkt berücksichtigt. Sie ist nicht zu kurz und nicht zu lang. Umso neugieriger sind Personaler nun natürlich auf die Ursache für den Wechselwunsch.
  • Ob Sie die aktuelle Stelle verlassen, weil es keine Möglichkeit zum Aufstieg mehr gibt oder weil Sie Ihren Beruf radikal verändern möchten: Formulieren Sie bitte im Motivationsschreiben stets eine sogenannte HIN-Motivation, nie eine WEG-Motivation. Letzteres sieht immer nach Flucht aus und nach jemandem, der sich Herausforderungen nicht stellt. Umgekehrt wird eher ein Schuh daraus: Sie orientieren sich hin zum neuen Arbeitgeber, weil der dies oder das bietet und weil Sie damit eine klare Karrierestrategie verfolgen. Das lässt Sie wiederum strategisch-planvoll und zielstrebig aussehen.
  • 5 bis 10 Jahre: Ist dieser Kandidat noch wechselfähig?

  • Es kommt natürlich ein bisschen auf den Beruf und die jeweilige Fachkarriere an. Auch nach zehn Jahren kann man sich noch problemlos beruflich verändern und Neues lernen. Aber mit zunehmendem Alter wird das mitunter schwerer. Und nach 20 Jahren in der einen Branche, ist ein radikaler Branchenwechsel fast nur noch für Generalisten (meist im Top-Management) reibungslos zu schaffen (und selbst die scheitern daran häufig). Der Personaler wird also versuchen, herauszufinden, warum dieser wertvolle und erfahrene Bewerber beschlossen hat, das Unternehmen zu wechseln. Auch hier schwingt der Verdacht mit, der Kandidat könnte einen Grund zur Flucht haben oder einer drohenden Kündigung zuvorkommen wollen.
  • Auch hier ist es entscheidend, den Jobwechsel gut zu begründen. Auch hier idealerweise gleich im Anschreiben. Es sollte deutlich werden, dass sich der Kandidat gezielt und aus guten Gründen auf die Stelle beworben hat. Zum Beispiel: Der neue Arbeitgeber bietet genau die Möglichkeiten, Arbeitsmittel und -methoden, die bislang fehlten. So kommen bei der Lektüre des Lebenslaufs erst gar keine negativen Assoziationen auf und der Personaler wird die Bewerbung nicht sofort abweisen.
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