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Stellenanzeigen richtig lesen: Alle Tricks

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Ob Sie nun in die Wochenendausgabe einer überregionalen Tageszeitung schauen oder die Listen diverser Online-Stellenbörsen durchstöbern – jede Stellenanzeige enthält immer auch einen Subtext, den Sie sich bewusst machen sollten, falls Sie sich für den dort ausgeschriebenen Job interessieren. Oft erfahren Sie so zusätzliche Informationen über die zu besetzende Position und den Arbeitgeber in spe. Wie Sie diese Informationen entschlüsseln und für sich nutzen können, erfahren Sie in dem folgenden Dossier…


Stellenanzeigen Aufbau: Die Informationen gehören in jedes Jobangebot

Stellenanzeigen sind die Visitenkarte eines Arbeitgebers. Im Idealfall spiegeln Sie, was für den Job und das Unternehmen spricht und geben Einblicke in den späteren Berufsalltag. Zwar bleibt es jedem Arbeitgeber selbst überlassen, wie er seine Stellenanzeige formuliert (siehe auch dieses PDF). Ein paar wesentliche Information gehören aber immer dazu – ihr Fehlen könnte bereits ein erstes Indiz für einen zweifelhaften Arbeitgeber (oder eine überforderte Personalabteilung) sein.

Den folgenden Anforderungenkatalog für Stellenannoncen können Sie daher auch als eine Art Checkliste für Stellenanzeigen lesen und mögliche Jobangebote daraufhin überprüfen, ob diese Angaben enthalten sind:

  • Jobtitel und Beschreibung der Tätigkeit, Verantwortung (Vollmachten)
  • Position: Einordnung in der Organisation
  • Dauer der Beschäftigung: Jahresvertrag, Aushilfe, Praktikum, unbefristet
  • Arbeitsbedingungen: eigener Pkw erforderlich, Heimbüro, viele Dienstreisen
  • Einstellungstermin
  • Voraussetzungen: Geforderte Muss-Qualifikationen (Ausbildung, Berufserfahrung, Kenntnisse)
  • Zusatzqualifikationen: Soft Skills, Kann-Qualifikationen
  • Leistungsversprechen: Weiterbildung, Karriereaussichten, Gehalt, Zusatzleistungen wie Firmenwagen oder Boni
  • Profil: Darstellung des Unternehmens, der Branche, der Produkte, des Selbstanspruchs
  • Bewerbungsprozess: Beschreibung erforderlicher Unterlagen (Mappe, Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnisse). Aber auch: Wie soll die Bewerbung erfolgen: ausschließlich online? Per Post?
  • Kontakt: Adresse, E-Mail, Telefon, Name des Personalentscheiders

Schon daran, wie viel Mühe sich das Unternehmen gemacht hat, all diese Informationen verständlich zu formulieren, verrät viel über die Unternehmenskultur. So ergeben denn auch all diese Indizien einen Gesamteindruck, den Sie auf sich wirken lassen sollten.

Lesen Sie die Stellenanzeige deshalb ruhig mehrmals, langsam und aufmerksam durch und versetzen Sie sich dabei in die Lage des Verfassers: Was könnte der- oder diejenige suchen? Warum hat er oder sie das so formuliert? Hören Sie dabei auch auf Ihr Bauchgefühl, ob Sie das Inserat ansprechend finden oder ob Sie irgendetwas daran stört.

Im zweiten Fall sollten Sie – falls Sie den Job nicht sofort abschreiben – noch ein paar Erkundigungen über das Unternehmen einholen. Zum Beispiel, indem Sie (ehemalige) Mitarbeiter über Xing oder andere Soziale Netzwerke ansprechen.

Sie können aber die Stellenanzeige auch noch weiterlesen, analysieren und dechiffrieren.

Was sind MUSS-, was sind KANN-Anforderungen

Extra-Tipp-IconOft stellt schon die Reihenfolge der genannten Anforderungen an Bewerber eine Hierarchie dar: Was oben steht, sollten Sie unbedingt mitbringen, was weiter unten steht, ist wünschenswert, aber kein Muss.

Sogenannte Muss-Anforderungen erkennen Sie beispielsweise an Formulierungen, wie:

  • Voraussetzungen sind…
  • Erwarten wir…
  • Sie bringen mit…
  • …setzen wir voraus
  • …sollten Sie erfüllen
  • …sind erforderlich

Wesentlich weicher sind die sogenannten Kann-Anforderungen formuliert:

  • Idealerweise…
  • Wünschenswert sind zudem…
  • Erwünscht sind…
  • Ausbaufähige Kenntnisse in…
  • Hinreichende Erfahrungen in…
  • Wenn Sie außerdem mitbringen…

Stellenanzeigen dechiffrieren: Was verbirgt sich dahinter?

Tatsächlich steht in Stellenanzeigen jede Menge zwischen den Zeilen. Man muss nur wissen, wie das, was dort steht (oder auch nicht steht) zu deuten ist. Gerade bei gedruckten Stellenanzeigen in der Zeitung enthalten verräterische Indizien zum Beispiel…

  • Der Anzeigentext

    Ein seriöses Stellenangebot (siehe Checkliste oben) beschreibt vor allem, was ein Bewerber können muss – die sogenannten Muss-Qualifikation. Wer diese Kompetenzen nicht mitbringt, hat bei der Bewerbung kaum Chancen. Darüber hinaus enthalten solche Offerten aber auch noch sogenannte Kann-Qualifikationen. Die sind oft im Konjunktiv formuliert (Zum Beispiel: „Wünschenswert wäre…“). Diese sollten Sie ebenfalls in Anschreiben oder tabellarischem Lebenslauf dokumentieren. Ihre Chancen steigen mit jedem Haken auf dieser Liste. Darüber hinaus sollten Sie auf versteckte Hinweise achten: Ein Unternehmen, das „Belastbarkeit“ erwartet, obwohl das eigentlich selbstverständlich ist, bietet vermutlich ein raues Klima. Ein allzu steifer Text spricht eher für einen straff geführten, bürokratischen Laden und ein „hohes Maß an Eigenverantwortung“ für einen latent chaotischen Haufen.

  • Die Größe der Stellenanzeige

    Jobofferten sind wie Schaulaufen – je größer die Anzeige, desto höher schätzt der Arbeitgeber die Stelle ein und desto wichtiger nimmt sich freilich auch das Unternehmen. Es will damit schließlich auffallen. Damit ist aber auch klar: Genauso viel Renommee und Strahlkraft erwartet man auch von einem geeigneten Kandidaten. Auch auf die Gefahr hin, dass das hart klingt: Wer in der Branche nur ein kleines Licht ist, braucht sich in der Regel auf eine halbseitige Anzeige nicht bewerben. Eine solche Anzeige heißt aber auch: Wenn das Unternehmen schon bereit war, so viel Geld für die Ausschreibung zu investieren, ist es beim Gehalt auch nicht knauserig.

  • Der Phrasen-Faktor

    Misstrauisch sollten Sie bei auffällig kleinen (billigen) Anzeigen werden, die dafür Großes versprechen und zahlreiche Allgemeinplätze enthalten: einen schmucken Titel und das große Geld in wenigen Wochen. Solche Anzeigen sind meist Lockvogelangebote, eine Mogelpackung. Nicht selten bleiben solche Offerten vage, versprechen lediglich „interessante Aufgaben“, „reizvolle Inhalte“ bei „überdurchschnittlicher Bezahlung“ und „sofortigem Jobantritt“. Gänzlich misstrauisch sollten Sie werden, wenn man von Ihnen extraordinäre Qualifikationen verlangt, wie „ein ansprechendes Äußeres“ oder „ungebunden“ zu sein. Sparen Sie sich die Mühe, sich dort zu bewerben. Wer einen seriösen Job anbietet, kann öffentlich exakt dessen Anforderungen und Inhalte beschreiben.

  • Die enthaltenen Fotos

    Grafiken und Bilder in Stellenanzeigen sind selten. Die Hauptabsicht ist natürlich, ebenfalls aufzufallen und aus der Menge der anderen Stellenanzeigen hervorzustechen. Die Subbotschaft ist aber ähnlich wie bei der Anzeigengröße: Bilder machen Anzeigen größer und damit auch teurer (insbesondere 4-farbige). Darüber hinaus ist das Motiv interessant: Ein austauschbares Stockfoto mit dauerlächelnden Menschen? Simple Effekthascherei, die dem knochigen Anzeigentext etwas mehr Emotion geben soll? Nicht besonders einfallsreich. Interessant wird es erst bei realen (kaum gestellten) Bildern aus dem Unternehmen und von echten Mitarbeitern. Das könnte auf großes Selbstbewusstsein und eine offene Firmenkultur hindeuten, auf eine Belegschaft, die sich mit dem Arbeitgeber identifiziert.

  • Das Absenderfeld

    Eine seriöse Anzeige enthält immer eine nachprüfbare, transparente (E-Mail-)Adresse oder Telefonnummer sowie Informationen, wie Sie sich bewerben sollen. Nicht immer muss der Name des Ansprechpartners genannt werden, darauf verzichten Unternehmen in der Regel, wenn sie viele Bewerber erwarten und entsprechend viele Personalentscheider damit betraut sind. Falls aber Fragen zu den Anforderungen bleiben, muss sich das Unternehmen sichtbar kontaktieren lassen. Um anonyme Handy-Nummern oder E-Mail-Adressen, die auf @gmail.com, @gmx.de & Co. enden, sollten Sie jedoch einen Bogen machen. Dahinter stecken entweder Datensammler oder obskure Unternehmen.


Stellenanzeigenanzeigen lesen und verstehen: Der Phrasen-Code

Stellenanzeigen-dechiffrieren-lesen-BewerberinOb nun Offline- oder Online-Stellenanzeigen: In den vergangenen Jahren hat sich in den Formulierungen ein Art Anzeigen-Code entwickelt, der ähnlich wie beim Arbeitszeugnis die Anforderungen an den Bewerber umschreibt, ohne sie wirklich zu benennen. Was liegt also näher, als ungünstige Arbeitsbedingungen durch ein bisschen Sprachkosmetik in besserem Licht erscheinen zu lassen? Nicht selten wird aus dieser Phrasendrescherei ein Stellenanzeigen-Bullshit-Bingo.

Damit Sie wissen, was Sie wirklich erwartet, haben wir die häufigsten Phrasen und Floskeln in Stellenanzeigen hier einmal aufgeführt und dechiffriert, was diese wirklich über das Unternehmen aussagen…

Stellenanzeigen richtig lesen: Die Aussagen über das Unternehmen

Wir beginnen mit den Floskeln, die typischerweise in der Selbstbeschreibung des Unternehmens stehen:

  • Angenehmes Betriebsklima: Kann stimmen, ist aber eigentlich eine Selbstverständlichkeit (das Gegenteil wäre die Nachricht – dann würde sich aber keiner mehr bewerben). Die Betonung von Selbstverständlichem ist daher immer suspekt und könnte auch bedeuten: Verglichen mit einem Hagelsturm ist auch Schneeregen „angenehm“…
  • Dynamisches Unternehmen: Weil das Unternehmen zu schnell wächst, kommt der Ausbau der Strukturen nicht hinterher. Hier sollten Sie sich auf ein entsprechendes Organisations-Chaos einstellen.
  • Eingespielte Mannschaft: Die Kollegen arbeiten seit vielen Jahren zusammen und erwarten mit größter Wahrscheinlichkeit ein Ebenbild Ihres Vorgängers. Weil Sie diesen Wunsch nicht erfüllen können, werden Sie um Anerkennung kämpfen müssen.
  • Entwicklungsmöglichkeiten: Weil in der Firma eine hohe Fluktuation herrscht, können Sie schnell aufsteigen – falls Sie lange genug durchhalten. Das Risiko des Scheiterns ist allerdings genauso groß.
  • Flache Hierarchien: Sie werden schnell in Entscheidungen eingebunden und müssen zu den Konsequenzen stehen. Wenn das für Sie eine spannende Herausforderung ist: Nur zu!
  • Innovatives Unternehmen: Weil Ihr Arbeitgeber ständig Neuerungen auf den Markt wirft, müssen Sie vor Ideen nur so sprudeln, um hier zu reüssieren. Außerdem benötigen Sie exzellente Fähigkeiten als Troubleshooter, weil dabei naturgemäß dauernd etwas schief geht.
  • Junges Team: In diesem Unternehmen arbeitet keiner, der älter ist als um die 30 Jahre. Das kann entweder daran liegen, dass dessen junge Inhaber gerne mit Gleichaltrigen arbeiten – oder dass dieser Arbeitgeber nur Sprungbrettfunktion hat, weil es dort niemand lange aushält und die Gehälter unterdurchschnittlich sind.
  • Marktführer: Gäbe es tatsächlich so viele Marktführer, wie zahlreiche Stellenangebote behaupten, wäre die Spitze eine Fläche – bildlich gesprochen. Sehen Sie deswegen genau hin: Wenn sich das Unternehmen als einziger Teilnehmer des Marktes entpuppt, den es angeblich anführt, sollten Sie die Finger davon lassen. Wer so prahlt, hat es nötig.
  • Traditionsunternehmen: Obacht: Hier wird alles so gemacht, wie es immer schon gemacht wurde – und in diese Strukturen müssen Sie sich einfügen wollen und können. Wenn Sie rasche Änderungen herbeiführen wollen, werden Sie garantiert auflaufen. Denn Neues verträgt so ein Dinosaurier allenfalls in homöopathischen Dosen.
  • Überschaubares Team: In solch kleinen Einheiten sind Ihre Allrounderqualitäten gefragt, denn Sie werden viele verschiedene Aufgaben übernehmen dürfen. Allerdings ist der Anspruch an die wenigen Mitarbeiter auch extrem hoch. Sie müssen den Laden wuppen – auf eine Work-Life-Balance brauchen Sie hier nicht hoffen.
  • Weiterbildungsmöglichkeiten: Weil sich Ihr Job ständig verändert, werden Sie permanent dazu lernen müssen, um am Ball bleiben zu können. Die Frage, die Sie im Vorstellungsgespräch dann unbedingt stellen sollten, ist: Wer bezahlt diese Weiterbildungsmöglichkeiten?

Stellenanzeigen richtig lesen: Die Ansprüche an Kandidaten

Auch die Formulierungen, die die Erwartungen an künftige Mitarbeiter umschreiben, sind voller versteckter Botschaften. Um die Stellenanzeigen richtig zu lesen und zu verstehen, sollten Sie daher auch auf folgende Schlüsselbegriffe achten:

  • Abschlussorientierung: Ein typisches Keyword für gesuchte Mitarbeiter im Vertrieb und Verkauf. Wer aber den Verkaufserfolg schon so in der Stellenanzeige betont, macht deutlich: Welche Methoden Sie später anwenden, ist zweitrangig – allein der Umsatz zählt.
  • Belastbarkeit: Weil ständig Mehrarbeit und Überstunden anstehen, müssen Sie hier oft bis an die Grenzen Ihrer Leistungsfähigkeit (und darüber hinaus) gehen. Oder aber diese gesuchte Eigenschaft ist eine jener Leerformeln, die von Anzeige zu Anzeige reproduziert werden, ohne dass die Autoren über ihre Notwendigkeit nachdenken: Wer sucht schon Mitarbeiter, die bei der kleinsten Herausforderung zusammenbrechen?
  • Dynamik: Wenn etwas dynamisch ist, klingt das erst einmal positiv – nach aufgekrempelten Ärmeln, Abwechslung und Spaß. So soll es auch klingen. Was die Floskel nicht sagt: Zu Ihren Aufgaben zählt zwar, andere mit Ihrer Begeisterung mitzureißen und alles zu geben, um die Unternehmensziele zu erreichen – für Ihre eigene Motivation fühlt sich aber niemand zuständig.
  • Eigenverantwortung: Was genau Ihre Aufgaben sind und wie Sie diese lösen können, müssen Sie hier leider selbst herausfinden. Und wenn es daneben geht? Dann sind Sie alleine schuld – war schließlich Ihre Angelegenheit und Verantwortung!
  • Hohe Einsatzbereitschaft: Sie haben da zu sein, wann und wo immer Ihr Unternehmen sie braucht. Das Privatleben fällt für Sie in den nächsten Jahren erst einmal aus.
  • Erfolgswille: Sie können sich selbst motivieren und sind bereit, sich im Zweifel auch gegen Kollegen durchzubeißen, weil im Unternehmen ein harter Wettbewerb herrscht? Prima, dann sind Sie hier genau richtig.
  • Flexibilität: Auch so eine typische Worthülse aus der Stellenanzeigen-Stanzmaschine. Unwillkürlich fragt man sich: Welcher Arbeitgeber würde schon Mitarbeiter mit der (geistigen) Beweglichkeit einer Betonschwelle suchen? Eben. Wenn es aber schon derart betont wird, bedeutet das meist: In die häufig wechselnden Anforderungen Ihrer Tätigkeit müssen Sie sich leider selbständig einarbeiten – es gibt keinen, der es sonst tun würde.
  • Fortbildungsbereitschaft: Das Wort „Bereitschaft“ sollte stutzig machen. Ihr Arbeitgeber erwartet also, dass Sie ständig dazulernen, um Ihre Aufgaben erfüllen zu können. Allerdings bedeutet das nicht, dass Sie dabei seine (finanzielle) Unterstützung erhalten. Unbedingt im Bewerbungsgespräch nachhaken!
  • Freundlichkeit: Diese Anforderung findet sich meist bei gesuchten Mitarbeitern mit Kundenkontakt, im Support oder Call-Center. Wieder eine Selbstverständlichkeit, die mit ihrer Erwähnung darauf hindeutet, dass die Kunden das genau Gegenteil von dem sind, was man von Ihnen erwartet. Oder anders formuliert: Von Ihnen wird erwartet, dass Sie den ganzen Tag lächeln, während Ihnen ein veritabler Shitstorm entgegen bläst. Ähnlich verdächtig ist auch der Schlüsselbegriff: „Kundenorientierung“.
  • Kommunikative Fähigkeiten: Ihr Arbeitstag wird aus Telefonaten, Kundenbesuchen und zahlreichen Meetings bestehen. Oder aber (bei Führungskräften) Sie müssen häufig zwischen Kollegen vermitteln, um den den Laden zusammenzuhalten. Auf jeden Fall sind hier diplomatische Fähigkeiten gefragt.
  • Kreativität: Eine viel zu oft geklonte Floskel. Entweder sie ist hohl, oder aber es bedeutet: Sie stehen ständig vor neuen Herausforderungen und müssen Lösungen dafür finden. Unterstützung brauchen Sie dabei aber keine zu erwarten, weil die anderen auch keine Ahnung haben.
  • Mobilität: Heißt nichts anderes als: Sie besitzen sowohl Führerschein als auch ein Auto (generösere Arbeitgeber stellen sogar einen Firmenwagen) und werden viel unterwegs sein – auch über die üblichen Arbeitszeiten hinaus, denn Ihr Einsatzort wechselt.
  • Ordnungsliebe: Wer solche Selbstverständlichkeiten betont, zeigt kaum noch subtil, worauf er Wert legt: In diesem Unternehmen zählt nur, dass Ihr Schreibtisch immer aufgeräumt ist – besondere Leistungen oder gar Innovationen werden nicht erwartet.
  • Organisationstalent: Um Ihre Aufgaben erledigen zu können, müssen Sie beständig die verschiedensten Dinge unter einen Hut bringen – darunter auch solche, die Sie nie zuvor gesehen haben.
  • Pünktlichkeit: Der zweite Bestandteil des „Deutschen Dreisatzes“ – Ordentlichkeit, Pünktlichkeit, Fleiß – deutet ebenfalls darauf hin, dass von Ihnen in erster Linie Disziplin erwartet wird – sonst nichts.
  • Reisebereitschaft: Die meisten Berufseinsteiger finden Dienstreisen erst einmal spannend – bis Sie mit der Zeit feststellen, dass Hotellounges und Hotelzimmer einsam sein können. Falls Sie noch keinen Facebook-Account besitzen, sollten Sie sich den hier schleunigst zulegen. Sonst werden Sie Ihre Familie und Freunde nur noch am Wochenende sehen.
  • Teamfähigkeit: Ist im Grunde gleichbedeutend mit „Anpassungsfähigkeit“ und „Flexibilität“. Die erste Interpretation lautet: Sie sind bereit, Ihre Ideen zurückzunehmen und sich in die Abteilung einzufügen, Einzelleistungen sind hier weniger gefragt. Variante 2: Diese Floskel steht da, weil sie in jeder Annonce steht und hat überhaupt nichts zu sagen. Oft ist das Letzte der Fall, was angesichts der Alternative schon wieder gut ist.
  • Unternehmerisches Denken: Klingt nach großer Freiheit und Verantwortung, bedeutet es aber nur selten. Eher steckt dahinter, dass Sie bei Ihren Entscheidungen stets die Interessen Ihres Arbeitgebers berücksichtigen und entsprechend entscheiden – allerdings auch zum eigenen Nachteil. Ihrem Vorgesetzten schulden Sie nur dann Rechenschaft, wenn Sie Ihre Aufgaben nicht angemessen erledigen.
  • Zielstrebigkeit: Egal, was Ihre Aufgabe ist: Erledigen Sie diese unbedingt in der kürzestmöglichen Zeit. Für lange Diskussionen und lästige Fragen hat man hier wenig Toleranz.
  • Zuverlässigkeit: Auch das ist eine Binse, die eigentlich keiner Erwähnung wert ist. Trotzdem sagt sie zumindest eines über das Unternehmen aus: Wer viele solcher Selbstverständlichkeiten in seinen Stellenanzeigen betont, hat über die wirklichen Anforderungen nicht nachgedacht – oder schlimmer: kennt sie nicht.

Stellenanzeigen richtig lesen: Die Fakten zum Gehalt

Spätestens an dieser Stelle geht es ans Eingemachte – und letztlich Ihren geschätzten Wert in dieser Position. Deshalb widmen wir uns gesondert den Formulierungen zum Gehalt und werfen einen Blick auf die Formeln, die Ihr künftiges Einkommen kaschieren sollen:

  • Attraktives Gehalt: Wer sich derart hinter einem Adjektiv versteckt, macht sich verdächtig. Im Klartext kann das nur bedeuten: Die Höhe der Bezahlung ist in erster Linie für den Arbeitgeber attraktiv, da sie weit unter Tarif oder dem Branchendurchschnitt liegt.
  • Dynamische Lohnbestandteile: Erfolgsabhängige Boni oder Prämien machen hier einen wichtigen Teil Ihres Verdiensts aus. Bevor Sie den Vertrag unterzeichnen, sollten Sie daher genau prüfen, ob sich mit dem Fixum allein überhaupt genug Geld verdienen lässt, um davon zu leben.
  • Investition in Ihre Zukunft: Vorsicht Falle: Bei diesem Arbeitgeber müssen in der Regel finanziell in Vorleistung gehen, bevor Sie Geld verdienen. Oft verbirgt sich dahinter eine Strukturvertieb.
  • Leistungsbezogene Vergütung: Auch diese Formulierung riecht verdächtig nach Boni oder Provisionen. Allerdings auch nach einer Entlohnung, die nichts mit Tarif oder Branchendurchschnitt zu tun hat, sondern allein mit dem Gutdünken Ihres Chefs, wie der Ihre Leistungen einschätzt.
  • Überdurchschnittliche Bezahlung: Welcher Durchschnitt? Der Ihrer Branche, der Region, der des Unternehmens – oder aller Arbeitnehmer weltweit? Außerdem fehlt jede Aussage, wie weit das Gehalt über dem Durchschnitt liegt. Hier wird natürlich mit der Aussicht auf viel Geld geworben – allerdings nur über Assoziationen und Kopfkino. Hier sollten Sie im Vorstellungsgespräch genau nachfragen.
  • Übliche Sozialleistungen: Das heißt im Klartext: Wir zahlen nicht mehr als wir müssen – besser kann sich ein knausriger Laden nicht outen.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Ähnlich wie bei dem Code in Arbeitszeugnissen sollten Sie Stellenanzeigen als Ganzes lesen und verstehen. Eine einzige Floskel sagt noch nichts über die Qualität der Position aus – zumal der Verfasser der Stellenanzeige nicht zwingend die Bedeutung jeder Formulierung kennen muss.

Verdächtig aber wird es, wenn Sie viele der oben aufgeführten Formulierungen vorfinden und Ihre Intuition Alarm schlägt. Dann lohnt es sich vielleicht, noch andere, alternative Stellenanzeigen zu suchen – zum Beispiel in unserer eigenen Jobbörse mit mehr als 100.000 offenen Stellen:

Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


3 Indizien, die gegen das Jobangebot sprechen

Für die Schnellleser unter Ihnen, hier noch einmal die drei wichtigsten Indizien und Warnhinweise, die gegen eine Stellenofferte sprechen:

  • Schnelles Gehalt

    Viel Geld für ein paar Stunden Nebentätigkeit bei freier Zeiteinteilung? Wer so etwas verspricht, ist entweder unseriös oder vermittelt Sie in die Prostitution. Das schnelle Geld gibt es nun mal nicht. Und hinter „selbstständiger“ Arbeit steckt in der Regel ein fieser Strukturvertrieb, bei dem Sie eigenes Geld investieren müssen. Finger weg!

  • Keine Jobbeschreibung

    Werden keine Qualifikationen verlangt, sollten Sie hellhörig werden. Fehlt die Tätigkeitsbeschreibung ganz, gilt höchster Alarm. Endgültig vergessen sollten Sie den Job, wenn von Ihnen vorab eine Art Investition oder Gebühr verlangt wird. Sie wollen Geld verdienen – nicht umgekehrt.

  • Anonymer Kontakt

    Wer bietet den Job an? Ist das ausschreibende Unternehmen weder erkennbar noch recherchierbar, ist das ein starkes Indiz für eine Abzocke. Ganz sicher wissen Sie es, wenn Sie den vermeintlichen Arbeitgeber nur über teure Vorwahlen oder E-Mail-Accounts im Ausland erreichen können.

[Bildnachweis: ArTono, Minerva Studio by Shutterstock.com]



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