Elternzeit im Lebenslauf: Muster – nicht weglassen!

Nach der Babypause zurück in den Job – auf den Wiedereinstieg haben Eltern in Deutschland einen Rechtsanspruch. Was aber, wenn Sie nicht in den alten Job zurückwollen und sich woanders bewerben? Muss man dann die Elternzeit im Lebenslauf angeben oder nicht? Tipps und Beispiele, wie Sie die Elternzeit im Lebenslauf richtig angeben und was Sie dabei beachten müssen…

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Was ist Elternzeit? Ihre Rechte im Überblick

Elternzeit (auch: Babypause, Kinderpause) ist eine gesetzlich geregelte Auszeit vom Job, die es Müttern und Vätern ermöglicht, sich um ihr Kind zu kümmern. Während der Elternzeit ruht das Arbeitsverhältnis, der Arbeitsplatz bleibt jedoch rechtlich geschützt. Eine Kündigung ist nur in Ausnahmefällen erlaubt. Nach der Elternzeit besteht das Recht auf Rückkehr.

In Deutschland können Eltern bis zu 3 Jahre pro Kind Elternzeit nehmen. Diese kann flexibel gestaltet werden: Ein Teil kann direkt nach der Geburt, ein anderer bis zum 8. Geburtstag des Kindes genommen werden. Ein Gehalt gibt es während der Elternzeit in der Regel nicht, dafür können Eltern Elterngeld beantragen. Den Anspruch auf Elternzeit haben aber nur Angestellte, Selbstständige nicht.

Arbeitsrecht: Was vor der Rückkehr beachten?

Das Recht auf einen Wiedereinstieg nach der Babypause bezieht sich nur auf bisherige Arbeitszeiten und Gehalt, einen Anspruch auf exakt dieselbe Stelle haben Rückkehrer nicht. Es kann passieren, dass Sie eine andere, aber gleichwertige Stelle zugewiesen bekommen.

Nutzen Sie die Elternpause daher immer auch zur beruflichen Neuorientierung: Wollen Sie in den alten Job zurück – oder streben Sie einen Jobwechsel an? Erst im zweiten Fall ist eine Bewerbung nach der Elternzeit notwendig. Wir zeigen, wie Sie die Elternpause überzeugend im Lebenslauf nennen.

TIPP: Immer Zwischenzeugnis verlangen!

Lassen Sie sich vor Beginn der Elternzeit unbedingt ein Zwischenzeugnis ausstellen. Falls Sie nicht in den Job zurückkehren, können Sie sich damit woanders bewerben. Zusätzlich hat das Zwischenzeugnis juristische „Bindungswirkung“. Bedeutet: Falls Sie zum alten Arbeitgeber zurückkehren und einen neuen Chef bekommen, kann der Sie nicht einfach schlechter beurteilen als im Zwischenzeugnis.

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Muss ich die Elternzeit im Lebenslauf nennen?

Laut Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist die Angabe von privaten Daten freiwillig. Das gilt für die Elternzeit im Lebenslauf genauso wie für den Familienstand oder die Angabe von Kindern, deren Anzahl oder Alter.

Sie müssen die Elternzeit im Lebenslauf nicht angeben – sollten das aber tun! Gleich mehrere Gründe sprechen dafür, warum Sie die Elternzeit nicht weglassen sollten:

  • Lücken im Lebenslauf erklären

    Wenn Sie die Elternzeit nicht angeben, kann im Lebenslauf eine Lücke von bis zu 3 Jahren entstehen. Wird diese nicht erklärt, senkt das die Bewerbungschancen.

  • Soziale Kompetenzen entwickeln

    Betrachten Sie die Elternzeit als Gelegenheit, um wichtige Soft Skills zu entwickeln, etwa: Zeitmanagement, Stressresistenz oder Verantwortungsbewusstsein. Solche Fähigkeiten bringen Pluspunkte in der Bewerbung.

  • Arbeitgeberimage ausnutzen

    Inzwischen achten viele Unternehmen auf mehr Diversität in Teams und eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Diese Arbeitgeber sind nicht nur offener für Kandidaten mit Elternzeit im Lebenslauf, sondern bevorzugen sie sogar, um das Employer Branding zu stärken.

  • Keinen Kündigungsgrund riskieren

    Wer die Angaben im Lebenslauf frisiert, um die Elternzeit zu verschweigen, riskiert seinen Job. Falsche Angaben in der Bewerbung können noch Jahre später zu Abmahnung oder Kündigung führen.

Ausnahme: Liegt die Elternzeit schon mehr als 5 Jahre zurück, hat die Babypause kaum noch Relevanz für Arbeitgeber und kann weggelassen werden. In dem Fall erwähnen Sie die Auszeit nur, falls sonst eine Lücke entsteht. Pflicht ist die Angabe der Elternzeit im Lebenslauf oder Bewerbungsschreiben aber nie.

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Wie Elternzeit im Lebenslauf angeben?

Wenn Sie nach der Elternzeit eine Bewerbung schreiben, unterscheiden sich die Bewerbungsunterlagen zunächst überhaupt nicht. Sie benötigen dafür in jedem Fall ein Anschreiben und einen tabellarischen Lebenslauf. Bei „vollständigen“ Unterlagen kommen typische Anlagen, wie Zeugnisse, Zertifikate und Arbeitsproben dazu.

Für die Angabe der Elternzeit haben Sie im Lebenslauf zwei Optionen. Der Unterschied ist: Besteht das aktuelle Arbeitsverhältnis noch – oder sind Sie zurzeit arbeitslos? Je nachdem können Sie die Elternzeit unterschiedlich eintragen:

1. Elternzeit bei laufendem Arbeitsverhältnis

Besteht das aktuelle Arbeitsverhältnis noch, und Sie wollen sich auf einen anderen Job bewerben, wird die Elternzeit idealerweise im Abschnitt „Beruflicher Werdegang“ (oder: Berufserfahrungen) angegeben. Bitte keine Rubrik „Sonstiges“ nennen oder schaffen!

In dem Fall nennen Sie das aktuelle Beschäftigungsverhältnis wie gewohnt: Links der Zeitraum (Format: MM/JJJJ – heute); rechts die Angaben zum Job. Danach folgt der Hinweis: „Elternzeit seit MM/JJJJ“.

Sollten Sie während der Elternzeit in Teilzeit weitergearbeitet haben, erwähnen Sie das unbedingt zusammen mit Wochenstundenzahl! Sie zeigen so, dass Sie im Job aktiv geblieben sind. Gleiches gilt, wenn Sie sich in dieser Zeit weitergebildet haben: Erworbene Zertifikate auflisten!

Elternzeit im Lebenslauf Muster und Beispiel:

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Beachten Sie, dass Sie bei einer Bewerbung aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis etwaige Kündigungsfristen berücksichtigen müssen. Das kann den frühestmöglichen Eintrittstermin verzögern. Nennen Sie diesen zusätzlich im Anschreiben.

2. Elternzeit ohne bestehendes Arbeitsverhältnis

Sind Sie aktuell arbeitssuchend oder läuft ein befristeter Arbeitsvertrag während der Elternzeit aus, wird die Elternzeit zu einem eigenen Abschnitt im Lebenslauf. Den können Sie zum Beispiel mit „Familienphase“ oder „Elternzeit“ überschreiben.

Weil ein moderner Lebenslauf heute antichronologisch aufgebaut wird (= aktuelle Position zuerst), steht die Elternzeit nun ganz oben, über dem „Beruflichen Werdegang“. Um die Familienphase aufzuwerten, sollten Sie unbedingt wieder alle Aktivitäten angeben, die für die angestrebte Stelle relevant sind.

Elternzeit im Lebenslauf Muster und Beispiel:

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Tipp: Nennen Sie im Lebenslauf ebenso Hobbys und Ehrenämter. Auch diese belegen, dass Sie sich während der Elternzeit engagiert und persönlich weiterentwickelt haben.

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Wie detailliert sollte ich meine Elternzeit beschreiben?

Richtig kommuniziert und dargestellt, kann die Elternzeit Ihren Werdegang persönlicher und authentischer machen. Die Angaben dazu sollten jedoch stets kurz, klar und prägnant sein. Sie spielt schließlich nicht die Hauptrolle – das tun immer noch Ihre Qualifikationen und aktuellen Kompetenzen und Kenntnisse.

Vermeide Sie deshalb zu viele Details, um den Schwerpunkt im Lebenslauf nicht zu verlagern oder dessen Aussagekraft für Ihre Eignung zu reduzieren. In der Regel reichen dazu 2-3 kurze Sätze oder Stichworte.

Elternzeit im Lebenslauf richtig angeben

Folgende Angaben sollten bei der Erwähnung der Elternzeit im Lebenslauf immer machen:

  • Dauer
    Seit wann und wie lange sind Sie in Elternzeit?
  • Job
    Sind Sie aktuell angestellt oder arbeitssuchend?
  • Aktivität
    Fortbildungen oder Teilzeitarbeit (Stundenzahl)?
  • Skills
    Welche neuen Fähigkeiten brachte die Auszeit?
  • Einsatzfähigkeit
    Wie werden die Kinder betreut?

Lebenslauf Formatierung – Checkliste

Bei Aufbau, Layout und Formatierung Ihres Lebenslaufs sollten Sie stets folgenden Regeln beachten:

  • Länge: 1-3 DIN A4 Seiten
  • Seitenränder: links: 2,5cm, oben, unten, rechts: 2 cm
  • Schriftarten: max. 2 (Überschrift + Fließtext)
  • Schriftgröße Fließtext: 11-12 Punkt
  • Schriftgröße Überschriften: 13-15 Punkt
  • Zeilenabstand: 1 bis 1,5fach
  • Aufbau: tabellarisch
  • Zeitangaben: MM/JJJJ – MM/JJJJ
  • Reihenfolge: umgekehrt chronologisch
  • Inhalt: Stichpunkte, Aufgaben + Erfolge
  • Bewerbungsfoto: aktuell + professionell
  • Korrektur: Keine Rechtschreibfehler, keine Lügen!
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Wie überzeugen mit der Elternzeit? Tipps

Die Elternzeit ist im Grunde etwas völlig Normales. Entscheidend für Personaler ist bei der Bewerbung allerdings stets die Frage, ob und wie Sie die Elternpause genutzt haben:

  • Ist Ihr Know-how noch auf dem aktuellen Stand?
  • Sind Sie zeitlich flexibel und spontan belastbar?
  • Ist die Betreuung des Kindes gesichert?

Wollen Sie mit Ihrer Bewerbung nach der Elternzeit überzeugen, müssen Sie solche Fragen (indirekt) beantworten und Zweifel nachvollziehbar zerstreuen. Wir empfehlen hierfür folgende bewährte Tipps und Strategien:

1. Ich bin fachlich auf dem Laufenden!

Arbeitgeber befürchten, dass das Fachwissen und relevante Kompetenzen nach 3-jähriger Elternzeit veraltet sind. Das kann den Wiedereinstieg erschweren und die Einarbeitung verzögern. Beweisen Sie das Gegenteil, indem Sie zur Elternzeit im Lebenslauf relevante Fortbildungen angeben – zum Beispiel einen Sprachkurs oder Fach-Webinare. Ebenso Besuche auf wichtigen Messen und Kongressen. Hauptsache, Sie sind nicht stehengeblieben.

2. Ich besitze wertvolle Soft Skills!

Wer während der Elternzeit keine „harten“ Qualifikationen erwerben konnte, kann immer noch mit sozialen Kompetenzen punkten. Besonders überzeugend wirkt, wenn Sie diese in eigenen Projekten (mit Bezug zum angestrebten Job) oder durch Nebentätigkeiten belegen.

3. Die Kinderbetreuung ist gesichert!

Sollten Sie auf Ihre Bewerbung nach der Elternzeit regelmäßig Absagen bekommen, kann das an der Bewerbungsstrategie liegen – oder daran, dass Personaler Zweifel an der Betreuungssituation haben. In dem Fall können Sie im Schlusssatz des Anschreibens erwähnen, dass die Betreuung der Kinder gesichert ist und Sie sich voll auf die Arbeit konzentrieren können. Beispiel:

  • „PS: Betreuung von Emma, 3, durch die Großeltern und Kindertagesstätte von 7 bis 18 Uhr.“

Weitere Bedenken können Sie überdies immer noch im Bewerbungsgespräch zerstreuen.

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Fazit: Elternzeit angeben oder nicht?

Mit der Betreuung und Erziehung Ihrer Kinder leisten Sie einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Darauf dürfen Sie stolz sein. Es gibt keinen Grund die Elternzeit im Lebenslauf zu verschweigen oder zu verschleiern. Mehr noch: Oft stellt die Auszeit eine wichtige Reflexionsphase dar – und vielleicht den Auftakt zu einem Jobwechsel nach Elternzeit.

Entscheidend ist allein, dass Sie in der Bewerbung Ihre persönliche Weiterentwicklung deutlich machen und mögliche Bedenken aktiv zerstreuen, wenn Sie die Elternzeit im Lebenslauf aufführen. Ehrlichkeit ist zudem ein guter Filter! Wer will schon für ein familienfeindliches Unternehmen arbeiten? Indem Sie mit offenen Karten spielen, finden Sie viel eher einen „wahren“ Traumjob


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