Jobs 2016: Was sich für Arbeitnehmer ändert
Zum Jahreswechsel verteilt der Bund Wohltaten, während er auf der anderen Seite die Taschen aufhält. Arbeitnehmer können im Jahr 2016 mit höheren Löhnen, Zuschlägen und Steuerersparnissen rechnen, aber auch mit steigenden Sozialabgaben. Und: Die Frauenquote soll weiblichen Top-Kräften in diesem Jahr endlich den Weg nach ganz oben ebnen. Karrierebibel verschafft Ihnen einen Überblick: Das ändert sich im neuen Jahr.

2016: Freibeträge, Bafög, Kindergeld

Mit einem Lohnanstieg von 2,5 Prozent können Arbeitnehmer in diesem Jahr rechnen. Diese Prognose gab der oberste Wirtschaftsweise Christoph M. Schmidt in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse ab. Auch die Wirtschaft werde 2016 weiter wachsen, um voraussichtlich 1,7 Prozent. Fest darauf bauen kann man freilich nicht.

Auf höhere Freibeträge dagegen schon. Sie steigen im neuen Jahr und lassen Steuerpflichtigen mehr Geld im Portemonnaie. Auch verschiedene Transferleistungen werden erhöht - für Eltern, Studenten und Arbeitslose zum Beispiel. Andernorts müssen sich Arbeitnehmer auf höhere Belastungen gefasst machen, bei den Sozialbeiträgen etwa. Wir bringen Sie auf den neuesten Stand. Das ändert sich für Sie in diesem Jahr ...

Was sich 2016 ändert

  • Steuern

    Für alle Einkommenssteuerpflichtigen steigt der Grundfreibetrag um 180 Euro auf 8652 Euro. Erst ab diesem Betrag werden Einkommenssteuern fällig. Ein Steuerzahler mit einem Jahreseinkommen von rund 40.000 Euro hat nach Berechnungen von Finanztest ungefähr 92 Euro mehr in der Tasche. Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften steigt der Freibetrag auf 17.304 Euro.

    Zudem wird der Einkommenssteuertarif an die Preissteigerungsrate angepasst, um der kalten Progression entgegenzuwirken. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent schlägt damit nicht mehr ab einem Jahreseinkommen von 52.882 Euro zu Buche, sondern ab 53.666 Euro. Der Steuersatz für Reiche, die sogenannte Reichensteuer, wird nun ab einem Betrag von 254.447 Euro fällig. Ab dieser Grenze schlägt das Finanzamt mit 45 Prozent zu. 2015 betrug der Wert 250.731 Euro.

  • Kinder

    Für Familien bleibt 2016 mehr Geld in der Tasche. Der Kinderfreibetrag für Einkommenssteuerzahler steigt um 96 Euro auf 4608 Euro - 2304 Euro pro Elternteil. Letztes Jahr war die Erhöhung mit 144 Euro allerdings noch deutlich höher ausgefallen. Zudem wird das Kindergeld erhöht - um zwei Euro pro Monat. Für das erste und zweite Kind gibt es jetzt 190 Euro, für das dritte 196 Euro und für das vierte 221 Euro.

    Alleinerziehende und Elternpare mit geringem Einkommen können ab dem 1. Juli 2016 zudem mit einem höheren Kinderzuschlag rechnen - er steigt um 20 Euro auf 160 Euro pro Monat. Und: Wer schon während der Schule oder des Studiums ein Kind bekommt, erhält ab August 2016 einen Zuschlag für die Betreuung in Höhe von 130 Euro. Bislang waren es 113 Euro für das erste und 85 Euro für jedes weitere Kind.

  • Sozialabgaben

    Der Beitragssatz für die Rentenversicherung bleibt unangetastet, aber die Beitragsbemessungsgrenze steigt - im Westen von 6050 auf 6200 Euro und im Osten von 5200 auf 5400 Euro im Monat. Für Arbeitnehmer mit einem höherem Einkommen steigen deshalb die Belastungen.

    Die Krankenversicherung wird dagegen für (fast) alle Arbeitnehmer teurer. Zwei Drittel der gesetzlichen Kassen haben zum Jahreswechel ihre Beiträge erhöht - der durchschnittliche Kassenbeitrag liegt jetzt bei 15,7 Prozent. Den teuersten Tarif hat nach einer Auswertung der FAZ die BKK Viactiv mit 16.3 Prozent, am günstigsten ist die Metzinger BKK mit 14, 6 Prozent. Zudem steigt auch hier die Beitragsbemessungsgrenze, bis zu der aufs Gehalt Sozialabgaben gezahlt werden müssen - von 4125 Euro auf 4237,50 Euro.

  • Bafög

    Ab dem 1. August 2016 steigen die Bafög-Sätze um sieben Prozent. Studenten, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, können jetzt auf einen Förderhöchstsatz von 735 Euro kommen - das entspricht sogar einer Steigerung von 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Denn: Auch der Wohngeldzuschlag steigt - von 224 Euro auf 250 Euro.

    Da auch der Einkommensfreibetrag der Eltern um sieben Prozent angehoben wird, sind schätzungsweise 110.000 Studenten zusätzlich Bafög-berechtigt. Ebenfalls neu: Studenten können nun auch zwischen ihrem Bachelor-Abschluss und dem Beginn des Masterstudium staatliche Unterstützung beziehen. Und: Auch anerkannte und geduldete Flüchtlinge sind Bafög-berechtigt - jetzt schon nach 15 Monaten Aufenthalt, bislang betrug die Wartezeit vier Jahre.

  • Hartz IV

    Die Hartz IV-Sätze wurden zum Jahreswechsel neu an die Lohnentwicklung angepasst und steigen damit um ca. 1,25 Prozent. Das entspricht drei bis fünf Euro monatlich, die Leistungsempfänger nun mehr bekommen. Für Alleinstehende steigt der Regelsatz von 399 auf 404 Euro - aufs Jahr gerechnet sind das 60 Euro mehr.

    Mitglieder sogenannter Bedarfsgemeinschaften bekommen jetzt jeweils 364 Euro statt 360 Euro. Für Kinder bis zu sechs Jahren gibt es drei Euro mehr, die Leistungen steigen somit auf 237 Euro. Für Kinder zwischen sieben und 14 Jahren wird der Satz ebenfalls um drei Euro auf insgesamt 270 Euro erhöht.

  • Mindestlohn

    Seit dem 1. Januar 2015 hat jeder Beschäftigte in Deutschland Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde. Ausnahmen vom Mindestlohn gibt es nur für Langzeitarbeitslose, Praktikanten und Zeitungszusteller. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sind sich ausnahmsweise einig: Der Mindestlohn hat der deutschen Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt - bislang - nicht geschadet. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs brach nicht etwa ein, sondern wuchs im Gegenteil um fast 700.000, vor allem in Niedriglohnbranchen wie dem Gastgewerbe, der Zeitarbeit, Wachdiensten, Gebäudereinigung, Call Centern und im Sozialwesen. Mini-Jobs fielen dagegen in beträchtlicher Zahl weg.

    Und so geht es weiter: Bis zum 30. Juni 2016 gibt die Mindestlohn-Kommission, die aus Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertretern besteht, eine neue Empfehlung ab. Danach könnte der Mindestlohn zum 1. Januar 2017 auf neun oder gar zehn Euro steigen, wie es beispielsweise Verdi fordert. Dass er speziell für Flüchtlinge ausgesetzt wird, ist unwahrscheinlich - zu groß ist die Angst vor einem Verdrängungswettbewerb im Niedriglohnbereich.

  • Frauenquote

    Sie wurde zum 1. Januar 2016 durch das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen fest verankert. Betroffen sind davon allerdings nur rund 100 große Unternehmen. 3500 weitere sind verpflichtet, sich eigene Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und den obersten Management-Ebenen zu setzen. Ob die Quote einen Kulturwandel in den Unternehmen einleitet, wie Familienministerin Manuela Schwesig glaubt, ist fraglich. Dennoch: Für hochqualifizierte Frauen mit Ambitionen auf einen Top-Job haben sich die Perspektiven verbessert. Auch Headhunter sehen sich verstärkt nach fähigen Frauen um.

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