Zwischenzeugnis-Check-Tipps-Muster
Es gibt zwei Gründe, warum Arbeitnehmer ein Zwischenzeugnis verlangen:

  • einen strategischen und
  • einen baldigen Jobwechsel.

Strategisch kann es sinnvoll sein, nach einer Interimsbeurteilung zu fragen - etwa bei einem abzusehenden Chefwechsel. Wer sich mit seinem bisherigen Vorgesetzten gut versteht, darf auf ein gutes bis sehr gutes Zeugnis hoffen. Vorteil: Klappt es mit dem neuen Chef nicht, kann der im Falle eines Bruchs bei seinem Zeugnis nicht mehr groß von der bisherigen Bewertung abweichen (sogenannte Bindungswirkung) - was wiederum beim zweiten Grund hilft: dem Jobwechsel. Das wissen allerdings auch die Arbeitgeber. Entsprechend alert reagieren sie auf die Frage nach einem Zwischenzeugnis...

Zwischenzeugnis: Die Anspruchs-Grundlagen

So ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen, macht zunächst einmal Arbeit. Das mag kein Chef gerne. Wer zudem unvermittelt nach dem Zwischenzeugnis fragt, kann leicht den Eindruck erwecken, er oder sie wäre auf der Suche nach einem neuen Job. Selbst wenn das stimmt - klüger ist, seine wahren Absichten zu kaschieren.

Denn: Einen gesetzlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis gibt es nicht. Tatsächlich kann sich der Arbeitgeber sich sogar weigern, ein Zwischenzeugnis auszustellen. Darunter leidet dann allerdings das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nachhaltig. Ansprüche leiten Arbeitsrichter allenfalls regelmäßig aus sogenannten triftigen Gründen ab. Die Formulierung - Sie ahnen es - lässt jedoch viel Interpretationsspielraum.

Was aber sind triftige und zugleich unverdächtige Gründe für ein Zwischenzeugnis?

Zum Beispiel diese fünf...

  1. Lange Betriebszugehörigkeit

    Sie sind schon lange in dem Unternehmen beschäftigt, Ihre Leistung wurde aber noch nie bewertet.

  2. Chefwechsel

    Sie bekommen einen neuen Vorgesetzten. In dem Fall ist es üblich, den Arbeitnehmern eine Leistungsbeurteilung auszustellen. Falls dies nicht automatisch geschieht, kann man auch danach fragen, ohne gleich in den Verdacht zu geraten, illoyal zu sein.

  3. Interner Jobwechsel

    Sie selbst wechseln den Job innerhalb des Unternehmens.

  4. Betriebsübernahme

    Der Betrieb wird von einem andern Unternehmen übernommen, damit stehen meist (doppelte) Arbeitsplätze auf dem Prüfstand und Entlassungen drohen.

  5. Stellenabbau

    Das Unternehmen plant offiziell - betriebsbedingt - Stellen abzubauen. Zahlreiche Arbeitnehmer sollen ein Abfindungsangebot und einen Aufhebungsvertrag bekommen.

Es gibt allerdings noch einige weitere - ebenfalls unverdächtige - Gründe, um ein Zwischenzeugnis zu bitten. Eine solche Beurteilung kann etwa verlangen, wer...

  • befördert wird - und für seinen bisherigen Job eine Art abschließende Benotung wünscht.
  • versetzt wird. Auch hierbei wechselt in der Regel der Vorgesetzte.
  • sich weiterbildet. Also zum Beispiel einen MBA oder eine andere größere Weiterbildung absolviert. Diese wird ja meist mit dem Ziel abgeschlossen, sich danach für neue, höher dotierte Jobs zu qualifizieren. Also ebenfalls befördert oder versetzt zu werden.
  • in Elternzeit geht. So eine längere Auszeit markiert zugleich eine Zäsur im Berufsleben. Da ist es völlig legitim zu fragen, wo man bisher leistungsbezogen steht.
  • ein Sabbatical macht. Hier gilt dasselbe wie für die Elternzeit.

Zwischenzeugnis: So fordern Sie es an

racorn/shutterstock.comTrifft einer der genannten Gründe auf Sie zu, besteht ein berechtigtes Interesse an einem Zwischenzeugnis. Jetzt ist es eigentlich nur noch eine reine Formsache, eine Zwischenbeurteilung zu beantragen.

Das sollten Sie allerdings schriftlich machen, um Missverständnissen oder Unklarheiten vorzubeugen. In der Regel können Sie sich mit dieser Bitte an Ihren direkten Vorgesetzten wenden. Ist dieser nicht der richtige Ansprechpartner, wird er Sie wahrscheinlich an einen Kollegen in der Personalabteilung weiterleiten. Für das Schreiben reichen dann ein paar kurze Zeilen völlig aus, etwa wie in diesem Musterbrief:

Zwischenzeugnis anfordern - Musterbrief

Betreff: Bitte um ein Zwischenzeugnis

Sehr geehrte Damen und Herren,

weil ich mich über meinen aktuellen Leistungsstand informieren möchte, bitte ich um die kurzfristige Ausstellung eines qualifizierten Zwischenzeugnisses.

Mit freundlichen Grüßen

Wenn Sie möchten, können Sie auch noch die obigen Anlässe als Begründung hinzufügen, Motto: "...weil ich bald in Elternzeit gehe, bitte ich um die Ausstellung eines ...". Das klingt netter und nimmt manchem Chef vielleicht die Zweifel bezüglich eines anstehenden Jobwechsels. Zwingend ist die Angabe einer solchen Begründung allerdings nicht.

Der Verdacht, dass Sie kündigen wollen, bleibt

Ist keiner der bisher aufgeführten Gründe für Sie anwendbar, wird Ihr Chef möglicherweise den Verdacht haben, dass Sie das Arbeitszwischenzeugnis tatsächlich beantragen, um sich damit bei einem anderen Unternehmen zu bewerben. Was können Sie in diesem Fall tun?

Nicht viel. Einen Trick, der jeglichen Restverdacht beseitigt, gibt es nicht. Ihre Loyalität zu versichern und den Chef zu beschwichtigen, ist zwar eine Option. Wer es damit aber übertreibt, macht sich erst recht verdächtig.

Sie können allerdings auch vorgeben, dass Sie sich in naher Zukunft intern umorientieren möchten. In Konzernen ist dies nichts Verwerfliches - erst recht, wenn Sie schon eine Weile auf der jetzigen Position sind.

Als Faustregel können Sie sich merken, durchschnittlich alle drei Jahre in einem Job ohne viel Aufhebens um ein Zwischenzeugnis zu bitten - als eine Art schriftliche Form der bisherigen Leistungsbeurteilung. Scheuen Sie sich nicht, zu fragen: Je offener Sie das kommunizieren und je regelmäßiger Sie das praktizieren, desto unverdächtiger wird es.

Zwischenzeugnis Inhalte: Das muss rein

Zunächst einmal unterscheidet sich ein vollständiges und qualifiziertes Zwischenzeugnis nicht groß von einem klassischen Arbeitszeugnis am Ende eines Beschäftigungsverhältnisses. Das ist in der Regel so aufgebaut:

Aufbau-Arbeitszeugnis-Grafik

Zu den Inhalten eines Zwischenzeugnisses gehören entsprechend:

  • Überschrift "Zwischenzeugnis"
  • Stammdaten des Arbeitnehmers (Name, Geburtsdatum, Wohnort) und Beginn des Beschäftigungsverhältnisses (das Ende fällt weg)
  • Stellenbezeichnung und Tätigkeitsbeschreibung (Funktion und Aufgaben im Unternehmen)
  • Leistungsbeurteilung und Sozialverhalten (zum Beispiel Arbeitsmotivation, Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Verantwortungen, Erfolge, Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen)
  • Schlussformel und Dank für die bisherige Zusammenarbeit
  • Unterschrift, Datum, Firmenstempel

Optional ist der Grund für die Ausstellung des Zwischenzeugnisses.

Noch wichtiger ist aber, dass Sie - unabhängig davon, was Sie mit dem Zeugnis vorhaben - genau auf die Formulierungen und den Inhalt der Beurteilung achten. Wegen der schon angesprochenen Bindungswirkung darf der Arbeitgeber in seinem späteren Abschlusszeugnis ebenfalls nicht ohne triftigen Grund vom Zwischenzeugnis abweichen. Wer dabei also ein gutes bis sehr gutes Testat bekommen hat, kann später umso schwerer wegen personen- oder verhaltensbedingten Gründen gekündigt werden.

Merkmale-Zwischenzeugnis-Checkliste

Einfaches oder qualifiziertes Zeugnis?

Auch das Zwischenzeugnis kann als einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis ausgestellt werden. Der Unterschied ist:

  • Das einfache Zeugnis enthält sachliche und objektiv nachprüfbare Fakten: Was hat der Arbeitnehmer von wann bis wann gemacht? Wurde die Aufgabe erfüllt? Welche Aufgaben übernahm er oder sie noch?
  • Das qualifizierte Zeugnis enthält neben den reinen Fakten die oben schon angesprochene Beurteilung der Leistungen und des Sozialverhaltens.

Wegen der schon angesprochenen Bindungswirkung ist das qualifizierte Zeugnis jedoch zu bevorzugen.

Für beide Zeugnisarten gelten die Grundsätze alles Testate: Sie müssen wohlwollend und wahr sein. Das qualifizierte Zeugnis muss der Arbeitgeber aber nur auf ausdrücklichen Wunsch des Arbeitnehmers ausstellen.

Zwischenzeugnis Muster: So könnte es aussehen

Zwischenzeugnis-Muster-Beispielzeugnis-CoverZum Schluss finden Sie hier noch ein Gratis-Muster für ein gutes bis sehr gutes Zwischenzeugnis, das Sie sich - wie gewohnt - auch gerne kostenlos als PDF herunterladen können. Zum Beispiel als Vorlage, falls Sie Ihr Zeugnis selber schreiben sollen - oder um den Aufbau mit Ihren Testat später zu vergleichen.

Was Ihnen vielleicht sofort auffällt: Der Hauptunterschied zwischen einem Zwischen- und Abschlusszeugnis besteht darin, dass das Zwischenzeugnis immer in der Gegenwartsform formuliert wird, da das Beschäftigungsverhältnis absehbar nicht beendet wird.

Achtung Falle: Falls der Arbeitgeber (aus Gewohnheit oder Schlampigkeit) die Vergangenheitsform wählt, etwa weil Sie absehbar einen Aufhebungsvertrag unterschreiben sollen, kann dieser sprachliche Fauxpas später Zweifel an den wahren Gründen für das Zeugnis sähen. Es wirkt dann eher wie ein Gefälligkeitszeugnis - und Ihre Chancen, sich damit erfolgreich zu bewerben, sinken.

Zwischenzeugnis

Frau Susanne Mustermann, geboren am 29.2.1988, wohnhaft in Beispielstadt, ist sei dem 1.10.2015 in unserem Unternehmen als _______________ beschäftigt.

In dieser Tätigkeit nimmt Frau Mustermann folgende Aufgaben wahr:

- ...
- ...
- ...

Frau Mustermann zeigt - neben sehr guten Fachkenntnissen - durchweg ein hohes Maß an Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft. Die übertragenen Aufgaben erledigt sie stets gewissenhaft, systematisch und zu unserer vollsten Zufriedenheit. Dabei geht Sie stets über das geforderte Maß hinaus und beweist auch in Zeiten hoher Belastung und angespannter Terminlage ihre Zuverlässigkeit und hohe Ergebnisqualität.

Durch ihren hohen Einsatz und die zielstrebige und umsichtige Art hat sie sehr gute und nachhaltige Beziehungen zu unseren Kunden aufgebaut. Ihr durchweg professionelles Auftreten hat einen großen Anteil an zahlreichen erfolgreichen Vertragsabschlüssen in der Vergangenheit.

Besonders hervorzuheben ist ihre erfolgreiche Mitarbeit im Projekt _______________, in dem Sie die die Teamleitung übernommen hat und das so noch vor dem geplanten Termin abgeschlossen werden konnte und zu einer positiven Umsatzentwicklung um XY Prozent beigetragen hat.

Frau Mustermann erhält dieses Zwischenzeugnis, da demnächst ein Wechsel ihres Vorgesetzten stattfinden wird. Wir danken ihr ausdrücklich für ihre sehr gute Mitarbeit und wünschen uns eine weitere lange gute Zusammenarbeit.

Ort, Datum
UNTERSCHRIFT

[Bildnachweis: Biro Emoke, racorn by Shutterstock.com]

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