Andrey_Popov/shutterstock.comSie sind der Vorstand eines führenden Unternehmens der Musikbranche. Der Markt wird bedroht durch Piraterie und sinkende Umsätze. Entwickeln Sie eine neue Strategie!

Eine solche Aufgabe könnte Ihnen im Assessment-Center (AC) gestellt werden. Mittelständler nutzen sie vorrangig zur Personalauswahl, Konzerne unterstützen damit auch die Personalentwicklung. In den Zwanzigerjahren wählte das deutsche Militär mit solchen Tests seinen Offiziersnachwuchs aus. Mit dem Krieg gerieten die Übungen jedoch in Vergessenheit. Erst in den Fünfzigerjahren entdeckten sie US-Unternehmen neu.

Das erste neue AC in Deutschland organisierte der US-Konzern IBM 1969. Was bei einem Assessment Center auf Sie zukommt, wie Sie sich vorbereiten und Fehler, die Sie vermeiden sollten…


Das Assessment Center als Auswahlverfahren

Der Begriff “Assessment” kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt “Bewertung”, “Einschätzung” oder “Feststellung”. Beim Assessment Center handelt es sich um ein komplexes Auswahl- beziehungsweise Beurteilungsverfahren, mit dessen Hilfe die Eignung eines Kandidaten für eine bestimmte Position eingeschätzt wird.

Dieses Verfahren wird entweder in Eigenregie vom Unternehmen selbst durchgeführt und entwickelt oder mit Unterstützung von externen Beratern. Die Beurteilung der Kandidaten kann einzeln oder in Gruppen durchgeführt werden. Unabhängig davon, ob das Verfahren mit Einzelpersonen oder Gruppen durchgeführt wird, ist ein Assessment Center eine Kombination aus verschiedenen Tests, Plan- beziehungsweise Rollenspielen und Auswahlgesprächen.

Das Verfahren besteht aus mehreren Runden und kann bis zu drei Tage dauern.

Assessment Center liegen im Trend

Der Arbeitskreis Assessment-Center beobachtet die Entwicklung dieses Auswahlverfahrens und hat zu diesem Thema bereits mehrere Studien (2001, 2008 sowie 2012) durchgeführt. Die letzte Studie zeigt, dass 61 Prozent der Unternehmen auf Assessment Center zurückgreifen. 2001 waren es erst rund 20 Prozent. Unter den DAX-30 Unternehmen setzen sogar 27 das Assessment Center ein, darunter sind beispielsweise Allianz, Bayer, Daimler, Deutsche Telekom, Lufthansa und Volkswagen. Die Studie zeigt, dass die Methode umso häufiger eingesetzt wird, je größer die Mitarbeiterzahl des Unternehmens ist. Seit 2008 nimmt die Anwendung bei mittelgroßen Unternehmen kontinuierlich zu.

Die Studie zeigt auch, dass sich die Methode weiterentwickelt hat und komplexer geworden ist. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen gab an, dass der Umfang der Anwendung zunimmt. Gleichzeitig wurde die Anzahl der Teilnehmer reduziert. 2001 wurde noch 64 Prozent der AC mit acht oder mehr Teilnehmern durchgeführt. Im Vergleich dazu sind es 2012 nur noch knapp 40 Prozent.

Nicht nur ein Tool für Bewerber

Wer bei der Bezeichnung “Assessment Center” nur an die Auswahl externer Mitarbeiter denkt, hat weit gefehlt. Vor allem große Unternehmen entdecken zunehmend dieses Instrument, um das Potenzial künftiger Führungskräfte zu testen. Diese Unterkategorie wird als Development Center (DC) bezeichnet. Doch was so harmlos klingt, kann darüber entscheiden, ob man die Karriereleiter emporklettert oder abstürzt.

Die Studie des Arbeitskreises Assessment-Center zeigte auch, dass mehr als 80 Prozent der Befragten Assessment Center sowohl für externe Bewerber als auch für interne Mitarbeiter verwenden. Neben der Personalauswahl wird die Methode auch zur Potenzialanalyse verwendet.

So laufen Assessment Center ab

Adam Gregor/shutterstock.comWie sehen Assessment Center denn in der Regel aus? Los geht es meist mit einer Selbstpräsentation. Darin soll sich der Kandidat kurz und prägnant vorstellen. Sind Sie Bewerber auf einen konkreten Job, müssen Sie zudem Bezug auf die ausgeschriebene Stelle und das Unternehmen nehmen. Anschließend gilt es, seine persönlichen Stärken und Erfolge im Vortrag prominent zu platzieren – als Einstieg oder als Höhepunkt zum Schluss, beides wirkt. Rückfragen der Prüfer zu Schwächen sind Usus – also vorbereiten! Überlegen Sie auch, welche Aufgaben Ihnen schwerfallen: Was tun Sie, um diese Schwächen in den Griff zu bekommen? Wer solche Fragen souverän beantwortet, sammelt weitere Pluspunkte.

Ebenso werden Umgangsformen und Körpersprache bewertet: Steht der Kandidat selbstbewusst da? Sucht er den Blickkontakt zu Teilnehmern und Beobachtern? Oder zeigt er nervöse Ticks, wie Fingerklopfen oder Spielen mit Stiften?

Wer schon zu den Fachkräften im Unternehmen gehört und wessen Führungspotenzial nun ausgeleuchtet werden soll, muss dagegen eher mit Fragen zu seinen bisherigen Projekten, Problemen und Erfolgen rechnen. Mit abstraktem Geschwätz oder angelesenen Weisheiten sollte aber niemand versuchen seine Prüfer zu beeindrucken. Blender entlarven diese sofort mit geschickten Fangfragen. Was hilft, sind allein Ehrlichkeit und gute Vorbereitung.

Halten Sie also gute Antworten parat zu Fragen wie: Was machen Sie den ganzen Tag? Wie machen Sie das, und warum machen Sie das so? Wo hatten Sie Erfolg? Wo sind Sie gescheitert? Diese Fragen kommen fast immer. Antworten Sie nie abstrakt, sondern in Beispielen und Szenarien und Anekdoten. Je mehr äußere Umstände Sie schildern, desto plausibler wirkt die Entscheidung – auch wenn sie sich im Nachhinein als falsch erwiesen hat. In der Regel werden offene Fragen gestellt. Von guten Kandidaten werden schließlich Dialogfähigkeit, aktive Gesprächsführung und Initiative erwartet. Diesen Spielraum sollten Sie nutzen.

Auch Rückfragen sind erlaubt, genauso eigene Akzente: “Das ist eine interessante Frage, aber ich möchte zunächst betonen …” Bei offensichtlichen Fehlern ist die beste Strategie Kritikfähigkeit zu demonstrieren.

An solche Interviews schließt je nachdem noch eine Gruppendiskussion an. Bei einem Berufseinsteiger-AC noch eher als bei einem Manager-AC. Die Themen stammen oft aus dem aktuellen Wirtschaftsgeschehen. Fachwissen wird selten erwartet, dafür umso mehr Teamgeist. Auf keinen Fall sollte jemand den eigenen Standpunkt durchpauken, sondern ein gleichberechtigtes Gespräch führen. Wer sich zu stark in Szene setzt, kassiert genauso Minuspunkte wie Kandidaten, die sich hinter verschränkten Armen zurückziehen oder andere verbal attackieren. Besonders gerne sehen es die Beobachter, wenn sich ein Kandidat die Namen der Mitbewerber merkt und sie damit anspricht. So findet er schneller Verbündete und zeigt Integrationskraft.

Den Abschluss bildet immer ein ausführliches Gespräch mit den Beobachtern. Darin spiegeln sie ihre Eindrücke und fragen nach der Selbsteinschätzung. Das ist die Chance, missglückte Übungen gerade zu rücken und gute Ergebnisse zu unterstreichen. Understatement ist dabei Trumpf – keiner will Eigenlob, aber auch nicht übertriebene Selbstkritik hören. Es ist sowieso besser kritische Anmerkungen bereits während des AC umzusetzen. Das beweist Lernfähigkeit.

Wie Sie sich auf ein Assessment Center vorbereiten

Andrey_Popov/shutterstock.comGehen Sie entspannt, aber nicht ahnungslos ins Assessment Center. Eine gute Vorbereitung wird dafür sorgen, dass Sie sich schneller an die Situation anpassen und auf die Aufgaben konzentrieren können. Machen Sie sich mit den Aufgaben und ihrer Struktur vertraut, dann fällt Ihnen die Bearbeitung leichter. Hier einige Anregungen:

Grundlegende Vorbereitung

  • Schauen Sie sich den Ablauf genau an. Mit dem Einladungsschreiben erhalten Sie zusätzlich Informationen zum Ablauf des Assessment Centers. Gehen Sie den Ablauf genau durch. Antizipieren Sie mögliche Aufgabenfelder und bereiten Sie sich auf diese vor.
  • Planen Sie Ihre Anreise. Werden Sie an einem mehrtägigen Assessment Center in einer anderen Stadt teilnehmen, organisieren Sie rechtzeitig Ihre Anreise. Kümmern Sie sich um eine Unterkunft und planen Sie bei der Anfahrt genügend Pufferzeit ein, damit Sie auf jeden Fall pünktlich sind.
  • Sammeln Sie Informationen zum Unternehmen. Kennen Sie die Firmengeschichte? Was wissen Sie über die verschiedenen Tätigkeitsfelder? Was wissen Sie über die verschiedenen Standorte? Wichtige Zahlen, wie beispielsweise Gründung und Anzahl der Mitarbeiter sollten Sie aus dem Stehgreif nennen können.
  • Setzen Sie sich mit dem Jobprofil auseinander. Möchten Sie befördert werden oder bewerben Sie sich als Führungskraft, sollten Sie sich mit den Anforderung, der von Ihnen angestrebten Position, auseinandersetzen. Was sind die Hauptaufgaben? Was sind Schwierigkeiten? Mit wem würden Sie zusammenarbeiten?
  • Halten Sie sich auf dem Laufenden. Das gilt sowohl für aktuelle Geschehnisse in Politik und Wirtschaft als auch für Geschehnisse in der eigenen Branche. Für Fallbeispiele oder Analyseaufgaben im Assessment Center kann es notwendig sein, dass Sie die aktuelle Lage in Betracht ziehen. Dazu empfiehlt es sich auch mal einen Blick in die Tagespresse zu werfen.

Übungsaufgaben:

  • RWTH Aachen: Die Uni Aachen hat ein PDF mit Beispielaufgaben zur Kurzpräsentation, zum Postkorb und zur Fallstudie erstellt.
  • Hesse/Schrader: Auf dieser Seite finden Sie Beispielfragen zu Intelligenz- und Konzentrationstests.
  • Absolventa: Hier finden Sie Beispiele für Fallstudien, Rollenspiele, die Postkorbübung sowie die Selbstpräsentation.

Vorbereitung auf spezielle Aufgaben und Beispiele

Im Assessment Center möchte sich das Unternehmen ein Bild von Ihren Soft Skills machen. Wie arbeiten und denken Sie? Wie kreativ sind Sie? Wie selbstbewusst und durchsetzungsfähig sind Sie? All diese Eigenschaften werden mithilfe spezieller Aufgaben abgefragt. Mal geht es darum im Team zusammenzuarbeiten und mal müssen Sie sich als Einzelperson profilieren. Aufgaben, die immer wieder kommen, stellen wir hier vor und geben Tipps zur Bearbeitung.


Der Postkorb

Der Postkorb ist der Klassiker bei Assessment Centern. Sie wurde speziell dafür konzipiert. Bei der Postkorb-Aufgabe wird eine Arbeitssituation simuliert. Damit wird Ihre Organisations- und Entscheidungsfähigkeit in Stresssituationen getestet. Es geht darum, zu zeigen, dass Sie auch unter Zeitdruck arbeiten können.

Wie sieht so eine Aufgabe aus?

Sie sind gerade von einem wichtigen Termin ins Büro gekommen und befinden sich schon wieder auf dem Sprung. Sie haben eine halbe Stunden Zeit, um die Nachrichten und Anliegen, die in Ihrer Abwesenheit angelaufen sind, zu bearbeiten. Private und berufliche Anliegen können dabei gemischt werden. Danach sind Sie nur eingeschränkt erreichbar.

Wie löse ich diese Aufgabe?

Keine Sorge, selbst wenn ein Stapel von 40 Nachrichten auf Sie wartet, geht es nicht darum, alle zu bearbeiten. Die Aufgabe ist so konzipiert, dass Sie das in der vorgegebenen Zeit gar nicht schaffen können. Von Ihnen wird erwartet, die Aufgaben zu sichten und zu entscheiden, was damit passieren soll. Wie Sie vorgehen könnten:

  • Verschaffen Sie sich zügig einen Überblick.
  • Welche Aufgaben sind dringend? Wo steht eine Deadline dahinter?
  • Welche Aufgaben kann ich delegieren?
  • Welche Aufgaben können später erledigt werden?
  • Welche Aufgaben sind besonders wichtig und genießen Vorrang?

Extratipp

Denken Sie daran, dass Sie Ihre Entscheidung im Anschluss an die Aufgabe erklären müssen. Überlegen Sie sich also direkt bei der Bearbeitung, wieso eine Aufgabe gegenüber der anderen den Vorzug erhält. Rechnen Sie auch damit, dass die Prüfer Ihre Entscheidung hinterfragen werden, um Sie unter Stress zu setzen.

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Die Selbstpräsentation

Bei dieser Aufgabe werden Sie gebeten, einen kurzen Vortrag zu einem bestimmten Thema zu halten. Oft steht diese Aufgabe am Anfang und man bittet Sie, etwas über sich selbst zu erzählen. Wer hier überzeugend und authentisch auftritt, kann Sympathiepunkte sammeln.

Wie sieht so eine Aufgabe aus?

Bitte präsentieren Sie in einem 10-minütigen Vortrag drei Meilensteine Ihres beruflichen Werdegangs. Zur Vorbereitung haben Sie fünf Minuten Zeit.

Wie löse ich diese Aufgabe?

Überlegen Sie sich, was Sie den Prüfern erzählen wollen, aber auch in welcher Form. Schreiben Sie sich Stichpunkte auf einen Notizzettel, die Ihrem Vortrag Struktur verleihen. Viele Bewerber fühlen sich unwohl dabei, ein Loblied auf sich zu singen. Das vermeiden Sie, indem Sie nicht werten, sondern beschreiben. Erläutern Sie, wie Sie Ihr Ziel erreicht haben. Geben Sie Beispiele und verwenden Sie den branchenüblichen Fachjargon.

Extratipp

Reduzieren Sie Ihren Vortrag und schweifen Sie nicht ab. Es geht darum, drei Meilensteine darzustellen. Hierfür ist es nicht notwendig zu erzählen, welche beruflichen Stationen Sie bereits durchlaufen und welche Universitäten Sie besucht haben. Konzentrieren Sie sich auf die wesentlichen Punkte und stellen Sie diese prägnant dar. Ansonsten überziehen Sie die vorgegebene Zeit. Um ein Gefühl zu erhalten, wie lang ein 10-Minuten-Vortrag ist, üben Sie diesen zu Hause und stoppen Sie dabei die Zeit.

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Das Rollenspiel

Bei dieser Aufgabe wird eine bestimmte Situation mit Kollegen, Mitarbeitern oder Kunden nachgestellt. Dabei kann es sich um ein Kundengespräch handeln, bei dem der Kunde mit Ihrer Arbeit unzufrieden ist oder Sie sollen einen Mitarbeiter motivieren. Getestet werden Ihre sozialen Kompetenzen, also Einfühlungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Kompromissbereitschaft und Überzeugungskraft.

Wie kann so eine Aufgabe aussehen?

Sie sind Abteilungsleiter und sollen einen Mitarbeiter zur Rede stellen, der stets unpünktlich zur Arbeit kommt – lautet die Aufgabenstellung. Dabei sitzt Ihnen eine Person gegenüber, die den unpünktlichen Mitarbeiter spielt und Sie müssen sich nun in die Situation hineinversetzen.

Wie löse ich diese Aufgabe?

Suchen Sie das Gespräch mit dem Mitarbeiter. Sorgen Sie für eine angenehme Gesprächsatmosphäre, damit der Mitarbeit sich wohlfühlt. Erläutern Sie, dass Ihnen aufgefallen ist, dass der Mitarbeiter in letzter Zeit immer zu spät sei. Fragen Sie nach dem Grund dafür. Diskutieren Sie gemeinsam die Situation und bieten Sie Lösungen an.

Grundsätzlich sollten Sie bei dieser Aufgabe:

  • Ihr Gegenüber aussprechen lassen und zuhören.
  • Erkennen, wo das Problem liegt.
  • Lösungsvorschläge anbieten.

Extratipp

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, emotional zu reagieren.

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Fallstudie

Die Gruppe erhält einen konkreten Fall aus dem Unternehmenskontext sowie Material und soll im Anschluss Ihre Lösung präsentieren. Dabei wird geprüft, welche Rolle Sie in der Gruppe übernehmen. Sie sollen auch zeigen, ob Sie in der Lage sind analytisch und strategisch zu denken.

Wie sieht so eine Aufgabe aus?

Ein neues Produkt soll in einem Monat auf den Markt kommen. Entwickeln Sie eine Strategie für dessen Einführung. Dafür haben Sie 20 Minuten Zeit.

Wie löse ich diese Aufgabe?

Eine Fallstudie ist immer kontextabhängig. Sie werden eine Aufgabenstellung aus dem Branchenkontext erhalten. Vielleicht sogar eine Situation, die so bereits aufgetreten ist. Das heißt für Sie, dass Sie sowohl das Unternehmen als auch seine Produkte und Dienstleistungen kennen sollten. Je größer das Wissen darüber, desto einfacher wird Ihnen die Lösung fallen.

Extratipp

Behalten Sie das große Ganze im Blick. Verlieren Sie sich nicht in Details, denn dafür bleibt Ihnen bei der Bearbeitung nicht die Zeit.

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Die Gruppendiskussion

Bei dieser Aufgabe wird ein vorgegebenes Thema kontrovers diskutiert. Hier geht es darum, im direkten Vergleich gut abzuschneiden. Sie müssen den Sachverhalt verstehen, Position beziehen und sich eine Argumentation überlegen. Dabei werden Ihre Rhetorik, Ihre Überzeugungskraft und Ihre Kooperationsbereitschaft getestet.

Wie sieht so eine Aufgabe aus?

Soll der Außendienst auf Elektroautos umgestellt werden? Sie haben 20 Minuten, um das Thema zu diskutieren und zu einer Entscheidung zu kommen.

Wie löse ich diese Aufgabe?

Seien Sie während der Diskussion freundlich, höflich und rücksichtsvoll gegenüber den anderen. Nehmen Sie die Meinung der anderen Bewerber ernst und hören Sie Ihnen zu. Zeigen Sie Kompromissbereitschaft, damit die Gruppe zu einem Ergebnis kommen kann.

Extratipp

Achten Sie auf Ihre Körpersprache! Zeigen Sie sich selbstbewusst und präsent.

Beispiel Assessment Center

In diesem Video erhalten Sie guten Input zur Selbstpräsentation, zum Postkorb und zur Fallstudie:

Assessment Center Fail: Diese Fehler verderben alle Bewerbungschancen

Um das gleich vorweg zu nehmen: Es geht uns ganz bewusst nicht um die offensichtlichen Fehler, mit denen Sie sich als Bewerber im Assessment Center selbst aus dem Rennen kegeln können. Bei allen folgenden Ausführungen gehen wir davon aus, dass Sie gut vorbereitet und passend gekleidet beim Assessment Center erscheinen. Die Fehler auf die wir eingehen liegen sehr nah am eigentlich richtigen Verhalten – und sind genau deshalb extrem tückisch und gefährlich.

Der Unterschied zwischen passendem Verhalten und Assessment Center Fail ist äußerst gering und hängt auch von der Situation und – für Bewerber bedauerlich – der Wahrnehmung und Interpretation der begleitenden Trainer und Personaler ab.

Was Ihnen letztlich das Genick brechen kann…

  • … zu wenig Spontanität. Der vielleicht kritischste Fehler hat direkt mit der dafür notwendigen Strategie zu tun. Als Bewerber bereiten Sie sich natürlich auf den Tag und das Auswahlverfahren vor und legen sich eine Strategie zurecht. Das ist sinnvoll und notwendig, doch wenn Sie sich zu sehr an Ihre vorbereitete Strategie klammern und dadurch nicht in der Lage sind, spontan auf die Gegebenheiten vor Ort zu reagieren, stehen Sie sich dadurch selbst im Weg und können wichtige Chancen ungenutzt verstreichen lassen.
  • … falsche Erwartungen. Damit eng verknüpft sind Ihre Erwartungen an das Assessment Center, die sich ebenfalls als echtes Risiko herausstellen können. Denn wenn Sie diese als gegeben hinnehmen und fest davon ausgehen, dass das Assessment Center Ihren Vorstellungen und Erwartungen entspricht, können Ernüchterung und Irritation in der Praxis groß sein und Sie so nachhaltig aus dem Konzept bringen, dass das auch die anwesenden Personaler und Trainer merken.
  • … eine zu starke Konkurrenzhaltung. Natürlich treffen Sie im Assessment Center auf anderer Bewerber, die sich vielleicht auf die gleiche Stelle wie Sie bewerben. Wenn Sie diese jedoch als Konkurrent sehen, sich ständig vergleichen und in direkten Wettbewerb treten, schaden Sie sich dadurch enorm.
  • … die Schwächen-Vermeidungs-Taktik. Es ist gut und sinnvoll, wenn Sie sowohl Ihre Stärken als auch Ihre Schwächen kennen und berücksichtigen. Doch im Assessment Center und dem gesamten Bewerbungsverfahren sollten Sie sich auf Ihre Stärken konzentrieren und diese optimal präsentieren. Versuchen Sie bitte nicht, krampfhaft Ihre Schwächen zu vermeiden oder zu verstecken.
  • zu flexible Ansichten und Standpunkte. In vielen Assessment Centern werden Diskussionen und Gespräche sowohl unter vier Augen mit den Trainern als auch in der Gruppe geführt. Unterscheiden sich Ihre Aussagen zwischen Vier-Augen-Gespräch und Gruppendiskussion inhaltlich deutlich, wirft das kein gutes Licht auf Sie und kann Personaler an Ihren Standpunkten und Ihrer Konsequenz zweifeln lassen.
  • … ein fast schon banaler Punkt, der für stark konkurrenzorientierte Bewerber jedoch relevant ist: Über andere Kandidaten zu lästern oder diese bewusst schlecht zu reden verbietet sich natürlich von selbst. Solche Aktionen fallen auf jeden Fall negativ auf Sie zurück und reduzieren eher Ihre Chancen als die der anderen.
  • … eine zu starke Konzentration auf die Aufgaben. Es klingt vielleicht seltsam, doch wenn Sie sich zu sehr auf die Aufgaben im Assessment Center einlassen, können Sie Ihre Chancen dadurch ebenfalls schwächen. Denn wollen Sie eine Aufgabe unbedingt lösen oder aus Prinzip Recht haben, verlieren Sie dabei den eigentlichen Sinn des Assessment Centers – die Auswahl eines geeignet Kandidaten für eine Stelle – aus dem Blick. Dann kann es sein, dass Sie in der konkreten Aufgabe zwar erfolgreich sind, Ihre Bewerbungschancen dadurch jedoch reduzieren.
  • … eine zu egozentrische Arbeitsweise und Haltung. Sicher, Sie sollen und müssen sich auf Ihre Stärken fokussieren und Vergleiche mit anderen Kandidaten meiden. Doch das bedeutet nicht, dass Sie in den konkreten Aufgaben eigenbrötlerisch und zurückgezogen agieren sollten. Teamarbeit ist eine von vielen wichtigen Fähigkeiten, die im Assessment Center ganz oben auf der Liste der wünschenswerten Eigenschaften steht.

Das Assessment Center ist eine ständige Prüfungssituation

Und hier der wichtigste Grundsatz zum Schluss: Machen Sie sich bewusst, dass Sie während der gesamten Zeit des Assessment Centers geprüft werden – auch wenn gerade keine Aufgaben anstehen. Bereits die Begrüßung stellt einen ersten Test dar. Sie findet in der Regel vor der gesamten Bewerbergruppe statt und entscheidet maßgeblich über den ersten Eindruck – für den es bekanntlich keine zweite Chance gibt.

Hier eine kleine Anekdote, die das verdeutlicht:

Der Posten des stellvertretenden Geschäftsführers sollte vergeben werden. Zu diesem Zweck fand ein mehrtägiges Assessment Center statt. Ein Abendessen sollte das Auswahlverfahren abschließen. Der Geschäftsführer fragte seinen Personaler: Welcher Kandidat ist nun der Richtige? Der Personaler antwortete: Das sage ich Ihnen in wenigen Stunden. Zu diesem Zeitpunkt war das Assessment Center offiziell bereits für beendet erklärt. Nach dem Essen teilte der Personaler dem Geschäftsführer seine Wahl mit. Verdutzt fragte dieser: Wie kommen Sie zu Ihrer Einschätzung? Darauf erwiderte der Personaler: Ein Mitarbeiter, der heute Abend das teuerste Essen bestellt, nur weil das Unternehmen zahlt, ist nicht unbedingt vertrauenswürdig. Und auch wer sich in Ihrer Anwesenheit am Wein zu gütlich tut oder nicht auf seine Manieren achtet, scheidet für eine Führungsposition aus. Erst wenn sich jemand unbeobachtet fühlt, erkennen Sie seinen wahren Charakter.

Checkliste zur Vorbereitung

Wir haben 99 Tipps zur Vor- und Nachbereitung, zum Einstieg, zu der richtigen Strategie und den Tabus für Sie zusammengestellt. Diese können Ihnen als Checkliste für Ihre Vorbereitung dienen. Die Checkliste können Sie HIER als PDF herunterladen.

[Bildnachweis: Andrey_Popov, Adam Gregor, Andrey_Popov by Shutterstock.com]