Kündigung-Probezeit-Jobverlust
Sechs Monate - so lange dauert die reguläre Probezeit bei unbefristeten Arbeitsverträgen in Deutschland. Die grundsätzliche Idee: Unternehmen und Mitarbeiter sollen die Chance haben, sich kennenzulernen und die Zusammenarbeit testen. Eine Kündigung in der Probezeit ist daher von beiden Seiten innerhalb von zwei Wochen und ohne Angabe von Gründen möglich. Was aber, wenn der Arbeitgeber kurzfristig kündigt? Sieht das nicht schlecht aus im Lebenslauf, Motto: Jetzt wo wir ihn oder sie besser kennengelernt haben, wollen wir lieber doch nicht zusammen arbeiten?! Stimmt. Hübsch sieht das nicht aus. Ein Grund zur Panik ist es aber auch nicht, das ist nun mal das Konzept der Probezeit. Und so geht es in dem Fall weiter...

Kündigung in der Probezeit: Zuerst die Gründe analysieren

Kündigung-Schock-ProbezeitDie Kündigung mag ungelegen kommen, muss kein Karriereknick oder Stigma sein. Und wer gefeuert wird, darf sich auch erst einmal ärgern oder trauern. Das ist völlig normal. Nur bitte nicht im Ex-Job oder gegenüber den Kollegen - unprofessionell. Ab jetzt arbeiten Sie nämlich nicht mehr für Ihren Chef, sondern für Ihren Ruf. Ihre Enttäuschung dürfen Sie zwar zum Ausdruck bringen, begeben Sie sich aber nicht in die Opferrolle. Das macht sie klein. Akzeptieren Sie die Situation und machen Sie das Beste daraus - nicht zuletzt ärgert das manchen Widersacher und Widerling unter den Ex-Kollegen ohnehin viel mehr.

Der erste und wichtigste Schritt ist jetzt, mit kühlem Kopf die Kündigung zu analysieren - ganz ehrlich, auch vor sich selbst. In der Regel gibt es schon im Vorfeld Anzeichen für das baldige Ende in der Probezeit. Fragen Sie sich also:

  • Gab es häufige Fehler Ihrerseits? Welche?
  • Hat der Arbeitgeber Ihre Leistungen häufiger kritisiert? Was?
  • Haben die Kollegen sie abgelehnt oder ausgegrenzt? Warum?
  • Waren die Anforderungen im Job zu hoch? Oder zu niedrig?
  • Entsprach der Beruf Ihren Vorstellungen? Warum nicht?

Gehen Sie die Probezeit noch einmal Schritt für Schritt gedanklich durch. Nicht jedes dieser Anzeichen muss für sich genommen ein Vorbote einer drohenden Kündigung sein. Kommen jedoch mehrere Faktoren zusammen, ist das ein veritables Warnsignal.

Trotz des Kündigungsschocks müssen Sie nun ganz ehrlich sein: Wie viel Anteil an der Kündigung in der Probezeit haben Sie tatsächlich selbst? Auch wenn es angenehmer ist, die Schuld beim Chef oder den Umständen zu suchen: Alles, was an Ihnen liegt, können Sie beim nächsten Job ändern. Und das ist Ihre Chance, den Malus nicht zu wiederholen.

Die zweite Chance besteht darin, dass Sie daraus lernen und zugleich eine gute Begründung finden. Ob es nun an Ihrer Leistung oder am Unternehmen lag: Die Frage nach der abgebrochenen Probezeit kommt spätestens im Vorstellungsgespräch - und dort sollten Sie die Kündigung erklären und argumentieren können. Die Analyse leistet dazu also eine wesentliche Vorarbeit.

Extra-Tipp

Extra-Tipp-IconBitten Sie Ihren baldigen Ex-Arbeitgeber um ein einfaches Arbeitszeugnis oder eine Tätigkeitsbeschreibung. So können Sie später die Probezeit und die dort gesammelten Erfahrungen formal nachweisen. Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis können Sie in der Regel nicht erwarten, und das wäre vermutlich auch keine gute Idee, da es nicht unbedingt positiv ausfallen würde. Ihren Anspruch auf ein einfaches Arbeitszeugnis aber können und sollten Sie durchsetzen.

Kündigung in der Probezeit erklären

Kündigung-in-der-Probezeit-Tipps-ErklärungAuch wenn eine Kündigung in der Probezeit - vor allem durch den Arbeitgeber - im Lebenslauf erstmal unschön aussieht - sie kommt vor. Auch bei vielen anderen Berufseinsteigern und erfahrenen Arbeitnehmern. Das wissen auch die Arbeitgeber und Personaler selbst: Manchmal passt es einfach nicht.

Wichtig ist lediglich, dass zu keinem Zeitpunkt in eine Rechtfertigungs- und Verteidigungshaltung verfallen. Das verstärkt nur das Gefühl, dass da was bei Ihnen im Argen liegt, Motto: Wer sich verteidigt, macht sich verdächtig.

Ihr potenzieller Arbeitgeber erwartet hierzu nur eine plausible Erklärung, einen Lerneffekt, keine Schuldzuweisungen und schon gar keine Firmentinternas. Solche Informationen haben weder im Anschreiben noch später im Bewerbungsgespräch etwas zu suchen - egal, wie sauer Sie auf Ihren ehemaligen Chef sind. Wer hier schmutzige Wäsche wäscht, macht sich nur selber schmutzig.

Falscher Stolz ist hier sogar das größte Hindernis. Die Erfahrung und diverse Gespräche mit Personalern zeigen sogar: Wer im Jobinterview auch eigene Fehler einräumt und zeigt, dass und was er oder sie daraus gelernt hat, wirkt wesentlich souveräner und sammelt zahlreiche Sympathiepunkte. Keiner ist perfekt, aber Lernwille und -fähigkeit sowie Selbstreflexion sind ganz wesentliche Soft Skills und wichtige Eigenschaften der gefragten sozialen Kompetenz. Wer diese beweist und mitbringt, wird eher eingestellt, als jemand, der vorgibt fehlerlos zu sein.

Für den neuen Arbeitgeber sind daher meist nur zwei Fragen ausschlaggebend:

  • Was haben Sie aus der Kündigung gelernt?
  • Was tun Sie, damit es im neuen Unternehmen besser läuft?

Für die schriftliche Bewerbung nach einer Kündigung indes gilt, machen Sie kein großes Aufsehen darum. Im Bewerbungsschreiben für den neuen Job spielen Ihre Motivation und Ihre Kompetenzen für die Stelle eine viel wichtigere Rolle. Darauf achten Personaler zuerst. Zeigen Sie also, was Sie dem neuen Unternehmen zu bieten haben und was Sie an dem neuen Job reizt. Ihr Schwerpunkt im Anschreiben sollte daher darauf liegen...

  • ... klar zu machen, warum und wie die neue Stelle zu Ihnen passt.
  • ... zu zeigen, wie Sie zum Unternehmen passen.
  • ... deutlich zu machen, wie Sie dem Unternehmen auch über die konkrete Stelle hinaus nützlich sein können.
  • ... Ihr Profil in der Bewerbung zu schärfen und sich selbstbewusst und kompetent zu positionieren.

Ja, Sie wurden gekündigt, das geht aber zunächst nicht aus dem Lebenslauf hervor. Da steht nur eine kurze Probezeit. Von wem und warum die Kündigung ausgesprochen wurde, besprechen Sie besser im Jobinterview. Und es ändert ja auch nichts an Ihren Kompetenzen, Stärken und Vorzügen, die Sie in das neue Arbeitsverhältnis mit- und einbringen. Diese Haltung sollte Ihr roter Faden sein. Die Kündigung ist dann nur einer von vielen Faktoren, die Ihre Jobchancen beeinflussen.

Begründungen können übrigens auch sein:

  • Die Aufgaben haben sich in der Probezeit - entgegen Ihrer Erwartung - stark verändert.
  • Die Unternehmenskultur und dessen Werte haben nicht zu Ihren gepasst.
  • Ihre Vorstellung und die Beschreibung des Arbeitsplatzes haben nicht mit der Realität übereingestimmt.
  • Es gab Veränderung im Unternehmen, die das Arbeitsumfeld nachhaltig beeinflusst haben.
  • Beruflichen Perspektiven haben sich als nicht mehr attraktiv herausgestellt.
  • Sie haben sich mit Ihrem Chef darauf geeinigt, dass eine Zusammenarbeit für beide Seiten nicht zielführend ist.
  • Sie wurden gekündigt, um einer möglichen Sperre durch die Arbeitsagentur zu entgehen.

Bewerbung nach Kündigung: Muster Anschreiben

Eine Kündigung muss im Anschreiben nicht explizit erwähnt werden. Wichtig ist, dass Sie Ihre Kompetenzen und vor allem Ihre Motivation für den neuen Job deutlich machen. Diese ist für Ihren künftigen Arbeitgeber entscheidend und kann Sie - neben Ihrem Profil - deutlich von anderen Bewerbern abheben. Unser Muster Anschreiben können Sie auch als PDF herunterladen.

Muster nach Kündigung

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