Gemischte Teams: Frauen machen Teams besser
Gemischte Teams arbeiten besser: Vor allem ihre emotionale Intelligenz macht aus Frauen perfekte Teamworker, sagt die Wissenschaft. Frauen können Emotionen besser lesen, sich besser in ihre Kollegen hineinversetzen. Und diese Eigenschaften seien für Teams besonders wichtig. Jetzt setzen die Forscher noch eins drauf. Sogar für Online-Teams, in denen die einzelnen Mitglieder ausschließlich nonverbal kommunizieren und sich nicht einmal in die Augen sehen könnten, habe das seine Gültigkeit. Werden die Teams der Zukunft jetzt noch weiblicher?

Teams: Mischen bitte

Diversity ist ein echtes Buzzword der Wirtschaftswelt. Wer sich Diversity nicht ausdrücklich auf die Fahne schreibt, hat den Trend der Stunde eindeutig verpasst. Wenn man nun unter Diversity aber eine möglichst gleichmäßige Verteilung von männlichen und weiblichen Arbeitskräften versteht, dann sollte man sich das vielleicht noch mal überlegen.

Gemischte Teams sind nicht automatisch besser. Sie sind besser, wenn viele Frauen drin sind.

Das sagt Anita Woolley von der Tepper School of Business an der Carnegie Mellon sogar schon seit mehreren Jahren. Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Massachussetts Institute of Technology (M.I.T.) hat sie bereits einige Studien zur kollektiven Intelligenz veröffentlicht, verschiedene Testreihen mit ihren Probanden und Probandinnen durchgeführt, in denen ihnen Aufgaben wie logisches Denken, Brainstorming, Argumentation, Koordination und Planung abverlangt wurden.

Und dabei herausgefunden, dass erfolgreiche Teams im Wesentlichen von drei Eigenschaften abhängen ...

Die 3 wichtigsten Eigenschaften von guten Teams

  1. Die Beteiligung der einzelnen Mitglieder an den internen Diskussionen ist gleichmäßig verteilt. Es gibt also nicht ein oder zwei dominante Personen, keine Alphatiere oder Selbstdarsteller, die die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
  2. Die Mitglieder verfügen über eine hohe soziale, emotionale Intelligenz. Fest machten die Forscher dies am so genannten "Reading the Mind in the Eyes"-Test. Der Test misst, wie umfassend Menschen einem Gesicht, von dem einzig die Augen sichtbar sind, Emotionen zuordnen können.
  3. Das Team besteht zur Mehrheit aus Frauen. Tatsächlich schnitten die Teams mit einem Frauenüberschuss in den Tests besser ab als Teams mit einem Männerüberschuss. Unter anderem erklärt sich das wiederum dadurch, dass Frauen - siehe Punkt 2 - Emotionen besser lesen können.

Das bedeutet auch, dass sich die individuelle Stärke der einzelnen Teammitglieder nicht einfach addieren lässt. Teams, in denen die Mitglieder einen höheren Durchschnitts-IQ hatten, schnitten bei den Tests keinesfalls besser ab als jene mit einem niedrigen. Elf Genies ergeben keine Super-Mannschaft. Wichtiger ist, dass die Mitspieler zusammenpassen.

Gemischte Teams: Sogar online besser

Nun haben die Wissenschaftler vom MIT ihr Spielchen noch einmal fortgesetzt. Mit dieser Frage im Hinterkopf: Bestätigen sich unsere Ergebnisse, wenn die Teams nur online zusammenarbeiten und sich untereinander gar nicht in die Augen sehen können? Die überraschende Antwort: Ja.

Dabei teilten sie die Probanden in zwei Gruppen auf. Die eine musste ihre Teamfähigkeit bei physischer Präsenz, von Angesicht zu Angesicht, unter Beweis stellen. Die andere kommunizierte ausschließlich online, ohne Möglichkeit, die anderen zu sehen. Ein Experiment, dass angesichts moderner Kollaborations-Tools wie Skype oder Google Docs sicher relevant ist.

Was gute Teams auszeichnet, ist demnach nicht allein die Fähigkeit ihrer Mitglieder, Emotionen aus Gesichtern herauszulesen, sondern eine viel allgemeinere Befähigung zu erkennen, was andere Menschen gerade denken, wissen und glauben. Auch, wenn man von ihnen womöglich nur eine E-Mail zu sehen bekommt.

Was bedeutet das nun?

Wenn Sie nun vor der heiklen Aufgabe stehen, in Ihrem Unternehmen ein Team bauen zu müssen, dann könnten Ihnen die Einsichten der Psychologie durchaus dabei helfen. Das hier ist wichtig...

  • Ganz grundsätzlich: Die Zusammenstellung eines Teams wirkt sich enorm auf dessen Leistungen und Ergebnisse aus. Das gilt auch für reine Online-Teams.
  • Es ist nicht sinnvoll, einfach die klügsten Köpfe in eine gemeinsame Gruppe zu stecken in der Hoffnung, dieser Think Tank würde folgerichtig die besten Ergebnisse ausspucken.
  • Emotionale Intelligenz spielt eine überragende Rolle in der Teamarbeit.
  • Gemischte Teams sind besser als reine Frauen- und reine Männer-Teams.
  • Bis zu einem gewissen Grad gilt sogar: Je mehr Frauen im Team, desto besser.

Bevor Sie jetzt aber damit anfangen, die Männer aus Ihrer Abteilung hinauszukegeln: Tun Sie das nicht, behalten Sie wenigstens ein paar! Denn es gibt Einschränkungen. Zum Beispiel diese: Besteht ein Team nur aus Frauen, droht der positive Effekt wieder ins Gegenteil umzuschlagen.

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