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Wie lange sind Sie bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber schon beschäftigt? Wie oft haben Sie den Job gewechselt? Und wissen Sie, was diese Zahlen über Sie als Arbeitnehmer sagen? Sechs Monate, ein bis drei Jahre oder zehn Jahre – die Dauer des Arbeitsverhältnisses kann stark variieren. Für Personaler sind dies allerdings mehr als nur Abschnitte im Lebenslauf. Sie lesen in der Beschäftigungsdauer und der Berufserfahrung mehr, assoziieren und ziehen daraus Schlüsse. Nicht immer zum Vorteil für Bewerber...

Berufserfahrung oder Lebensabschnittsjob?

Laut einer aktuellen Statista-Umfrage wechseln rund 66 Prozent der Arbeitnehmer im Verlauf ihres Berufslebens bis zu fünf Mal den Job. Die häufigsten Gründe für den Jobwechsel sind:

  • Schlechte Bezahlung (61,5 Prozent )
  • Mieses Arbeitsklima (53 Prozent)

Der Schritt zum Jobwechsel liegt aber immer seltener bei den Arbeitnehmern. Vor allem junge Akademiker haben immer häufiger einen sogenannten Lebensabschnittsjob – sie hangeln sich von einem Zeitvertrag zum nächsten. Der Lebenslauf wird immer länger...

Einerseits sagt das viel über die gemachten Erfahrungen eines Bewerbers aus, andererseits betrachten Personaler einen solchen Patchwork-Werdegang zunehmend kritisch. Insbesondere, wenn die Jobwechsel chronisch werden.

Was Personaler aus der Berufserfahrung im Lebenslauf lesen

Berufserfahrung und Beschäftigungsverhältnisse...

    Bis 6 Monate: War der Wechsel ein eigener Entschluss?

  • Sicher, eine einmalige kurze Station ist kein Ausschlusskriterium - möglicherweise hat der Bewerber schon früh erkannt, dass der Job oder Arbeitgeber nicht zu ihm passen. Vielleicht wurde ihm auch aufgrund von Sparmaßnahmen und personellen Kürzungen gekündigt oder er hat ein anderes, verlockendes Angebot bekommen. Problematisch wird es jedoch immer dann, wenn mehrere solcher Kurzengagements aufeinander folgen. Hier vermuten Personaler irgendwann jemanden, der nicht teamfähig oder sich schlecht in bestehende Organisationen integrieren kann. Auch die Leistungsfähigkeit und Arbeitsmoral stehen dann bald im Zwielicht.
  • Manche Kandidaten haben einfach nur Pech bei der bisherigen Jobwahl gehabt. Dennoch sollten und müssen Sie in diesem Fall die kurzen Beschäftigungsverhältnisse von sich aus ansprechen - spätestens im Vorstellungsgespräch, besser aber schon im Bewerbungsschreiben. Es gilt, genau diesen gefährlichen Assoziationen entgegen zu wirken. Erzählen Sie dem Leser stattdessen, wie viel Sie in den jeweils sechs Monaten gelernt haben und wie Sie im neuen Job anwenden können.
  • 1 Jahr: Ist dieser Kandidat ein Jobhopper?

  • Weist der Lebenslauf eine oder gar mehrere Beschäftigungen von rund einem Jahr auf, vermuten Personaler dahinter leicht einen sogenannten Jobhopper. Das sind entweder besonders opportune Beschäftigte, die sofort wechseln, sobald sich etwas (vermeintlich) Besseres bietet. Oder sie sind womöglich teamunfähig, renitent, nicht integer. Laut Umfragen kommen für fast die Hälfte der Personaler solche Kandidaten als Arbeitnehmer nicht in Frage.
  • Falls Sie kein Jobhopper sind, dann überzeugen Sie den Personaler genau davon: Erzählen Sie, warum Sie Interesse an dieser Stelle und am Unternehmen haben und warum dieser Job kein Sprungbrett für Sie ist beziehungsweise wo Sie Ihre langfristige Entwicklung im Unternehmen sehen. Falls Sie aber doch zu häufigen Jobwechseln neigen, unterstreichen Sie zumindest, welchen Vorteil Ihre Berufserfahrung für das Unternehmen bringt. Manchmal ist es besser, ein Genie für ein Jahr einzustellen, statt einen Durchschnittsbewerber für mehrere Jahre.
  • 1 bis 3 Jahre: Gab es keine Beförderung?

  • Eine Beförderung wird nicht immer aus dem Lebenslauf ersichtlich, da sich die Stellenbeschreibung dabei nicht zwangsläufig ändert. Für Personaler ist bei einem Zeitraum von drei Jahren wichtig zu wissen, ob und was Sie in dieser Beschäftigungsdauer erreicht, ob Sie mehr Verantwortung übernommen und welche quantitativen und qualitativen Erfolge Sie erzielt haben. Eine Faustregel besagt: Echte Leistungsträger hinterlassen spätestens im dritten Jahr messbare Spuren im Unternehmen. Wer dann wechselt, sucht entweder neue Herausforderungen (gut) - oder zieht weiter, weil er oder sie nichts bewirkt hat und nun feststeckt.
  • Zeigen Sie im Lebenslauf knapp und kompakt, was Sie erreicht haben und wie. Am besten belegt durch Zahlen oder andere Messgrößen. Auch Beförderungen sowie Aufgaben- und Kompetenzerweiterungen sollten unbedingt erwähnt werden. Ansonsten bereiten Sie sich bitte unbedingt auf entsprechende (kritische) Rückfragen im Bewerbungsgespräch vor. Die kommen fast immer.
  • 3 bis 5 Jahre: Warum wollen Sie das Unternehmen gerade jetzt verlassen?

  • Diese Beschäftigungsdauer imponiert jedem Personaler, vor allem, wenn man die aktuelle Fluktuationsrate am Arbeitsmarkt berücksichtigt. Sie ist nicht zu kurz und nicht zu lang. Umso neugieriger sind Personaler nun natürlich auf die Ursache für den Wechselwunsch.
  • Ob Sie die aktuelle Stelle verlassen, weil es keine Möglichkeit zum Aufstieg mehr gibt oder weil Sie Ihren Beruf radikal verändern möchten: Formulieren Sie bitte im Motivationsschreiben stets eine sogenannte HIN-Motivation, nie eine WEG-Motivation. Letzteres sieht immer nach Flucht aus und nach jemandem, der sich Herausforderungen nicht stellt. Umgekehrt wird eher ein Schuh daraus: Sie orientieren sich hin zum neuen Arbeitgeber, weil der dies oder das bietet und weil Sie damit eine klare Karrierestrategie verfolgen. Das lässt Sie wiederum strategisch-planvoll und zielstrebig aussehen.
  • 5 bis 10 Jahre: Ist dieser Kandidat noch wechselfähig?

  • Es kommt natürlich ein bisschen auf den Beruf und die jeweilige Fachkarriere an. Auch nach zehn Jahren kann man sich noch problemlos beruflich verändern und Neues lernen. Aber mit zunehmendem Alter wird das mitunter schwerer. Und nach 20 Jahren in der einen Branche, ist ein radikaler Branchenwechsel fast nur noch für Generalisten (meist im Top-Management) reibungslos zu schaffen (und selbst die scheitern daran häufig). Der Personaler wird also versuchen, herauszufinden, warum dieser wertvolle und erfahrene Bewerber beschlossen hat, das Unternehmen zu wechseln. Auch hier schwingt der Verdacht mit, der Kandidat könnte einen Grund zur Flucht haben oder einer drohenden Kündigung zuvorkommen wollen.
  • Auch hier ist es entscheidend, den Jobwechsel gut zu begründen. Auch hier idealerweise gleich im Anschreiben. Es sollte deutlich werden, dass sich der Kandidat gezielt und aus guten Gründen auf die Stelle beworben hat. Zum Beispiel: Der neue Arbeitgeber bietet genau die Möglichkeiten, Arbeitsmittel und -methoden, die bislang fehlten. So kommen bei der Lektüre des Lebenslaufs erst gar keine negativen Assoziationen auf und der Personaler wird die Bewerbung nicht sofort abweisen.
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