Wer nicht wirbt, bekommt auch keinen Job. Eine Bewerbung ist – wie der Name schon sagt – Werbung in eigener Sache. Trotz dieses sehr individuellen Erscheinungsbildes gelten Bewerbungen einige Konventionen. Sie zu beherzigen, macht nicht uniform, sondern hat sich bewährt. Statt der üblichen Tipps zur Bewerbung heute die Essenz, das ABC der Bewerbung:

Anschreiben

Liegt obenauf und ist keine Dreingabe, sondern das Initial Ihrer Bewerbung. Entsprechend übersichtlich und prägnant muss es sein. Im Gegensatz zum Lebenslauf, der das Profil des Bewerbers schärft, spiegelt das Bewerbungsanschreiben seine Motivation. Wichtig: Dem Adressaten klar zeigen, warum man sich auf die Stelle bewirbt und der Beste ist, den der Personaler dafür bekommen kann. Falsch wäre, nur die Höhepunkte der Biografie zu wiederholen. Kondensieren Sie vielmehr Ihre Leistungen, Erfahrungen und Erfolge zu einem flammenden Plädoyer für sich selbst. Absolventen zielen dabei vor allem auf Studienschwerpunkte ab, Berufserfahrene legen mehr Gewicht auf die bisherige Position und erfolgreich absolvierte Projekte. Soziale Kompetenzen stehen im Vordergrund. Auf sie achten Personaler besonders. Sie klischeefrei zu formulieren, ist schwer aber essenziell. Bei einem Satz wie „Ich bin team- und konfliktfähig…“ zählen Recruiter nur die Tage bis zur Pension. Unverzichtbar im Anschreiben: Ihr Name, Adresse sowie E-Mail-Adresse und Telefonnummer in der Kopfzeile. Darunter das Datum. Dann linksbündig Vor- und Zuname des Adressaten (nicht: „An die Personalabteilung“) sowie Anschrift, eine konkrete Betreffzeile („Bewerbung / Ihre Stellenanzeige vom 24. Juli 2007 in der Lokalzeitung“). Abschließend eine Unterschrift (nicht gedruckt!) und der Anlagenvermerk (Lebenslauf, Zeugnisse). Der Aufbau selbst besteht aus vier Teilen: Die Einleitung nimmt Bezug auf die ausgeschriebene Stelle. Kommen Sie gleich zum Punkt, bitte nicht einsteigen mit „Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als …“ Der zweite Teil ist Eigenmarketing. Hier macht der Bewerber klar, warum er der Richtige ist. Im dritten Teil wird eine Verbindung zum Unternehmen hergestellt: Warum bewerben Sie sich ausgerechnet hier? Am Ende bedanken Sie sich für das Interesse, stellen heraus, dass Sie sich über einen Vorstellungstermin freuen würden und garnieren das Ganze mit freundlichen Grüßen.

Bedanken

Ein Dankeschön ist selten nach einem Bewerbungsgespräch. Wie mir Personaler sagten, bedanken sich nur etwa drei von 100 Bewerbern mit einem Brief. Dabei hebt das mehr ab als knallbunte Bewerbungsmappen. Warum also nicht ein Dankeschön schreiben? Betonen Sie, dass Sie das Gespräch anregend fanden und jetzt erst recht wissen, wie gut der Job zu Ihnen passt und es Ihren Wunsch erhöht hat, für dieses Unternehmen zu arbeiten. Wiederholen Sie maximal zwei Erkenntnisse des Jobinterviews und beantworten Sie eventuell offene Fragen. Danken Sie für die Zeit und Aufmerksamkeit (falls Sie gemeinsam Essen waren auch dafür), und freuen Sie sich auf eine baldige Antwort. Das alles sollte nicht länger als eine halbe Seite sein.

Charakter

Lebensläufe gleichen sich immer mehr an und heraus kommen Klone: Studium an einer Spitzenuniversität in Rekordzeit, Auslandspraktika, Fremdsprachenkenntnisse, gebleichtes Lächeln, modischer Kurzhaarschnitt (auch die Frauen), festen Partner – aber ungebunden. Solche Nachwuchskräfte wollen hoch hinaus, haben die Laufbahn optimiert, ihren Lebenslauf genauso sorgfältig geplant wie die Radtour durchs australische Outback. Das alles mag strategisch sinnvoll und taktisch klug sein. Doch wird das wichtigste dabei übersehen: der Charakter. Der gibt aber heute den Ausschlag. Akademische Brillanz beflügelt eben nicht zwangsläufig Kreativität, mit sozialem Geschick steht sie gelegentlich sogar auf dem Kriegsfuß. Doch exakt diese Fähigkeiten werden immer wichtiger: Konzepte moderieren, Abläufe modernisieren, Mitarbeiter motivieren. Wer an der Uni reüssiert, kann im Team dennoch scheitern, wenn er Konflikten mit 0815-Methoden begegnet. Zeigen Sie also in Ihrer Bewerbung, dass Sie nicht nur fachlich eine Koryphäe sind, sondern auch empathisch.

Deckblatt

Die einen sagen, es gehört unbedingt dazu und obenauf. Andere sehen es erst nach dem Anschreiben – versehen mit Foto sowie den übergroßen Kontaktdaten des Bewerbers. Und wieder andere sehen darin nur Zeit- und Materialverschwendung. Je nachdem kann es gar einer stilistischen Bankrotterklärung des Bewerbers gleichkommen, wenn der ein Deckblatt mit einem Kunstwerk verwechselt. Richtig eingesetzt, kann es aber enorm positive Wirkungen haben. Lesen Sie dazu auch unser Dossier: Bewerbungsdeckblatt. Ein Deckblatt-Muster finden Sie hier:

Eigenlob

Zu viel Eigenlob turnt Personaler ab. Auch wer später im Vorstellungsgespräch zu lange redet, kassiert Minuspunkte. Das kam bei einer Studie der Personalberatung Korn/Ferry International unter 212 Personalberatern heraus. Luftpumpen, die sich als Gottes Gabe an die Wirtschaft verkaufen, fallen mehrheitlich durch. Gleiches gilt für diejenigen, die bei Gehaltsvorstellungen das Normalmaß um 20 Prozent überziehen. Selbstvertrauen im Vorstellungsgespräch ist zwar wichtig. Personaler ziehen aber Natürlichkeit immer spürbarer Arroganz vor. Nichts stößt mehr ab als ein eitler Selbstdarsteller.

Foto

Um das Bewerbungsfoto wird viel Bohai gemacht. Dabei ist es ganz einfach: Die Größe variiert zwischen 6 x 4 oder 9 x 6 Zentimetern. Es sollte weder aus dem Automaten noch aus dem Urlaub stammen, sondern ein Porträt (also keine Ganzkörperaufnahme) vor einem neutralen Hintergrund sein. Am besten von einem Profi gemacht. Wer Abzüge in die Bewerbung integriert, dann dem ersten Blatt des Lebenslaufs – und zwar oben in die erste Zeile der Tabelle. Ob rechts oder links, hängt davon ab, in welche Richtung die Nase zeigt. Faustregel: immer in die Seite hinein! Befestigt wird das Lichtbild mit einem Klebestift, nicht mit einer Büroklammer. Wer das Foto digital in den Lebenslauf integriert, sollte auf zwei Dinge achten:

  1. eine möglichst hohe Auflösung wählen, damit der Druck besser wird.
  2. möglichst fototaugliches hochwertiges Papier verwenden. Sonst können Sie genauso gut eine Fotokopie einschicken.

Schwarzweiß oder farbig? Das ist letztlich Geschmacksache. Monochrome Bilder wirken eleganter, können aber auch manieriert aussehen. Farbfotos dagegen sind authentischer, je nach Beleuchtung aber auch misstönend. Am besten Freunde fragen, welche Alternative sie sympathischer finden. Das Motiv selbst zeigt Sie im Halbporträt, dazu etwas Schulterpartie. Damit das Gesicht nicht glänzt, vorher abpudern oder mit Klopapier sanft abreiben. Die Kleidung sollte zum angestrebten Job passen: Wer sich als Banker in spe bewirbt, sollte wie ein Banker aussehen. Für Frauen gilt noch der Zusatz: Schulterfrei-Look ist tabu, ebenso tiefe Dekolletees und zu viel Make-up. Psychotests haben ergeben: Frauen mit Pferdeschwanz wirken seriöser und haben bessere Chancen zum Vorstellungsgespräch geladen zu werden als Frauen mit langen offenen Haaren.

Greisenalter

Ältere Arbeitnehmer auf Jobsuche fühlen sich häufig im Nachteil, wenig geschätzt und unattraktiv für den Arbeitsmarkt. Sicher gibt es so etwas wie Altersdiskriminierung. Die Konzentration darauf, zumal bei einer Bewerbung, ist aber eine gefährliche Perspektive: die des Opfers. Seien Sie kein Bittsteller! Sie möchten den Job, bieten aber auch einiges. Ziel der Bewerbung muss sein, dem Personaler klar zu machen, dass er vor sich die Idealbesetzung sieht, kein Notstopfen. Verkaufen Sie sich auch nie als Allrounder oder Mädchen für alles. Eingestellt werden überwiegend Spezialisten – mit fortgeschrittenem Alter sowieso. Und sprechen Sie – wenn möglich – Ihr Alter niemals an. Schon gar nicht verteidigen! Mit Ihrer Leistungsfähigkeit, Kreativität und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem hat das schließlich nichts zu tun. Falls Sie dennoch vom Personaler darauf angesprochen werden, wirken Sie entschlossen sämtlichen Klischees entgegen: Sie sind kerngesund, lernwillig, kommen mit jungen Leuten und anderen Kulturen wunderbar zurecht und müssen noch nicht einmal mehr früh nachhause, weil da ein kleines Kind auf Sie wartet.

Heucheln

Grundsätzlich gilt die Wahrheitspflicht für Bewerbungsunterlagen und Jobinterviews. Man darf also nicht vorgeben, einen Universitätsabschluss zu besitzen, wenn es nur der einer Fachhochschule ist. Kommt das später heraus, ist das ein Grund für eine fristlose Kündigung. Erleidet das Unternehmen dadurch sogar wirtschaftlichen Schaden, kann es Sie zu Schadenersatz verklagen. Manche Schwachpunkte lassen sich dennoch beschönigen. Eine Schwangerschaft, chronische Krankheiten etwa muss man dem Arbeitgeber nicht mitteilen, sofern die Krankheit keinen unmittelbaren Einfluss auf den Beruf hat.

Internet

Jede zweite offene Stelle wird heute über das Internet besetzt. Deutsche Unternehmen veröffentlichen bereits 85 Prozent ihrer Vakanzen auf der eigenen Homepage. Auch die elektronische Bewerbung folgt bestimmten Regeln: Die Betreffzeile sollte kurze, aussagekräftige Schlagwörter enthalten. Nicht Bewerbung für einen Job, sondern Bewerbung als Vertriebsleiter / Ihre Anzeige. Zudem müssen Umgangsformen, Grammatik und Orthographie stimmen. Der sonst übliche lockere Umgangston in E-Mails ist ein Erfolgskiller. Da wo Freifelder stehen, sollten Sie sich ins rechte Licht rücken, den Text aber in Ruhe vorschreiben. Spontan schleichen sich Fehler ein. Und: Zwei Anhänge an die E-Mail – Lebenslauf und Foto – reichen. Zulässig ist auch ein Link zur eigenen Webseite, wo weitere Informationen abgerufen werden können. Aber bitte nicht ausschließlich! Die Anhänge sollten im PDF-Format gespeichert sein, sonst können Formatierungen verloren gehen. Achtung bei Sonderzeichen! Das Euro-Symbol kann bei Gehaltsvorstellungen zu unfreiwilliger Verwirrung führen, wenn die Programmversion des Empfängers ein anderes Zeichen daraus macht. Besser gleich EUR schreiben.

Jobmessen

Recruiting-Messe, Praktikumsbörse, Absolventenkongress – Jobmessen sind die Gelegenheit, um sich über Praktika und Berufsangebote zu informieren und mit künftigen Chefs ins Gespräch zu kommen. Der Sinn solcher Jobmessen besteht aber nicht darin, von Stand zu Stand zu hasten und sämtliche Aussteller zu besuchen. Konzentrieren Sie sich nur auf Unternehmen, die Sie beruflich interessieren und machen Sie mit diesen früh feste Termine aus! Die beliebtesten Arbeitgeber sind schnell ausgebucht. Und packen Sie den Tag nicht zu voll. Pro Unternehmen und Gespräch sollten Sie mit 45 Minuten rechnen. Und werfen Sie sich in Schale: Erscheinen Sie zur Messe wie Sie später auch den Job antreten würden. Profis bringen sich sogar ein paar Kosmetika mit, um sich zwischen den Terminen in den Waschräumen frisch zu machen. Ebenfalls im Reisegepäck: mehrere Exemplare einer Kurzbewerbung oder aktuelle Bewerbungsmappen mit Kurzanschreiben, Lebenslauf und Foto. Pluspunkte sammelt, wer sein Motivationsschreiben individuell für das jeweilige Unternehmen formuliert. Und überlegen Sie sich eine Strategie für die Selbstpräsentation. Differenzieren Sie sich bitte nicht über Floskeln, wie „Ich bin flexibel, motiviert und kreativ“ (Gähnfaktor 10!), sondern indem Sie Ihre Stärken auf die anvisierte Stelle zuspitzen. Optimal: Kandidaten, die sich vorher ein genaues Bild vom jeweiligen Unternehmen, der Branche, den Produkten und der aktuellen Darstellung in der Presse machen und darauf im Gespräch eingehen. Wirkt top informiert!

Körpersprache

Beobachten Sie die Körpersprache Ihres Gegenübers beim Vorstellungsgespräch! Schlagen dessen Augenlider immer seltener, schweift sein Blick öfters ab, wechselt er häufiger die Sitzposition und macht sich kaum noch Notizen, dann brechen Sie Ihren Monolog besser ab. Alles Anzeichen, dass sich der Interviewer langweilt. Stellen Sie besser eine Rückfrage oder wechseln Sie in die Metaebene: „Langweile ich Sie?“ Das zeigt zumindest, dass Sie ein aufmerksamer und empathischer Bewerber sind.

Lebenslauf

Ob der Lebenslauf besser amerikanisch – also mit der aktuellen Position zuerst – oder chronologisch verfasst wird, ist egal. Wichtiger ist, dass das Profil des Bewerbers schnell erfasst werden kann. Personaler müssen hunderte solcher Mappen lesen, die wenigsten investieren jeweils mehr als vier Minuten. Das Wesentliche muss also sofort ins Auge springen. Die tabellarische Form ist heute Standard: links Zeitangaben, rechts Fakten. Bitte keinen optischen Firlefanz! Ein Lebenslauf ist eine reine Faktensammlung. Stichworte reichen, Kommentare sind tabu. Genauso eine Anrede oder Grußformel zum Schluss. Was in die Vita rein muss: persönliche Daten (Name, Geburtstag und -ort, Anschrift, Familienstand, Staatsangehörigkeit), Ausbildung (dazu gehört auch evtl. geleisteter Wehr- oder Ersatzdienst), Berufserfahrung, besondere Qualifikationen (Weiterbildung, Kenntnisse, Fähigkeiten, Sprachen), Interessen (Mitgliedschaften, soziale Dienste – keine Hobbys!). Alles zeitlich exakt eingeordnet, vor allem lückenlos. Das weckt sonst den Verdacht, Sie wollten peinliche Stationen vertuschen. Monatsangaben reichen in der Regel, also: 06/2003 – 06/2006 Ausbildung zum Bankkaufmann in der Kreissparkasse Köln. Tipp: unter die persönlichen Angaben, gleich eine Zeile mit der angestrebten Position einfügen. Betont den Anspruch auf die ausgeschriebene Stelle. Dann aber sollte sofort das stärkste Argument dafür folgen: Bei Absolventen sind es die Ausbildung und Studienschwerpunkte die darauf hinführen, bei Jobwechslern die aktuelle Position, bei Arbeitsuchenden ihre besonderen Qualifikationen. Formal muss der Lebenslauf mit Ort, Datum und einer Unterschrift versehen werden. Damit ist er eine Urkunde. Obacht: Bewusst falsche Angaben sind dann Urkundenfälschung und Betrug und können eine Kündigung zur Folge haben.

Mappe

Die teure Bewerbungsmappe kann man sich sparen. Wer meint, dass er positiv auffällt, weil er sein Bewebungsschreiben in dreiflügelige Pappmappen steckt, irrt. So sieht heute jedes zweite Gesuch aus. Und ausgeklappt nimmt das Triptychon den halben Schreibtisch des Personalers ein. Das nervt. Die Mappe ist idealerweise ein Klemmhefter, kein Schnellhefter mit Lochung. So kann der Personaler die Unterlagen leichter herausnehmen und wieder zurückstecken. Und bitte keine aufdringlichen Farben. Schwarz, Dunkelblau, maximal Rot sind auffällig genug.

Nervosität

Ist normal und darf in Maßen gezeigt werden. Menschen, die im Vorstellungsgespräch eine coole Fassade aufsetzen, gelten als Gefühlsunterdrücker und kassieren Minuspunkte. Wer seine Gefühle versteckt, so das Fazit einer Studie der Psychologin Jane Richards von der Universität Texas, kann in einer belastenden Situation schlechter auf seine Gesprächspartner eingehen und reagiert verzögert. Denn Selbstbeherrschung kostet Kraft. Darunter leidet das Erinnerungsvermögen. Deshalb können sich Gefühlsunterdrücker auch schlechter an Gesprächsdetails erinnern. Authentizität kommt besser an.

Offenheit

Vergessen Sie aber auch allzu große Offenheit. Bei aller Liebe zur Authentizität – den Job bekommt meist, wer Ja sagt, bis der Personaler strahlt. Oder anders formuliert: Der Schleimer schlägt jeden Selbstdarsteller im Vorstellungsgespräch. Das haben die US-Wirtschaftswissenschaftler Chad Higgins und Timothy Judge herausgefunden und dazu bei 116 Studenten beobachtet, welches Verhalten im Jobinterview besser ankam. Zudem befragten sie zahlreiche Personalverantwortliche. Das Ergebnis war stets dasselbe: Werbung in eigener Sache ist nicht schlecht, erfolgreicher aber ist, Komplimente zu machen, Gemeinsamkeiten zu finden und diese subtil ins Gespräch einzubauen. Sagen Sie also ruhig, dass Sie dieselbe Uni wie der Personaler besucht haben oder das gleiche Hobby pflegen. Das baut eine Bindung auf. Aus der Sozialpsychologie ist bekannt, dass Menschen andere Menschen sofort sympathischer finden, je ähnlicher ihnen diese sind.

Papier

Natürlich verwenden Sie jede Bewerbung nur einmal. Das Papier (Standard: DIN A4) ist nicht nur einfaches Kopierpapier, sondern besser. Die Blätter haben keine Flecken, Knicke, Eselsohren. Der Druck ist scharf und verwischt nicht (Laserdruck ist am besten). Die Texte sind frei von Grammatik- und Orthografiefehlern. Optimal ist zudem, nur eine Schrifttype (nur nicht die 0815-Typen Arial oder Times) sowie einheitliche Einzüge, Linien und Abstände (eineinhalbzeilig hat sich bewährt) zu verwenden. Die Bewerbung bekommt sonst einen Patchwork-Charakter. Das Anschreiben sollte nicht länger als eine Seite sein.

Quereinsteiger

Wer einen nicht ganz so stromlinienförmigen Lebenslauf vorweisen kann oder die Branche wechseln will, sollte das Bewerbungs-ABC genauso befolgen, muss sein unkonventionelles Profil allerdings offensiver verkaufen, denn er kämpft gegen den Vorbehalt, Monate der Einarbeitung zu brauchen, bis er produktiv wird. Wenn also Ihre fachlichen Qualifikationen Sie nicht auf den ersten Blick für den Job auszeichnen, sollten Sie mit Erfolgen trumpfen, deren Erfahrungen auf den neuen Job übertragbar sind. Dieser Vergleich sollte zuvorderst im Anschreiben stehen und auf keinen Fall larmoyant vorgetragen werden, Motto: „Ich hab zwar nicht die Ausbildung, bin aber motiviert.“ Der Tenor sollte sein: „Was ich bei Projekt XY gelernt habe, kann ich perfekt bei Ihnen einbringen.“ Achten Sie darauf, dass der Lebenslauf noch weitere Parallelen aufweist.

Rückfragen

Viele Vorstellungsgespräche verlaufen nach dem Schema: Der Interviewer fragt, der Kandidat antwortet. Falsch! Nutzen Sie es zum Dialog und stellen Sie auch Rückfragen. Die sind das Symbol für Eigeninitiative, Selbstbewusstsein und signalisieren eine professionelle Einstellung. Gute Fragen sind: Was genau wird meine Aufgabe sein? Wer gehört zum Team? Mit wem arbeite ich zusammen? Gibt es Probleme im Team? Werden Mitarbeiter kontinuierlich gefördert? Wie? Welche Aufstiegschancen hat man von dieser Position aus? Wann kann ich mit Ihrer Antwort rechnen? Oder direkt an den Interviewer: Warum arbeiten Sie hier?

Schlagfertigkeit

Wird überschätzt. Wer zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, verfügt bereits über gesuchte Kompetenzen. Jetzt geht es um Persönlichkeit, nicht um einen rhetorischen Schlagabtausch. Wer nur versucht zu trumpfen, sieht das Interview aus der falschen Perspektive: Es geht auch darum, herauszufinden, ob man selbst auch zum anvisierten Unternehmen passt. Und wer sich verbiegt, nur um den richtigen Eindruck zu hinterlassen, fällt damit in der Regel erst auf und anschließend durch.

Termin

Falls Sie Alternativtermine für ein Vorstellungsgespräch zur Auswahl haben: Nehmen Sie den letzten! In Wettbewerben vergeben Juroren bessere Noten, je weiter der Wettbewerb voranschreitet. Das hat die Psychologin Wändi Bruine de Bruin von der Carnegie Mellon Universität herausgefunden als sie die Punktvergabe bei Eiskunstlaufmeisterschaften und dem Eurovision Song Contest analysierte. Der Effekt wirkt sogar unabhängig davon, ob die Noten während des Wettbewerbs oder erst am Schluss vergeben werden. Und er ist auf Jobinterviews übertragbar: Beim ersten Kandidaten hat der Interviewer noch keine Vergleichsmöglichkeiten, beim zweiten ist er aufmerksam und kritisch, wird aber milder (und müder), je näher er dem Auswahlende kommt. Der Letzte ist also oft der Erste – wie in der Bibel.

Ungeduld

„Nennen Sie mir bitte eine Ihrer Schwächen!“ Auf diesen Klassiker in Vorstellungsgesprächen antworten erstaunlich viele mit „Ungeduld“. Irgendwann muss dieser unselige Tipp in einem Karriereratgeber gestanden haben: „Sagen Sie, Ungeduld sei Ihre Schwäche. Das ist in Wahrheit eine Stärke!“ Wer nach oben strebt, zeichnet sich dadurch aus, dass er die Dinge nach vorne bringt, nicht lange fackelt. Ein Machertyp eben. Geduld ist die Sache solcher Leute nicht. Blödsinn! Ungeduld ist eine Schwäche – eine große sogar, die häufig mit übertriebenem Ehrgeiz korreliert. Und beide haben schon manches aufstrebende Talent zu Fall gebracht. Die Ich!-Alles!-Jetzt!-Attitüde erschafft nur Instant-Typen, die zu schnell und zu viel auf einmal wollen, dieser Aufgabe aber (noch) nicht gewachsen sind. Man kann nicht drei Jahre Erfahrung in einem absolvieren. Es ist die Übung, die den Meister macht. Noch immer. Wenn Sie schon eine Schwäche nennen, dann bitte eine echte, kleine. Ehrlich.

Videobewerbung

Broadcast yourself – in den USA ist das längst ein Trend, hierzulande werden Videobewerbungen eher als exotisches Nerd-Intermezzo belächelt. Das kann sich aber bald ändern. Einige Beispiele gibt es längst, einige peinliche Entgleisungen allerdings auch. Deshalb, und bevor auch Sie zur Kamera greifen, sollten Sie die klassischen Fehler (.pdf) einer Videobewerbung vermeiden. Sie ist nie eine digitale Doublette Ihrer Printbewerbung! Es ist die Essenz, ein Scheinwerfer auf Ihre Persönlichkeit, ein Werbeclip für Ihre Stärken. Der Zuschauer soll Sie besser kennenlernen und zugleich neugierig werden. Es darf aber nie ein Déjà-vu ihrer Standardbewerbung hervorrufen. Das Video sollte deshalb kurz, prägnant und inspirierend sein. Vor allem inspirierend. Und nicht länger als zwei Minuten. Bereits in der ersten Minute sollte die Hauptbotschaft kommen. Orientieren Sie sich an einem sogenannten Elevator Pitch: Wer es nicht schafft, sein Gegenüber während einer Aufzugfahrt zu überzeugen, schafft es nie.

Wuschelmähne

Rund 120.000 Haare wachsen uns auf dem Kopf. Und bis zu hundert fallen täglich wieder aus. Die meisten wachsen nach. Das ist auch gut so: Ein voller Schopf ist ein starkes Signal für Vitalität und sexuelle Potenz – bei Männern und Frauen. Wer seine Haare verliert, verliert in den Augen der anderen immer auch an Kraft und Sympathien. So werden laut einiger Studien glatzköpfige Männer seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen als ihre behaarten Mitbewerber. Frauen mit Pferdeschwanz wiederum werden von Personalern weniger kritisch befragt als ihre Konkurrentinnen mit wallenden, offenen Haaren. Und Frauen mit kurzen Haaren werden mehrheitlich als intelligent und selbstbewusst empfunden. Dunkle, lange Locken schneiden übrigens genauso schlecht ab wie Blondinen: Ihre Trägerinnen hält die Mehrheit für unsicher oder gar dumm. Das auch für Männer: Weibliche Personaler halten blonde Männer für weniger intelligent und attraktiv als dunkelhaarige.

X für U

Sollten Sie dem Rekruter nie vormachen. Wer sich mit dem anvisierten Unternehmen, seinen Produkten und der Branche nicht auskennt, hat keine Chance. So gut wie immer wird im Jobinterview danach gefragt. Präparieren Sie sich also rechtzeitig und gründlich und lassen Sie am besten schon von sich aus im Gespräch subtil einfließen, dass Sie sich mit dem Arbeitgeber, dessen Kultur und Marktumfeld beschäftigt haben. Zitieren Sie einfach ein paar aktuelle Zahlen oder ein kürzlich publiziertes Interview des CEO in der Presse.

Yoga

Hilft, Stress abzubauen. Sollte der Sie aber im Jobinterview überfallen, sind Atemübungen unauffälliger. Atmen Sie ganz bewusst tief und langsam. Vor allem in den Bauch. Die langsame Atmung sorgt dafür, dass sich der Kreislauf beruhigt. Durch die Nase einatmen, durch den Mund wieder aus. Am besten nach der 5-mal-5-Regel: Einatmen und dabei langsam gedanklich bis 5 zählen, Luft anhalten und bis 5 zählen, Ausatmen und wieder bis 5 zählen, fünf Sekunden Pause machen und das Ganze wiederholen – mindestens fünf Mal.

Zeugnis

Nur Kopien verschicken – nie Originale! Es sollten aber auch nicht zu viele Nachweise werden – vor allem, wenn das damit nachgewiesene Beschäftigungsverhältnis länger zurückliegt. Fünf Arbeitszeugnisse reichen. Bei Berufseinsteigern sind Abizeugnis und Studienabschluss Pflicht. Wer über 40 ist, kann Ersteres getrost weglassen. Den Mix aus Ausbildungszeugnis, Facharbeiter- oder Gesellenbrief, Meisterbrief und Arbeitszeugnisse sollten Sie – wenn Sie können – gezielt auswählen. Nur die besten gehören in die Mappe. Das sind vor allem jene, die detailliert Ihre bisherigen Aufgaben und Qualifikationen, Ihre (zwischenmenschlichen) Stärken und Erfolge beschreiben und ausführlich loben. Bedauert der Unterzeichner am Ende noch wortreich Ihren Abschied, ist das ein gutes Zeugnis – für Sie.