Mediator Ausbildung: Lohnt sich das?

Sie lösen festgefahrene Konflikte, haben ein offenes Ohr für alle Konfliktparteien, analysieren und gleichen aus. Sie können Streitigkeiten beenden und solide Kompromisse finden. Die Rede ist von Mediatoren, hin und wieder auch Schlichter genannt, die als neutrale und unabhängige Experten Konflikte verkürzen können. Ihre Arbeit ist unbestreitbar wichtig, doch lohnt sich die Mediator Ausbildung auch als berufliche Perspektive?

Mediator Ausbildung: Lohnt sich das?

Mediator Ausbildung: Zahlreiche Varianten

Zwar gibt es durch das seit Juli 2012 geltende Mediationsgesetz einige Regeln, der Begriff des Mediators ist allerdings immer noch keine geschützte Berufsbezeichnung. Doch es gibt die Bezeichnung des „zertifizierten Mediators“, für die einige Anforderungen gelten. Inhalte der Ausbildung zum zertifizierten Mediator sind unter anderem:

  • Grundlagen der Mediation
  • Phasen der Mediation
  • Grundlagen der Verhandlungsanalyse
  • Visualisierungs- und Moderationstechniken
  • Erkennen von Konfliktdynamiken
  • Rechtliche Rahmenbedingungen und Grenzen

Eine Ausbildung zum zertifizierten Mediator umfasst laut Gesetzt mindestens 120 Stunden Unterrichts- oder Ausbildungszeit. Diese Eingrenzung ist wichtig, variieren die verschiedenen Mediator Ausbildungen doch zwischen 50 und 300 Stunden Umfang. In Deutschland bieten aktuell mehr als 100 Bildungsträger entsprechende Ausbildungen – in Vollzeit oder berufsbegleitend – an.

Meist wird die Mediator Ausbildung als Ergänzung zu einer bestehenden Berufsausbildung gesehen und absolviert. Hier sind vor allem Berufsgruppen im Vorteil, die bereits mit Verhandlungsführung, Leitungsaufgaben oder Konfliktmoderation zu tun haben. Dazu zählen beispielsweise soziale und psychologische Berufe. Ein solcher Beruf ist jedoch nicht zwingend erforderlich, auch langjährige Berufserfahrung – vorzugsweise in Leitungsfunktionen oder mit HR-Aufgaben – können eine solide Basis für die Mediator Ausbildung darstellen.

Grundsätzlich ist eine Ausbildung zum Mediator auch ohne eine anderweitige Berufsausbildung möglich. Unternehmen und potenzielle Auftraggeber könnten dann jedoch die Kompetenz und persönliche Eignung eines Mediators in Frage stellen, da bei Mediatoren die individuelle (Berufs)Erfahrung eine große Rolle spielt.

Die Kosten für eine Mediator Ausbildung liegen in der Regel zwischen 2.000 und 8.000 Euro. Die große Bandbreite ergibt sich nicht nur unterschiedlichen Inhalten und Umfängen, sondern auch aus den Gruppengrößen in der Ausbildung. Manche Bildungsträger führen die Mediator Ausbildung in Gruppen von 10 Personen durch, während andere auf deutlich größere Ausbildungsgruppen setzen.

Bundesverbände für Mediatoren

Bundesverbände für MediatorenWie in anderen Branchen gibt es auch für Mediatoren zahlreichen Verbände. Angefangen vom Bundesverband Mediation e.V. über den Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelten e.V. bis hin zur Deutschen Gesellschaft für Mediation – um nur einige zu nennen – reicht das Spektrum.

Für Sie als angehender Mediator sind diese Verbände aus mehreren Gründen interessant:

  • Jeder Verband stellt aus seiner Sicht dar, was eine gute Mediator Ausbildung ausmacht. Die Kriterien unterscheiden sich zwar, es gibt jedoch Schnittmengen, die Ihnen bei der Beurteilung von Ausbildungen helfen können.
  • Die Verbände verfügen, in verschiedenen Branchen, über gut ausgebaute Netzwerke und können den Arbeitseinstieg erleichtern. Sie sollten allerdings im Vorfeld prüfen, welcher Verband für Ihre Branche relevant ist.
  • Über die Verbände können Sie mit anderen Mediatoren in Kontakt treten und sich fachlich austauschen. Gerade für frisch gebackene Mediatoren sind Erfahrungen anderer wichtige Lernmöglichkeiten.

Selbst wenn Sie von Verbänden normalerweise nicht allzu angetan sind, sollten Sie sich bei der Suche nach einer Ausbildung zum Mediator und vor dem Berufseinstieg mit den Bundesverbänden befassen und diese nutzen.

Mediator Ausbildung: Lohnt sich das?

Noch vor wenigen Jahren wurde eine Mediatoren eine rosige Zukunft mit mehr als genug Arbeit bescheinigt. Das lag auch an medienwirksamen Schlichtungen, beispielsweise im Fall des Bauprojekts Stuttgart 21, die den Bedarf an professioneller Mediation in solchen Konflikten sichtbar machten.

Heute sieht die Lage jedoch ein wenig anders aus. Zwar setze eine wachsende Zahl an Unternehmen Mediatoren ein, doch der Bedarf ist längst nicht so groß, wie prognostiziert. Bei öffentlichen Projekten kommen Mediatoren durchaus zum Einsatz, doch in Unternehmen werden Konflikte meist intern gelöst. Mediatoren kommen zum Einsatz, wenn…

  • Unternehmen Personal abbauen und sich umstrukturieren.
  • Gewerkschaften und Unternehmen in Konflikt geraten.
  • sich dadurch arbeitsrechtliche Schritte vermeiden lassen.
  • Konflikte auf Führungsebene oder im Führungskreis entstehen.

Außerhalb von Unternehmen kommen Mediatoren in Schulen und Jugendeinrichtungen, bei familiären Problemen, als Alternative zu Gerichtsverfahren und ähnlichen Situationen zum Einsatz. Potenzielle Kunden und Auftraggeber gibt es also durchaus.

Damit sich die Mediator Ausbildung für Sie lohnt und Ihnen tatsächlich Aufträge bringt, sind Ihre Erfahrung und Ihr Profil jedoch entscheidend. Nur wenn Sie als kompetenter und erfahrener Ansprechpartner wahrgenommen werden, werden Sie auch als Mediator ernstgenommen. Es ist daher entscheidend, bereits vor und während der Ausbildung ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen. Dann kann sich die Mediator Ausbildung auch lohnen.

Das könnte Sie auch interessieren:

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]
24. Oktober 2015 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!