ZwischenzeugnisEs gibt zwei Gründe, warum Arbeitnehmer ein Zwischenzeugnis verlangen: einen strategischen und einen baldigen Jobwechsel. Strategisch kann es sinnvoll sein, nach einer Interimsbeurteilung zu fragen – etwa bei einem abzusehenden Chefwechsel. Wer sich mit seinem bisherigen Vorgesetzten gut versteht, darf auf ein gutes bis sehr gutes Zeugnis hoffen. Vorteil: Klappt es mit dem neuen Chef nicht, kann der im Falle eines Bruchs nicht mehr großartig von der bisherigen Bewertung abweichen – was wiederum beim zweiten Grund hilft: dem Jobwechsel. Das wissen allerdings auch die Arbeitgeber. Entsprechend alert reagieren sie auf die Frage nach einem Zwischenzeugnis

So ein qualifizierendes Zeugnis auszustellen, macht zunächst einmal Arbeit. Das mag kein Chef gerne. Und einen gesetzlichen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis gibt es nicht. Allerdings haben sich in der Vergangenheit diesbezüglich ein paar Gepflogenheiten etabliert, die zumindest unverdächtig wirken.

Falls der Vorgesetzte wechselt, ist es in den meisten Unternehmen – wie schon angesprochen – üblich, den Arbeitnehmern eine solche Leistungsbeurteilung auszustellen. Falls dies nicht automatisch geschieht, kann man auch danach fragen, ohne gleich in den Verdacht zu geraten, illoyal zu sein.

Gute Gründe für ein Zwischenzeugnis

Ebenso unverdächtig ist, um das Zwischenzeugnis zu bitten, wer…

  • befördert wird – und für seinen bisherigen Job eine Art abschließende Benotung wünscht.
  • versetzt wird. Auch hierbei wechselt in der Regel der Vorgesetzte.
  • … sich weiterbildet. Also zum Beispiel einen MBA oder eine andere größere Weiterbildung absolviert. Diese wird ja meist mit dem Ziel abgeschlossen, sich danach für neue, höher dotierte Jobs zu qualifizieren. Also ebenfalls befördert oder versetzt zu werden.
  • … in Elternzeit geht. So eine längere Auszeit markiert zugleich eine Zäsur im Berufsleben. Da ist es völlig legitim zu fragen, wo man bisher leistungsbezogen steht.
  • … ein Sabbatical macht. Hier gilt dasselbe wie für die Elternzeit.

Wie Sie ein Zwischenzeugnis anfordern

In all den genannten Fällen ist es eine reine Formsache, eine Zwischenbeurteilung anzufordern. Das sollten Sie allerdings schriftlich machen. Bei kleinen Unternehmen geht das direkt beim Chef, in größeren ist meist die Personalabteilung der richtige Ansprechpartner. Hierbei reichen dann ein paar kurze Zeilen völlig, etwa wie in diesem Musterbrief:

Betreff: Bitte um ein Zwischenzeugnis

Sehr geehrte Damen und Herren,

weil ich mich über meinen aktuellen Leistungsstand informieren möchte, bitte ich um die kurzfristige Ausstellung eines qualifizierten Zwischenzeugnisses.

Mit freundlichen Grüßen

Wenn Sie möchten, können Sie auch noch die obigen Anlässe als Begründung hinzufügen, Motto: “…weil ich bald in Elternzeit gehe, bitte ich um die Ausstellung eines …”. Das klingt netter und nimmt manchem Chef vielleicht die Zweifel bezüglich eines anstehenden Jobwechsels. Vielleicht. Und zwingend ist eine Begründung ohnehin nicht.

Trotz Anspruch auf das Zwischenzeugnis – der Verdacht bleibt: Sie wollen kündigen

Doch was tun, wenn es keinen der obigen Anlässe gibt und Sie das Arbeitszwischenzeugnis tatsächlich beantragen, weil Sie vorhaben zu kündigen und sich einen anderen Job zu suchen?

Gute Frage! Und einen wirklichen Trick dafür gibt es nicht. Ein Restverdacht bleibt immer.

Ihre Loyalität versichern und beschwichtigen, ist eine Option. Wer es damit aber übertreibt, macht sich erst recht verdächtig. Sie können auch vorgeben, dass Sie sich intern umorientieren möchten. In Konzernen ist dies nichts Verwerfliches. Im Gegenteil: Es gilt als sogenannter triftiger Grund – zumal wenn Sie schon mehrere Jahre im Unternehmen (und in dieser Position) beschäftigt sind. Überhaupt können Sie nach durchschnittlich drei Jahren im Job ohne viel Aufhebens ein Zwischenzeugnis beantragen – als eine schriftliche Form der Leistungsbeurteilung bisher.

So oder so: Scheuen Sie sich nicht, nach dem Zwischenzeugnis zu fragen. Je offener Sie dabei kommunizieren, desto besser. Manchmal geht das aber nicht. Dann bleibt zumindest: lächeln und sagen, dass man das einfach gerne hätte…